Sonntag, 23. Juni 2013

Handbikes auf der Straße

War das jetzt der Sommer oder nur ein kurzer Vorgeschmack? Während am Dienstag das Thermometer in meinem Auto eine Außentemperatur von bis zu 37°C anzeigte, haben wir in der letzten Nacht beim Training schon wieder die langen Klamotten angezogen. Dann fing es auch noch zwei Mal an zu regnen ... nee, das war nicht wirklich angenehm.

Ich hatte das zwar schon ein paar Mal berichtet, aber weil ich dazu regelmäßig E-Mails bekomme, erwähne ich das noch einmal: Wir trainieren nachts, weil wir nicht im fließenden Straßenverkehr trainieren wollen. Das ist uns zu gefährlich. Entsprechend greifen wir auf eine gesperrte Straße zurück, die wir uns mit einigen Rennradfahrern und Triathleten teilen. Weil man natürlich nicht einfach so Straßen sperren darf, muss man das genehmigen lassen und braucht eine Ausnahme- bzw. Sondernutzungsgenehmigung von der zuständigen Behörde. Diese wird uns aber kompromissweise nur für nachts und nur für bestimmte Tage erteilt. Für das Aufstellen der Straßensperren muss extra eine zertifizierte Firma beauftragt werden, die dann da ein paar Sperrgitter hinstellt und hinterher wieder wegnimmt - das alles ist ein ziemlicher Aufwand.

Früher sind wir auch häufiger auf Strecken quer durch Hamburg gefahren. Ebenfalls nachts. Diese Strecken waren nicht gesperrt, dafür fuhr aber hinter uns ein so genanntes Sicherungsfahrzeug. Auch dafür brauchten wir stets eine Genehmigung und das Fahrzeug (und der Fahrer) mussten bestimmte Auflagen erfüllen.

Vorgestern abend startete der österreichische Handbiker Manfred Putz zu einem Weltrekordversuch in Hamburg. Hauptsächlich über Landstraßen wollte er die rund 1.000 Kilometer bis nach München fahren - in rund 50 Stunden. Lediglich vier jeweils einstündige Verpflegungs- und Klopausen waren eingeplant. Begleitet wurde die Aktion von einem Technikteam und einem Kollegen aus dem Handbikesport. Er wollte mit diesem Weltrekord auf die Leistungsfähigkeit paralympischer Sportler aufmerksam machen, so schreibt er selbst auf seiner Internetseite.

Leider ist der Kollege nicht weit gekommen. Nachdem sich offenbar mehrere Autofahrer über das Verkehrshindernis auf den Landstraßen beschwert oder um seine Gesundheit gesorgt hatten, stoppte ein Streifenwagen den Handbiker bereits nach wenigen Kilometern in Niedersachsen. Da er die erforderliche Ausnahmegenehmigung nicht eingeholt hatte und auch kein ordnungsgemäßes Sicherungsfahrzeug dabei hatte, untersagten die Beamten die Weiterfahrt auf der Fahrbahn. Es stünde ihm frei, das Radwegenetz zu benutzen, aber auf Landstraßen, auf denen andere Verkehrsteilnehmer mit 100 km/h angeschossen kommen, werde nicht Handbike gefahren, wenn daneben (nicht ohne Grund) ein benutzungspflichtiger und zumutbarer Radweg vorhanden sei. Weltrekord hin oder her. Manfred Putz brach daraufhin die Veranstaltung ab: Bei Benutzung der Radwege sei das Ziel nicht zu schaffen.

Unabhängig davon, dass ein Handbikefahrer sehr schwer zu sehen ist, da er nahezu flach auf der Straße liegt und der höchste Punkt gerade mal rund 60 Zentimeter über dem Asphalt ist, besteht beim Handbiker die Gefahr des Überrolltwerdens durch einen Pkw, da der hinterste Punkt (die Hinterachse) des Handbikes unterhalb der Radnabe eines Pkw-Rads liegt. Darüber hinaus würde als erstes sein Kopf getroffen werden und nicht etwa die Beine und er könnte nicht seitlich wegkippen, wie es ein Fahrradfahrer bei einer Kollision tun könnte. Sicherlich ist jeder in erster Linie für sich selbst verantwortlich. Das gilt auch für Menschen mit Behinderungen. Nur würde die Polizei auch Menschen ohne Behinderungen von der Fahrbahn schicken, wenn daneben ein Radweg ist.

