Dienstag, 7. Mai 2013

Unterm Regenschirm

Ich musste heute durch den strömenden Regen fahren. Was schon völlig bescheuert ist, denn man hat keine Hand frei, um den Regenschirm festzuhalten. Noch beknackter ist es, an einer Fußgängerampel zu warten und sich wie unter einer Dusche vorzukommen. Und dann noch nicht mal eine Regenjacke dabei zu haben, weil ... wer rechnet denn damit?! Plötzlich hört der Regen auf. Ich wundere mich, gucke nach links, gucke nach rechts und sehe zwei japanische Frauen, die mich mit unter ihre Schirme nehmen. Allerdings ohne irgendein Wort und ohne irgendeinen mitleidigen Blick. Sondern als wäre das völlig normal. Das ist mir in den Jahren meines Rollifahrerdaseins ja noch nie passiert! Diese kleine, nette Geste hat mir unglaublich den Tag versüßt.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Wieder der beste Beweis dafür, dass die Deutschen eins der wenigen Völker sind, in denen es als "normal" gilt, Menschen mit Behinderung zu ärgern.
Wenn ich lese, was du da so erlebst, mit Menschen, die dich nicht in den Bus lassen würden...sowas würde in vielen anderen Kulturen NIEmals passieren.

Jenny aus Hessen hat gesagt…

oh, das ist wirklich sehr lieb gewesen von ihnen!

Sally hat gesagt…

Schöön. :-)

Jens Bonn hat gesagt…

Bei den Japanern ist das so - da wird geholfen - ohne großes Bohai drum herum - kleine Gesten.

Philipp hat gesagt…

Wirklich nett.

Wobei, Ich kenne nichts schöneres als im Trenchcoat mit Hut im warmen strömenden Sommerregen spazieren zu gehen, oder schwimmen im Badesee bei Sintflut.......

Sven hat gesagt…

@Anonym: Ich hoffe doch sehr, dass das nicht als "normal" gilt. In meiner Umgebung sieht das zum Glück anders aus.
Natürlich gibt es immer ein paar Deppen und wir sind längst nicht so aufgeklärt und offen, wie wir gerne wären.

Welche Völker sind denn neben den Japanern noch "die Guten" und welche sind Ihrer Ansicht nach ähnlich sozial kalt wie wir Deutsche?

NewRaven hat gesagt…

Das ist eine kulturelle Sache... das heißt nicht, das die Deutschen per se weniger "gern" helfen... in Japan ist es eben nur in der Tat so üblich, das man das "einfach tut"... ohne das jemand darum bittet, ohne, das jemand groß fragt, ohne, das jemand drüber nachdenkt. Da wird auch kein großes "Danken" erwartet, das ist da schlicht völlig normal und ausgiebige Dankbarkeitsbekundungen hätte die beiden Damen eher peinlich berührt werden lassen. Die gehen beispielsweise auch mit älteren Menschen ganz anders um, das bezieht sich also nicht nur auf "Behinderte" oder wenn sie im "Ausland" sind. Deutsche sind in der Regel sozial viel distanzierter zu fremden Personen. Wer morgens mit der U-Bahn zur Arbeit fährt, merkt das... wer sich Mittags zu McDonalds setzt, merkt das... wer versucht, auf typisch deutsche Art mit einem Mädel aus beispielsweise Frankreich zu flirten, merkt das... und eigentlich weiß das jeder, der mal "irgendwo" Urlaub gemacht hat und hinterher vergleicht. "Irgendwo" deshalb, weil mir ehrlich gesagt, wirklich kein Land einfällt, indem unter man sich unter fremden Menschen derart distanziert verhält, wie hier. Und selbst in Deutschland ist das regional noch recht unterschiedlich. Das hat aber nichts mit "gut" oder "böse" zu tun, sondern mit kultureller Entwicklung und sollte keineswegs damit verwechselt werden, das die Menschen eigentlich nicht helfen wollen.

Madame Mim hat gesagt…

Wenn es regnet und ich habe Platz unter meinem Schirm, nehme ich immer jemanden mit darunter. Ganz egal, ob der Mensch zu Fuß oder mit dem Rollstuhl unterwegs ist. Ich finde, das ist ganz normale Höflichkeit.
Abgesehen davon ergeben sich da manchmal ganz nette Unterhaltungen. :)

Lia hat gesagt…

das ist aber süß von denen :)

Nim hat gesagt…

"Die Deutschen" sind auch das einzige Volk, das immer etwas zu meckern findet. Sogar bei einem so positiven Blogeintrag über eine nette Geste besteht der erste Kommentar aus Meckern. Bezeichnend?

"Die Deutschen" sind ungehobelt, unfreundlich und schlecht. Was für ein Glück für die Träger dieser Meinung, dass du, Jule, auf zwei Japanerinnen getroffen bist. Nicht auf Deutsche. Das hätte wohl einigen das Weltbild zerstört. Wobei. Selbst wenn es Deutsche gewesen wären, wäre vermutlich darüber gemosert worden, dass dies nur "Ausnahmen" sind, weil "Die Deutschen ..." ja.

Ich bin ich. Ich bin Deutsche und nicht "die Deutschen." So ist jeder er selbst, keine Masse. Ob man hilfsbereit ist oder nicht kommt auf den Charakter und die Erziehung an. Nicht darauf, aus welchem Land man kommt.

Damit beende ich meinen ersten Kommentar hier auf diesem Blog. Meinen "Mecker-Post über Meckerer." Aber ich bin ja eine von "den Deutschen." -> Das Land ist schuld, ich kann nicht anders.

Dennis hat gesagt…

Hallo Jule,

das ist doch mal eine super tolle Geste, die Dir da erfahren ist.

Lieb Grüße
Dennis

Olli hat gesagt…

Schön.
Wäre es auch noch toll und OK gewesen, wenn sie gefragt hätten, wo DU hunwillat um so ggf. Dich ein weiteres Stück als Schirmfrauen zu begleiten?
Weil nur an der Ampel ist sicherschön, aber davor und danach bleibt es leider doch nass.