Montag, 10. März 2014

Noch eine andere Idee

Ich hatte es ja bereits angedeutet: Wenn ich verhindern möchte, dass bei der aktuellen Zins- und Inflationslage meine Entschädigung, die ich wegen meines unverschuldeten Unfalls einst bekommen habe, immer mehr an Kaufkraft verliert, muss ich sie anders anlegen. Darauf bin ich nun schon mehrmals hingewiesen worden, und zwar nicht nur von meinem Bankberater, der vielleicht noch selbst ein Interesse an neuen oder anderen Abschlüssen haben könnte. Das weiß eigentlich auch jeder inzwischen - die Frage ist nur, wo man sein Geld vernünftig anlegt. Irgendwelche spekulativen Geschäfte, bei denen man sehr schnell sehr viel Geld verlieren kann, kommen für mich überhaupt nicht in Frage.

Es gab daher in der letzten Woche die Überlegung, in Wohneigentum zu investieren, und es gab auch bereits eine etwas konkretere Idee, die sich aber inzwischen wieder zerschlagen hat. Die Übernahme eines Grundstücks mit einem begonnenen Bau aus einer Versteigerung nach Tod des Eigentümers kommt nicht in Frage, da der Rohbau Schrott ist und abgerissen werden müsste. Die Bauarbeiten wurden im Oktober eingestellt und das Ding hat erhebliche Frostschäden erlitten, sagte zumindest ein Freund von Maries Vater, der sich das vor Ort angeguckt hat und das beurteilen kann. Im Gegensatz zu mir.

Aber, und das ist absolut lustig, ich ziehe ja immer alle möglichen Leute an. Viele Idioten, aber anscheinend auch Nicht-Idioten. Während also Marie und Maries Papa und dieser besagte befreundete Fachmann und ich dort standen und die beiden Männer über den Zustand des halben Rohbaus fachsimpelten, kam in Hausschuhen ein alter Mann mit weißen Haaren in brauner Cordhose mit Hosenträgern und Holzfällerhemd aus dem Gebäude auf der gegenüber liegenden Straßenseite angeschlurft und stellte sich dazu. Grüßte mit "Moin moin", fragte, ob die beiden das Grundstück kaufen wollen. Maries Vater gab ihm die Hand und sagte: "Eher nicht, das sieht nicht so toll aus, was die hier gemacht haben." - "Nö, das muss wieder abgerissen werden, das haben sie ja alles vergammeln lassen. Ein Schandfleck hier vor meiner Haustür, bald 50 Jahre wohnen wir hier, ich habe schon überlegt, ob ich das aufkaufe, den Schrott wegmache und dann wieder verkaufe. Teuer kann es ja nicht sein, gerade wenn man der Bank erklärt, dass das alles Schrott ist. Aber die Nerven habe ich nicht mehr. So gucke ich dann auf der anderen Seite aus dem Fenster und hoffe, dass sich hier schnell jemand findet, der das Grundstück kauft."

"Wie ärgerlich", antwortete Maries Vater. "Wir suchen eigentlich was für die beiden jungen Damen, die wollen bauen, da wäre das Grundstück eigentlich gut geeignet." - Marie und ich guckten uns an. Wir wollen bauen? Davon wussten wir ja noch gar nichts. Aber es ist spannend, wer sich so alles Gedanken um die sinnvolle Anlage meines Geldes macht und Maries Vater wird schon wissen, warum er das dem alten Mann so erzählt. Und tatsächlich: "Nee, das ist kein Schnäppchen hier, da handeln Sie sich nur Ärger mit ein. Da lassen Sie mal die Finger von! Obwohl ich die beiden Hübschen ja gerne als Nachbarn haben würde, so ist das ja nicht!" - Er klopfte mir auf die Schulter und sagte: "Spaß muss sein, ja? Meine Frau und ich haben schon goldene Hochzeit gefeiert, also bitte nicht falsch verstehen." - "Ich fühl mich geschmeichelt", antwortete ich.

"Fragen Sie doch mal dahinten bei ... nach. Der will schon seit Jahren verkaufen und kommt nie in Schwung. Vielleicht lässt er sich ja von ihrem Wimpernaufschlag hinreißen. Da hätten Sie wirklich ein tolles Grundstück. Große, ebene Fläche, sehr reizvoll." - Maries Vater fragte nach: "Darf man da denn überhaupt bauen?" - "Das ist als Bauland verkauft worden, damals. Er hat sogar richtig Ärger gekriegt, weil er es nicht bebaut hat. Musste Strafe zahlen, und nicht zu knapp. Irgendwann haben sie ihn dann aber in Ruhe gelassen. Er hat das damals nur gekauft, weil er eine große Fläche für seine Schafe und Ziegen haben wollte. Die hat er aber schon lange nicht mehr. Soll ich den mal anrufen? Ich kenn den noch von früher. Ich ruf den gleich mal an. Kommen Sie doch kurz mit rein. Ach nee, Sie kommen die Stufen ja nicht hoch. Dann kommen Sie doch alle mit auf die Rückseite zur Terrasse."