Mehrere Tageszeitungen und Nachrichtenmagazine zitierten den 43jährigen dahin gehend, er fühle sich als behinderter Mensch zurückgestoßen. "Das ist Inklusion live", schrieb der Sportler laut dem Nachrichtenmagazin Focus auf der Facebookseite seines Projektes. Dazu möchte ich sagen: "Lieber Manfred, schade, dass du es nicht geschafft hast. Aber du hast es versäumt, dich vorher um die nötigen Ausnahmegenehmigungen zu kümmern. Handbikes gehören nicht auf die Landstraße. Du hast Vorbildfunktion. Starte einen zweiten Anlauf, lass dein Team vorher die nötigen Papiere zusammensammeln. Jetzt die Verantwortung dafür dem Polizisten in die Schuhe zu schieben und ihm behindertenfeindliche Motive zu unterstellen, wäre nicht nur schwach, sondern auch alles andere als förderlich für die von dir gewünschte inklusive Gesellschaft. Inklusion heißt nämlich miteinander."

Ein Bild, auf dem übrigens auch ein Radweg zu sehen ist, dazu:


(Text und Bild nachträglich ergänzt um 23.21 Uhr.)

Kommentare :

Florian Dehne hat gesagt…

Nya... wie man's nimmt. Ein "normaler" Radfahrer wäre nicht weiter aufgefallen. Ein Liegefahrrad ebenfalls nicht, womit das Argument der Höhe ausfällt. Somit stellt sich tatsächlich die Frage, warum das gestoppt wurde...
Im Übrigen zeugt das Verhalten der Autofahrer, die "über die Gesundheit" besorgt sind, auch nicht von Inklusion. Von denen macht sich auch keiner Sorgen über die Gesundheit von Liegefahrradfahrern...

BigDigger hat gesagt…

W O R D !

cebewee hat gesagt…

Sind Handbikes so viel schlechter zu kontrollieren als Fahrräder? Dass der Versuch abgebrochen wurde, wenn er trotz benutzungspflichtigen Radwegen auf der Fahrbahn gefahren ist, ist natürlich nicht zu beanstanden (auch wenn das Rennradfahrern vermutlich nicht so schnell passiert wäre).

Aber wenn es keinen Radweg gibt, haben Radfahrer (und ich vermute, dass Handbikes rechtlich gleichgestellt sind?) natürlich das Recht, diese Fahrbahn zu benutzen. Schließlich gibt es ja das Sichtfahrgebot ...

Jakob hat gesagt…

"Handbikes gehören nicht auf die Landstraße."

Ich bin noch nie Liegerad gefahren, geschweige denn mit einem Handbike. Ich schätze mal, die Sicht ist wegen der geringen Fahrhöhe wahrscheinlich schlechter und die Gefahr, übersehen zu werden, größer. Aber siehst du das wirklich so streng?

Die Frustration des Sportlers kann ich schon verstehen, schließlich fahren besonders Rennradler ständig auch bei vorhandenen Radwegen auf landstraßen.

Was die rechtliche Seite angeht, gelten Handbikes soweit ich das verstehe als Fahrräder - und dürfen damit auf Landstraßen fahren, soweit kein benutzungspflichtiger Ragweg existiert. Das ist also eher ein organisatorisches Problem, man müsste eben die richtigen Strecken auswählen - oder sich eben um die Ausnahmegenehmigung bemühen.

Annike hat gesagt…

Danke, genau das habe ich beim Lesen auch gedacht.

Blogolade hat gesagt…

Oh, das waren auch meine Gedanken. Ich finds sehr gut, dass man ihn nicht hat weiter fahren lassen, es ist auf den Landstraßen schon als Autofahrer oft zu gefährlich.

Wäre ihm lieber gewesen, er wäre unter die Räder gekommen? Nicht wirklich, oder?

