Samstag, 3. November 2012

Wer was sagen will, muss aufstehen

Ich will mich hier ja nicht zur Moralapostola aufspielen, möchte aber dennoch erwähnen, dass es in meiner Umwelt einige Menschen gibt, die extrem schlechtes Benehmen haben, das vermutlich noch nicht einmal merken - und sich dabei auch noch cool vorkommen. Ich bin wirklich erschrocken.

Die Rede ist von meinem Sportverein, über den ich ja schon ein paar Mal geschrieben habe. Dass sich dort einige Chaoten tummeln, die mit intrigantem Verhalten und Mobbing auf sich andere aufmerksam machen, hatte ich ja schon mehrmals erwähnt. Die gestrige Mitgliederversammlung schoss jedoch mal wieder den Vogel ab. Das ging so weit, dass wir uns mit unserer Triathlongruppe inzwischen ernsthaft überlegen, eine andere Bleibe zu suchen.

Dazu muss, weil etliche Cheeseburger Hamburger mitlesen und falsche Schlüsse ziehen könnten, erwähnt werden, dass es nicht um den Verein geht, über den die meisten von uns ihre Sport- und Startlizenzen haben, sondern um den, der unsere Trainingsmöglichkeiten stellt.

Weil gerade Paratriathlon sehr teuer ist, sind unsere Trainingsmöglichkeiten bei einem großen Hamburger Verein angesiedelt, der eine Triathlonabteilung hat und diese quasi um ein paar Rollifahrer vergrößert hat. Dieser Verein möchte aber aus Kosten- und Strukturgründen nicht in den Behindertensportverbänden und -fachverbänden für eine handvoll Sportler teuer Mitglied werden.

Unsere Sport- und Startlizenzen haben wir daher im Rahmen einer Kooperation über einen anderen Sportverein, der noch wesentlich größer ist als unser Trainingsverein, selbst Sport für Menschen mit Behinderungen anbietet, und in dem Zusammenhang sowieso Mitglied in den ganzen Behindertensportverbänden und -fachverbänden ist. Dieser möchte jedoch -wiederum aus Kostengründen- keine eigene Paratriathlon-Abteilung unterhalten.

So trainieren wir bei einem Verein und starten für einen anderen. Das hat bisher immer reibungslos geklappt - nur dass in dem Trainingsverein eben einige Leute ein Rad ab haben, und zwar so extrem, wie man es sonst eigentlich nur von Rollstuhlfahrern kennt, die ihre Steckachse nicht ordentlich verriegelt haben.

Der neueste Eklat in einer Reihe skandalöser Vorgänge, ich glaube, das beschreibt es ganz richtig, war der gestrige Angriff auf den Kassierer des Vereins. Ein Typ, um die 40, verwaltet sechsstellige Summen pro Jahr im Ehrenamt, macht alle Buchungen selbst, kümmert sich um alles, einschließlich Personalverträge, Gehaltsbuchhaltung, Arbeitgeberpflichten, Steuern - hat also kein hauptamtliches Personal, auf das er zurückgreifen kann - und hat, wie ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer, der auf Verlangen einiger Stinkstiefel zusätzlich zum Bericht der Kassenprüfer ein schriftliches Gutachten abgab und gestern noch für Fragen vor Ort war, absolut korrekt gearbeitet. Alle Unterlagen standen auf dem Tisch, er hat auf alle Fragen bereitwillig geantwortet und ich habe zu keinem Zeitpunkt den Eindruck gehabt, er hätte irgendeinen Mist mit unserem Geld gemacht. Im Gegenteil, ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass er immer wieder ermahnt hat, an bestimmten Stellen Kosten zu sparen, damit die vorhandenen Gelder gerecht verteilt werden können...

Kurzum: Da fragt doch jemand von den etwa 130 Anwesenden, wieviel Geld er auf sein privates Girokonto überwiesen hätte. Er antwortet: Keinen Cent. Er habe keinerlei Auslagen abgerechnet, obwohl sie ihm eigentlich zugestanden hätten, denn er habe etliche Telefonate auch vom privaten Handy geführt ... aber es mache sich immer schlecht, wenn ein Kassierer sich selbst Geld überweise, auch wenn es seine Richtigkeit hätte und vom Vorsitzenden freigezeichnet worden wäre.

