Sonntag, 29. Dezember 2013

Eine Woche Urlaub

Der Winter ist in Norddeutschland derzeit -zum Glück des rollenden Volkes- kein richtiger Winter. Von ein paar Hagelkörnern und etwas Schneegriesel im Zusammenhang mit dem Sturmflut-Orkan am Anfang dieses Monats abgesehen, hatten wir in Hamburg in der letzten Woche Temperaturen deutlich über 10 Grad. Plus.

Als Maries Eltern ihren Winterurlaub gebucht haben, hätten sie nicht damit gerechnet, dass es am Strand von Dubai im Dezember kälter sein könnte als am Strand von Scharbeutz. Marie fliegt sowieso gerne mit in den Familienurlaub, ich wurde zum zweiten Mal gefragt. Nach den Erlebnissen im letzten Jahr warte ich mit der Antwort höchstens aus Bescheidenheit länger als zwei Sekunden.

Man sollte vielleicht dazu sagen, dass es in den Vereinigten Arabischen Emiraten einige Menschen gibt, die viel Geld haben, und die zur Behandlung schwerwiegender chronischer Krankheiten nach Deutschland kommen. Es ist nicht unüblich, dass diese sich auf der Privatstation einer angesehenen Klinik ein Zimmer mieten und sich dort vom Chefarzt behandeln lassen - koste es, was es wolle. Teilweise schließen Kliniken zu solchen Anlässen sogar kurzfristige Arbeitsverträge mit allen möglichen fachlich versierten Leuten aus dem örtlichen und überörtlichen Dunstkreis, stellen also nur für den einen Patienten ein optimales Team zusammen. Wenn sich so etwas wirtschaftlich rechnet, kann ich mir vorstellen, welche Summen dabei fließen. Nicht selten kommen die betroffenen Menschen regelmäßig wieder nach Deutschland, bringen teilweise sogar Freunde und Familie mit.

Nicht selten ergeben sich dadurch aber auch persönliche Kontakte. Und so kann es dann passieren, dass man sich eine Woche lang ein 200 m² großes Haus in einer Ferienanlage leisten kann, das sonst für eine Woche mal eben 8.500 € kostet. Pro Person, versteht sich. Mir wäre dieser Luxus so viel Geld nicht wert, mir reicht auch eine Luftmatratze in einer Turnhalle. Aber: Ich verzichte natürlich nicht darauf, wenn ich ihn nutzen darf. Und nachdem ich es im letzten Jahr schon sehr luxuriös fand, als wir "lediglich" eine Hotelsuite hatten, habe nicht schlecht gestaunt, als ich vor Ort realisierte, wo wir eine Woche lang wohnen werden. Nein, Marie und ihre Eltern würden so viel Geld ebenfalls nicht ausgeben. Maries Mutter stellte schon auf dem Flug klar, dass sie eingeladen worden sind und ein wohlhabender Patient die Unterbringung über Vitamin B eingefädelt hat. Trotzdem: Alleine der Flug wird pro Person schon vierstellig und ich bin ehrlich gesagt (nicht nur deshalb) sehr gerührt, dass sie mich dabei haben möchten und mich dazu einladen.

Diese Ferienanlage ist ins Meer hinein gebaut und steht teilweise auf Stelzen, was dazu führt, dass Marie und ich in unserem Overwater-Schlafzimmer eine Glasplatte im Fußboden haben, durch die man die Fische beobachten kann. Falls gerade welche vorbei kommen. Zieht man die Vorhänge auf, hat man gute Chancen, eine zu hohe Welle schon aus 10 Kilometern Entfernung zu erkennen. Und dass zu diesem Haus auch eine riesige Strandterrasse und privater Pool direkt vor den beiden Schlafzimmern gehört, wir uns zu viert eine eigene Jacuzzi teilen, kostenlos zwei Fitness-Center mit täglich einem Ganzkörper-Massage-Termin nutzen dürfen, grenzt schon an Wahnsinn.