Anonym hat gesagt…

Gilt ein Handbike nicht als Fahrrad? Und mit einem Fahrrad darf man eigentlich auf normalen Landstraßen fahren, wenn nicht ein benutzungspflichtiger Radweg daneben ist. Bei den meisten Landstraßen gibt es keinen solchen. Also verstehe ich seinen Ärger schon.

Anonym hat gesagt…

Kann ich nicht ganz verstehen ...
Fahrradfahrer fahren auch über die Landstraße, da sollte es einem Handbikefahrer genau so erlaubt sein, finde ich.

Philipp hat gesagt…

Tja, so gehts natürlich nicht.

Hier in Deutschland haben wir zum Glück, anderster wie in anderen Ländern, Regeln an die man sich zum Glück auch, anderster wie in anderen Ländern, halten muss sonst muss man eben, anderster wie in anderen Ländern, mit den Konsequenzen rechnen und nicht den Polizisten mal eben freundlich zuzwinkern und einen Grünen in die Tasche stecken.

Das soll keine schönfärberei sein, nein, auch unser Land hat seine Macken und das sind wie bei anderen Ländern auch nicht wenige, aber, und das ist auch der Grund warum Ich niemals von hier weg will, halten wir uns doch in den allermeisten Fällen an die Regeln und wenn nicht werden wir hoffentlich zurechtgewiesen.

Die Idee an sich finde Ich toll und Ich würde mich für Ihn freuen wenn er sein Ziel irgendwann erreicht.

Hier bei uns haben sie im letzten Jahr auch ein Schnellstrasse auf der 100 erlaubt sind für Mofas, Roller und Fahrradfahrer gesperrt. Bisher ist zwar nie was passiert, aber man weiss ja nie.

Vielleicht tröstet es dich ein wenig dass das Wetter bei uns auch nicht gerade erste Sahne ist. Mit schwimmen und so war es diesjahr auch noch nix.

Grüße aus Kaiserslautern

Philipp

ruolbu hat gesagt…

Ich verstehe deine Argumentation dahinter nicht.
Ich meine, ich verstehe alle Autofahrer_innen, die das tiereisch nervt oder die das nicht gewohnt sind und entsprechend dieses Fahrzeug dort lieber nicht hätten. Aaaaaaaaaaaber...

- und ich komme mir gerade echt doof vor das zu fragen -

worin unterscheiden sich Handbikes in dieser Hinsicht von Fahrrädern? In meiner Vorstellung sind beide ähnlich langsam und ähnlich unsicher. Und sofern es keine Radwege direkt parallel zur Landstraße gibt, bin ich mir ziemlich sicher, dass Fahrräder in der Regel auf die Straße gehören und dort von Polizei und Autofahrer_innen - wenn auch Zähne knirschend - toleriert werden.

Dass ihr beim Trainieren eine Genehmigung benötigt hätte darauf geschoben, dass ihr in großer Anzahl unterwegs seid und somit ein ganz anderes Hinderniss für den Verkehr darstellt als eine einzelne Person.

Also was ist die Grundlage dafür Handbikes und Fahrräder so getrennt zu handhaben?

Sven hat gesagt…

Ich wollte dir erst voll zustimmen und sehe das Ganze aufgrund der Geschwindigkeitsdifferenz auch als gefährlich an.

Dann allerdings wurde ich nachdenklich.
Ich bin auch mit dem Fahrrad auf Landstraßen von Berlin aus in den Harz gefahren. Das ist eigentlich völlig legal. Fahrräder dürfen auf die Landstraße.
Wenn es geeignete Radwege in Straßennähe gibt, sind diese natürlich zu bevorzugen. In meinem Fall gab es die damals fast nie.
Wenn aber Fahrräder auf die Landstraße dürfen, wieso nicht Handbikes? Die Breite dürfte kaum ein Argument sein. Beim vorgeschriebenen Seitenabstand zu Fahrrädern, fällt die zusätzliche Breite eines Handbikes (ich bilde mir ein, dass die breiter sind) kaum ins Gewicht.
Und ich glaube nicht, dass ein trainierter Handbiker wirklich langsamer ist als ein Durchschnittsradfahrer.

Aufgrund der Begleitung durch ein Technikteam mit entsprechendem Fahrzeug, das ja ebenfalls den Verkehr bremst, könnte das Unternehmen allerdings schon eine Sondernutzung darstellen.

