Freitag, 4. Januar 2013

Lutscherpost

Schon mehrmals habe ich über das Bloggerprojekt berichtet, dem Versuch, möglichst viele Bloggerinnen und Blogger zu finden, die von einer Behinderung oder einer chronischen Krankheit betroffen sind (oder im engeren Freundeskreis oder in der Familie oder Partnerschaft etc. regelmäßig mit dem Thema "Behinderung" konfrontiert sind). Dabei geht es nicht darum, dass nun zwingend über diese Behinderung gebloggt wird. Es geht vielmehr darum, sich gegenseitig zu unterstützen, voneinander zu profitieren und vor allem auch andere Menschen mit Behinderung zum Bloggen zu bewegen, auch nicht zwingend über ihre Behinderung - aber ich finde es eben sehr wichtig, dass man sich nicht ein-igelt und sich selbst reflektiert und anderen Menschen die Chance gibt, einander zu verstehen. Dafür ist ein öffentlicher Blog ideal. Finde ich. Und wenn es darüber hinaus noch Menschen gibt, die das Projekt toll finden und es unterstützen, können eigentlich alle nur gewinnen.

Lange haben wir über einen Namen für die besagte Organisation nachgedacht. Wir haben uns sehr schwer getan. Am Ende stimmte die Mehrheit für eine bewusst provozierende Alliteration mit drei "B", nämlich dem "Bund behinderter Blogger". Einige Leute fanden das "behindert" anfangs überhaupt nicht schön. Allerdings drückt zur Zeit nichts schöner und provozierender die Wechselwirkung von den Einschränkungen eines Menschen mit den Barrieren seiner Umwelt aus.

Und wie es halt immer so ist: Das Ding war noch keine zwölf Stunden im öffentlichen Register eingetragen, als der gewählte Kapitän die erste Lutscherpost (wie er sie nannte) im Briefkasten hatte. Eine Firma ... ach, ich füge die Rechnung mal zur Ansicht bei:


Nun muss man wissen, dass der Adler oben links nicht der Bundesadler ist, sondern ein anderes Viech. Keine Ahnung, für ein halbes Hähnchen ist er zu groß. Das Aktenzeichen ist zufällig genau dasselbe wie das des Amtsgerichts und das private "elektronische Zentral-Register" dieser Firma heißt zufällig auch "Handelsregisterbekanntmachungen". Und das Konto wird auf Malta geführt.

Tja, und es steht ja auch nur drin, dass die Daten im Internet auf einer Domain des Justizministeriums bereitgestellt werden, nicht, dass diese Firma sie bereit stellt oder dass die Domain dieser Firma gehört, nä?

Komischerweise wird als Absender eine Firma in Aschaffenburg angegeben, während die Post in Hannover abgestempelt wurde. Und eine Recherche im Internet ergibt, dass die Straße, in der die Firma angeblich sitzt, nur Hausnummern bis 30, nicht jedoch bis 334 hat. Der Bundesgerichtshof hat laut Frank schon 2001 entschieden, dass so etwas verboten ist, wenn beispielsweise der Hinweis, dass eine Zahlung innerhalb einer Frist erforderlich ist, deutlich vor dem Hinweis, dass es sich nur um ein unverbindliches Angebot handelt, hervorsticht, und dann auch noch "Rechnung" und nicht "Angebot" drüber steht.

Kurzum: Es gibt in Deutschland wohl mehrere Dutzend solcher Firmen. Die erste Feuerprobe hat der von uns gewählte Vereinskapitän bestanden: Er hat nicht gezahlt. Ich muss allerdings gestehen: Ich hätte wohl zumindest einen Moment lang überlegt.

Kommentare :

meg hat gesagt…

Okayyyy? Das ist ja ne echt krasse Abzocke. Man merkt es aber schon ganz oben: Da steht "Handels und Gewerbe Register". Wo sind die Bindestriche? Diese Stümper.
Wohin führt eigentlich der QR-Code?

Sally hat gesagt…

Wunderbar ist auch, dass der Briefkopf fehlerhaft ist. :D

Geht ja schon spannend los. :P

BigDigger hat gesagt…

Da frage ich mich doch, ob da ein Uboot im Registergericht sitzt und die Daten weiterleitet? (Man bedenke die Postlaufzeit!)

