Sonntag, 22. Dezember 2013

Der Pfeil ist geil

Es ist vorbei. Marie und ich haben gestern unser vorbereitendes Praktikum für das nächste Semester geschafft. Alles bestens. Die Professorin war sehr zufrieden mit uns, was will man mehr?

Auf dem Weg nach Hause fuhren wir mit der S-Bahn. "Verehrte Fahrgäste, dieser Zug hält wegen eines Polizei-Einsatzes nicht am Bahnhof Sternschanze." - Nanu? Ach ja, die City wurde ja zum Gefahrengebiet erklärt, weil ein paar Demos angemeldet waren und einige Teilnehmer zu Gewalt aufgerufen haben sollen. Nachdem wir wohlbehalten zu Hause angekommen sind, spricht man in den Nachrichten von den schwersten Ausschreitungen seit Jahren. Immer wieder hauen sich Menschen in unserer Stadt die Köpfe ein und ich bekomme mehr und mehr den Verdacht, es wäre irgendwann billiger, wesentlich mehr Kohle für Deeskalation auszugeben. Das sagt übrigens auch Marias Assistenz, die sich geweigert hat, Flaschen für sie auf die Polizei zu werfen...

Ich bin nur wenig politisch aktiv, wenngleich ich mir schon zu etlichen Dingen eine Meinung bilde. Aber wenn ich sehe, dass linksautonome Demonstranten den Staat bekämpfen, in (von) dem sie leben, läuft hier was falsch. Wenn ich sehe, und das war auf Videos zu sehen, welche Angriffsflächen die Polizei den Chaoten bietet, die eben nicht friedlich demonstrieren wollen, habe ich den Eindruck, hier läuft genauso viel falsch. Wenn ich sehe, dass einige Leute nicht dorthin fahren, um für eine Sache zu demonstrieren, sondern um des Krawalls wegen Krawall zu machen, läuft erst recht was falsch. Und wenn Leute, die für eine Sache demonstrieren, nicht friedlich demonstrieren, sondern nur provozieren, gewälttätig werden, Flaschen, Knallkörper und Steine schmeißen, läuft hier auch was falsch. Und wenn man dann die einschlägigen Medien liest, die nur die Sichtweise der Polizei darstellen, läuft hier noch mehr falsch. Wenn ich sehe, dass ein 20 Jahre existierendes Stadtteil- und Kulturzentrum an einen Investor verkauft wird, der dort Profit machen will, ... genau, auch dann läuft was gehörig falsch. Genauso wie in der Politik etwas falsch läuft, wenn Probleme wie derzeit eben die Rote Flora, die Esso-Häuser, die Lampedusaflüchtlinge nicht gelöst, sondern nur vertagt oder aus sicherer Entfernung betrachtet werden. Es läuft was falsch, wenn sich die Bürger in ihrer Stadt nicht mehr sicher fühlen können. Und so langsam ist eine Schmerzgrenze erreicht. Deeskalation wäre ein richter Ansatz. Menschen ernst nehmen. Herrje!

Stattdessen denken Leute sich so einen Unsinn aus, wie man europäische Banküberweisungen vereinheitlicht. Die Betonung liegt dabei auf "europäisch". Kann mir mal einer sagen, wieviele Banküberweisungen von Privatleuten über die Landesgrenzen hinweg getätigt werden? Bei mir sind es aktuell weniger als 5%. Komme ich auf die Idee, beim Telefonieren mit meiner Freundin die 004940 vorweg zu wählen? Nein, denn die acht- bis zehnstellige Anschlussnummer in Großstädten reicht mir schon völlig. Demnächst gibt es hierbei auch noch eine zweistellige Prüfzahl, die zwischen Vorwahl und Anschlussnummer eingefügt werden muss, um zu verhindern, dass sich ein Besoffener nachts um halb vier an der falschen Stelle ein Taxi ordert?! Ich habe mich mit dem neuen Bank-Account-System nie beschäftigt, aber ich bin mir sicher, es hätte eine gute und vor allem kundenfreundliche Alternative zu IBAN, dem Schrecklichen, gegeben!