BigDigger hat gesagt…

Ich sehe übrigens anhand des Bildes noch weitere Gründe, warum er nicht weiterfahren durfte. Abgesehen von der Sondernutzungsfrage und der Gefährdung durch das Handbike selbst: Das Handbike, wie dort abgebildet, erfüllt nicht die Anforderungen der StVO hinsichtlich Beleuchtung etc.

Was Deinen Appell im letzten Absatz betrifft, bleibe ich dabei: WORD!

(Denn die StVO gilt auch für Paralympioniken.)

f hat gesagt…

Das Handbike sieht auf dem Bild wirklich sehr niedrig aus und ich denke, das kann man als Autofahrer leicht übersehen. Möglicherweise auch, weil man es einfach nicht gewöhnt ist, dass da etwas so niedriges auf der Landstraße fährt.

Abgesehen davon: es sieht nicht so aus als hätte das Handbike eine Lichtanlage oder Rückstrahler. Als Fahrradfahrer darf man ohne die nicht auf die Straße. Ist das bei Handbikes anders?
Als (unerfahrener) Autofahrer würde ich so einem Fahrzeug vor allem nachts und auf unübersichtlichen Straßen nicht begegnen wollen. :/

Und über Radfahrer, die vorhandene (und gut benutzbare) Radwege auf kurvigen Strecken nicht nutzen, kann ich mich sowieso aufregen..

Anonym hat gesagt…

Schaut euch mal das Bild an, welches nachträglich ergänzt wurde. Das Handbike ist viel kleiner als ein Fahhrad und somit deutlich leichter zu übersehen. Das sieht nicht merklich höher als die Autoreifen aus. Dass deshalb nicht die gleichen Regeln wie für Fahrradfahrer gelten, kann ich durchaus nachvollziehen.
Ich habe mir die ganze Zeit gedacht, er ist selbst Schuld. Er hätte doch wissen müssen, dass er dafür Genehmigungen braucht und wenn er es versäumt, dann hat er leider Pech gehabt.

Jali hat gesagt…

Sagt mal, habt ihr Jules Artikel überhaupt zu Ende gelesen?
Sie hat doch ganz eindeutig hervorgehoben, dass es dort wo Herr Putz von der Polizei angehalten wurde, ein benutzungspflichtiger Radweg existiert.

Wäre das nicht so, hätte er selbstverständlich auf der Fahrbahn fahren dürfen, ja sogar müssen, wie jeder andere Radler auch.
Rechtlich gelten die Rennbikes als Fahrräder, und müssen entsprechend geführt werden. Damit gilt auch die Benutzungspflicht für Radwege.

Diese ist, anders als man das häufiger mal in den Medien liest, nämlich keineswegs aufgehoben. Entscheidend ist aber nicht das vorhandensein eines Radwegs, sondern die entsprechende Beschilderung.
Radwege (im Amtsdeutsch heißt das "Radverkehrsanlagen") können entweder Teil der Fahrbahn sein, so wie das in Jules Beitrag http://jule-stinkesocke.blogspot.de/2013/06/scheibenwischer-fur-stinkesocke.html zu sehen ist, oder als sog. "straßenbegleitende Radverkehrsanlagen" ausgelegt sein, also neben der Straße herlaufen.

Ob eine Benutzungspflicht besteht, erkennt man daran, dass der Weg mit einem der StVO-Zeichen 237, 240, 241, 244 (das sind die blauen Schilder mit dem Fahrrad drin) ausgeschildert ist. Innerhalb geschlossener Ortschaften ist das oft nicht der Fall, dann kann der Radler sich aussuchen ob er auf dem Radweg oder lieber auf der Straße fahren möchte.

Eine Ausnahme für Rennräder gibt es dabei nicht. Wer also ohne Sondergenehmigung auf der Fahrbahn trainieren will, muss sich also einen Landstaßenabschnitt suchen, auf dem es keinen beschilderten Radweg gibt.