Er schlurfte vorweg, die Karawane hinterher. Ein Schäferhund stand an der Grundstücksgrenze und beobachtete alles genau. Herrchen streichelte ihm im Vorbeigehen über den Kopf und sagte: "Ist gut, Dicker, Opa bringt Besuch mit." - Das war das este Mal, dass ich jemanden über 70 das Wort "Dicker" in den Mund nehmen hörte. Sonst ist "Digger", "Alder" und so weiter ja eher Jugendslang - furchtbar, wie ich finde. Seine Frau, ebenfalls weiße Haare, mit bunter Kittelschürze, guckte erstaunt. "Wen schleppst du denn da an?" - "Muddi such doch mal das Telefon raus, ich will Erwin eben anrufen." - "Was willst du denn von Erwin?" - "Hier die suchen ein Baugrundstück. Erwin hat doch immernoch seinen Acker da. Wo die ganzen toten Bäume draufstehen. Vielleicht verkauft er den ja endlich. Die beiden Männer suchen was für ihre Töchter hier. Ich wollt den mal eben anrufen." - "Wenn der sich mal nicht gerade hingelegt hat." - "Denn steht er eben wieder auf, sowas hat man ja nicht alle Tage."

Maries Vater sagte: "Wir wollen keine Umstände machen, wir können auch später nochmal vorbei kommen." - "Nö nööö, nu lassen Sie mal, Erwin und ich kennen uns nun auch schon 50 Jahre, ich hab ihm damals geholfen, als er sein Haus gebaut hat. Das kriegen wir schon hin. Möchten Sie was trinken?" - Ein schnurloses Telefon wurde weitergereicht und tutete schon. Der alte Mann ging ran: "Moin Erwin, hier ist ..., du hör mal: Ich hab hier gerade zwei Männer in der Bude stehen, die wollten sich das Grundstück von dem alten ... angucken, das ist aber nichts für die. Die suchen Bauland für ihre beiden Töchter und die Töchter sitzen beide im Rollstuhl. Ich hab gedacht, wir können uns doch mal deinen Acker angucken eben, oder? Steht der noch zum Verkauf? Im Prinzip ja, siehste. Dann kommen wir mal eben rum oder machst du gerade ein Nickerchen? Mutter kommt auch mit, die hat noch frische Eier für dich. Ja bis gleich. Ende."

Und so machten wir uns auf den Weg. Der Hund blieb zu Hause und bewachte den Hof, alle anderen trotteten oder rollten rund 500 Meter weiter zu Erwin, der schon aufgeregt am Straßenrand stand. Ich könnte jetzt noch stundenlang erzählen, aber ich kürze es mal ab: Zwischenzeitlich hatte das Grundstück schonmal jemand gekauft, der dort ein Verwaltungsgebäude für eine Spedition bauen wollte, das hatte das Bezirksamt aber untersagt, weil Gewerbe im Wohngebiet nicht erlaubt ist, und entsprechend sei der Kaufvertrag anulliert worden.

"Das ist das gute Stück", sagte Erwin, der mit Gummistiefeln am Straßenrand stand und gerade eine handvoll herum wedelnde Zeitungsseiten eingesammelt hatte. Anhand der Aussage war schon deutlich, dass man mit ihm durchaus ins Geschäft kommen könnte. Nach einigem Hin und Her fragte Maries Vater: "Und was wollen Sie für das Prachtstück haben?" - Und da mischte sich der alte Mann mit der Cordhose ein: "Nu überleg dir das gut, die Chance kommt so schnell nicht wieder. Für die beiden Hübschen hier musst du eigentlich noch was dazu geben, wenn sie sich zu dir in die Nähe trauen." - "Na du bereitest mir ja gleich den richtigen Einstieg. Also so 50 bis 70 Braune wollte ich da schon noch für haben." - "Bist du verrückt, 70 Braune, das sind junge Frauen, woher sollen die das denn nehmen?" - "Der letzte wollte mir 100 geben." - "Der war ja aber auch nicht ganz beieinander, der hatte hier schon ein großes Schild stehen, bevor er überhaupt gefragt hatte, ob er hier graben darf. Das war ein Vollidiot! Die hättest du auch nie bekommen, der hätte nämlich nach einem halben Jahr Konkurs angemeldet, so einer war das nämlich." - "Ach ihr kanntet euch? Du bist vielleicht ein Schnacker. Ja pass auf, wir machen 50 Braune. Die Hälfte wenn ihr anfangt und die andere Hälfte sagen wir in 10 Jahren. Wenn ich dann schon unter der Erde bin, habt ihr Glück gehabt. Sonst krieg ich nochmal was für mein Auskommen."

