Mittwoch, 6. März 2013

Es frühlingt!

Was für ein vielversprechender Himmel morgens um 9 Uhr über Hamburg!


Es gab gestern bereits das erste Freilufttraining dieser Saison. Eine mehr oder weniger ausgedehnte Runde auf unserer Sommer-Trainingsstrecke sollte den Staub von den Rahmen und den Flugrost von den Bremsscheiben unserer Bikes entfernen. Es waren erstaunlich viele Leute da und in der Sonne war es echt schön. Allerdings verschwand die gegen halb sechs hinter dem Horizont und dann wurde es schlagartig kalt. Der See, in dem wir immer trainieren, hat fast über die komplette Länge und über mindestens die halbe Breite noch eine geschlossene Eisdecke. Aber nach diesem Himmel heute morgen bin ich vorsichtig optimistisch, dass wir in zwei Monaten schon wieder im Neo draußen schwimmen können.

Die ersten Sonnenstrahlen lockten neben uns natürlich auch wieder jede Menge andere blasse Gestalten an die Frühjahrsluft. Und während wir uns schon wunderten, woher der ganze Winterspeck gekommen ist und froh über unsere Thermokleidung und die eine oder andere Tasse heißen Tee waren, naschten auf der anderen Seite der Straße die ersten Wahnsinnigen im T-Shirt schon das eine oder andere kühle Eis. Nein, nicht das vom See.

Und dann war da noch die kleine Luisa. Geschätzte zehn Jahre alt, Spasti, fröhlich-frech und vorlaut, begleitete sie ihre Eltern zu einem völlig langweiligen Ausflug an die Elbe. Während die Eltern auf der Bank saßen und (immerhin nicht im T-Shirt) sich die Sonne auf das Gesicht scheinen ließen, flitzte Luisa wie ein kleiner Wirbelwind in unsere Richtung und musste uns erstmal stolz ihren völlig bunten und mega coolen Kinderrolli mit schrill blinkenden Skaterrollen als vordere Lenkräder zeigen. "Wow, das blinkt ja sogar, wenn du abends ins Bett gehst." - "Nee, das blinkt den ganzen Tag, und das braucht keine Batterien, cool oder?"

Sie guckte fasziniert auf unsere Rennbikes und auf die ersten, die sich bereits wieder in ihre Alltagsstühle umsetzten. Sie deutete auf mein Bike: "Wie geht das?" - Nachdem ich ihr das einigermaßen erklärt hatte, sagte sie: "Wie alt muss ich sein, damit ich das auch machen darf?" - "Hm. So vierzehn vielleicht?" - "Vierzehn? Das ist ja noch voll lange! Können wir nicht 'zwölf' sagen und ich streng mich dafür richtig an?"

"Du kannst ja mit zwölf mal vorbei kommen und schnuppern." - "Schnuppern?" - "Ja, ausprobieren. Ausprobieren, wie gut es klappt. Vielleicht klappt es bei dir ja schon mit zwölf oder dreizehn." - "Wann hast du damit angefangen?" - "Mit sechzehn." - "Erst? Warst du vorher noch zu klein oder hast du nicht nicht richtig angestrengt?" - "Ich hatte mit fünfzehn erst meinen Unfall und saß vorher nicht im Rolli." - "Ich hab meinen ersten Rolli schon mit vier gekriegt! Aber der hier ist viel schöner. Wieso hattest du denn einen Unfall?" - "Ich bin über die Straße gegangen und dann kam ein Auto und hat mich angefahren." - "Echt? Hast du nicht nach links und rechts geguckt?" - "Doch, das war an einer Ampel und ich hatte grün, aber eine Frau hat nicht angehalten mit ihrem Auto und dann hat es gescheppert." - "Hat die Frau Strafe gekriegt dafür?" - "Ja." - "Auweia. Kannst du jetzt gar nicht mehr laufen?" - "Nee." - "Ich kann laufen, willst du mal sehen?"

Ich nickte. Der kleine Wirbelwind machte die Bremsen fest, rutschte mit dem Po an die vordere Kante des Rollstuhls, stellte sich auf seine Füße, hielt sich am Rolli fest und hatte irgendwann genug Stabilität, um völlig wackelig und angespannt wie ein Flitzebogen, x-beinig und mit weit ausgestreckten und stabilisierenden Armen in einer irren Geschwindigkeit eine Runde um mich und mein Bike zu drehen. Ich sah sie schon auf der Erde liegen, aber es klappte. "Oh, da hast du aber fleißig für trainiert, oder?" - "Andrea will immer, dass ich noch viel mehr trainiere, aber ich hab meistens keinen Bock, wenn ich ehrlich bin. Ich muss jetzt wieder zu meinen Eltern. Vielleicht treffen wir uns ja mal wieder hier." - "Genau! Und melde dich, wenn du zwölf bist!"

Cathleen grinste mich an: "Jule generiert schon mal den Nachwuchs." - "So neugierig, wie sie ist, probiert sie bestimmt noch zwanzig andere Sportarten aus."

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Sonne !
Aber zum Thema Staub: Du hast einen fetten Staubfleck auf deinem Sensor. Das ist das schwarze etwas auf der linken Seite des Fotos ;)

unperfekt ist auch ganz nett;) hat gesagt…

von dem kleinen Mädel kann man noch einiges lernen^^ Find ich super!;)

Jule hat gesagt…

@11.20: Habe ich auch schon gesehen, allerdings ist der für die automatische Sensorreinigung zu groß und für die manuelle muss ich erstmal genug Zeit und Ruhe haben.

