Montag, 25. März 2013

Detlef im Schlaf zerrissen

Ich liege schlafend in meinem Bett und rede mit einem Zettel. Genauer genommen sogar mit einer ganzen Zettelwirtschaft, die von einer Heftklammer zusammengehalten wird. Die Zettel sind aus Papier und Papier ist geduldig. Geduldig genug, um nicht nur meinen Dialog, sondern auch seine Funktion als Informationsträger fromm zu ertragen. Ich taufe den Zettelkram "Detlef", weil der Name das Elend für mich einen Moment lang erträglicher macht.

Und ich? Ich bin eine PRM. Nicht zu verwechseln mit RPM, was so viel wie "revolutions per minute", also Umdrehungen pro Minute, bedeutet. In einem drehfreudigen Tennis- oder Basketballrollstuhl würde ich davon zwangsläufig mehr schaffen, ich schätze mal 50 pro Minute, als in meinem möglichst geradeaus rollenden Alltagsstuhl. Aber das ist ja gar nicht das Thema. Es geht nicht um RPM, sondern um PRM. Spucken muss ich trotzdem irgendwie bei beidem.

PRM hat auch mit Rollstühlen zu tun, oft zumindest. PRM sind "people with reduced mobility", also mobilitätseingeschränkte Menschen. Und in ihrer Mobilität eingeschränkt sind in erster Linie Menschen mit Behinderungen. Wir erinnern uns: Die UN spricht von einer Behinderung, wenn Menschen beispielsweise körperliche Beeinträchtigungen haben, die in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren die volle und wirksame Teilhabe dieser Menschen, gleichberechtigt mit anderen an der Gesellschaft, behindern können.

Das heißt: Es braucht eine körperliche Beeinträchtigung und Barrieren, die sich miteinander so beknackt verzahnen, dass der behinderte Mensch nicht mehr (voll, wirksam oder gleichberechtigt) teilhaben kann. Teilhaben am gesellschaftlichen Leben.

Detlef steht für ein Unternehmen, das Mobilität verkauft. Detlefs Anspruch, Marktführer für die Mobilität von Menschen sein zu wollen, müsste sein Antrieb sein, alle Barrieren bestmöglich aus dem Weg zu räumen, zu kompensieren und künftig zu vermeiden. Damit nicht Detlef derjenige ist, der etwas in die Welt stellt, das mit beispielsweise körperlichen Beeinträchtigungen eines Kunden in Wechselwirkung treten könnte. Was ja peinlich wäre, denn dann könnte dieser Mensch an der von Detlef verkauften Ware, nämlich der Mobilität, nicht voll, wirksam oder gleichberechtigt teilhaben.

Die Mobilität seiner Kunden einzuschränken, wäre mit Sicherheit ein kontraproduktiver Ansatz. Noch kontraproduktiver wäre es aus meiner Sicht, sich mobilitätseingeschränkte Menschen als Zielgruppe zu setzen, damit spezifische Bedürfnisse zu generieren und die strategische Ausrichtung des Unternehmens daran zu orientieren.

Umso erstaunlicher klingt dieser Satz: "Mobilitätseingeschränkte Menschen stellen für unser Unternehmen eine bedeutende Zielgruppe dar. Ihre spezifischen Bedürfnisse werden bei der strategischen Ausrichtung, der Produktentwicklung und der Implementierung von Service jetzt und in Zukunft grundsätzlich berücksichtigt."

Okay. Nicht jeder PR-Berater ist sein Geld wert und mitunter kann nicht jeder so gut schreiben wie er redet. Oder nicht so gut reden wie er denkt. Manchmal kann aber auch ein PR-Berater nichts mehr ausrichten.

Dann nämlich, wenn Detlefs Fundament schief ist. Und sein Fundament ist in meinen Augen schief, wenn er über die technische Spezifikation für die Interoperabilität bezüglich eingeschränkt mobiler Personen öffentlich referiert und mir im Traum dieses fiktive Interview gibt:

Socke: "Hallo Detlef. Du verkaufst im großen Stil Mobilität. Und du hast erklärt, eine deiner Zielgruppen seien Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Ist das nicht ein Widerspruch in sich?"