Judi hat gesagt…

Ich hab jetzt mal Bilder gesucht und gefunden und festgestellt daß das von Jule nachträglich verlinkte Bild das originalbild vom Stopp des Rekordversuchs ist. Ich sehe da (und auch auf keinem anderen von M.Putz veröffentlichten Bild) Beleuchtung in irgendeiner Form am Handbike. Somit hat das Ding keine Straßenzulassung und gehört weder auf die Landstraße noch auf Radwege.
Wenn man aufgrund fehlender Beleuchtung mit sicherndem Begleitfahrzeug unterwegs ist braucht man ne Genehmigung, Inklusion hin oder her...
Der Vergleich mit dem Liegerad hinkt m.E., selbst die sportlichsten Straßenliegeradfahrer sind noch ne ganze Ecke höher unterwegs als Herr Putz
LG
Judi



Anonym hat gesagt…

Und wenn man alle Kommentare so liest, kann man doch eigentlich zu dem Schluss kommen:

Inklusion ist, jemanden ohne regelgerechte Beleuchtung von der Landstraße zu holen, wenn er sich weigert, den benutzungspflichtigen Radweg zu benutzen.

1.000 km in 50 Stunden mit vier einstündigen Pausen. Handbike ohne Licht. Ohne entsprechendes Sicherungsfahrzeug. Auf Landstraßen. Also auch nachts im dunkeln? Ist das eine clevere Idee - egal ob Handbike, Rennrad oder Hollandrad? Ist ja nicht so, als wären (v.a. wochenends) nachts auf Landstraßen nicht genug Bekloppte unterwegs... ziemlich zügig, in der Regel. Und Landstraßen sind ja immer so extrem übersichtlich, wie wir sicherlich alle wissen?

Wenn man plant, 1.000 km in knapp 2 Tagen zurückzulegen, hat man das doch vermutlich genau geplant und länger dafür trainiert; sich zwischendurch über gesetzliche Vorgaben informieren und sich um mögliche Genehmigungen zu kümmern, muss da zeitlich doch wohl drin sein.

Und ich weiß wieder, warum ich nicht möchte, dass mein Mann Liegerad fährt. Das Objekt der Begierde war minimal höher als das Handbike auf dem Foto. (Ehe)Frau muss sich ja nicht noch mehr Sorgen machen - und die Drohung mit der hübschen orangenen Fahne hat zum Glück gezogen.

paul hat gesagt…

Ich muss auch sagen, schwache Leistung des Sportlers und auch das verbale "Nachtreten", als hätte die Polizeietwas falsch gemacht. Im Gegenteil, so wie ich das sehe wurde ja auf Strafen etc. verzichtet und nur die Weiterfahrt auf der Straße verboten (bzw. auf das bestehende Verbot hingewiesen). Da wäre es richtig gewesen zu sagen: "Jo, mein Fehler, ich kümmer mich um Beleuchtung/Genehmigung/andere Strecke und versuche das ganze in X Wochen nochmal".

Hubert hat gesagt…

Klar, dass er auf Radwegen die Strecke nicht schaffen kann, die sind in ihrer Beschaffenheit des Belages und auch durch Einfahrten und die Rücksichtslosigkeit anderer Verkehrsteilnehmer_innen (Fußgänger_innen die einfach drauf latschen ohne sich umzusehen, Autos die einfach aus Einfahrten kommen und zu rapidem Abbremsen zwingen etc.) kaum für einen solchen Rekordversuch geeignet. Nicht zuletzt durch diese wenigstens nervigen, teilweise gefährlichen Hindernisse (schonmal mit nem Rennrad mit vierzig Sachen über einen von Wurzeln zerstörten Gehweg gehüpft?) fahren ja viele Menschen auf Rennrädern auf der Straße, weil sie sich trotz des Verkehrs dort immer noch sicherer fühlen als auf den Radwegen.
Ich tue das selber im Übrigen auch oft, bin mir aber gleichzeitig im Klaren darüber, dass ich rechtlich in den meisten Fällen durch entsprechende Beschilderung dennoch zur Nutzung der Radwege verpflichtet wäre, wie offenbar auch zum Zeitpunkt des Stopps der Handbiker.

Für sich, und dann auch noch mit dem Verweis auf seine Behinderung, etwas einzufordern, was jedem anderen Menschen ohne entsprechende Genehmigung ebenso verweht wird, das klingt für mich irgendwie seltsam.

