Mittwoch, 28. August 2013

Mordfall Maria

Maria ist jung, hübsch, keck, modern, selbstbestimmt, temperamentvoll und kämpferisch. Sie wohnt in einer WG und führt trotz ihrer Behinderung ein aktives und erfülltes Leben. Sie spielt Rollstuhlbasketball und studiert Medizin. Sie ist bei ihren Freundinnen und Freunden beliebt, wohnt in Hamburg und wird plötzlich ermordet. Warum und von wem, das wissen bisher nur ganz wenige, und die, die es wissen, werden das natürlich vor Januar 2014 nicht verraten. Denn im Januar 2014 ermittelt Kriminalhauptkommissar Wilfried Stubbe mitten unter uns Rollstuhlfahrern und damit in einem ihm bisher unbekannten Milieu. Es wird Stubbes letzter Fall (Arbeitstitel: "Mordfall Maria").

Für Maria, die ermordete Rollstuhlfahrerin, setzt sich Jana Reinermann in den Rollstuhl. Genau, jene hübsche Berlinerin, die im letzten Jahr die sexy Nanny aus "Kokowääh 2" so herrlich naiv und ungeniert gespielt hat. Weitere Rollen dieser letzten Folge sind mit Uwe Bohm und Jule Böwe besetzt. Ich kann es gar nicht erwarten, die 50. Stubbe-Folge im Fernsehen (ZDF) zu sehen. Ich selbst spiele in dem Film aber nicht mit.

Drehbuchautor dieser Folge, der gleichzeitig auch Regie führt, ist Peter Kahane. Er hatte, wie er mir sagte, schon lange die Idee, einen Kriminalfilm in der Rollstuhlszene zu drehen. Da eine bloße Idee bekanntlich nicht reicht, um so einen Film zu produzieren und ins Fernsehen zu bringen, sondern eben auch viele andere Leute überzeugt sein wollen, hat es lange gedauert, bis aus dieser Idee ein konkretes Projekt wurde. Ich kann mir vorstellen, dass spätestens seit den Paralympics 2012, die in die Medien und in die öffentliche Wahrnehmung weiter vorgedrungen sind als sämtliche Paralympics je zuvor, das Interesse und sogar auch die Lust, einen Spielfilm über selbstbestimmt lebende Menschen mit Behinderungen auszustrahlen und anzusehen, endlich groß genug waren.

Im letzten Jahr wurde das Vorhaben also so greifbar, dass Peter Kahane konkret mit dem Schreiben begann und damit jeder seiner Filmfiguren nach und nach Leben und Charakter eingehaucht hat. Ich stelle mir das sehr schwierig vor: Einerseits darf so eine Gruppe nicht zu groß werden, andererseits wollen die handelnden Personen möglichst interessant sein und irgendwie miteinander verzahnt. Andererseits ist immer nur Friede, Freude, Eierkuchen stinklangweilig. Eine spannende Handlung muss auch noch her, so realistisch wie möglich und dabei doch möglichst außergewöhnlich soll es auch noch sein - keine einfache Aufgabe. Und eine der wohl schwierigsten Hürden in diesem Fall wähne ich darin, etwas darzustellen, was vor allem von der dargestellten Szene, sprich: den Rollstuhlfahrern, abgenommen wird. In ihr vermute ich die schärfsten Kritiker.

Peter Kahane hat sich aus meinem Blog für seine Maria viele Inspirationen geholt. Es ist mir eine Ehre, dass ich ihm bei seinem Projekt helfen durfte und, wie er sagt, auch geholfen habe. Auch hat er meinen Blog den Schauspielern und Mitarbeitern als Lektüre empfohlen. Er sei "ein starkes Dokument" und, ehrlich gesagt, bin ich darauf auch etwas stolz.

Seien wir doch realistisch: Nicht wenige Menschen können sich auch heute noch nicht vorstellen, dass eine Querschnittgelähmte ausgerechnet Medizin studiert, Kinder bekommt, fremdgeht, Auto fährt, ein Haus baut oder einfach nur glücklich ist. Ich sage nicht, dass die Mehrzahl der Menschen so denkt. Ich sage auch nicht, dass Peter Kahane so denkt. Aber ich weiß, dass er weiß, dass es Menschen gibt, die so denken. Wenn es ihm mit seinem Film gelingt, auch nur einen dieser Menschen zum Nachdenken anzuregen, freue ich mich, dass ich Inspirationen und Bestätigungen geben durfte. Ich bin mir sicher, es wird ein guter Film.

Über den genauen Ausstrahlungstermin (derzeit ist der 18.01.14 grob geplant) werde ich rechtzeitig informieren.