Und wo ich schon beim Rummotzen bin: Die Bahn, habe ich gerade erfahren, hat endlich eine fahrzeuggebundene Rampe an ihren Fernverkehrszügen eingeführt. Öffentlich angekündigt hatte die Bahn das schon 2008, nun, fast sechs Jahre später, gehen bundesweit die ersten vier ICE-Züge damit auf die Schiene! Eigentlich sollten bis 2011 schon 16 Züge unterwegs sein, aber es hapert mal wieder an allen möglichen Ecken. Zulassungsprobleme, Streitigkeiten zwischen der Bahn und den Herstellern - ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass bis 2020 bereits sämtliche IC-Züge mit diesem System ausgerüstet sein sollen und bis 2025 auch sämtliche ICE-Züge. Aber noch etwas anderes fällt auf: Die neuen ICEs haben nur 2 bis 3 Rollstuhlplätze. Ja, richtig, gelesen - die Flotte, die ab 2025 eingesetzt wird und dann vermutlich bis mindestens 2045 auf den Schienen rollt, ist mitunter mit weniger Stellplätzen geplant als heutige ICEs. Bei einer immer älter werdenden Gesellschaft. Die Bahn macht mobil, die Bahn kommt.

Apropos "Kommen": Gestern war Welt-Orgasmus-Tag. Juchu! Leider habe ich morgens nicht genug Zeit gehabt und abends war ich zu kaputt, um das zu feiern. Aber ich bin mir sicher, es hat genügend Einladungen mit Hinweis auf das Thema gegeben. Ich fühle mich so frei, ein ferkeliges Bildchen zu posten, gesehen auf einem Hamburger Volksfest. In diesem Sinne: Der Pfeil ist geil!

Kommentare :

BigDigger hat gesagt…

Beim ersten Lesen des Titels dachte ich schon, Du hättest zu fleißig vom Glühwein genascht...

"Kann mir mal einer sagen, wieviele Banküberweisungen von Privatleuten über die Landesgrenzen hinweg getätigt werden?"

Darum geht es ja gar nicht. Die Entscheidung stammte aus einer Zeit, da das SWIFT-Abkommen (das schweizerische Institut wickelt sämtliche grenzüberschreitenden Überweisungen ab, und gemäß Abkommen der EU-Kommission sollten die Daten der Geldströme inkl. Daten der Kontoinhaber an die NSA übertragen werden - damit die Amis es mit der Industriespionage leichter haben, weißte?) von der EU-Kommission durchgewunken wurde. Es wurde bisher aus Datenschutzbedenken nicht angewendet, "Zensilia" Malmström (eine Frau, die jederzeit einvernehmlichen Sex zu einer Vergewaltigung umdeklarieren und ihren Sexualpartner ins Gefängnis bringen kann, weil die Unschuldsvermutung in Schweden faktisch aufgehoben wurde) allerdings beharrt darauf.

"Öffentlich angekündigt hatte die Bahn das schon 2008, nun, fast sechs Jahre später, gehen bundesweit die ersten vier ICE-Züge damit auf die Schiene! Eigentlich sollten bis 2011 schon 16 Züge unterwegs sein, aber es hapert mal wieder an allen möglichen Ecken."

Beschwer' Dich nicht! Es sind doch nur Rollstuhlrampen. Wenn's Klimaanlagen wären ...

"Die Bahn macht mobil, die Bahn kommt."
Stimmt doch! Die Bahn macht Rollifahrer mobil, indem sie sie dazu zwingt, andere Verkehrsmittel zu nehmen. Hat auch Vorteile - im eigenen Auto kann man selbst dafür sorgen, dass die Klimaanlage funktioniert, man nicht an Wolfsburg vorbeifährt (warum auch immer man da hin wollte), und die Autobahndreiecke nach Mainz werden auch nicht bestreikt...

Jule hat gesagt…

Beim ersten Lesen des Titels dachte ich schon, Du hättest zu fleißig vom Glühwein genascht...

Beim ersten Lesen auf dem Hamburger Dom habe ich mir überlegt, wie wohl der Typ aussieht, dem diese Hütte gehört. :)

