Donnerstag, 28. November 2013

Behinderte Parkplätze

Diese Veranstaltung habe ich mir zwar nicht zugemutet, aber ich habe inzwischen von mehreren Leuten gehört, dass es ein absolutes Parkproblem vor Ort gab, nachdem die Verwaltungsbehörde keine Möglichkeit gesehen hatte, auf einen zeitlich erhöhten Bedarf von Rollstuhlfahrerplätzen zu reagieren. Der Veranstalter hatte bei der Stadt beantragt, etwa 20 öffentliche Parkplätze in 15 Behindertenparkplätze (also breitere, so dass Rollstuhlfahrer bei ausreichend Abstand zum nächsten Fahrzeug ungehindert ein- und aussteigen können) umzuwidmen. Die Kosten für die Anordnung und die Beschilderung wollte er zahlen - nur war das rechtlich nicht vorgesehen. Die Stadt sah darin eine Bevorzugung von behinderten Menschen. Der Veranstalter, der 200 Menschen mit Behinderung eingeladen hatte, sah darin einen Nachteilsausgleich, weil die üblicherweise gebauten Parkplätze für Menschen im Rollstuhl ungeeignet sind.

Vor allem weil es bei Möbeltransporten bei privaten Umzügen oder bei Filmaufnahmen oder ähnlichen Dingen überhaupt kein Problem ist, Parkplätze komplett mit Halteverbotsschildern zu sperren und für den Umzugswagen oder andere Fahrzeuge zu reservieren, sind nun Fragen aufgetaucht, ob man hier wirklich nichts für Menschen mit Behinderungen tun kann, ob man sie ausreichend bedacht hat, oder nicht solche Möglichkeiten geschaffen werden können.

Man muss anscheinend nur die richtigen Leute kennen, dann wird eine solche Sache ziemlich hoch aufgehängt: In Kürze muss sich die Bürgerschaft der Stadt Hamburg mit diesen Fragen befassen. Ein Abgeordneter, der, als er von der Sache Wind bekam, zunächst sich an den Kopf und anschließend eine entsprechende Anfrage in seinen PC getippt hat, hat den Stein ins Rollen gebracht. Ich bin gespannt, was dabei raus kommt.

Kommentare :

BigDigger hat gesagt…

Ich will's mal so sagen: Für jedes besch***ene Stadtteilfest wird bedenkenlos ein ganzer Straßenzug gesperrt (und machen wir uns nichts vor: Straßenfeste haben nichts mit Nachbarschaft und bürgerlichem Zusammenhalt zu tun; da geht's ums Saufen und Fressen einerseits, ums Kassieren von Standgebühren andererseits, und um Gewinne aus dem Verkauf von Alkohol und Fressalien zum Dritten - sprich: Um Kommerz), aber wenn es um Menschen mit Behinderung geht, ist da gaaaar nichts möglich. Da gilt dann der Beamtendreisatz:
1. "Das haben wir schon immer so gemacht."
2. "Das haben wir noch nie so gemacht."
3. "Da kann ja jeder kommen."

Anonym hat gesagt…

Nun ja, ich verstehe natürliches Jules Position und natürlich ist das doof. Allerdings: De facto ist das einrichten von Behindertenparkplätzen natürlich ein echtes Reservieren nur für diese Veranstaltung (denn wenn es da vorher keine Behindertenparkplätze gibt wird da auch sonst kein Bedarf sein). Das allerdings wird für eine normale Veranstaltung auch nicht gemacht. Ausnahmen eben die angesprochenen Aktionen, aber auch da eben außer für Filmaufnahmen oder große Baustellen auch nur 1-3 Parkplätze.

Was aber möglich sein könnte: Ein Pendeldienst, sprich, ein Fahrzeug, welches von einem größeren Parkplatz zum Veranstaltungsort pendelt, dafür ließe sich dann vermutlich sogar ein Halteverbot direkt vor der Tür einrichten (lassen). Damit sollte doch allen geholfen sein?

FiAsKo hat gesagt…

Hallo!

wie ich die beiden Einträge betreffs der Veranstaltung und den Behindertenparkplätzen so lese kommt mie eine Idee, wie man die Parkplätze möglicherweise hätte beschildern können:

Vorübergehend ein "Parkverbot" aufstellen.
Alle dürfen dann dort KURZ zum Be-und Entladen halten, Rollstuhlfahrer (etc.) mit dem blauen Parkausweis entsprechend länger, wie überall im Verkehrsraum.

Ich wage zu behaupten, daß 90% der "Fußgänger" die aus gewohnheit dort parken wollen, wenn man sie anspricht ohne Probleme ihr Auto anderswo parken
Für die verbleibenden hartnäckigen Fälle kann dann immernoch (nach 5-10 Minuten?) via Polizei oder Ordnungsamt ein Abschepper gerufen werden....

Edelnickel hat gesagt…

@anonym (warum gibts hier eigentlich immer so viele anonyme?)
Ich könnte mir kein Fahrzeug erdenken, das für auch nur die Hälfte der Leute ausreichen würde, dabei behindertengerecht wäre UND den nötigen Platz für Rollstühle hätte. Ein Transporter müsste ja dann ziemlich oft fahren. Und ein Bus wäre da auch eher nicht praktikabel.

Ich sehe es eher so wie Jule sagte: Es wäre ein Ausgleich, denn normal breite Parkplätze sind für Behinderte nicht geeignet, womit sie klar benachteiligt sind.
Natürlich ist so eine Veranstaltung eine Ausnahmesituation. Aber der Veranstalter hat zeitig vorher Bescheid gesagt und die Stadt hätte ja wenigstens irgend eine andere Lösung vorschlagen können. Einfach nur zu sagen "geht nicht weil aus Gründen" find ich da ziemlich blöd. Da hat man sich zu einfach aus der Verantwortung gezogen.

Und wenn es für jeden anderen Firlefanz geht, warum dann nicht da mal für EINEN Abend? Da hätte ein Umzug doch länger gedauert...

(Mal ganz abgesehen vom psychischen Hintenrum: Wir haben ja schon mitbekommen, dass für jemanden, der sonst auf den Rollstuhl angewiesen ist und ergo einfach größere Hürden hat, irgendwo hin zu kommen, ein Auto eine wahnsinns Sache ist. Selbstbestimmung, Mobilität... Das sollte man doch nicht zum Nachteil umwandeln wegen ein paar Parkplätzen!)