Detlef: "Hallo Socke. Ich befördere mobilitätseingeschränkte Menschen gemäß meiner Bedingungen für besondere Personengruppen und habe einen Leitfaden entwickelt, in dem definiert ist, welche Hilfsmittel erlaubt und wie diese zu erkennen sind. In letzter Zeit häufen sich die Anfragen von Mitarbeitern und behinderten Kunden. Es herrscht Unklarheit darüber."

Socke: "Habe ich das gerade richtig verstanden? Du hast eigene Bedingungen für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt werden, geschaffen? Und du kategorisierst die Hilfsmittel, die sie benutzen, um Barrieren zu überwinden? Und du entscheidest anhand der Hilfsmittel, ob sie deine Dienstleistung in Anspruch nehmen dürfen?"

Detlef: "Bei der Betrachtung einzelner Hilfsmittel hinsichtlich ihrer Beförderungsfähigkeit müssen die genannten Kriterien immer erfüllt sein um eine Beförderung zu gewährleisten. Die Gestaltung meiner Verkehrsmittel erfordert eine restriktive Auslegung."

Socke: "In meinen Augen ist ein Hilfsmittel dafür da, um Barrieren zu überwinden. Oder?"

Detlef: "Hilfsmittel werden nach dem Sozialgesetzbuch (§§ 33, 34 SGB V) als Geräte definiert, die korrigierend, stützend, ausgleichend oder stützend auf die Haltungs- und Bewegungsorgane wirken oder deren einzelne Funktionen ersetzen. Alle folgenden Angaben beruhen auf einer stichprobenartigen Untersuchung des Angebots an Hilfsmitteln."

Socke: "Das stimmt doch gar nicht. In den genannten Paragrafen des Sozialgesetzbuchs wird das Wort 'Geräte' nicht einmal erwähnt. Im Gegenteil, dort steht, dass Hilfsmittel eine Behinderung ausgleichen sollen. Und wir erinnern uns nochmal: Zu einer Behinderung gehört auch immer eine Barriere. Muss ich davon ausgehen, dass ich als behinderter Mensch zwar bei dir als Kunde herzlich willkommen bin, mein Rollstuhl, mit dem ich mich fortbewege, aber nicht automatisch dabei sein darf?"

Detlef: "Der Rollstuhl ist ein weit verbreitetes orthopädisches Hilfsmittel, das schwerbehinderten Menschen ein mobiles Leben ermöglicht. Hinsichtlich der Beförderung stellen die muskelkraftgetriebenen Rollstühle die geringsten Probleme dar."

Socke: "Probleme? Ist das nicht ein sehr hartes Wort? Ein Problem wäre für mich eine Aufgabe, deren Lösung mit Schwierigkeiten verbunden ist, ein Hindernis, das überwunden oder umgangen werden muss, um von einer unbefriedigenden Ausgangssituation in eine befriedigende Zielsituation zu gelangen. Gibt es für dich unlösbare Aufgaben in Bezug auf Hilfsmittel?"

Detlef: "Die Mitnahme eines übergroßen, nicht zusammenklappbaren Rollators muss im Einzelfall, unter Umständen auch erst vor Ort, untersagt werden."

Socke: "Untersagt?! Da kann derjenige sich dann aber freuen, wenn er auch ein kurzes Stück mit Stöcken laufen kann!"

Detlef: "Die Mitnahme von Gehstöcken und Gehstützen durch ältere, kranke oder behinderte Menschen bereitet im Grundsatz keine Probleme. Sie sind platzsparend und leicht verstaubar. Besondere Vorsicht in Bezug auf sichere Verstauung ist bei Gehstöcken mit drei oder mehr Stützbeinen geboten."

Socke: "Dann sollte also jeder Kunde, der Hilfsmittel mitnehmen will, vorher explizit um Erlaubnis fragen? Das ist ja ... Wie gehst du denn damit um, wenn jetzt eine Rollstuhlfahrerin beispielsweise ganz spontan bei dir vorbei kommt?"