Der Hammer ist eine 10.000 m² große Poolanlage, die aus drei großen Abschnitten besteht und die nicht nur einen eigenen Sandstrand, sondern auch verschiedene ins Wasser eingelassene Massageliegen hat. Hin und wieder schwimmt ein ferngesteuertes Schiff vorbei, auf dem Cocktails oder Obstgläser stehen. Man stellt einfach sein leeres Glas drauf und nimmt sich ein neues Glas runter. Nein, ich träume nicht und es ist auch keine Märchenstunde. Cool ist auch die Swim-Up-Bar, an der man sich bequem auf einen im Wasser verankerten Stuhl setzen kann. Die Theke ist gleichzeitig der Abschluss des Beckens, so dass die Bedienung auf der anderen Seite der Theke im Trockenen läuft und alles serviert, was man haben möchte. Man selbst sitzt bis zum Bauch im Wasser und wenn man ausgetrunken oder aufgefuttert hat, schwimmt man einfach weiter. Bis wir wieder zurück nach Deutschland fliegen, wachsen Marie und mir vermutlich noch Schwimmflossen.

Um ins Meer zu kommen, muss man nur aus der Terrassentür und dann über den Strand. Am ersten Tag sind Marie und ich gekrabbelt, am zweiten Tag hatte man von unserer Terrasse bis drei Meter vor das Wasser ineinander verhakte Plastikplatten verlegt. Keine Ahnung, ob das Hotelpersonal das nachts gemacht hat, sie lagen da jedenfalls plötzlich. Für Silvester sind wir zu einem Galadinner eingeladen - es wird das erste in meinem Leben.

Leider hat an den ersten beiden Tagen das Wetter absolut nicht mitgespielt. Als wir ankamen, regnete es bei 11 Grad. Man muss dazu wissen, dass die durchschnittliche Nachttemperatur im Dezember bei 15 Grad liegt und die durchschnittliche Tagestemperatur bei 26 Grad. Und es gibt statistisch einen einzigen Regentag im Monat. Den hatten wir ausgerechnet erwischt. Entsprechend kühlte auch das Meer von 26 schlagartig auf 23 Grad ab. Seit heute knallt aber wieder die Sonne und bei 24 Grad Lufttemperatur und relativ trockener Luft ist es sehr angenehm. Ohne Lichtschutzfaktor 50+ geht gar nichts. Dass man außerhalb der Hotelanlage sich komplett bedecken muss (im Bikini an den öffentlichen Strand oder im Top und kurzer Hose auf öffentlichen Straßen ist ein absolutes No-Go und kann zur Verhaftung führen), ist gar nicht so schlimm...

Auch wenn es hier absolut faszinierend ist und ich gerne gefragt werde, ob ich noch einmal mitfliege - ich bleibe trotzdem mit allen vier Rädern auf dem Boden. Mein nächster Urlaub wird wieder einer mit Schlafsack und Campingkocher...

Kommentare :

Sally hat gesagt…

Wahnsinn, so ein ganz klein wenig beneide ich dich gerade. :)
Noch viel Spaß beim Urlauben!

Anonym hat gesagt…

Ok, das hier ist nicht Facebook. Es gibt also keinen "Gefällt mir" Button. Und es gibt wohl auch keinen "ich bin neidisch" Button. Schade...denn ich bin's wirklich. ;-) Wenn ich an die automatisierten Getränkeschiffe denke...holla die Waldfee.

Laßt es Euch da in den VAE gut gehen und genießt das (ab jetzt nur noch) gute Wetter. Sehr Behindi-freundlich scheinen sie dort ja zu sein. Toll. Gefällt mir...argh..schon wieder kein Button dafür da.

SG Björn

Anonym hat gesagt…

Gratuliere, das ist ja der absolute Wahnsinn! Maries Mutter muss schon sehr gut sein, wenn sie zum erlauchten Kreis gehört, der so einen reichen Dubain behandeln darf.
Es freut mich auch so sehr, dass Du von der Fr. Doktor schon wie ein zweites Kind behandelt wirst. Du hattest so viel Pech mit Deinem Unfall und der Reaktion und dem Verhalten Deiner eigenen Familie, dass ich Dir so viel Glück Menschen wie Marie und ihre Eltern um Dich zu haben von Herzen vergönne. Nicht zu vergessen Frank, und all die anderen Freundschaften. Du musst aber auch ein besonderer Mensch sein, dass Maries Mutter Dich so ins Herz geschlossen hat.