Oylaia hat gesagt…

Zu IBAN dem Schrecklichen: die 0049 ist in meinem Handy bei jeder Nummer einprogrammiert, weil ich sonst Probleme habe, nach Deutschland zu Simsen, wenn ich im Ausland bin. Das ist aber eigentlich ein blöder Vergleich, weil die IBAN aus BLZ und Kontonummer besteht! die man bisher auch schon angibt - nur in 2 getrennte Felder. Das DE für Deutschland kann sich jeder merken und wenn nicht sollte man sich überlegen, ob die Person eigenmächtig Bankgeschäfte tätigen sollte ;-) Kommt noch die Prüfziffer - okay, doch die +49 dabei ;-)
Viele in Deutschland lebende Ausländer überweisen regelmäßig Geld an ihre Lieben nach Hause. Ich bestelle gerne "Sammelschmuck" bei einem Juwelier in Dänemark, da nutze ich aber lieber meine Kreditkarte, das ist nämlich bisher einfacher als eine Überweisung dorthin. Aber viel wichtiger: Viele Firmen kaufen Ware und Leistungen aus dem Ausland. Und der Kaufmann Herr Lidl bezahlt die Holländischen Tomaten und Spanischen Orangen für seine 3 Filialen nur selten bar ;-) Ist faktisch wahrscheinlich auch nicht der richtige Vergleich, bei solchen Mengen macht vermutlich keiner mehr eine einfache Überweisung. Das sind mehr die kleinen und mittelständischen Unternehmen Aber nur mal als Beispiel ;-)
Wenn Du aber weder Deiner (nicht vorhandenen) ausländischen Verwandtschaft Geld überweist noch als Firma aktiv bist, kannst Du als Privatperson für innerdeutsche Zahlungen bis Februar 2016 weiterhin nur BLZ und Kontonummer benutzen.

Schrecklich an IBAN finde ich nur den ganzen Papiermüll, den man derzeit von allen Stellen mit Einzugsermächtigung bekommt. "Wir stellen jetzt um!" Ja natürlich tut ihr das! Interessanter sind die, die es nicht rechtzeitig schaffen, denn die riskieren eine daraus resultierende Zahlungsunfähigkeit. Aber die werden ihre Kunden wohl kaum per Post darüber informieren ;-)

Stephan Goedecke hat gesagt…

Hm, bist Du Dir sicher, dass in der neuen Baureihe 407 (ICE3 neu) weniger Plätze sind als in den alten ICE 1 und 2?

Soweit ich weiß:
ICE 1: 3 Plätze (nach Modernisierung, davor 2)
ICE 2: 2* 2 Plätze (es handelt sich um zwei Halbzüge)
ICE 3 neu: 2* 3 Plätze (es handelt sich ebenso um zwei Halbzüge)

jali hat gesagt…

Leider fragt man sich immer öfter was in diesem Land eigentlich los ist. Ich bin politisch recht aktiv, und auch öfter auf Demos anzutreffen. Vor allem im Bereich "Datenschutz".

Leider gibt es da, auf beiden Seiten, immer wieder die Krawallmacher, die offenbar wollen, dass es Ausschreitungen gibt.

Ganz ehrlich, manchmal glaube ich, dass einige der Leute bei der Bereitschaftspolizei, wären sie keine Polizisten schlicht auf der anderen Seite stehen würden. *kopfschüttel*

Was die Rollstuhlrampen angeht: Die Bahn kommt. Wie immer zu spät. Bei den Straßenbahnen hier in Bremen gibt es diese automatischen Rampen seit 20 Jahren. Die neuen Züge haben mehrere davon, sodass Rollstuhlfahrer auch hinten einsteigen können. Ich habe es noch nicht gesehen, dass so viele Leute auf einmal rein wollen, aber 5 Rollstühle kriegt man in den neuen Zügen definitiv unter.

Das ein großes Unternehmen wie die Bahn das bis heute nicht hin bekommt, ist beschämend.

Jule hat gesagt…

@Stephan: Ich habe das in einem Presseartikel gelesen und bin davon ausgegangen, dass das stimmt. Für den IC habe ich das mit den 2-3 Sitzplätzen noch an anderer Stelle gelesen, für den ICE wäre das ja ein Fortschritt, wenn es tatsächlich 2 x 3 Sitzplätze geben würde. Wobei, wenn es zwei Halbzüge sind, werden die ja mitunter auch irgendwo geteilt. Wie in Hannover, wo denn ein Teil nach Hamburg und ein Teil nach Bremen weiterfährt. Somit stünde für Reisende von und nach Hamburg dann doch wieder nur 2-3 Plätze zur Verfügung.

Anonym hat gesagt…

So viele Themen in einem Beitrag...

Leider ist es bei der Bahn häufig tatsächlich nicht so einfach, existierende Wagen umzubauen. Denn die Behörden wollen für jedes eingebaute teil bewiesen haben, dass die sicher sind. Das ist aufwändig. Andererseits sichert das natürlich auch ein hohes Sicherheitsniveau.