Detlef: "Nicht angemeldete Kunden teilen den Mitarbeitern das Gesamtgewicht von Rollstuhl und zu befördernder Person sowie die Länge und Breite des Rollstuhls mit."

Socke: "Achso. Die weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Ich bin verwirrt. Neue Idee: Wie denkst du darüber, dass jemand mit einem Hilfsmittel ankommt, das nicht offiziell von den Krankenkassen bezahlt wird, ihm selbst aber hilft? Also ich denke beispielsweise an denjenigen, der nur wenig laufen kann und schnell ermüdet und sich beispielsweise auf eigene Rechnung einen Segway besorgt. Gehört das aus deiner Sicht auch zu den Hilfsmitteln?"

Detlef: "Zu den Hilfsmitteln gehören unter anderem Segways."

Socke: "Da bist du ja sehr modern, wenn du da über den Tellerrand schaust und Segways als Hilfsmittel anerkennst! Das finde ich nun wiederum klasse!"

Detlef: "Segways sind nicht als Hilfsmittel anerkannt."

Socke: "Äh, wie jetzt? Sie gehören zu den Hilfsmitteln und sind gleichzeitig nicht als solche anerkannt? Wie passt denn das jetzt zusammen? Das ist ja ungefähr so, als wenn deine 'Bedingungen', wie du sie nennst, regeln, dass Rollstühle und andere Hilfsmittel, die unentgeltlich befördert werden, kostenlos befördert werden. Oder?"

Detlef: "Meine Bedingungen regeln, dass Rollstühle und andere Hilfsmittel, die unentgeltlich befördert werden, kostenlos befördert werden, wenn der schwerbehinderte Kunde einen Ausweis vorweisen kann."

Socke: "Achso. Dann danke ich dir für das Gespräch. Obwohl: Eine letzte Frage hätte ich noch. Wann denkst du darüber nach, das alles mal zu reformieren?"

Detlef: "Mein Programm liegt als überarbeitete Fassung vom März 2012 vor und beinhaltet alle Maßnahmenplanungen bis zum 31.12.2015."

Oh nein. Jetzt habe ich Detlef im Schlaf zerrissen. Und bin aufgewacht. So ein komischer Traum. So ein rein fiktives Interview, das niemals stattgefunden hat. So viele Sätze, die niemand gesagt hat. Wenngleich ich schon mehrmals gehört habe, dass man im Traum oft Erlebtes irgendwie verarbeitet. Was habe ich denn in den letzten Tagen erlebt?

Ich denke, ich müsste nochmal nachschauen, ob ich im Internet nicht die kursiv gedruckten Passagen irgendwo wiederfinde und dann auch weiß, wohin ich den Detlef stecken muss. Irgendwas mit Mobilität. Da fällt mir ein: Ich wollte meine Bahntickets für das Oster-Trainingslager noch ausdrucken!

Kommentare :

paulchen hat gesagt…

Sänk ju for träveling wis Detlef.

Olli hat gesagt…

Hilfe, ich verstehe nur Detlev. Und kann, so es denn eines ist, dieses Akronym gerade nicht auflösen :-(

sven hat gesagt…

Detlef???
Wieso Detlef?
Der Zettelberg heißt doch Oli - http://www.deutschebahn.com/ajax/2128676/-/3207686/galleryContent.

Und der Security-Mann soll bestimmt beim Befördern der Zielgruppe helfen.
*Sarkasmus aus

Anonym hat gesagt…

Irgendwie hab ich es auch nicht gecheckt worum es geht :-(

ruolbu hat gesagt…

Freudig zu sehen, dass ich nicht die einzige Person bin, die diesmal auf dem Schlauch stand. Es geht um Bahn? Ist mir ehrlich nicht ganz aufgefallen. Irgendwann hat glaube mein Hirn ausgesetzt und ich hab angefangen in meinem Schulhefter Bilder zu krakeln.
Vielleicht kann ich ja mit diesem neugewonnenen Wissen einen erneuetn Versuch wagen.

