Dienstag, 31. Dezember 2013

Guten Rutsch 2013

Zehn Stunden Sonne, angenehme 24 Grad, etwas Wind, links von mir weißer Sand, rechts von mir weißer Sand, warmes Meer, kein Lärm, entspannte Leute, keine Böller - ich glaube, ich habe noch nie einen so entspannten Silvestertag erlebt!

Mir tut es sehr gut, mal für ein paar Tage nur Leute in meiner Nähe zu haben, die mich nicht irgendwie nerven oder ärgern. Gerade in letzter Zeit hatte ich öfter mit nicht altersentsprechendem Verhalten meiner Mitmenschen zu tun, und ich habe mir, mit etwas Abstand zu den Ereignissen des zweiten Weihnachtstages, als Vorsatz für das neue Jahr vorgenommen, auf solche Dinge künftig etwas egoistischer zu reagieren.

Ich muss in diesem Jahr noch ein wenig schwere Kost verdauen, denn fehlen darf der zweite Weihnachtstag in meinem Blog nicht: Marie hatte einige Leute vom Sport (gruppenübergreifend) zum Weihnachts-Brunch eingeladen. Unter anderem war ein Sportkollege dabei, der kein Rollstuhlfahrer ist. Er legt immer sehr, sehr schüchternes Verhalten an den Tag. Ich möchte gar nicht wissen, ob es dazu vielleicht sogar eine Diagnose gibt, da ich den Menschen sehe: Einen Mann Anfang 20, auffallend lange Haare, die er stets offen trägt, eher groß, recht athletisch gebaut. Er fällt mir regelmäßig durch eine große Hilfsbereitschaft auf. Ich kenne ihn nur vom Rennbike-Training, er trainiert auf dem Rennrad in einer parallel stattfindenden Fußgängergruppe, Marie hatte ihn zum Weihnachtsbrunch eingeladen, weil sie ihn nett findet.

Und zwei Leute "vor Ort wieder ausgeladen", um genau zu sein: Ein Pärchen durfte gehen. Oder fahren, denn die beiden sitzen im Rollstuhl. Sie trainieren nicht mit uns, sondern sind uns (oder mehr Marie) aus der "Rolliszene" bekannt. Und können auch nett sein. Marie hat den beiden kurzerhand beim Essen die Teller aus der Hand genommen und sie aufgefordert, die Party auf direktem Wege zu verlassen. Ich hatte das erst nicht richtig mitbekommen, aber was sie mir nachher erzählte, ... wie gesagt, ich bin froh über den Abstand, den ich im Moment nach Hamburg habe.

Hauptsächlich der männliche Teil des Paares hat wohl keine Gelegenheit ausgelassen, um über diesen jungen Mann abzulästern. Dieser junge Mann verhält sich halt ein wenig auffällig, gerade wenn unbekannte Leute da sind. Er kommt immer schon sehr früh, ich vermute, um zu vermeiden, dass er auf andere Leute zur Begrüßung zugehen muss. Wenn dann doch schon jemand da ist, dann läuft er ein paar Mal im Sichtbereich dieser Gruppe auf und ab und traut sich nicht, sich den anderen Leuten zuzuwenden und sie zu begrüßen. Ich kenne das schon vom Sport, ich mache dann immer kurzen Prozess, rolle auf ihn zu und rede dabei schon mit ihm, mache ihm deutlich, dass ich ihn gesehen habe und mich über seine Anwesenheit freue: "Hallo XY, schön, dass du da bist, bist du gut durchgekommen?" - Dann gebe ich ihm die Hand und danach ist alles gut. Dann kommt er mit, setzt sich neben mich oder stellt sich zu einer bereits bestehenden Gruppe dazu oder ähnliches. Es braucht halt diesen einen Anschub, und ganz ehrlich: So oft, wie ich mal einen Schubs bei einer Stufe brauche, wo ist das Problem, den jungen Mann an seiner "Grenzlinie" abzuholen?