Zum Demothema: Ich bin zu weit weg um großartig was dazu sagen zu können, aber was die Gewalt betrifft: Es ist eine gewisse Gegenseitigkeit. Die Hardliner der Polizei, die gerne mit Gummigeschossen, Tasern und Pepperballs auf Demonstranten schießen würden brauchen gewaltbereite Randalierer. Diese wiederum brauchen prügelnde Polizei um einen Gegner zu haben und um ihre Motivation, den "Kampf gegen den bösen Staat" aufrecht zu erhalten.
Verlierer dabei sind alle friedlichen Demonstranten und ihre jeweiligen Anliegen.

Bettina @ Books, Bikes, and Food hat gesagt…

Mensch, das ist ja vor Weihnachten noch mal ein richtiger Rundum-Post ;). Bei den Demos stimme ich dir zu. Ich muss vor allem sagen, dass es mir in Hamburg immer so vor kommt, als ob die Polizei besonders harte Geschütze auffährt. Das sieht immer aus, als ob sie jetzt in den Krieg ziehen. So was habe ich bislang noch nicht mal im Baskenland gesehen, und da haben die wohl ein bisschen mehr Erfahrung mit politischer Gewalt als in Hamburg. Als jemand, der eher selten demonstriert, frage ich mich dann immer, ob das tatsächlich gerechtfertigt ist oder völlig übertrieben und womöglich noch provoziert.

Was das SEPA-Verfahren angeht: Ich finde das überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil, ich finde es gut, dass der europäische Zahlungsverkehr endlich vereinheitlicht wird wird. Ich habe Freunde und Familie im Ausland und auch schon längere Zeit im Ausland gelebt. Das ist dann schon ganz praktisch.

Jakob hat gesagt…

Ich bin relativ selten auf Demos, aber ich stand auch schon mal stundenlang kurz vor einem Polizeikessel, in dem die "gewaltbereiten" Demonstranten festgehalten wurden, was dann die ganze Demo gestoppt hat.
Ein schwieriges Thema, und das Problem ist wohl wirklich Gewaltbereitschaft auf beiden Seiten, die dann wieder von beiden zur Legitimierung weiterer Gewalt verwendet wird. Schlimm wird es, wenn ganze Demos deswegen gestoppt oder aufgehalten werden und das Prinzip der Versammlungsfreiheit darunter gänzlich unterzugehen droht. Aber ich glaube, Deeskalation auch gerade von Seiten der Polizei würde helfen, Schilde, Pfefferspray und Montur, die an Kriegsgebiete erinnert, stellen für viele einfach an sich schon eine Provokation dar.

Philipp hat gesagt…

Meiner Meinung ist das Problem der Bahn das, dass sie immer wieder ankündigt dannundann gibts dasunddas.

Ich denke sie sollen doch einfach mal die Klappe halten mit Ihrern versprochenen Einführungen und wenn man dann an 5 ICEs hopplawokommtdasdennher eine Rollirampe hat beschert einem der Überraschungseffekt gleich eine gute Presse.

Das ist doch wohl besser als wenn die BILD mal wieder lästert was alles nicht klappt von den Versprechungen der Bahn.

Ein geruhsammes, friedliches, stressfreies und erholsames Weihnachtsfest, einen glatteisfreien guten Rutsch in das neue Jahr und Grüße aus Kaiserslautern

Philipp

Jule hat gesagt…

@Philipp:
Davon mal abgesehen, dass ich meine Informationen nicht auf die Bild-Zeitung stütze, steckt bei der Bahn doch meistens etwas mehr dahinter als fünf neue Rollirampen. Gerade in diesem Fall ist es doch so, dass die Bahn nicht nur ein gewinnorientiertes Unternehmen ist, sondern auch noch einen Beförderungsauftrag verrichtet. Dieser Beförderungsauftrag wird mit Steuergeldern subventioniert und hat daher in einem angemessenen Rahmen zu erfolgen.

Die Bahn nimmt diesen Auftrag an, nimmt staatliche Leistungen in Anspruch, liefert bei der Beförderung von Menschen mit Behinderung, die eben Teil dieses Auftrags ist, keine durchweg akzeptable Leistung. Also wird mit der Bahn immer wieder gesprochen und immer wieder verhandelt (und dabei wird sogar noch in Gesetzen klar gestellt, dass die Menschen mit Behinderung auch anzuhören und zu berücksichtigen sind), und immer wieder sagt die Bahn: "Wir haben verstanden, wir ändern was."

