Samstag, 23. November 2013

Pendelndes Toastbrot

Wie es jenem Doc geht, der letzte Woche übersehen hatte, dass die Patientin nicht am Oxymeter hing, haben wir nicht erfahren. Unser dritter Tag des Praktikums, das wir zur Zeit vorbereitend für das nächste Semester ableisten müssen, war völlig entspannt. Am kuriosesten war eine junge Frau, die auf der Untersuchungsliege lag und meinte, ein pendelndes Stück Brot bringe sie am Samstag über die Notaufnahme in den Behandlungsraum.

Marie: "So, bei Ihnen pendelt was. Dann erzählen Sie mal." - "Ich hab heute morgen ein Toast mit Marmelade gegessen. Und einige Stunden später bekam ich Bauchweh. Weil ich öfter Bauchweh habe, habe ich ein Stethoskop zu Hause. Und da habe ich meinen Darm auskultiert und dabei das Brot hier" - sie zeigte auf eine Stelle knapp unterhalb der untersten Rippe - "wiedergefunden. Genau da, wo die Schmerzen sind. Und es mag komisch klingen, aber es pendelt immer wieder hin und her. Blubb, blubb, blubb", beschrieb die Patientin.

Marie fragte genauer nach: "Und woher wissen Sie, dass es sich dabei um das Toastbrot von heute morgen handelt? Und nicht vielleicht ... sagen wir mal ... das Schnitzel von gestern mittag?"

Die Patientin brauste auf: "Wollen Sie mich verarschen?" - Marie beschwichtigte: "Keineswegs. Ich kann es auch weniger bildlich formulieren: Woran erkennen Sie das Toastbrot in dem Nahrungsbrei?" - Die Frau antwortete: "Na das hört man doch! Sie vielleicht nicht, Sie sind ja noch nicht fertig, wie man hier lesen kann. Also holen Sie endlich einen echten Arzt, bevor es noch schlimmer wird!"

Die diensthabende Ärztin hörte den Bauch ab, sagte dann: "Das ist ganz eindeutig ein pendelndes Toastbrot. Ich schlage vor, wir geben Ihnen eine Infusion, damit sich der Darm an der Stelle wieder beruhigt. Leider müssen Sie danach auch noch einige Zeit liegen bleiben, weil das Medikament manchmal Kreislaufprobleme macht." - Die Ärztin fragte sie nach Operationen und eingenommenen Medikamenten, zog dann aus einer Ampulle mit Kochsalzlösung eine Spritze auf, spritzte sie in einen Beutel Elektrolytlösung, beschriftete den Beutel und legte der Patientin einen Zugang...

Eine Stunde später war alles wieder gut. Kein pendelndes Toastbrot mehr. Die Patientin umarmte die Ärztin und befand, sie sei eine Wunderheilerin. Hinterher erzählte uns die Ärztin, dass die Frau regelmäßig am Wochenende in die Notaufnahme käme und pendelnde Toastbrote im Bauch habe. Man könne ihr widersprechen, dann lege sie für einen Tag den halben Betrieb lahm, man könne ihr auch einfach glauben und die nötigen Schritte einleiten - dann sei sie nach zwei Stunden wieder draußen und für das nächste Vierteljahr therapiert.

Kommentare :

Christian hat gesagt…

Da ihr den Patienten nichts antun dürft, wie wäre es mit einem beratenden Gespräch? Das sie besser kauen muss, das sie notfalls auf Toastbrot verzichten soll wenn sie das nicht so gut verträgt. Sie will doch bestimmt nicht, das ihr Leiden irgendwann mal chronisch wird.

Niklas hat gesagt…

Die Tostbrotproblematik ist natürlich immer wieder tückisch.

Anonym hat gesagt…

Alder ey, ab heute Toastbrot-Diät !
Aber dann wird es wirklich die reinkarnation des Todesschnitzels sein.
Oder lieber doch aus dem Fenster lehnen und einen guten Schuss Ringer in die NaCl ballern?

Kümmelspalter hat gesagt…

Also ich vermute mal, die Dame braucht kein Toastbrot und kein Schnitzel, sondern eher nen Schuss Haldol. ^^

@ Jule:
Hast du noch nie was vom kleinen Bruder von *Bernd das Brot* gehört? Das ist doch hinlänglich bekannt, dass der regelmäßig gastrointestinale Beschwerden verursacht!? Vor allem in Kombination mit Marmelade!

Viele Grüße vom
Kümmelspalter

Anonym hat gesagt…

Oh je, ich sollte mein Popcorn zur Seite legen, bevor auch das anfängt zu pendeln. Oder geht das nur bei Toastbrot?

Was habt ihr der Dame nun eigentlich in die "Tüte" gespritzt?

Schnuffelsocke(n) hat gesagt…

Naja, das sollte man nicht so tragisch sehen....
Im ernst... Die Frau ist auch krank. Sie hat vielleicht nichts am Bauch, aber irgendwas läuft im Kopf verkehrt (oder in der Psyche)...

Die Aussage der Ärztin find ich allerdings nicht 100% gut... Ja, Betrieb lahmlegen ist doof. Und ja das mit dem Auskurieren stimmt sicher auch.... Aber ich denke, wenn einem so "einfache" Dinge wie eine Infusion helfen können, im Kopf wieder bisschen richtiger zu werden, ist doch gut.
Andere machen sonst was für einen Mist und verursachen nur noch mehr Kosten. *grins*