Ich sehe darin jedenfalls kein Problem. Nicht nur, weil ich als Rollstuhlfahrerin hin und wieder mal Hilfe brauche. Sondern auch sonst. Genauso, wie man ihm sagen muss: "Nimm dir auch was zu essen! Das Buffet ist für alle da!" - Er fragt auch nicht, wo das Klo ist, sondern ob er es benutzen darf. Besagtes Pärchen (oder vielmehr der männliche Part des Pärchens) sah wohl, wie dieser junge Mann sich nicht traute, rein zu kommen oder zu klingeln, und meinte dann: "Wollen wir ihn mal zwei, drei Stunden vor der Tür rumtickern lassen? Mal sehen, wann er Hunger hat und doch noch klingelt."

Auf ein scharfes "das finde ich jetzt gerade überhaupt nicht witzig - Jule kannst du ihm mal die Tür aufmachen?" von Marie kam dann, so erzählte sie mir später: "Okay, therapeutischer Ansatz. Wir zählen, wie oft er da draußen im Kreis rennt und je angefangenes Dutzend muss er einmal klingeln, und für jedes Mal Klingeln darf er sich eins von diesen süßen kleinen Fruchtstückchen von der Platte nehmen."

Es soll Leute geben, die sowas nach ihrem 5. Bier am frühen Morgen lustig finden. Entsprechend gab es wohl Gelächter, und auf Maries bösen Blick fing der weibliche Teil des Pärchens an, zu beschwichtigen: "Jetzt mal im Ernst, dass dem so ein kleiner Ziehfaden aus der Mütze hängt, kann doch niemand abstreiten. Er ist ja ganz nett und das ist auch überhaupt nicht böse gemeint, aber der Haschi ist doch offensichtlich."

Daraufhin hat Marie erst ihr und dann ihm, selbst noch halb kauend, den Teller vom Schoß genommen und dann gesagt: "Es gibt immer mal so Momente, da muss man als Gastgeberin Entscheidungen treffen. Dieses ist so ein Moment und ich habe mich entschieden, meine Einladungslite zu überdenken und ohne euch beide weiter zu feiern."

Reaktion von ihm: "Okay?! Wenn du meinst, dass deine Reaktion angemessen ist, ... bitte. Ich finde, du machst dich gerade ein bißchen lächerlich, aber es ist deine Party und dein Haus. Ich wünsche euch jedenfalls viel Spaß, die Stimmung anschließend wieder über den Nullpunkt zu heben."

Marie ließ sich zu einer weiteren Antwort provozieren: "Es ist nicht mein Haus, sondern das meiner Eltern, und ihr könnt beide froh sein, dass sie das nicht gehört haben." - Während die beiden sich betont langsam die Jacken überzogen, machten sie noch weitere 20 Sprüche, anschließend verschwanden sie und keine zwei Stunden später war in einem sozialen Netzwerk unter einem Foto zu lesen: "Spontan ein bißchen Weihnachten feiern mit ... und ... und ... und ... und ... an der Elbe bei wunderschönem Wetter und drei Thermoskannen Glühwein."

Nun denn, wir hatten keinerlei Probleme, die Party ohne Glühwein wieder in einen positiven Stimmungsbereich zu schieben. Irgendwie hatte niemand mehr Lust, über dieses Thema weiter zu diskutieren. Dennoch dauerte es nicht lange, bis der junge Mann mitbekommen hatte, was da los war. Seine Reaktion: "Hätte ich das gewusst, wäre ich gar nicht erst gekommen." - Maries Antwort: "Gut, dass du es nicht gewusst hast. Dass ich die beiden an die Luft gesetzt habe, hat weniger was mit dir zu tun. Gerade in meinem Zuhause dulde ich keine Ausgrenzung. Und gerade wegen meiner Behinderung bin ich da sehr sensibel."

Am Abend verblieben noch ganz wenige Leute, vier insgesamt, zu einer gemeinsamen Sauna-Nacht. Der war wiederum richtig nett und eine tolle Einstimmung auf die wärmende Sonne in Dubai.

Für mich war das der letzte Beitrag in meinem Blog im Jahr 2013. Es war mein fünftes Blog-Jahr. Und wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Es ist aber gerade nicht am schönsten, sondern es gibt noch viele, viele Dinge, die schöner sein könnten. Darum mache ich weiter und schreibe weiterhin über mein Leben und alles, was mich so bewegt. Ich freue mich über die vielen Leserinnen und Leser, die mir und meinem Blog auch im Jahr 2014 treu bleiben wollen und wünsche allen einen guten Rutsch und ein glückliches neues Jahr!