Über die Zulässigkeit derlei Handelns denke ich jetzt lieber nicht nach. Das gibt nur unnötig Aufregung.

Dennis hat gesagt…

Hallo Jule,

ähnliche Schreiben habe ich auch schon bekommen. So was ist eine ziemlich dreiste Masche um an Geld zu kommen. Wird ein Verein nicht gleich bei der Anmeldung automatisch in die benötigten Register eingetragen?

Liebe Grüße
Dennis

Anonym hat gesagt…

vor derartigen Schreiben wird allerdings inzwischen auf den Schreiben des echten Amtsgerichtes ausdrücklich gewarnt.

Ziemliche Sauerei sowas

Anonym hat gesagt…

Echt eine Unverschämtheit!
Das "halbe Hähnchen" da oben könnte der Österreichische Reichsadler sein... oder so was.... Erinnert stark an die Zeit vor 1945^^

Viel Erfolg mit eurem Projekt!!

seemaedel hat gesagt…

Na, da haben die ja keine Zeit verschenken wollen...
Schon eine Unverschämtheit.

Anonym hat gesagt…

Ist ein alter Hut. Ist sozusagen der Willkommensbrief an alle neue Vereine.
Amüsant fand ich deine Beschreibung zu dem Brathändl.

In diesem Sinne:
alles Gute !

PS: Mein Silvester war ähnlich deinem. Aber ich wollte es auch nicht anders :)

Ruthy hat gesagt…

Und als nächstes müllen diese Vollpfosten dann Faxe und Mailpostfächer voll.Hab ich hier sehr oft. Und ich möchte nicht wissen, wie viele Leute auf so einen Mist auch noch reinfallen...
Dir nachträglich ein gutes neues Jahr

Voyager hat gesagt…

Warum nennt sich der Laden eigentlich "HGBR"? "HGR" würde doch zum Namen passen...

Immerhin machen die es einem leicht. Zumindest ich wäre schon bei dem Geflügel da oben und der Schrift daneben (kein vernünftiges Unternehmen und schon gar keine Behörde nimmt dafür Arial) stutzig geworden. Dass die Kohle nach Malte gehen soll, wäre mir aber entgangen.

"Zahlen Sie binnen 7 Tagen, andernfalls behalten wir uns das Recht vor, Ihre Daten unverzüglich zu löschen" - Win-Win-Situation, würd ich sagen :D

Ich will gar nicht wissen, wie viele auf so einen Schwachsinn reinfallen...

Anonym hat gesagt…

Sowas ist inzwischen fast schon ein Klassiker, ich bekomme für unseren Verein oftmals ähnliche Post.

Das ist schon fast traurig, wie schnell die Jungs teilweise sind.

Leider gibt es auch genug Leute, die sowas dann auch noch bezahlen...

Daniela hat gesagt…

Jaa, diese Dinge sind, wenn man in einer Buchhaltung arbeitet Alltag und kommen im Laufe eines Jahres immer mal wieder auf den Tisch der Kreditorenbuchhalter. Besonders wenn irgendwelche Eintragungen und Änderungen im Handelsregister waren, kommt solche Post. Diese Firmen lesen wohl die amtlichen Bekanntmachungen und schreiben dann diese Firmen und Vereine an. Ein Verbot interessiert die nicht weiter.

Da ist als Kassenwart und auch als Buchhalter einfach Aufmerksamkeit gefordert, damit man so was nicht versehentlich in den Zahllauf gibt.

Schweinerei ist es auf alle Fälle.

Grüße
Daniela

Daniela hat gesagt…

@Big Digger
Das ist kein Uboot im Registergericht, das sind einfach amtliche Bekanntmachungen, wie sie in jeder Stadt und jeder Gemeinde in der Zeitung bzw. im Gemeindeblatt bekannt gemacht werden (müssen).

Michael hat gesagt…

Der Hammer ... und das in Deutschland, wo Datenschutz immer so stark betont wird. Aber wenn die Daten von Amts wegen veröffentlicht werden, kann man wohl nix machen.