Kommentare :

Laura hat gesagt…

Oh. Mein. Gott. Jule! :D Du hast mich voll geschockt mit dem ersten Absatz - hätte ich genauer gelesen hätte ich zwar gleich gemerkt dass nicht Maria ermordet wurde, DIE Maria von der du hier auch schon öfter geschrieben hast ... aber so hab ich erst mal nen halben Herzinfarkt bekommen ;)

Jetzt freu ich mich aber wie wahnsinnig auf diesen Tatort! Schön dass du vorher noch mal Bescheid gibst wann er denn genau läuft.

BigDigger hat gesagt…

"Nicht wenige Menschen können sich auch heute noch nicht vorstellen, dass eine Querschnittgelähmte ausgerechnet Medizin studiert, Kinder bekommt, fremdgeht, Auto fährt, ein Haus baut oder einfach nur glücklich ist."

Stimmt - ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Du fremdgehst. Oder fremdrollst.

Bin gespannt...

Sally hat gesagt…

Ich bin schon total gespannt!!! :D

Anonym hat gesagt…

Oh ja, ich liiiiiebe Stubbe! Das wird wieder ein toller Film!

Schön, dass du endlich ein wenig erzählen durftest :D

Liebste Grüße

Anonym hat gesagt…

Alder, musst du einem solchen Schrecken einjagen? Ich dachte schon, bei euch in der WG gäbe es Mord und Totschlag. Bis ich dann las, dass es sich um eine Fernsehsendung handelt.

Eins muss man dir lassen: Schreiben kannst du. :)

Matthias Meyer hat gesagt…

Also ich sehe das mit gemischten Gefühlen. So ein Mord in dem Milieu hinterlässt auch immer negative Spuren, auch wenn er nur gespielt ist. Schade, dass das sein muss.

Anonym hat gesagt…

Ich liebe Stubbe. Und ich liebe Kahanes Stubbe-Folgen. Als Stubbe-Fan habe ich alle Folgen aufgezeichnet, die ersten noch auf VHS-Kassetten. Ich bilde mir ein, Kahanes Handschrift in seinen Episoden erkennen zu können. Ich freue mich, in der 50. Folge noch einen zusätzlichen Bezug zu haben: Den zu dir.

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule,
das haben Sie schön geschrieben. Ich habe als Kind im Krieg beide Beine verloren und lange Jahre davon geträumt, Behinderung möge in Deutschland so alltäglich werden, daß wir sie auf der Straße, beim Einkaufen, im Büro, im Sport, in Spielfilmen und in der Werbung als fest dazugehörend wahrnehmen.

Ich bin 77 Jahre alt und habe viel erlebt. Mich haut so schnell nichts um. Ihr "Blog" aber gehört inzwischen zu meinem Leben dazu wie die Luft, die ich atme. Ich fühle mit Ihnen. Ich kann mir vieles, was Sie so brillant beschreiben, immer wieder vor meinem inneren Auge vorstellen. Auch wenn ich Sie persönlich nicht kenne, ich bin froh, daß ich Sie über Ihr "starkes Dokument" kennenlernen durfte.

Heute schreiben Sie über die Erfüllung eines Traumes, dessen Verwirklichung sich vor 30 Jahren niemand vorstellen konnte. Ich bin glücklich, die Erfüllung dieses Traumes zu erleben. Ich weiß nicht, ob Sie das verstehen können, aber ich bin Ihnen sehr verbunden. Sie müssen ein wundervoller Mensch sein.

In tiefer Dankbarkeit!

Ihr treuer Leser
H. Knopp

Banane hat gesagt…

Hi Jule,

da muss sich ja selbst ein Fernsehmuffel wie ich mal wieder vor die Glotze setzen...
Ich finde es auf jeden Fall gut, wenn auch das Thema Behinderung in ganz normalen Filmen (und nicht nur in irgendwelchen Mitleids-Dokus) nicht ausgespart wird.
Und offensichtlich hat sich der Drehbuchautor und Regisseur auch gut mit der Materie auseinandergesetzt, so dass er schon nicht all zu viel unrealistischen Schwachsinn zeigen wird.

Darauf, dass er deinen Blog als Inspiration genutzt hat, kannst du völlig zurecht stolz sein!

Und natürlich teile ich deine Hoffnung, dass dieser Film einige Leute zum Umdenken anregt.

Gruß
Banane

BigDigger hat gesagt…

@Matthias Meyer (22:10)
"Schade, dass das sein muss."

Ja, das muss sein. Denn, ob Sie es glauben mögen oder nicht, auch Menschen mit Behinderung können einen anderen Menschen - mit oder ohne Behinderung - um die Ecke bringen. Siehe Oscar Pistorius.