Kommentare :

TineHappy hat gesagt…

Dir auch einen guten Rutsch und ein schönes Jahr 2014. ;)

Habe gerade einen kleinen Schock bekommen von wegen: "Und wenn es am schönsten ist, soll man aufhören." Kannst du doch nicht machen! :D

Hoffentlich bleibst du der Bloggerwelt noch lange erhalten! :)

ednong hat gesagt…

Boah,
kannst du einen zum Jahresende mit deinem dritten Satz im letzten Absatz erschrecken. Ich hoffe, dass du es noch lange als "nicht am schönsten" definierst und wir - zumindest ich ;) - noch lange recht viel von dir lesen dürfen.

Danke fürs Schreiben - und einen Guten Rutsch ins Jahr 2014.

Anonym hat gesagt…

es freut mich zu lesen, dass du schöne Tage verbringst - jenseits des Silvester-Wahnsinns der (fast) überall auf der Welt um sich greift.
Ich werde mir Maries Worte merken, so hoffe ich, um sie an geeigneter Stelle selbst anzuwenden.

ich wünsche dir, den Leserinnen und Lesern, sowie deinen Freunden um dich herum alles Gute. Nicht nur heute, sondern auch morgen und gestern. Unabhängig von irgendwelchen Jahreszahlen :)

BigDigger hat gesagt…

Auch Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr! :-*

(Und was Du über diesen jungen Mann schreibst, kenne ich von mir selbst. Beispielsweise beim Gespräch einer größeren Gruppe danebenzustehen und zuzuhören, mich aber nicht zu beteiligen - dann könnten die anderen ja merken, dass ich da bin... da gibt es durchaus Hilfe, deswegen habe ich dieses Problem nicht mehr - auch wenn ich nie eine Rampensau sein werde -, aber den Schritt auf diese Hilfe zu muss er aus sich selbst heraus machen. Das ist schwer. Und niemand, der damit nicht lebt, wird das jemals nachvollziehen können. Deine Taktik übrigens, mit ihm deswegen umzugehen, ist die richtige, das kann ich aus meiner Erfahrung sagen; wenn ich von jemand anderem angesprochen werde/wurde, habe/hatte ich keine Zeit, mir meiner Ängste bewusst zu werden oder Ausweichverhalten zu zeigen, und folglich war ich in der Situation drin, ohne groß drüber nachzudenken. Für den "alltäglichen" Umgang ist das die bestmögliche Strategie.)

Und Chapeau für Marie!

Michi hat gesagt…

Und wieder Punktlandung bei 147 Beiträgen im Jahr :D

Frohes neues Jahr allen hier! Ich wäre jetzt auch gern in Dubai...

opatios hat gesagt…

Als einer der sich angesprochen fühlenden Leser wünsche ich Dir auch einen guten Start ins Jahr 2014 und gutes Gelingen für alles was Du anpackst!

Sally hat gesagt…

Wer solche "Freunde" hat... Ohwei.
Nur gut, dass ihr euch davon die Party nicht komplett habt vermiesen lassen. Marie hat m. E. genau richtig reagiert.

Noch viel Spaß in der Sonne! Einen "vorsichtigen Rutsch" brauche ich dieses Jahr wohl eher nicht zu wünschen.

Anonym hat gesagt…

Da du schon im neuen Jahr bist: Alles Gute für 2014!!!!

Anonym hat gesagt…

Mir als Asperger-Autistin ist der junge Mann sehr sympatisch. Vielleicht weil ich der junge Mann sein könnte und ich mich über Leute wie Marie unglaublich freuen würde.

Es wäre schön Freunde wie euch zu haben, dass würde mein Leben einfacher machen. Ich brauche Menschen die auf mich zugehen.

Frohes neues Jahr Jule, ich kann es kaum erwarten deine Beiträge im Jahr 2014 zu lesen.

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule!