Robin hat gesagt…

Oh, wie nett – ein Ratespiel ;)

Aber erst einmal kurz etwas „off topic“: Ich habe mich jetzt zweimal durch Deinen Blog gelesen, beim ersten Mal grob, beim zweiten Mal „mit allem“ – Du hast mich enorm beeindruckt, mich zum Lachen, zum Weinen und vor allem zum Nachdenken gebracht. Dafür ein ganz, ganz großes DANKESCHÖN!
Es ist ein großartiges Gefühl, zu sehen, dass es doch noch Menschen gibt, die weiter denken als leider heute üblich, die füreinander da sind, die ihre Meinung vertreten. Und dabei doch so natürlich und „einfach Mensch“ sind. Danke.

Zurück zu Detlef: Ich mag Detlef nicht. Auf mich wirkt er sehr überheblich. Es scheint als würde er sich anmaßen auf Grund von „stichprobenartigen Untersuchungen des Angebots“ einen verbindlichen Leitfaden darstellen zu können, der dadurch gerade nicht jeden Menschen als Individuum mit all seinen Facetten betrachtet, sondern durch strikte Kategorisierung versucht diese in eine begrenzte Anzahl Schubladen zu stecken. Du darfst mit, du nicht, du vielleicht. Und warum das so ist brauchen wir ab jetzt nicht mehr diskutieren, es steht ja hier.

Sich anzumaßen die Bedürfnisse und Besonderheiten von Menschen besser beurteilen zu können als diese Menschen selbst ist schon harter Tobak. Leider passiert das viel zu häufig und liegt wahrscheinlich daran, dass in unserer Gesellschaft immer alles bis in Detail geregelt sein soll. Gibt es für etwas kein Gesetz/Leitfaden/Verhaltensregel/“Policy“ ist Panik. Selber denken – Fehlanzeige. Selber Verantwortung übernehmen – erst recht.

Aber wo arbeitet Detlef denn jetzt? Ich würde ja jetzt mal auf die Bahn tippen, wobei er auch gut in einen Fluggesellschaft passen würde. Und er ist selber frustriert (Wenn Kollege Detlef jetzt die Zettelsammlung ist oder deren Verfasser, nicht das Unternehmen). Er hat nämlich eine unmögliche Aufgabe bekommen: „Hier sind unsere Bestimmungen, daran ist nichts zu rütteln. Schreib das mal so, dass sich das nett anhört, keiner auf die Idee kommt wir würden Menschen ausgrenzen und wir als innovatives Unternehmen da stehen dem alle Kunden gleich wichtig sind. Mach aber auf jeden Fall klar, dass wir es leid sind rum zu diskutieren. “

Armer Detlef. Nachdem Du dich mit ihm beschäftigt hast scheint er ja auch recht zerknittert... ;)

Schade nur, dass Detlef in dieser Gesellschaft eine Unmenge an „Kollegen“ hat, die es ihm gleich tun.

Ich habe mir gerade mal angeschaut wie die schwedische Bahn mit dem Thema umgeht (Ich lebe in Schweden). Mir war schon früher aufgefallen (und Schweden ist ja auch ein bisschen bekannt dafür) dass hier eigentlich alle öffentlichen Gebäude barrierefrei sind. Die Infoseiten von „SJ“ (Svenska Järnvägar) hat was muss ich sagen. Alle Stationen sind zugänglich, es gibt bei Bedarf Hilfe, in allen Zügen (also auch alten „Lokbespannten“ Reisezügen die 3-4 Stufen haben) gibt es Rollstuhllifte. Die neueren Triebzüge … *!?* … sind eh ebenerdig. Eine Begrenzung der Plätze etc. habe ich nicht gefunden. Geht doch …

Man kann sich prima vorab informieren, es gibt sogar Bilder und „technische Daten“ zu jeder zugänglichen Toilette: http://www.stationsinfo.se/station/OrebroCentral (Klick auf „Handikapptoalett“) oder zu den Aufzügen („Hiss“).

*Was ist eigentlich ein Triebzug?! – können da Menschen mit sehr extrovertiertem Sexualverhalten ihrer Leidenschaft freien Lauf lassen?

