Sonntag, 18. November 2012

Keine verbundenen Blogger

Bisher habe ich immer gedacht: Der versteht sein Handwerk. Die Rede ist von Frank, ein Jurist, der mit uns in unserer WG wohnt. Der unser Wohnprojekt mit gegründet hat, der Maria aus ihrem Heim geboxt hat, der den rechtlichen und organisatorischen Rahmen für Ronjas Arbeit in unserem Haus geschaffen hat, der meinen Führerschein vor einer zu gierigen Behörde gerettet hat ... die Aufzählung der Dinge, die er anfasst und zu einem guten Ergebnis bringt, ist lang.

Inzwischen bin ich überzeugt, dass er nicht nur sein Handwerk versteht, sondern darüber hinaus noch mindestens ein goldenes Händchen hat. Falls ich es nicht sowieso schon wusste, komme ich zu diesem Schluss spätestens nach einem ziemlich ernüchternden heutigen Nachmittag. Ich hatte mich im Mai, nicht auf meine Initiative, aber am Ende dennoch überzeugt, mit einigen wenigen Hamburger Bloggerinnen und Bloggern getroffen. Sechs waren es insgesamt, darunter unter anderem ein Schausteller, der über sein Leben auf Volksfesten gebloggt hat, eine Ärztin aus der Notaufnahme eines Kinderkrankenhauses, eine Frau mit einer chronischen Erkrankung und ein Autofreak.

Damals haben wir beschlossen, uns zu vernetzen und gemeinsam unsere Interessen zu vertreten. Nicht ausschließlich (im Sinne eines Managements), sondern ergänzend, insbesondere was politische und rechtliche Fragen angeht; auch ein regelmäßiger Austausch, gegenseitige Unterstützung oder nur schlichte Meinungsbildung waren angedacht. Im Sinne einer Nachwuchsarbeit hätten wir uns Workshops gewünscht; nicht jeder kann sofort bloggen, vielleicht aber umso besser nach einigen einführenden Tipps.

Nach langem Hin und Her haben wir heute beschlossen, das alles wieder aufzugeben. Zu komplex und zu wenig flexibel die Organisation, zu schwierig die Aufgabe. Vorerst. Aber vielleicht bestimmt ergibt sich da in Zukunft noch eine andere Möglichkeit. Eigentlich muss es doch möglich sein.

Kommentare :

Dennis hat gesagt…

Hallo Jule,

auch wenn es mit dem Verein nicht geklappt hat, hast Du bestimmt auch viel Positives gelernt und neue Bekanntschaften gemacht (bzw. Freunde gefunden). Auch ohne einen Verein könnt Ihr Euch doch untereinander trotzdem weiter helfen und unterstützen.

Liebe Grüße
Dennis

Michael hat gesagt…

Jaja, die Juristen beraten, aber es ist (leider) nicht selbstverstaendlich, dass sie sich auch persoenlich fuer die Belange ihrer Klienten einsetzen. Insbesondere, wenn der Einsatz hoechstwahrscheinlich ueber das juristische Handwerkszeug hinausgeht, und der Jurist wohl Hand anlegen muss, indem er mal auf vollkommen nicht-juristischer Ebene mit den jeweiligen Sachbearbeitern am Finanzamt sprechen muss, um doch eine positive Bestaetigung zu bekommen. Und wenn man von Juristen verlangt, ein Ziel mit nicht-juristischen Mitteln zu loesen, dann verzweifeln viele gleich im Ansatz. Das Gesetz ist immer so eine schoene Sache, an der man sich festhalten kann, und sich dann nicht mit den vielen Inkonsistenzen des Lebens auseinander zu setzen.

Ich mag' Juristen - wirklich! Ich habe einen riesigen Respekt vor ihnen. Aber wer ein genaues Verstaendnis der Rechtsmaterie hat, dem wird wohl ungekehrt auch unwohl, wenn er ploetzlich mal auf ganz menschlicher Ebene beeinflussen muss, um bestimmte Ziele zu erreichen.

Dein Frank ist glaube ich wirklich die grosse Ausnahme.

Olli hat gesagt…

Meiner Erfahrung nach gehört es zum sehr guten Juristen auch, schnell zu erkennen, was er kann und was nicht und im letzteren Fall, optimalerweise aus einem persönlichen Netzwerk, einen für den Fall fitteren Kollegen zu empfehlen.
So ist ein Schulfreund bspw. Anwalt, aber fast nur für gewerliche Mandanten, dennoch brauche ich als privater ihn öfters, aber stets nur für eine gute Empfehlung. Hat bisher immer gefruchtet und die Treffen mit Essenseinladung als Dank für ihn waren auch immer doll.
Mögen die gknüpften Kontakte zu den anderen Bloggern Dir dann anders nutzen.