Lass Dir von solchen Menschen nicht,die Stimmung vermiesen.
Zunächst tolle Reaktion von Marie. So wie Du sie beschrieben hast, hätte ich soviel Resolutheit nicht erwartet.
Die beiden leiden sicher selber an irgendwelchen Komplexen, Defiziten, was auch immer, oder haben mit sich und ihrer eigenen Behinderung ein unbewältigtes Problem. Im Endeffekt ist das aber egal. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass gerade Behinderte ziemlich bösartig sein können, wenn sie siehe oben mit sich selber und ihrer Lebenssituation nicht zu recht kommen.
Auch wenn man dazu neigt allen die "im gleichen Boot sitzen" einen Vertrauensvorschuss zu geben, so ist die Tatsache, dass jemand auch im Rolli sitzt und Sport betreibt, noch lange nicht gegeben, dass man sonst gleiche Interessen verfolgt. Es gibt eben auch unter Behindis solche und solche, von denen man sich rechtzeitig abgrenzen muss.
Auf jeden Fall Bravo Marie und lässt Euch von solchen Typen nicht die Feier vermiesen.

LG

Andreas

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule!

Dein Blog ist wunderbar. Obwohl ich ihn erst seit 5 Monaten kenne, gehört das regelmäßige Lesen schon zu einem Teil meines Alltags. Bitte mach weiter. Manchmal lese ich die alten blogs, vor allem die aus 2009 wieder, und bin jedesmal ganz ergriffen, wie Du Dich verändert hast. Auch Deine Sprache wurde viel pointierter und geschliffener. Am Anfang beschrieb Dein Blog den blossen Überlebenskampf. Immer mehr änderte sich Dein Blog zu einem solchen der zu allgemein gesellschaftlichen Themen Stellung bezieht. Du hast Dich zu einer für Dein Alter sehr reifen jungen Dame mit unglaublichen Fähigkeiten entwickelt. Mir geistert immer wieder der Satz Deines Vaters durch den Kopf Du hättest Dich vom bürgerlichen Leben verabschiedet. In gewisser Weise muss ich ihm ausnahmsweise recht geben. Du hast kein "bürgerliches Leben" im landläufigen Sinn. Du bist gezwungen durch Deinen Unfall und dessen Folgen dreimal so schnell gereift, wie jede Andere. Du wohnst in einer wunderbaren WG, Du bist finanziell unabhängig, Du hattest schon früh einen Führerschein, einen eigenen Wagen, Du durftest frühzeitig ohne Abitur auf die Uni ( und wie man sieht fehlt Dir dieses entbehrliche Erlebnis der Reifeprüfung nicht, und macht aus Dir keine schlechtere Studentin, sondern im Gegenteil).
Diese Privilegien kamen nicht aus der Luft, wie im Schlaraffenland die gebratenen Tauben geflogen, sondern musstest Du Dir Stück für Stück hart erkämpfen. Man kann an einer solchen Aufgabe zerbrechen oder wie Du gestählt hervorgehen.
Meine ungeteilte Bewunderung ist Dir sicher. Ich schrieb einmal, dass Du in den Rehab Bereich eines Tages gehen solltest. Hast Du keine Lust eines Tages in die Politik zu gehen? Ich bin überzeugt man würde auch in so einer Funktion noch viel von Dir hören.

nochmals Alles Gute für ein hoffentlich ebenso erfolgreiches Neues Jahr ohne Idiotenmagnet

Andreas

Olli hat gesagt…

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARH, also Jule, wirklich, musste das sein? Deine LEserschaft ist doch teils sooo jung nicht mehr und je nach LEsezeitpunkt auch nicht ganz fit.

Aufhören, wenn es am schönsten ist - Du hat mir den ersten richtigen Schrecken des Jahres mit ganz flauem Bauchgefühl gemacht.
Ja, wirklich, ich meine das ernst und es stimmt.

Gottlob hat sich das mit dem nächsten Satz gegeben und ich konnte mich wieder entspannen. Positiv aber, dass es nun so schnell wohl nicht schockendes mehr in diesem Jahr geben kann - obwohl, wer kann schon in die Zukunft sehen? Ich versuche mal dran zu denken, es hier zu vermelden, wann mich was ähnlich hart entsetzte.

Und zum 2. Weihnachtsfeiertag: unschön bis aber halbschön, weil Marie wunderbar gezeigt hat, das man zwar nicht alles und andere ändern kann, so wie man es gerne möchte, aber mit einem anderen Umgehen mit den Leuten und er Situation es sich für einen selber doch (hoffentlich!) besser anfühlt, nicht mehr so runterzieht.

