Mittwoch, 6. November 2013

Plötzlich ein Loch

Mein Idiotenmagnet funktioniert gerade mal wieder besonders gut. Die Stinkesocke stand heute mittag neben einer riesigen Baustelle. Im Gehweg war ein metertiefes Loch, die Wände wurden durch riesige Metallwände abgestützt. Ganz unten sah man einige Leute an einer Leitung arbeiten. Eine Treppe, die vorher an dieser Stelle war und die höher gelegene Straße mit einer niedriger gelegenen Sackgasse verband, war weg. Ich hatte mich mit einem Freund verabredet, der mit mir ein paar organisatorische Details zu einer Sportveranstaltung klären wollte. Da ich viel zu früh war, guckte ich den Bauarbeitern beim Arbeiten zu. Ein alter Mann guckte mich an und sagte: "Na, wonach die hier wohl graben mögen?"

Bevor ich etwas erwidern konnte, kam ein zweiter Mann, sehr viel jünger, angelaufen und rief: "Kann losgehen, kann losgehen! Zu zweit können wir sie viel besser halten. Wollen Sie vorne oder hinten?"

Der ältere Mann verstand nur Bahnhof. Ich ehrlich gesagt auch, hatte aber nebenbei noch begriffen, dass es wohl um mich ging. Der jüngere Mann, ganz außer Atem, fuhr fort: "Es ist unverantwortlich. Diese Bauarbeiten hier sind nicht angekündigt worden. Plötzlich war hier ein Loch. Und ich habe keine Ahnung, wer sich vorstellt, wie Menschen wie Sie diese steile Rampe dort hinter dem Haus runter- oder sogar wieder raufkommen sollen. Aber jetzt sind wir ja da. Wollen wir gleich starten oder wollen Sie noch einen Moment gucken, ich habe etwas Zeit, mein Bus kommt erst in 11 Minuten?"

Der ältere Mann guckte ganz verdattert und ging weiter. Der junge Mann sprang hinterher: "Nun warten Sie, wir brauchen Sie! Laufen Sie nicht weg!"

Ich mischte mich dann mal ein: "Hallo! Tschuldigung, aber ich will keine Rampe runter und ich brauche auch keine Hilfe. Ich habe..."

Der junge Mann lief aufgeregt zu mir zurück: "Sie können da nicht alleine runter, Sie stürzen! Ich helfe Ihnen."

Ich erwiderte: "Ich will da gar nicht runter! Ich bleibe hier oben und warte nur auf jemanden. Ich brauche keine Hilfe. Und jetzt lassen Sie mich gefälligst los. Sofort!"

Woraufhin ich zur Antwort bekam: "Sie sind so unfreundlich. Sie dürfen sich nicht wundern, wenn Ihnen bald niemand mehr hilft. Schönen Tag noch."

Der ältere Mann war in etwa 10 Metern Entfernung stehen geblieben und hatte sich wieder umgedreht. Jetzt, wo der jüngere Mann empört schnaufend wegzuckelte, hob er eine Hand vor sein Gesicht und machte eine Scheibenwischergeste. Hätte ich einen ganz schlechten Tag erwischt, hätte ich für fünf Sekunden denken können, die gelte mir. Aber ich wusste, was er meinte.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Stell dich mal nicht so an, der wollte schließlich nur helfen! *grins*

...einfach nur verrückt. Er hätte ja - wie ich es getan hätte - einfach mal höflich grüßen und fragen können, ob er dir vielleicht behilflich sein kann, die Ebene zu wechseln oder so. Und nicht einfach loslegen. Wahnsinn...

ruolbu hat gesagt…

Aber komm, für deinen Magneten war das doch eigentlich ein eher kleiner Fisch :p

Schnuffelsocke(n) hat gesagt…

Achje....
Ich beantrage demnächst mal bei der Bilderungsministerin oder Bildungsminister (sorry, so viel Politikinteresse habe ich dann doch nicht) das Fach Lebens- & Sozialkompetenz mit den Thgemenschwerpunkten, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft etc. aufzunehmen.
Fürchterrlich, dass man in der Schule zu 99% Schrott lernt!

Olli hat gesagt…

Was mag nur im meinem Blute vorgehen? Ich dachte anfanges, Jule wird beschreiben, wie sich (typisch!) Männer an Baustellen treffen und unterhalten - und dann in ihr eine bezaubernde Frau entdecken und es entwickelt sich was.
Wohl zu rosawölkchenhaft gedacht und, mei bi i froh, des i des so guad sagan kann, das was Jule als ihr Beuteschema beschrioeb ist doch hinreichend bis teils wohl maximal different zu dem, was man als typischen Baustellengucker beschreiben würde.