Schön wäre sicherlich gewesen, einzufordern, dass alle Rennradfahrer_innen und Handbiker_innen Landstraßen nutzen dürfen. Aber das nur für sich zu fordern und wenn es gemäß geltenden Rechtes nicht gewährt wird, dann den Vorwurf der Diskriminierung zu erheben, scheint blödsinnig. Der Herr wird ja gerade nicht diskriminiert, indem er nämlich vor dem Gesetz so behandelt wird wie alle anderen auch, wenn ihm die Benutzung von Landstraßen ohne Ausnahmegenehmigung beim gleichzeitigem Vorhandensein entsprechend beschilderter Radwege verwehrt bleibt.

jali hat gesagt…

@Judi:

Das hängt davon ab, was das Ding wiegt: Fahrräder unter 11 kg, benötigen keine fest installierte Beleuchtungsanlage, es genügt batteriebetriebene Lampen mitzuführen (§67 Abs. 11 StVO). Soweit man das in dem Foto erkennen kann, sind an den Seiten der Räder reflektierende Streifen angebracht. Daher sind die gelben "Katzenaugen" nicht notwendig.

Was allerdings fehlt, sind Reflektoren vorn und hinten am Rad.

Ich gehe -in Ermangelung anderer Infos- allerdings dabei immer davon aus, dass so ein Handbike als Fahrrad zählt. Wenn es als Rollstuhl gewertet würde, wäre es rechtlich kein Fahrzeug im Sinne der StVO. Dann müsste Herr Putz sogar den Fußweg benutzen; und dürfte sich nur mit Schrittgeschwindigkeit bewegen.

grinseliese hat gesagt…

Hm, in München auf dem Regattagelände sind da neuerdings auch immer mehr und man sieht die vom Auto aus echt schlecht, selbst wenn sie beleuchtet sind. Hätte ich das allerdings nicht selbst schon mal festgestellt (und eigentlich nur wegen dem ballspielenden Kind gebremst...) würde ich auch sagen, dass das doch wie ein Fahrrad gelten müsste.

Fastdäne hat gesagt…

Moin, ich bin sehr froh Jule, dass auch du das Unternehmen des Sportkameraden kritisch siehst. Wie gesagt, Genehmigungen einholen, Auflagen (z.B. Sicherungsfahrzeug) erfüllen und schon kann es losgehen.
Ich habe auch kein Verständnis für die selbstgerechten Radler im Sportdress, die für sich in Anspruch nehmen Bundesstraßen zu nutzen, weil der daneben verlaufende Radweg angeblich zu sandig, zu wellig und auf keinen Fall zumutbar ist.

cebewee hat gesagt…

Die Beleuchtung dürfte hier nicht relevant gewesen sein: Für Rennräder muss die Beleuchtung nicht fest am Fahrrad angebracht sein muss; solange das Licht nicht benötigt wird, ist sie lediglich mitzuführen.

Die am wenigsten bürokratischste und gegebenenfalls symbolträchtigste Lösung wäre übrigens, sich noch 15 Mitfahrer zu suchen. § 27 StVO:

(1) [...] Mehr als 15 Rad Fahrende dürfen einen geschlossenen Verband bilden. Dann dürfen sie zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren. [...]

Jens Bonn hat gesagt…

Keine Beleuchtung stimmt so nicht - wenn man sich das Bild im Original anschaut, kann man sehr gut eine Rückleuchte erkennen.

Ob er vorne Licht hat nicht, aber das unterstelle ich jetzt mal einfach. Ob der notwendigen Reflektoren könnte die Schrift reflektierend sein, was dann genug Aufmerksamkeit erzeugt.

Wenn das Handbike ein Sportgerät analog zum Rennrad ist, gelten auch die Vorschriften die besagen dass dort kein Dynamo zur Beleuchtung notwendig ist.

Wenn natürlich notwendige Genehmigungen nicht eingeholt worden sind, dann hat er geschlampt - und das ist sein Problem und nicht eines der Gesellschaft / der Inklusion.