Julia hat gesagt…

Das Verhalten von eurem jungen Mann erinnert mich stark an mich selbst
und ich finde es ganz toll, wie Marie und Du damit umgehen, Jule.
Danke,
dass es Menschen gibt, die anderen das Leben nicht noch schwerer machen müßen.
Das sieht leider meist so ganz anders aus.

Bernd hat gesagt…

Hallo Jule

Ich wünsche Dir für das Jahr 2014 auch alles Gute, vor allem Glück und Gesundheit.

Hat Marie auch so einen komischen Magneten, der Idioten anzieht?
Das ist ja sehr unverschämt von dem Pärchen gegenüber dem jungen Mann.

Mensch Jule, als Du im letzten Absatz von Deinem Blog beeenden geschrieben hast, habe ich einen ganz schönen Schreck bekommen. Was würde ich dann lesen? Ich freue mich immer über Deine neuen Beiträge hier. Also bitte: Denk nicht ans aufhören, sondern schreib noch lange weiter. Dein Blog würde mir sehr fehlen.

Blütefrau hat gesagt…

Dir, liebe Jule, wünsche ich ein tolles neues Jahr. Ich hoffe es wird für dich mit weniger magnetisch orietierten Menschen in deiner Umgebung sein. Obwohl es dann weniger Kopfschüttelmomente geben wird, aber wir wissen ja, dass die Welt ohne ein paar Idioten nicht aus kommt.
Also, ein frohes neues Jahr und alles Glück welches du brauchst und weiterhin den Mut die Welt ein kleines bisschen aufmerksamer zu machen.
Danke für die letzten zwei Jahr, die ich dir folgen durfte. :-)

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule,

ich bin spontan auf deinen Blog gestoßen als jemand im FanFiktion.de Forum im Aufreg-Thread deinen Zimtschnecke Beitrag verlinkt hatte. Seit dem habe ich alles nachgelesen. Ich betrachte mich selbst als doch toleranten, mehr oder wenigen offenen Menschen.

Bei vielen Erzählungen hätte ich am liebsten den Kopf gegen die Wand gehämmert. Was meine laufenden Mitbürger da so stellenweise vom Stapel lassen ist einfach ohne Worte.

Umso mehr berührt mich der heutige Beitrag: Ich habe denke ich das gleiche Problem wie der junge Fußgänger. Ich bin auch ständig zu früh da, einfach um diesem "allen die Hand schütteln" zu entgehen. Schüchternheit etc. und wenn dann jemand so blöde Kommentare abläst ist das noch schlimmer. Wenn ich irgendwo anrufen muss, brauche ich auch locker 1 Stunde bis ich mir jede Situation im Kopf durchgespielt habe. Wenn ich irgendwo eingeladen bin und vor der Tür meine Kreise drehe, ist das normal, weil ich erst mal alle Szenarien durchspielen möchte.

Ich stottert nicht oder so, aber wenn ich in Situationen komme die ich nicht einschätzen kann - was so ein kleiner Brunch mit vielen Rollis :) gewesen wäre (oder auch Telefonate mit unbekannten Personen, Treffen mit Menschen die ich nicht direkt kenne etc.) fange ich an viel mit äh und ähm zu "arbeiten". Bisschen Stoiber mässig :)

Ein danke an Marie für den Schritt die 2 vor die Tür zu setzen.

Vielen Dank für deinen Blog. Ich bin froh das ich darüber gestolpert bin. Man "leidet" irgendwie mit, zumindest als etwas emotionaler Mensch verdrückt man gerne mal eine Träne.

Wünsche dir für dein Studium wirklich alles Gute, genau so wie ich es Marie wünsche! Genau so wie viele, viele andere Dinge, aber ich denke der Kommentar ist lang genug!

Frohes Neues,
eine Leserin.

Anonym hat gesagt…

Allein aus dem Bericht kann man keine Diagnosen stellen, aber ein Verhalten wie seines ist ganz typisch für Asperger-Autisten, aber auch für HFA (hochfunktionaler frühkindlicher Autismus).

Er hat dann das große Pech, dass man ihm nichts ansieht. Soziale Behinderungen werden gerne auf die Erziehung der Eltern zurückgeführt, die aber daran keinerlei Schuld trifft.