PS: Ich hatte Dir in den letzten Tagen eine Mail geschrieben, bin mir aber nicht sicher ob diese angekommen ist, mein Mailprogramm spinnt gerade etwas…

Liebe Grüße aus Schweden,

Robin

Anonym hat gesagt…

Ok, das ist nun das erste Mal, dass ich nach der Hälfte des Textes aufgehört habe zu lesen und sofort bei den Kommis nachgesehen habe, ob ich die einzige Person bin, die DAS nicht verstanden hat.

Anonym hat gesagt…

Jule hat wohl davon geträumt:
http://www.bahn.de/p/view/mdb/pv/mobilit_t/barrierefrei___neu/MDB104787-leitfaden_orthop__dische_hilfsmittel_m__rz_2012.pdf

Anonym hat gesagt…

Kopiert mal eine kursive Passage und googelt danach. UPS da kommt man ja zur DB!!!!

Anonym hat gesagt…

Im ersten Moment habe ich gedacht, du hast einen Haschi. Da kannte ich aber den Text noch nicht, in dem die DB regelt, welche Behinderten sie mitnimmt und welche nicht. Bzw. welche Hilfsmittel...

Der Text, auf den sich dein Beitrag bezieht, gehört verboten. Das ist ungeheuerlich, etwas so zu formulieren. Inzwischen weiß ich, wer den Haschi hat.

Danke, dass du darauf aufmerksam gemacht hast.

peter hat gesagt…

Hallo Jule!

Wieder mal einer Deiner tollen Beiträge, bei denen man denkt, "ui, was kommt denn jetzt?"
Hatte mich beim Lesen schon gefragt, was Dir wieder passiert ist. Und am Ende dann die Auflösung - einfach Klasse.


Ich habe mir das im Kommentar verlinkte Dokument mal angesehen. Zugegeben, ich habe nur den letzten Abschnitt gelesen, aber für ein Unternehmen ist es wichtig, gewisse Rahmenbedingungen zu definieren. Du hast jetzt die Möglichkeit, Dein Hilfsmittel auszumessen, und damit die Gewißheit, ob es denn technisch überhaubt befördert werden kann.

Bei der Vielfalt an Geräten, die es auf dem Markt gibt, ist es doch nur logisch, daß nicht alle berücksichtigt werden können. Stelle Dir nur mal vor, jemand käme auf die Idee, einen Rennrolli im ICE transportieren zu wollen.

Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, wie frustrierend eine Reiseplanung sein kann.
Zumal Du ja noch auf viel mehr Dinge achten mußt, als Otto-Normal-Reisender...

Ich hoffe, Dir geht es nach Deiner Darm-Sache wieder besser und dass Du doch noch eine gute Verbindung finden konntest

Wünsche Dir viel Spass im Trainingscamp
peter

Berthu hat gesagt…

Hallo Jule, hallo Alle.

Ich hab einen Teil nicht verstanden.

Zitat: "Die Mobilität seiner Kunden einzuschränken, wäre mit Sicherheit ein kontraproduktiver Ansatz. Noch kontraproduktiver wäre es aus meiner Sicht, sich mobilitätseingeschränkte Menschen als Zielgruppe zu setzen, damit spezifische Bedürfnisse zu generieren und die strategische Ausrichtung des Unternehmens daran zu orientieren."

Das die Mobilität ihrer eigenen Kunden einzuschränken für alle Detlefs dieser Welt, die ja gerade damit ihr Geschäft machen, erstmal hoch widersprüchlich ist, scheint mir klar.

Aber warum, und in welcher Hinsicht, ist oder wäre ex kontraproduktiv, in ihrer individuellen Mobilität zunächst eingeschränkte oder mit barrieren konfrontierte menschen als Zielgruppe zu setzen und die strategische Ausrichtung von so einem Detlef daran zu orientieren? Und: Welche spezifische Bedürfnisse würden dann generiert?