Und Menschen mit Behinderung können auch Opfer von Mord und Totschlag werden. Vielleicht überspitzt formuliert - aber auch nur vielleicht: Das gehört beinahe zum Pflegeheimalltag...

Auch und gerade bei so etwas profanem wie einem Fernsehkrimi wirkt doch Inklusion: Indem ein Mensch mit Behinderung, wie jeder andere "normale" Mensch auch, ungeachtet seiner körperlichen Einschränkungen, wahlweise als Täter und/oder Opfer eines Kapitalverbrechens dargestellt werden kann, ohne dass man dabei Bauchschmerzen bekommt.

Unsere Stinkesocke pupst ja schließlich trotz ihres Querschnitts auch keine goldenen Regenbögen. Wenn sie loslegt, will ich lieber nicht daneben stehen oder sitzen... ;-)

Michi hat gesagt…

Stubbe hab ich noch nie gesehen, aber das wird ein Pflichttermin werden! Noch lieber wäre mir ja Wilsberg gewesen...

Ich freu mich gerade richtig für dich! Nicht nur wegen des Filmprojektes, auch der Kommentar von H. Knopp hat mir sehr gefallen.

Anonym hat gesagt…

Die Jule hat sich ganz schön gemausert. Von einer Stinkesocke zur Medienberaterin ;)

So eine Karriere möchte ich auch mal hinlegen. Ich drücke seit 30 Jahren dieselben Knöpfe.

Manchmal wäre ich gerne noch einmal so jung wie du.

Anonym hat gesagt…

Die Autorin dieses Blogs versteht es, sich gut zu verkaufen. Ich wette meinen A*sch darauf, dass sie lediglich die Dreharbeiten aus der Ferne beobachtet hat und stolz wie Oskar auf ein Autogramm von Jana Reinermann ist, das sie am Zaun irgendwo mal ergattern konnte.

Dieses Blog liest sich ja ganz gut, aber leider merkt die Autorin nicht, wann es unglaubwürdig wird. Schöne Restwoche noch!

Jule hat gesagt…

@09.41:

So leichtfertig, wie du deinen Arsch verwettest, würde ich mir an deiner Stelle mal Gedanken über dessen Wert machen. Oder über deine Eifersucht auf meine Autogrammsammlung.

Anonym hat gesagt…

Hey, das finde ich toll, im Fernsehen sind zwar immer mal wieder Rollstuhlfahrer zu sehen oder andere Menschen mit Behinderung, aber es ist viel zu wenig "an der Tagesordnung". Also warum gibt es keinen Nachrichtensprecher im Rolli oder so ... oft sind es solche Tränendrüsenfälle in irgendwelchen Talentshows oder schlecht recherchierte und grottig gespielte Nummern im Nachmittagsprogramm. Das hier hört sich sehr seriös an, Stubbe ist ja ein tolles Format und die genannten Schauspieler halte ich allesamt für sehr glaubwürdig.

Uwe Bohm habe ich mal live im St.-Pauli-Theater gesehen, der hat mich schon beeindruckt...

Ich bin gespannt!

Lisa hat gesagt…

Ist "anonym 9:41 Uhr" eigentlich derselbe der hier sonst auch sehr ausdauernd unter jedem dritten eintrag deine glaubwürdigkeit in frage stellt?
ich freu mich auf jeden fall über jeden deiner einträge und kann mir das leider alles sehr gut vorstellen, was du erlebst.

unkontrollierte-Kontrolle hat gesagt…

Meine Güte, also im ersten Absatz dachte ich ja wirklich, es würde um eine tatsächlich ermordete Maria gehen :D

Das mit dem Projekt ist aber eine ziemlich coole Sache. Bin schon sehr darauf gespannt! Und ja, darauf kannst du auch sehr stolz sein.

Jakob hat gesagt…

Ich sehe kaum fern, aber "Mordfall Maria" könnte ich mir anschauen, hört sich interessant an.

Bevor ich deinen Blog entdeckt habe, hatte ich mich nie wirklich mit dem Thema Behinderung auseinandergesetzt, und das trifft wohl auf die meisten Menschen zu. Da kann ein differenzierter Film über das Thema wahrscheinlich einige Augen öffnen - gerade im Vergleich zu Blockbutern wie "Avatar", die Behinderungen immer noch nur als Leiden, das Überwunden werden muss, darstellen

Niklas hat gesagt…

Oho, der Mensch um 9:41 Uhr hatte wohl GANZ schlechten Stuhlgang.. :D

Julia hat gesagt…

Oh wow.
ich lese deinen Blog schon seit einem Jahr, bin aber keine Stammleserin, sondern habe so "immer-wieder"-Momente (vor allem Semesterferien ;)), in denen ich ganz viele Einräge lese und du hast auch schon ein paar anonyme Kommentare von mir bekommen (da ich selbst keien Blog habe).
Der Eintrag von heute ist wunderschön. Ich hatte tatsächlich Tränen in den Augen, weil es mich so berührt hat, dass du dir gar nicht bewusst bist, wie viel du den Menschen eigentlich gibst mit deinem Blog. "ein starkes Dokument" trifft es wirklich auf den Punkt. Ich denke, es gibt viele Menschen, die dich bewundern und du kannst sehr stolz auf deine Blogeinträge sein!