Zweite Frage: Wieviel Geld sei bar entnommen worden? Hier kommt als Antwort eine fünfstellige Summe mit Verweis auf die an die Wand geworfenen Zahlen. Die Barsumme sei jedoch durch Rechnungen belegt. Hintergrund sei, dass bei vielen Wettkämpfen die Kampfgerichte und Ordner bar gegen Rechnung bezahlt werden müssten, gerade wenn es sich um externe Leute handele. Das ergebe sich aus den Regularien der Verbände. Auch hätten viele Trainer ihre Auslagen bei auswärtigen Wettkämpfen (zum Beispiel Hotelkosten für das ganze Team) entweder als abzurechnender Barvorschuss oder am Tag nach dem Wettkampf im Vereinsbüro bar erhalten.

Wie dem auch sei: Es gibt für alles Belege und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich froh bin, dass derjenige das macht und man sich immer darauf verlassen kann, dass alles finanzielle sofort und unbürokratisch geregelt wird. Und vielen anderen geht es genau so. Und insofern bin ich einfach nur stinksauer, wenn die abschließende Aufforderung einzelner Idioten, seine privaten Kontoauszüge öffentlich auf den Tisch zu legen, dazu geführt hat, dass der Kassierer (nicht nur diese Forderung zurückgewiesen, sondern auch) angekündigt hat, am Ende der Saison sein Amt niederzulegen. Bravo. Verstehen kann ich ihn.

Ich muss erwähnen, dass sich etliche aufgeregt und auch ihrem Ärger vor Ort Luft gemacht haben. Aber eben nur durch Zwischenrufe, nicht durch Wortbeiträge. Der Vorstand hat auch einiges dazu gesagt. Und diejenigen, die dort den Auslöser für diese schlechte Stimmung gesetzt haben, haben sich nur unflätig auf die Bank gelümmelt, permanent gegrinst und auf Fragen immer nur mit "unser gutes Recht", "beantworte ich nicht" oder dummen Sprüchen rausgegeben.

Ich hasse es, vor vielen (unbekannten) Menschen zu sprechen, aber noch mehr hasse ich es, wenn ich zugucken muss, wie Menschen ungerecht behandelt werden. Und da wieder niemand sonst genug Arsch in der Hose hatte, habe ich mich dann zu Wort gemeldet und gesagt, dass ich nur positive Erfahrungen mit dem Kassierer gemacht habe und es "befremdlich finde, wenn durch rhetorische Fragen und haltlose Unterstellungen gegen Menschen, die ihre Freizeit dafür opfern, dass wir alle Sport machen können, Stunk gemacht wird. Wenn es konkrete Vorwürfe gibt, dann soll man die erheben. Aber hier wird nach vorbildlich getaner Arbeit unterschwellig der Eindruck erweckt, hier stimme etwas nicht, obwohl das Gegenteil gerade durch ein Gutachten bestätigt worden ist. Ich habe den Eindruck, hier wollen sich einige Leute wichtig tun, und das finde ich widerlich."

Ohne zu stottern, mich zu verhaspeln oder sonstwas. Wenigstens zum Klatschen hatten die anderen Leute genügend Mumm, tosender Beifall. Und den Spruch: "Wer was sagen will, muss aufstehen!" zu Beginn aus der Ecke der Stimmungsmacher habe ich gekonnt überhört, ohne mich provozieren zu lassen. Daraufhin sagte der Vorsitzende: "So, zum Thema 'Aufstehen': Wie Sie sehen, sitzt die Dame in einem Rollstuhl. Herr ..., ich erteile Ihnen hiermit einen Ordnungsruf, der ins Protokoll aufgenommen wird. Ich tue das sehr ungern, weil ich denke, wir alle verfolgen hier dieselben Ziele und müssten uns eigentlich gegenseitig unterstützen. Aber beim nächsten Ordnungsruf fliegen Sie raus. Haben Sie mich verstanden?"

Der Typ stand auf und sagte mit einem Grinsen im Gesicht: "Entschuldigung, Herr Vorsitzender, das habe ich von hier hinten nicht gesehen. In einem Sportverein kann man davon ja auch nicht unbedingt ausgehen." - "Sollten Sie aber. Ich ermahne Sie jetzt ein letztes Mal, sich hier angemessen zu benehmen. Außerdem ist Ihre Entschuldigung wertlos, wenn sie an mich gerichtet ist. Bei der jungen Dame sollten Sie sich entschuldigen."