Alles Liebe und ein ebenso erfolgreiches und Glückliches Neues Jahr wünscht Dir
Andreas

Anonym hat gesagt…

Ach, das hört sich wirklich traumhaft an! Also geniesse die schöne Zeit einfach!

Aber was mich nun doch interessieren würde (du hast es ja auch so frei erzählt): Muss man nicht ein wenig aufpassen, dass man keine Bestechlichkeit vorgeworfen bekommt?

Schnuffelsocke(n) hat gesagt…

Hey Jule, ich freue mich echt sehr für dich, dass du so einen tollen Urlaub genießen kannst!
Das macht mich gerade richtig happy und bei deiner tollen Art zu schreiben, werde ich dich heute Nacht in meinem Traum besuchen kommen. ;)
Ich will mich auch ein bisschen mit in den Pool und an den Strand legen.
Hoffentlich hast du nichts dagegen. *lach*

Anonym hat gesagt…

Genießt eueren Urlaub und guten Rutsch. Viel spaß noch.

Bernd hat gesagt…

Hallo Jule

Freut mich sehr für Dich, daß Du von Maries Eltern zum Urlaub mitgenommen wirst.
Ich wünsche Euch weiterhin viel Spaß. Genießt den Urlaub.
Vielen Dank auch für Deinen Bericht bzw. für den ganzen Blog mit den immer interessanten Berichten.

Matze/Nachholer hat gesagt…

Klappe! Ist voll in Ordnung. Nimm mit, was geht.
Viel Spaß!

Aristipp hat gesagt…

Das ganze hört sich doch wirklich sehr exotisch an und freue mich für dich das du so einen Urlaub erlebst.

Ich persönlich bin nur irgendwie nicht so sehr für Dubai eingestellt. Wie dort sehr viele Arbeiter und die nicht reichen Menschen oft behandelt werden ist doch mehr als nur bedauernswert.

Ich hoffe trotzdem du genießt weiterhin diesen einzigartigen Urlaub und wünsche dir und deinen Freunden einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Anonym hat gesagt…

Wahnsinn! Hoffe du hast dich da gut erholt/erholst dich da gut. Immerhin weißt du ja diesen ganzen Luxus zu schätzen.
Bisschen Eifersucht kommt da schon hoch, wenn man sich selbst krank bis zum Anschlag zur Arbeit schleppen muss. Aber die gute Art von Eifersucht, mit einem zwinkernden Auge und der Gewissheit, dass da einem guten Menschen etwas gutes widerfährt. Hoffentlich war ich selbst nicht allzu böse, so wie ich gerade kränkle *schluck* ;-)

Guten Rutsch!

Philipp hat gesagt…

Na dann schönen Urlaub und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bei uns in Kaiserslautern hats die letzten Tage nur Regen gehabt, da wär man gerne in der Sonne.

Hach ja, *traeum*.......

Grüße aus Kaiserslautern

Philipp

Anonym hat gesagt…

o_O Ich bin zufrieden mit meinem Leben und habe keine Lust auf Fernreisen, aber wenn ich das lese, werde ich einfach nur neidisch, stundenlang...

Und "kühlte auch das Meer von 26 schlagartig auf 23 Grad ab" war sehr komisch, weil unerwartet und furztrocken.

Viel Spaß im Urlaub!

Dennis hat gesagt…

Den Service mit den Plastikplatten am Strand sollte es überall geben.

Wünsche Euch noch einen schönen Urlaub und einen guten Rutsch.

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule, das hört sich phantastisch an! Und Ihr habt Euch nach Euren gesammelten Heldentaten in der letzten Zeit - Maries Eltern eingeschlossen - sowas von verdient.
Ich wünsche Euch eine rauschende Galanacht und dass ihr wohlbehalten wieder nach Hause kommt.
Liebe Grüße Petra

Olli hat gesagt…

Herrlich, schön, dass es Dir da offenbar sehr gut geht. Und letztlich ist das wohl Dank für medizinische Leistungen - ich behaupte einfach mal, dass zB der verschubkarrte, wenn er genau realisieren würde, wie ernst es um ihn stand und was auch Du geleistet hast, nichts dagegen hätte, dass Du gerade richtig gute "Umfeldbedingungen" hast.