Vio hat gesagt…

Liebe Jule,

das hört sich wirklich nach einem gelungenen Drehbuch an und ich hoffe, dass der Film für viele Zuschauer den gleichen Effekt hat wie Dein Blog für mich vor mittlerweile fast 3,5 Jahren. Ich glaube, es ist immer gut, wenn man mit möglichst vielen unterschiedlichen Menschen in Berührung kommt und diskutiert, Ansichten austauscht. Da ich in meinem Bekanntenkreis (leider) keine Menschen mit Behinderung habe, freue mich Deine Sicht der Dinge hier im Blog zu lesen. Allerdings, auch wenn ich bis dato keinen Rollstuhlfahrer persönlich kenne, bedeutet das nicht, dass ich früher nicht dachte, dass man auch im Rollstuhl ein "normales", glückliches Leben führen kann. Da wundere ich mich nach wie vor auf wie viele engstirnige, bornierte Menschen du immer wieder triffst. Oder besser formuliert: Dass sich diese Engstirnigkeit Dir immer wieder offenbart. Ich fürchte, dass auch viele, die ich kenne vielleicht so denken, aber ich bekomme es eben nicht mit.

Sag mal, was ist eigentlich aus dem alten Hern geworden, der dich zum Geburtstag eingeladen hat. Dieser Eintrag hat mich ganz besonders berührt und es würde mich sehr freuen, wenn du ihn nochmal wieder getroffen hättest.

Anonym hat gesagt…

Lieber Herr Knopp,

sie haben mich zum weinen gebracht! Ich wünsch Ihnen alles Gute!

Liebste Grüße
von einer weiteren treuen Leserin

Vio hat gesagt…

Und ich nehme meine Frage nach dem alten Herrn auch gleich wieder zurück. Habe gerade ein wenig durch vergangene Beiträge gescrollt und gemerkt, dass dein Beitrag über die Geburtstagsfeier genau in der Phase veröffentlich wurde als der Google reader im Juli abgeschaltet wurde. Da habe ich wohl leider ein paar Beiträge von dir verpasst. Wie ärgerlich!

Ich freu mich umso mehr, dass du schon darüber berichtet hast und werde gleich mal nachlesen : )

ednong hat gesagt…

Cool. Und das dein Blog dann noch Hilfe leisten konnte, ist doch richtig gut.

Dein Titel war natürlich bewußt Schreckens erregend ;)

Blogolade hat gesagt…

Waaah, ich dachte auch erst "was, Mord in eurer WG? Die arme Maria!" Zum Glück ist es "nur" ein Film. Ich bin schon sehr gespannt darauf! Du sagst uns ja nochmal Bescheid wenn der Sendetermin näher rückt, ja? :)

Jali hat gesagt…

Schön zu sehen, dass die ARD sich endlich mal traut, ein bisschen Inklusion zu wagen. Ich hoffe die vergeigen das nicht (ich habe zum Tatort ein Verhältnis, dass am besten durch die Kurzfassung von Philipp Walulis charackterisiert wird). Aber diesen Tatort sehe ich mir sicher an.

Leider hat das deutsche Fernsehen ja noch immer kein entspanntes Verhältnis zu "Minderheiten". Auf so etwas großartiges wie "I'm With Stupid" der BBC werden wir deswegen in Deutschland noch warten müssen. Wer das nicht kennt: Das ist eine schwarzhumorige Comedyreihe die in einem Wohnheim spielt. Alle Rollifahrer werden von behinderten Schauspielern gespielt, die Hauptrolle von dem großartigen Peter Henshell.
Nur übermäßig politisch korrekt, darf man nicht sein, in der Serie geht es recht heftig zu.

Olli hat gesagt…

Autogrammsammlung, hmmh, so eine kleine habe ich auch hier. Aber die kann wie alle anderen auch nur unkomplettt sein, solange das der einen sehr beeindruckenden Person fehlt.
Ich erlaube, mir rein virtuell ein Jule-Autogramm hinzuzudenken.