Daraufhin stand er nochmal auf, verbeugte sich mit einem Grinsen im Gesicht in meine Richtung und sagte: "Ich entschuldige mich in aller Form." - Woraufhin ich geantwortet habe: "Du kannst mich mal", und prompt auch nochmal offiziell ermahnt wurde. Das war es mir aber wert. Ich habe mir jedes weitere Wort verkniffen und drei Minuten später die Veranstaltung vorzeitig verlassen. Wie gesagt, ich bin (auch!) dafür, dass wir Rollifahrer uns einen anderen Verein suchen. Auf meinen Sport möchte ich auf keinen Fall verzichten.

Kommentare :

Dennis hat gesagt…

Hallo Jule,
es ist sehr traurig, dass eine kleine Gruppe von Mitgliedern so einen Stress in Deinen Sportverein bringen. Es ist verständlich, dass Eurer Kassierer das Amt niederlegen wird. Die erwähnten Fragen sind schon ziemlich dreist, da kann man es Eurem Kassierer nicht übelnehmen.
Vielleicht solltet Ihr doch versuchen in dem Verein unterzukommen, von dem Ihr die Lizenzen erhalten habt.

Liebe Grüße
Dennis

MichiK hat gesagt…

Tja, solches Klientel findet man in Vereinen oder auch in politischen Parteien ziemlich häufig. Oft ist es dann noch so, dass solche Miesmacher plötzlich ganz still und klein werden, wenn es darum geht, sich selbst auch wirklich zu engagieren. Habe ich selbst auch schon mehr als einmal gesehen.

Insofern ist es nur konsequent vom Kassierer, hinzuschmeißen. Niemand zwingt ihn zu dem Job und wenn sein Engagement nicht geschätzt wird, warum sollte er sich dann motiviert fühlen, das weiter zu machen? "Wenn ich in euren Augen für den Job nicht geeignet bin, dann macht es halt besser" ist die einzig sinnvolle Einstellung in so einem Fall. Schade ist es natürlich, wenn durch solche Geschichten allen der Spaß an der Sache verdorben wird, aber anders lernen es die Miesmacher nicht (wenn überhaupt).

Asinello hat gesagt…

"Was ich selber denk und tu,
das trau ich allen Andren zu."


Wenn sich in einem Verein eine Clique von Scharfmachern bildet, um einen offenbar untadeligen Kassenwart zu schassen, ist für friedliebende Teamworker der Moment gekommen, entweder diese Machenschaft umgehend zu beenden (und damit endlich auf ein paar Stänker im Verein zu verzichten) oder sich selbst ein harmonischeres Umfeld zu suchen. Dann nämlich streben ein paar Figuren einfach nur nach Macht, und der eigentliche Sinn des Vereins ist ihnen herzlich egal. Wo diese Sorte mit ihren Spielchen durchkommt, ist es um den Vereinsfrieden bald geschehen und die eigentlichen Vereinsziele werden dank ständiger Reibereien bald vernachlässigt.
Ich hätte da ebenfalls die Klappe aufgemacht. Vermutlich hätte ich mir an derselben Stelle ebenfalls einen Ordnungsruf eingehandelt. Und ich würde mich ebenfalls umschauen, wo sich ein Verein findet, der seiner (und meiner) Sache besser verpflichtet ist als internen Wichtigtuereien. Also wirklich, Leute gibt's...

Mal davon abgesehen, dass Du im jetzigen Verein nun ein paar Feinde hast, deren Gewissenslage und Vorgehensweise Du bereits beobachten durftest - es gibt einfach Leute, in deren Nähe es definitiv nicht duftet. Wo sich eine Begegnung mit Solchen nicht vermeiden lässt, suche ich (Asinello) mir lieber Orte, wo ich angenehmere Gesellschaft finde.

Michael hat gesagt…

Hatten wir nicht gerade die Diskussion, ob es Dir auch gelingen wuerde, dass andere vor Dir Respekt haben? Dem Applaus zu urteilen scheint das gut zu klappen ...

Freut mich, dass Du den ganzen Mist nicht einfach in Dich hineinfrisst, sondern auch aktiv etwas dagegen unternimmst, wenn Dir etwas stinkt.

Anonym hat gesagt…

Wieso wirst du ermahnt, wenn du eine Entschuldigung nicht annimmst? Es bleibt doch dir überlassen, ob du ihm verzeihst oder nicht. Ich hätte auch nichts drauf gegeben.

Jule hat gesagt…

Die Ermahnung hatte damit zu tun, dass ich statt "Ich nehme deine Entschuldigung nicht an!" gesagt habe: "Du kannst mich mal."

Da war Stinkesocke ungezogen, und das gehört sich halt nicht.