Marko Oldenburg hat gesagt…

Ich bitte zu entschuldigen das mein Kommentar nichts mit dem aktuellen Beitrag gemein hat.


Ich habe nun in 2 1/2 Wochen Deinen gesamten Blog gelesen und möchte Dir ganz herzlich zu dieser gelungenden Therapie gratulieren.
Ich halte Dich für eine wundervolle junge Frau mit einer sehr starken Persönlichkeit und wünsche Dir für Dein weiteres Leben ganz viel Erfolg.



LG
Marko

Anonym hat gesagt…

Man merkt, wie sich automatisch die Laune bessert stimmts? :-D

Nutzt die schönen Tage solange ihr könnt, und vergesst vor allem die grandiosen Sonnenuntergänge nicht!

Toll um unten an den Landungsbrücken oder an der Elbstraße beim Schellfischposten schon mal zu sitzen und das Relaxen für den Sommer zu üben :-)

Dennis hat gesagt…

Hallo Jule,

ich hoffe der Frühling bleibt uns auch noch ein wenig erhalten. Der Winter macht einfach nur schlechte Laune.
Du reinigst den Sensor der Kamera selbst? Mit so einem Blasebalg für Kameras könntest Du den Staub mit glück runter pusten. Die Verunreinigung könnte aber auch auf der der beiden Linsen vom Objektiv sein.

Liebe Grüße
Dennis

Talia hat gesagt…

Jule hast mal mit dem Blasebalg probiert?
Mir steht hier grad Sensorfeuchtreinigung bevor - ich drück mich schon seit ich daheim bin...

TineHappy hat gesagt…

Hey Jule!
Endlich mal wieder schönes Wetter oder? ;)
War auch lange genug dunkel und eklig. Drücke euch die Daumen, dass das Wetter so schön bleibt und ihr öfter draußen trainieren könnt! :)
Gestern waren die großen Jungs auf der Arbeit auch der Meinung schon Oberkörper frei Fußball zu spielen, aber das wurde dann ganz schnell ausgebremst! ;) Die holen sich ja noch den halben Tot, auch wenn die Sonne scheint so warm ist es doch noch nicht ganz.
Ich finde den beschriebenen Rollstuhl echt genial. Ein Kind aus der Klasse, in der ich aushelfe hat auch Vorderräder die beim Fahren leuchten. Musste echt total grinsen als ich das gerade bei dir gelesen habe! :)

Aber echt Klasse, dass du dich schon um den Nachwuchs kümmerst! ;)

11:20 hat gesagt…

Hallo, hier 11:20 Uhr ;)

Nein. Der Staub oder Blütenfleck ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keinesfalls auf einem der bis zu 10 (und mehr... je nach Objektiv) Gliedrigen Linsengliedern des Objektives zu finden. Diese Ebenen sind nämlich so weit weg vom Focuspunkt sodass man Schmutz hier garnicht mehr auf den Bildern wahrnimmt. Ergo muss die Verunreinigung auf dem Sensor sein.
Bitte beachten, dass man eine manuelle Reinigung nur dann machen sollte wenn man sich hiermit auskennt. Ich persönlich habe mir hierdurch bereits einen Sensor zerstört. Wirtschaftlicher Totalschaden gewesen..
Übrigens, da Himmel ein recht homogener Hintergrund ist und meist eine hohe Blende verwendet wird, fällt der Fleck schlimmer auf als er eigentlich ist.

Mike hat gesagt…

Hi
Ja, ich habe mich auch schon gewundert, was dieser helle Fleck am Himmel ist.... muss wohl diese legendäre "Sonne" sein.

Bzgl. Sensordreck
Blasebalg wäre wohl das erste Mittel der Wahl:
Da kann man sich jetzt einen teuren vom Fotofachhandel besorgen,
ODER
man begibt sich in die Apotheke seines Vertrauens und besorgt sich eine talkumfreie (wichtig!) Babyklistierspritze. Auf den unweigerlich kommenden extrem verwirrten Blick der Fachverkäuferin erläutert man, dass man den zum Ausblasen des Spiegelkastens einer DSLR benötigt.
Den Sensor mal abblasen ist jetzt wirklich keine Hochrisikooperation, ausser man besitzt zwei linke Hände mit lauter Daumen.

Der Dreckbatzen sitzt übrigens auf dem Sensor dann Rechts (Punktspiegelung des Bildes auf dem Sensor)

LG
Mike

Stephan Goedecke hat gesagt…

Hallo Jule,

ein wirklich beeindruckender Blog, selten eines gesehen, dass einerseits persönlich ist ohne anzubiedern und mit einem interessanten Thema, ohne nur dogmatisch zu wirken.

Und Danke für die Hamburger Schnauze - wegen dieser lebendigen Schilderung sitze ich gerade im Nachtzug nach Hamburg-Altona, um ein Fischbrötchen zu essen und mal wieder die Elbe anzugucken. Und um die letzten 10 Artikel als Nachtlektüre zu lesen, dann bin ich nämlich durch ud sehr beeindruckt :)

Grüße aus IC 2020 :)