Ein klein wenig kann ich das auf dem Boden blieben nachvollziehen, ich hab da eine Veranstaltung, die ich liebe, ist mit anstehen, warten, Gedränge, teils schlechter Sicht, Staus an den Freßbuden, hohe Preise, drum eher was vom Discounter mitnehmen verbunden. Im Sommer ergab es sich, das ich eine nette, wenn auch so gar nicht zu mir und ich nicht zu ihr passende, Dame kennenlernte, die sehr dich am Veranstalter war. Weil ich sie mit etwas beeindruckte gab es zum Dank eine Einladung. Diesmal dann nichts zahlen, reservoerter Parkplatz, andere, bessere Speiden und Getränke, die inem hinterhergetragen wurden, gemütliche abgesperrte Plätze ohne Andrang - das hatte schon was, aber beim nöächsten Mal wirds im Normalo-Low-Cost-Modus auch wieder doll :-)

Dir schonmal einen Guten Rutsch (gibt es eigentlich Winterreifen oder/und Spiekes für Rollis?!?), den Du bitte nicht wörtlich nimmst und ein Frohes Neues Jahr, auf das Du am Ende zufrieden zurückblicken können mögest.

Und dann offenbare ich noch ein Geheimnis: Du hast geschafft, was eigentlich noch keiner schaffte - ich habe mir einen guten Vorsatz gefasst - weniger Tippfehler in den Kommentaren bei Dir...

Jule hat gesagt…

Vielen Dank für die Rückmeldungen. :)

In einigen (unveröffentlichten) Kommentaren wurden die Themen "Steuerhinterziehung", "Vorteilsannahme" und ähnliches angeschnitten beziehungsweise davor gewarnt.

Dazu ist zu sagen, dass ich keinen Grund habe, anzunehmen, dass Maries Eltern einen möglichen geldwerten Vorteil nicht versteuern. Ich gehe davon aus, dass Maries Mutter sich ohnehin steuerlich beraten und vertreten lässt.

Es ist aber auch zu sagen, dass Maries Mutter in keinem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis steht oder zum Behandlungszeitpunkt gestanden hat und von daher auch kein öffentliches Amt bekleidet hat, was aber Voraussetzung wäre, um sich wegen einer Vorteilsannahme strafbar zu machen.

Selbst wenn man -wie geschehen- mit dem öffentlichen Auftrag zugelassener Ärzte, die Gesundheitsversorgung des Volkes sicherzustellen, argumentieren wollte, so kann ich als Bloggerin beim Verfassen dieses Textes davon ausgehen, dass der behandelte Patient weder auf Kosten der deutschen Sozialversicherung behandelt wurde, noch in Beziehung oder Konkurrenz zu anderen Patienten oder ärztlichen Leistungen stand oder steht beziehungsweise irgendwelchen Einfluss auf Maries Mutter nehmen möchte.

Darüber hinaus kann selbst eine deutsche Kassenärztin beliebig viele private und geschäftliche Freundschaften mit Obdachlosen und arabischen Ölmultis eingehen und nach Belieben verschenken und sich beschenken lassen, ohne sich dafür vor mir rechtfertigen zu müssen.

Ich habe noch einmal explizit nachgefragt, aber der Anwalt meines Vertrauens ;) sieht keinen Grund, dass ich den Beitrag löschen oder verändern müsste, wie es in (nicht veröffentlichten) Kommentaren einmal empfohlen und einmal gefordert worden war.

Trotzdem vielen Dank für den Hinweis und einen guten Rutsch!

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule!

Manchmal macht äussert sich Neid in solchen "Warnungen". So einen herbeigeschriebenen Sachverhalt hätten halt manche gerne, um Maries Mutter dieses kleine Privileg madig zu machen. Anders verhielte es sich wenn eine Pharmafirma so eine Reise verschenken würde.
Lass Dich nicht verrückt machen,sondern geniesse. Manchmal verzweifle ich an der Grundeinstellung unserer Neidgesellschaft.

Prosit 2014

Andreas