Ich verstehe daraus: Das ist insbesondere im Falle dieses Detlefs dämlich, weil dieser Detlef sich zwar angeblich eine solche Zielgruppe gesetzt hat oder zumindest aussagt, diese Zielgruppe grundsätzlich berücksichtigen zu wollen, das aber so wirklich dann doch gar nicht hinbekommt, deren Bedürfnisse vollumfänglich zu befriedigen, sondern deren Beförderung und damit die Inanspruchnahme der Krendienstleistung dieses Detlefs wieder stark einschränkt. Oder meinst ud was anderes?!

Anonym hat gesagt…

Am besten finde ich ja:
Entscheidend für die Beförderung orthopädischer Hilfsmittel im Zug ist vor allem
der internationale Standard ISO 7193. Er legt einheitliche Abmessungen für Rollstühle
fest.
Das heisst, wer der Norm nicht entspricht (oder seine Mobilitätshilfe), wird von der Beförderung ausgeschlossen...

Tolle Welt...

Yvi hat gesagt…

Ich bin ganz gut mitgekommen. Lediglich die Passage vor dem fiktiven Gespräch verstehe ich nicht? Kannst du mich da mal aufklären? Was ist daran falsch sich strategisch auf behinderte auszurichten? In Hinblick auf deinen Text denke ich jetzt mal, dass du meinst dass die Ausrichtung Mobilität für mobilitätseingeschränkte als Ziel zu haben irgendwie komisch klingt. Aber Hmm eigentlich Klang es nicht so sinnfrei? Bisschen Wortklauberei?

Andrea hat gesagt…

Ich klatsch das jetzt einfach mal hier ran... eben bei Facebook bin ich doch über den Bund behinderter Blogger gestolpert und hab mir das Projekt endlich mal aufm Rechner angeschaut. Sonst lese ich Dich nur abends im Bett aufm Smartphone (fast wie früher mit der Taschenlampe unter der Bettdecke). Da hast Du was ganz Tolles angeleiert, liebe Stinkesocke.

Viele Grüße
Andrea

P: Wünsche frohe Ostern gehabt zu haben... :-)

meg hat gesagt…

Äh, ging mir auch so. Konnte nicht folgen und hatte dann keine Lust mehr, nen Text zu lesen, dem ich nicht folgen kann... Schade, scheint ein guter Aufreger zu sein ^^

BigDigger hat gesagt…

Nanu? Du liegst jetzt aber nicht schon wieder im Krankenhaus, oder? Wo hier so lange nix los ist... oder hat die Uni wieder losgelegt mit Semester?

paul hat gesagt…

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die Aufregung nicht ganz verstehen kann.

Der Text ist sicher in schönem bürokratischen Deutsch geschrieben, ABER:
1. Er richtet sich wohl zunächsteinmal an Mitarbeiter. Diese haben i.d.R. keine Ahnung von den benötigten/benutzten Hilfsmitteln. Oder überhaupt Behinderten. Oder deren Bedürfnissen. Weil viele Menschen die nicht haben, du erlebst es ja Tag für Tag. Deswegen eine Anleitung für diese.

2. Der Leitfaden spricht von Problemen, Verbieten, etc. Richtig. Aber notwendig und sinnvoll, denn, siehe 1., der Leitfaden richtet sich zumindest auch an Mitarbeiter. Und ja, dort stellt ein Mensch mit einem Hilfsgerät(der ja, sofern er Mitarbeiterkontakt hat, eine Hilfestellung o.ä. hat) ein Problem dar. Das gelöst werden soll - und zwar "richtig". Dafür wird erklärt, was so alles Hilfsmittel ist und kostenlos mitgenommen wird (erspart dir Diskussionen, sofern sich die Mitarbeiter daran halten) und was nicht mitgenommen wird, entweder, weil kein Hilfsmittel, sonst würde z.B. jeder Fahrradfahrer verlangen, dass sein Fahrrad als Hilfsmittel kostenlos mitgenommen wird oder weil schlicht nicht möglich, also zu groß, zu schwer, etc. Und ja, Sicherheitsgründe sind durchaus real. Fluchtwege müssen frei bleiben und wenn ein Lift für 250 kg zugelassen ist dürfen auch nur 250 kg damit gehoben werden. Weil sonst hat das Unternehmen ein riesen Problem, wenn was passiert.