Dennis hat gesagt…

Hallo Jule,

Deine Reaktion ist aber verständlich. Wer sich so benimmt und die Entschuldigung wahrscheinlich nicht mal ernst meint, sollte nicht erwarten, dass es eine höffliche Antwort gibt.

Liebe Grüße
Dennis

Anonym hat gesagt…

Verständlich hin oder her, sie hätte auch sagen können, dass sie auf nicht ernst gemeinte und stumpf daher gesagte Floskeln nicht reagieren möchte, ohne ihn damit zu beleidigen. Möglicherweise hätte er sich dann bekennen müssen, ob er das ernst meint oder nicht.

Arschlecken ist nie positiv, wenn auch nur angedeutet.

Michael R. hat gesagt…

Wer austeilt, muss auch einstecken können! Der Typ teilt aus, Jule sagt dazu etwas sachliches, der Typ teilt wieder aus und diskriminiert sie (sogar zwei Mal), er wird verwarnt, der Typ wird aufgefordert sich zu entschuldigen - und er macht es schon wieder mit einem blöden Grinsen, also ohne jeden Ernst?

Sorry, sowas muss man sich nicht gefallen lassen. Arschlecken hat sie nicht gesagt, man könnte auch Gernhaben gemeint haben.

Der Typ stört das ganze Miteinander erheblich. Braucht man den wirklich im Verein? Will man den dort drin haben?!

Daniela hat gesagt…

Ja, ja, das Vereinsleben, als Vorstandsmitglied, Kassierer und Trainerin in einem Hundesportverein könnte ich darüber ein Buch schreiben.

Selten wird die ehrenamtliche Vereinsarbeit von den Vereinskollegen wirklich wert geschätzt, da sich wahrscheinlich keiner wirklich vorstellen kann, was man an Zeit, Energie und nicht zuletzt Geld investiert.

Der Angriff, der da allerdings auf Euren Kassierer geschossen wurde, ist wirklich heftig und ich kann gut verstehen, daß dieser die Nase voll hat und sein Amt nieder legt. Schade daran ist, daß wirklich gute und engagierte Leute so vergrault werden.

Ich drücke mal die Daumen, daß ihr vielleicht einen anderen Verein findet, aber ich kann Euch nicht viel Hoffnung machen, das es dort anders sein wird, denn solche Menschen, die sich einen Spaß daraus machen, Andere, die sich engagiert einbringen, schlecht zu machen, gibt es leider so ziemlich in jedem Verein, so meine Erfahrung der letzten Jahre.

LG
Daniela

Anonym hat gesagt…

ultra gut von dir Jule, dass du so mutig bist!!

Leider muss man sich in Vereinen häufig mit solchen Idioten rumschlagen, die es schaffen, die ganze Atmosphäre kaputt zu machen...

Banane hat gesagt…

In einer solchen Situation hätte eigentlich der Vorsitzende des Vereins aktiv werden müssen und den Querulanten klar und deutlich zu verstehen geben müssen, dass sie ab sofort entweder derartige Unterstellungen unterlassen oder ansonsten eben im Verein nicht mehr erwünscht sind.
Mein einer Verein hat zum Glück einen solchen Vorsitzenden, der normalerweise ein super netter Typ ist, aber der, wenn nötig, auch knallhart sein kann und solche Dinge sofort im Keim erstickt.

Kritik und Diskussionen sind bei solchen Sitzungen teilweise wirklich sinnvoll und wichtig, weil in Vereinen eben nicht immer alles perfekt läuft und es oft sehr eingefahrene, verkrustete Strukturen gibt, die auch mal hinterfragt werden sollten.
Ungerechtfertigte Unterstellungen gegenüber Leuten, die sich für den Verein ehrenamtlich den Arsch aufreißen, haben in einem Verein dagegen nun wirklich keinen Platz. - Denn wenn man so etwas duldet und nicht schnellstmöglich unterbindet, verlieren die engagierten Mitglieder die Lust daran, sich weiterhin für den Verein einzusetzen und damit ist der Verein am Ende.

Von daher halte ich es für sinnvoll, nach einem anderen Verein zu suchen, wenn dieser Verein gerade vor die Hunde geht, weil derart destruktive Umtriebe geduldet werden.