Die Bahn sagt nur nicht, wann sie was ändert. Also wird dieser Punkt auch noch geklärt und - in diesem Fall - die Menschen mit Behinderung verlangen, ob nun in direkten Gesprächen oder aus einem öffentlichen Druck, mal "Butter bei die Fische". Wenn dann eine Aussage kommt wie "in 2011", und in 2014 ist nicht mal ein Viertel dessen erfüllt, was für 2011 zusagt worden war, dann kommen solche Beiträge, in denen steht, dass es bei der Bahn nicht klappt, zustande.

Einfach, um wieder auf das Thema aufmerksam zu machen. Und um vom Bahnkonzern zu hören, ob die Menschen mit Behinderung da nur was falsch verstanden haben, oder ob die Zusage, deren Nichteinhaltung hier kritisiert wurde, tatsächlich auch aus Sicht der Bahn nicht eingehalten wurde. Um damit dann auch den eigenen Standort für künftige Gespräche neu zu bestimmen.

Anonym hat gesagt…

Es sind 3 offizielle Rollstuhlplätze pro Halbzug vorgesehen, ich wage zu behaupten, mit Standardrollstühlen passen auch 4 Rollis rein (und wer in einem normalen Sitz mit Armlehnen sitzen kann und mit Faltrollstuhl unterwegs ist, dürfte noch weniger Schwierigkeiten haben).

Sitzplan hier.

Der "Mittelwagen 2. Klasse" direkt unter dem Bild des "Stromrichterwagen 1. Klasse und Restaurant" zeigt die Positionen. Zwei im Großraumabteil, eine im Familienabteil. Die obere Position im Großraum müßte aber breit genug sein, um zwei Standardrollstühle nebeneinander zu stellen, ohne dass der Gang blockiert wird. Somit wären es 4 Rolli-Plätze.

Den "Kringel" links im "Stromrichterwagen 1. Klasse und Restaurant" kann ich mir noch nicht so ganz erklären. Ein "Abstellplatz" für einen Rollstuhl zwischen Restaurant und 1. Klasse vielleicht? Ergibt nicht wirklich Sinn und ist nicht gerade komfortabel, aber Platz für einen weiteren Rolli scheint ja dann dort ebenfalls noch zu sein. Macht also 5 Rollis pro Halbzug.

Und die fahrzeuggebundene Einstiegshilfe ist ja auch schon was wert. Braucht man schon kein Bahnsteigpersonal mit dem Hubgestell mehr abzuwarten.
Also ... es geht voran. Langsam, aber es geht.

Ein richtiges Bild habe ich auch noch im Angebot, leider vom falschen Wagenende (dem in der Skizze linken) geknipst: hier

Da sieht man im Hintergrund die Großraumabteil-Rückwand, vor der laut Skizze ein, laut meiner Meinung zwei Rollis Platz haben müssten.

Anonym hat gesagt…

Einfach, um wieder auf das Thema aufmerksam zu machen. Und um vom Bahnkonzern zu hören, ob die Menschen mit Behinderung da nur was falsch verstanden haben, oder ob die Zusage, deren Nichteinhaltung hier kritisiert wurde, tatsächlich auch aus Sicht der Bahn nicht eingehalten wurde. Um damit dann auch den eigenen Standort für künftige Gespräche neu zu bestimmen.

Jule, das hat nicht "die Bahn" verbockt, sondern Siemens, indem die Firma eine absolut unterirdische Leistung abgeliefert hat. Die Bahn war willens, hat die Züge entsprechend ausgeschrieben und bestellt, aber Siemens hat mehrfach die Liefertermine nicht eingehalten, und als sie dann einen fertigen Zug auf den Gleisen stehen hatten, hat der den "Eisenbahn-TÜV" (EBA) nicht bestanden und musste noch zeitaufwendig nachgebessert werden.

Du erinnerst Dich daran, dass Du Dir ein Auto behindertengerecht umbauen lassen wolltest, und es dann auch zu derart massiven Lieferverzögerungen kam?
Du konntest in dem Fall vom Kauf zurücktreten und Dir einen anderen Lieferanten suchen.
Bei der Bahn geht das nicht so einfach:
1) müssen Aufträge dieser Größenordnung europaweit ausgeschrieben werden. Auch bei einer Neuausschreibung, weil man von einem Vertrag zurücktritt. Das frisst schon Monate, wenn nicht Jahre. Das macht man also nicht leichtfertig mal eben schnell, weil der Lieferant 6 Monate Verzögerung ankündigt.