Also insgesamt:
- gut lesbar: Nein.
- problematisch: Auch nicht.

Und, Randbemerkung: Nein, ich arbeite nicht bei der DB, ich bin kein Jurist und habe auch nichts mit der Erstellung solcher Richtlinien zu tun.

Trudi hat gesagt…

Man darf alles machen, nur nicht den Leitfaden für die "Mitnahme Orthopädische Hilfsmittel" und die "Zugangsregelungen für mobilitätseingeschränkte Menschen (PRM) gemäß der EUPassagierrechtsverordnung bei der Deutschen Bahn AG" durchlesen, denn dann steht man kurz vorm Selbstmord. :-)

Stephan Goedecke hat gesagt…

Ich finde den Text in Ordnung, er ist zwar ziemlich furchtbar zu lesen, gibt aber eben ein Minimum an, auf das Du Dich immer verlassen kannst. Und das nach außen zu kommunizieren ist genauso wichtig wie nach innen, dort gibt es immer einige Abhängigkeiten, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind.

Als Beispiel hatte ich mal einen Zugbegleiter, der wurde bei einem Arbeitsunfall (Rangierer) schwer an der Wirbelsäule verletzt und darf nur noch maximal 5kg heben.
Für's Fahrkarten kontrollieren reicht das noch, aber eben nicht mehr um die Dienstleistung "Gepäckstücke rein/raustragen" durchführen zu oder um andere Personen retten zu können.
Ersteres bedeutet, dass er eben nie alleine eingesetzt werden darf auf einem Zug, da er für das Rein/Raustragen einen Kollegen haben muss. Letzteres führt dazu, dass er bei der Berechnung der Mindestanzahl der Zugbegleiter, die einen Zug begleiten müssen, nicht mitgezählt werden darf.

Anonym hat gesagt…

Detlef ist ja schon für Fussgänger oft ein Graus!
Wie muss es da erst für Gehbehinderte sein?

Jule hat gesagt…

Aber warum, und in welcher Hinsicht, ist oder wäre ex kontraproduktiv, in ihrer individuellen Mobilität zunächst eingeschränkte oder mit barrieren konfrontierte menschen als Zielgruppe zu setzen und die strategische Ausrichtung von so einem Detlef daran zu orientieren? Und: Welche spezifische Bedürfnisse würden dann generiert?

Detlef verdient sein Geld mit der Mobilität von Menschen. Nehmen wir mal an, Detlef benutzt einen Eisenbahnzug, um Menschen von A nach B zu befördern. Dann beginnt der Kundenkontakt spätestens mit dem Einsteigen in den Zug und endet wieder mit dem Verlassen. Wenn ein Kunde zwischen dem Einsteigen und dem Aussteigen mit einer Barriere konfrontiert wird, die seine Mobilität (also das, was Detlef verkauft) einschränkt, wer ist dann dafür verantwortlich?

Doch wohl Detlef. Und dieser Detlef setzt sich jetzt als eine Kunden-Zielgruppe jene Menschen, die an seinen Barrieren hängen bleiben? Und das Entfernen oder Vermeiden solcher Barrieren ist künftig ein spezifisches Bedürfnis dieser Personengruppe? Ich glaube, hier wird was verdreht.

Es heißt: Mobilitätseingeschränkte Menschen stellen für unser Unternehmen eine bedeutende Zielgruppe dar. Ihre spezifischen Bedürfnisse werden bei der strategischen Ausrichtung, der Produktentwicklung und der Implementierung von Service jetzt und in Zukunft grundsätzlich berücksichtigt."

Wie wäre es mal damit: "Unser Ziel ist Ihre Zufriedenheit. Wir übernehmen Verantwortung, damit alle Menschen mit uns mobil sein können. Wir lernen aus der Vergangenheit und unterstützen Sie durch individuellen Service dort, wo wir Barrieren noch nicht beseitigt haben."

Sina hat gesagt…

Bei Nichtbehinderten nennt man es Reisen, bei Behinderten Transport.