Er hat großes Glück von euch verstanden zu werden, auch ohne Diagnose oder Hintergrundwissen. Er kann es eben nicht, möchte aber, also hilft man ihm eben über die imaginäre Stufe rüber, dann gehts auch weiter - wie bei Rollifahrern eben die tatsächliche Treppenstufe.

Vermutlich spießt er die Leute auch nicht gerade mit den Augen auf?

Liebe Grüße
Martina

Anonym hat gesagt…

Ich denke, dass der Blog ewig gehen kann. Ich kenne viele Blogs oder Kolumnen berufstätiger Menschen. Es würde mir etwas fehlen, vor allem interessiert mich Dein Werdegang. Ich glaube man wird noch viel von Dir hören.
Hast Du Dir eigentlich in einer stillen Stunde überlegt wie es weiter geht. Wenn Du den Arztberuf ergreifst, ist es irgendwann mit Deiner Rente senza. Auf der anderen Seite, kann man als QS diesen schweren Beruf durchhalten? Ich fürchte der Tag kommt an dem Du Dir diese Frage stellen musst!

LG

Andreas

Dennis hat gesagt…

Hallo Jule,

wünsche Dir bzw. Euch ein frohes neues Jahr. Wie war das Galadinner?

Marie hat sich, meiner Meinung nach, doch richtig verhalten beim Weihnachts-Brunch. Es gibt halt Menschen, die zurückhaltend oder schüchtern sind. Da ist es eben besser drauf den ersten Schritt zu machen und nicht zu warten bis die Person sich überwunden hat.

Liebe Grüße
Dennis

Wölfchen hat gesagt…

Es könnte Asperger sein, es könnte Soziophobie sein, es könnte auch einfach nur introvertiert sein...

Egal... Jule, ich find gut, wie du das machst. Als Soziophobikerin brauche ich ja auch öfter mal diese Anschupser. Wobei ich nicht danach frage, ob ich auf Klo darf. Ich bete einfach, dass die Party früher vorbei ist, als die Blase platzt!
(wobei das klappt auch nicht mehr. Meine Freundin schleift mich einfach mit, wenn SIE auf Klo geht - ob ich will (oder muss) oder nicht...)

Und auch ein großes Lob an Marie. So etwas wünsche ich mir öfter. Durchaus auch von mir. *nick nick*

Blogolade hat gesagt…

Frohes neues Jahr liebe Jule! Ich hoffe du hast deinen Idiotenmagneten schon weit ins Meer geworfen, damit du nächstes Jahr Ruhe hast.
Noch einen schönen Resturlaub in Dubai, genieß die Wärme da! :) Kannst du vielleicht ein paar Fotos von dort mitbringen? Deine Beschreibungen klingen so unglaublich toll :)

Idioten gibts anscheinend überall, zu Fuß und auch im Rolli. Schade schade, aber Maries Reaktion fand ich super!

Nochwas: erschreck mich doch nicht so mit "wenns am schönsten ist, soll man aufhören." aaaahhhh

Anonym hat gesagt…

Ich wünsche Dir auch ein frohes und vor allem gesundes neues Jahr. Der Mann den Du da beschreibst...daß könnte glatt ich sein. Interessant ist, daß das schon von so vielen hier gesagt wurde. Ich fühle mich auf solchen Feiern immer wie ein Außerirdischer. Schön, daß Ihr ihn eingeladen habt und auch verteidigt habt. Und das Ihr nicht nur ein Auge für die körperlichen Handicaps sondern auf für die psychischen habt.

Bleibt beide weiter so wie Ihr seid. Und entwickelt Euch weiter. Irgendwer hat das glaube ich auch schon geschrieben, aber egal: wenn ich sehe wie Du Dich entwickelt hast (von den ersten Blogeinträgen) und was für verantwortungsvolle Menschen ihr (Du und Marie) seid..das ist schon wirklich beeindruckend.

Es wäre schade wenn Du aufhörst zu schreiben. Ich bin zwar urspünglich aus ganz anderen Gründen auf diesen Blog gekommen - aber er ist für mich einfach wie die Tageszeitung geworden. Spannend, berührend, nachdenklich machend, ...einfach klasse.

LG Björn