2) hat kein Hersteller einen Plan für einen nagelneuen Hochgeschwindigkeitszug fertig in der Schublade liegen. Da gibt es vielleicht mit viel Glück Konzeptstudien, aber wenn man nicht gerade spitzkriegt, dass ein bestimmtes Eisenbahnunternehmen demnächst eine Ausschreibung startet, setzt kein Unternehmen seine Designer und Ingenieure "aus Jux" ans Reißbrett, weil "da könnt ja vielleicht mal jemand so einen Zug wollen".

3) selbst wenn man so einen Plan schon fix und fertig in der Schublade hätte, was komplett unrealistisch ist - 16 Züge (so viele hat die Bahn bestellt) sind nicht in der Zeit gebaut, in der man 16 Autos gebaut und behindertengerecht umgerüstet bekommt. Wahrscheinlich nicht mal in der Zeit, in der man 16.000 Autos gebaut und behindertengerecht umgerüstet bekommt. Züge werden einfach nicht in solchen Stückzahlen neu produziert, dass da jemand eine Fließbandfertigung wie für Autos aufbauen würde.

Da steht man als Bahn einfach nur machtlos da, und kann nur sagen "Ich hätt ja gern gemacht, aber ...".

Das einzige Druckmittel bleibt die Vertragsstrafe, die Siemens nun zahlen muss - aber davon wird eben auch keiner der Züge auch nur einen Tag früher fertig ...

Jule hat gesagt…

@03.26:

Es ist leider völlig irrelevant, wieviele Rollstühle reinpassen, wenn drei Plätze vorhanden sind, bekommst du nicht mehr als drei Rollstühle angemeldet. Wenn sich der Zug dann auch noch in Hannover in zwei Halbzüge teilt, stehen dir defacto höchstens 3 Plätze zur Verfügung. Also genau so, wie ich es beschrieben habe.

Die Kringel, die du beschreibst, sind Wendestellen. Also Plätze, an denen es so breit ist, dass ein nach DIN beschaffener Rollstuhl sich einmal im Kreis drehen kann, ohne irgendwo anzuecken. Das ist einmal vor der Tür, da darf aber niemand stehen bleiben und da willst du auch nicht stehen bleiben, weil dann jeder mit Koffern über dich rüberklettern muss. Das zweite ist kein Abteil, sondern das Klo, da willst du dich auch nicht länger als nötig aufhalten. Bleiben also die drei Plätze im Großraumwagen, zwei zusammenhängende und einer schräg gegenüber.

@03.39:

Das mag ja alles sein. Das will ich auch alles glauben. Es interessiert mich aber fast gar nicht, weil ich nicht mit Siemens, sondern mit der Deutschen Bahn unterwegs bin. Wenn die nicht in der Lage sind, ihren Lieferanten so einzuheizen, dass sie ihre Versprechen einhalten können, dürfen sie solche Versprechen eben nicht abgeben. Dann müssen sie eben von vornherein sagen: 2020 sind die ersten 20 Züge unterwegs. Und dann rappelt es halt an anderer Stelle mal im Karton. Wie kann das passieren? Warum dauert das 10 Jahre? Wieso hat man nicht eher geplant? Wer ist dafür verantwortlich?

Wenn auf dem Bahnsteig drei Omas lang hinschlagen, war es auch immer nur der Subunternehmer, der nicht gestreut hat. Wenn der Zug nicht kommt, war es der Hersteller, wenn man den Hersteller fragt, war es der Zulieferer und wenn man den fragt ... ach nee, den kann man nicht fragen, der ist entweder gerade pleite oder er hat nur einen Anrufbeantworter auf irgendeiner einsamen Insel, auf der sich König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte und IBAN, de Schreckliche, die Macht teilen.

Das Problem ist ja, dass es nicht einmal passiert und man daraus Konsequenzen zieht und sich entschuldigt. Sondern es wird ständig irgendwas besser dargestellt als es wirklich ist. Man ist groß genug, das Geld einzusacken, und wenn sich tatsächlich mal die Schlinge zuzieht, ist man angeblich nur ein kleines Lichtlein und alle anderen sind die Bösen. So einfach geht das nicht. Ich akzeptiere das zumindest nicht.