Gruß
Banane

Michi hat gesagt…

Spätestens bei der "Entschuldigung" an dich hätte der Vorstand meiner Meinung nach den Typen zuerst von der Versammlung und anschließend aus dem Verein entfernen sollen. Es kann doch nicht angehen, dass man mit solch unmöglichem Verhalten einerseits den tadellos arbeitenden Kassenwart aus dem Amt ekelt und andererseits bis auf einen (vermutlich folgenlosen?) Ordnungsruf nichts zu befürchten hat.

Wenn der Vorfall keine Konsequenzen hat, ist es nur folgerichtig, sich einen anderen Verein zu suchen.

Asinello hat gesagt…

Anscheinend ist es nicht so bekannt, wie ich glaubte: "Ich entschuldige mich in aller Form" ist keine Entschuldigung, sondern eine sichtbar hohle Floskel. Sie steht für: "Ich finde nicht, dass ich mich entschuldigen sollte, wünsche aber nicht kritisiert zu werden. Daher wahre ich hier offiziell die Form."
Man benennt kein eigenes Fehlverhalten, man zeigt keinerlei Reue, man sagt nicht: "das habe ich nicht gewollt, das tut mir leid", und man bittet nicht um Verzeihung. Man entschuldigt sich praktischerweise gleich selbst.
Der ausgesprochene Hinweis auf die Form ist der Hinweis auf unausgesprochenen Protest. Pflicht getan, fertig, lasst mich in Ruhe. Das Ganze ist ein einseitiger Akt. Da ist nichts, das die betroffene Partei annehmen oder vergeben könnte.

In der geschilderten Situation ist die Formulierung eine zusätzliche Unverschämtheit, die Jule zum dritten mal beleidigt. Der dabei dargebotene Gesichtsausdruck (vermutlich als süffisantes Lächeln gemeint) markiert für mich den Unterschied zwischen einem Antlitz und einem Backpfeiffengesicht.

Es ist nicht eben leicht, auf so etwas stilvoll zu reagieren.

Sicher wäre es fein gewesen, die Worte mit hochgezogener Braue entgegenzunehmen und schweigend das Gesicht vom Sprecher abzuwenden. Ein Atemzug bei gesenktem Blick sagt dann deutlich genug, dass eine zivisierte Antwort nicht möglich ist und auf weiteren Kontakt dankend verzichtet wird.

Das ist dann besonders schwer, wenn man eh gerade auf 180 ist und zusätzlich aufgeregt vom öffentlichen Reden. Ich weiß nicht, ob ich das in der Situation hinbekommen hätte.

Eine ebenso formelle Form für "Du kannst mich mal" wäre: "Das nehme ich so zur Kenntnis." Diese Antwort kommt der anderen Seite keinen Millimeter entgegen, bleibt ihr allerdings eine deutliche Antwort nicht schuldig.

Meinen Ordnungsruf hätte ich mir in der Situation verdient, weil ich mir wohl nicht verkniffen hätte, ebenfalls ein Backpfeiffengesicht aufzusetzen und die formelle Entgegnung zum eindeutigen Klang von "Du kannst mich mal" zu aufzusagen.
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Leider kann ich Daniela (und der nachfolgenden Anonymaus) nur zustimmen: Ab einer gewissen Größe zieht praktisch jeder Verein eine ganze Menagerie von Unsympathisanthen geradezu magisch an. Ein vernünftiger Umgang, wie Banane ihn beschreibt, ist eher selten: Nicht jeder Verein hat genug Mitglieder mit Führungsqualitäten, die sich breitschlagen lassen, den ganzen Vorstandsstress auf sich zu nehmen. Davon habe ich inzwischen genug gesehen und erlebt, um meine Wege außerhalb von Vereinen zu gehen.

ednong hat gesagt…

Abgesehen davon, dass du eine Entschuldigung nicht annehmen kannst, sondern er nur darum bitten kann, dass - aber das hatte ich ja schon mal geschrieben ;)

Das Verhalten des Kassierers ist verständlich. Vielleicht läßt er sich ja durch gutes Zureden noch umstimmen - denn die Übelmacher werden das Amt nicht übernehmen, sondern eher austreten. Oder sich beschweren, dass das jetzt noch schlechter läuft.

Ich gebe dir Recht - man muß aufstehen, wenn man etwas sagen will oder zu sagen hat. Wobei das Aufstehen halt im übertragenen Sinne zu verstehen ist und es gut ist, dass du es gemacht hast. Leider läßt so etwas in vielen Vereinen nach und es wird meistens alles nur irgendwie abgenickt.

Ich hoffe, ihr findet einen netteren Verein zum Trainieren - oder werdet solche Trottel los.