Das einzige Problem was ich sehe ist halt, das bei Radrennfahrern die auf Straßen mit Radweg trainieren und zu mehreren neben einander fahren, im Leben keine Kontrolle gemacht wird und auf die zwingende Nutzung des Radweges hingewiesen wird.

Anonym hat gesagt…

Mir stellt sich als erstes die Frage ob ein Handbike ein Fahrrad ist. Nur dann gilt auch die Benutzungspflicht für Radwege. Verbot auf Straßen zu Fahren gilt auf Autobahnen und Kraftfahrtstraßen für Kraftfahrzeuge die nicht mehr als 60 km pro Stunde fahren können (Darum haben die schweren Autokräne den Aufkleber mit der 62 auf dem Heck) andere als Kraftfahrzeuge dürfen dort garnicht fahren. Genau so ist es mit Radwegen. Andere Fahrzeuge als Fahrräder und ausserorts Fahrräder mit Hilfsmotor dürfen Radwege nicht benutzen. Zu garnichts also auch nicht zum halten, Be oder Entladen Parken, Putzen oder was sonst noch so anfällt.
Das Handbike ist aber ein Dreirad und kein Fahrrad
[ http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrrad#Name ].
Also muss es auf der Fahrbahn fahren

Anonym hat gesagt…

Meines Wissens nach sind Handbikes rechtlich genauso wie Inlineskater und Rollifahrer zu sehen: Nämlich wie Fußgänger

Blogolade hat gesagt…

Beleuchtung hin oder her. Ich weiß auch, dass es erlaubt ist, wenn Radfahrer die Landstraße benutzen falls es keinen Radweg gibt aber dennoch finde ich es für Radfahrer auf Landstraßen, wo 100 erlaubt ist, IMMER saugefährlich. Die Rennradfahrer, die auf allen Landstraßen rumfahren, teils sogar im Windschatten von LKW, sind mE selbstmordgefährdet. Nur weil die das machen, ist das noch lange keine gute Idee geschweige denn sicher.
Scheißegal was erlaubt ist, ein Unfall passiert superschnell und als Radfahrer wird man schnell übersehen, als Liegeradfahrer oder Handbiker sogar noch schneller. Ich finde die ganze Idee, Landstraßen zu nutzen für solche eine Tour, nicht gut.
An seiner Stelle hätte ich mir die schönsten Radwege Deutschlands ausgesucht und idealerweise so viel Presse dazu gemacht, dass viele Menschen mitfahren sodass es am Ende vielleicht heißt "5000 Radfreunde beteiligten sich an Handbiketour von Nord nach Süd" oder so. Das wäre doch tolle Presse gewesen und jeder hätte mitmachen können. Es hätten also auch viel mehr Menschen mitgemacht und sicherlich auch etliche bei den Ortsdurchfahrten Getränke oder Kuchen angeboten.

Wirklich, ich finde man hätte es besser und sicherer organisieren können.

Karo Ro hat gesagt…

Wie kann man nur als Profi nur einen Weltrekord planen und sich nicht um die Organisation kümmern? Er muss es doch als Handbiker besser wissen.

Wenn ich das Bild so sehe, soll er froh sein, dass er überhaupt noch lebt. Im normalen Straßenverkehr geht er doch unter. Ich sehe auch keine Warnleuchte oder Sonstiges am Handbike. Ich kann gut verstehen, dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer verärgert und gesorgt waren.

Olli hat gesagt…

Ich kann mich nur Jali anschließen.

Es ist auf dem Foto zwar ein Batterielicht hinten zu sehen, aber eben kein Refektor.

Darüberhinaus fehlt Herrn Putz wohl so etwas eine eigenschaft, die Sportler haben sollten: verlieren können... Wobei es eigentlich kein Verlieren ist, sondern es für mich nur verwunderlich ist, wie er ernsthaft meinen konnte, einen derart öffentlichkeitswirkamen "Verlehrsversuch" mit verkehrsregelwidrigem Verhalten umsetzen zu wollen. Ich kann mir zB denken, was so manches Schmierblatt über Behördenversagen getextet hätte, wäre ihm etwas passiert und es hätte nur den Ruch gegeben, dass den Behörden dieser illegale Versuch bekannt gewesen wäre und sie nichts dagegen getan hätten.