Maries Vater antwortete: "Nee wenn, dann schaffen wir gleich entspannte Verhältnisse. Also fünfzigtausend Euro wollen Sie haben?" - "Euro doch nicht - Mark! Euro ist zu viel. Die Hälfte in Euro. Also 25." - Der alte Mann mit der Cordhose mischte sich wieder ein: "Das ist ein fairer Preis, Erwin. Das reicht auch, um mich mal zum Bierchen einzuladen, schließlich hab ich den Leuten überhaupt erst von deinem Acker erzählt." - "Ja du bist der Beste."

Ich verrate Erwin natürlich nicht, dass die Bank für das andere Grundstück 192 T€ hätte haben wollen. Allerdings mit dem angefangenen Bau, der Preis ist aber nicht zu halten. Und dabei ist Erwins Acker eigentlich viel schöner. Für 25 T€ ist das ein Schnäppchen, selbst für 50 oder 60 T€ wäre es noch okay gewesen. Aktuell haben sich Frank und Maries Papa nun folgendes angedacht und mit dem Architekten besprochen, der auch bereits unsere WG realisiert hatte: Es soll ein Wohnhaus gebaut werden, in dem unten zwei große Wohnungen und oben vier kleinere Wohnungen Platz finden. Komplett barrierefrei, mit Tiefgarage und Aufzug. Das Grundstück hat rund 500 m², die Grundfläche des Hauses wurde mit rund 300 m² angesetzt. In die Wohnungen unten könnten Marie und ich einziehen, wenn wir das denn wollten, die vier Wohnungen oben an jeweils einen Single-Haushalt mit Rollstuhl vermieten. Die vier Wohnungen oben werden öffentlich gefördert, die unten nicht. Die unten könnten natürlich auch an andere Interessenten vermietet werden. Ich habe von solchen Planungen natürlich keine Ahnung. Also ich kann das schon nachvollziehen, aber ich würde niemals auf solche Ideen kommen. Aber insbesondere Frank vertraue ich da und Maries Papa natürlich mindestens genauso.

Das zuständige Bezirksamt würde, vorausgesetzt, eine andere Stelle stimmt dem ganzen "Projekt" noch zu und alles andere passt auch, grundsätzlich eine Baugenehmigung erteilen. Das wurde Frank bereits so in Aussicht gestellt. Der Architekt rechnet die Baukosten auf rund 1,35 Mio Euro. Es würde öffentliche Fördergelder geben für den Bau, nämlich rund 170 T€, dazu einen zinsgünstigen Kredit bis maximal rund 780 T€. Der Eigenanteil, der selbst finanziert werden muss, liegt bei rund 250 T€. Über die nächsten 30 Jahre würden die vier Wohnungen, die vermietet werden, mit jeweils 91 T€ subventioniert werden. Gleichzeitig müssten rund 100 T€ für den Kredit gezahlt werden (Zinsen und Bearbeitungsgebühr).

Am Ende sieht es im optimalen Fall so aus, dass nach 30jähriger Laufzeit die gleiche Summe herauskommt, als hätte man den Eigenanteil von 250 T€ mit 4,3% verzinst. Plus ein komplett bezahltes Wohnhaus mit 6 Parteien. Im ungünstigsten Fall ist das Geld weg und das Haus eingestürzt. Alles dazwischen ist möglich. Damit es im schlimmsten Fall bei diesem Eigenanteil bleibt (und nicht noch jemand auf den Rest meines Privatvermögens zugreifen kann), ist es auch wichtig, dass nicht ich direkt der "Veranstalter" bin, sondern dass eine Firma gegründet wird, die mit ihren Einlagen haftet und ich die Einlagen bereit stelle, zumindest zu einem großen Teil. Ich bin gespannt, wie es weitergeht - als nächstes müssen sich die Investitionsbank und das Bezirksamt positionieren, ob sie für das Ding grünes Licht geben würden. Falls ja - ich glaube, ich würde zuschlagen. Zumindest klingt es sehr verlockend.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

oho, da verschachern sich die Dorfältesten gegenseitig

Anonym hat gesagt…

Schick!
Vor allen Dingen der sehr norddeutsche Dialog der beiden alten Herrn. Hut ab ob des schnellen Kaufs - und wahrscheinlich noch ein klein wenig draufgelegt fairnesshalber.

Anonym hat gesagt…

Zuschlagen, sofort. Aber irgendwie finde ich es trotzdem nicht gut, dass der Mann so wenig Geld für sein Grundstück bekommt. Klar, wer würde nicht zugreifen, aber moralisch finde ich diesen niedrigen Preis echt verwerflich. Vor allem, weil er sich so belatschern lassen hat. Wenn der den Tipp bekommt, was sein Grundstück wirklich Wert ist....

Blogolade hat gesagt…

Puuuh, gut dass du einen befreundeten Anwalt hast der sich da anscheinend auskennt!
Das sind ja ganz schön viele Zahlen zum jonglieren! Würdet ihr auch noch eine Praxis in das Haus einplanen, wo ihr doch beide Medizin studiert? Oder ist das Quatsch?

Ich hab keinen Plan von all diesen Zahlen, Krediten und so weiter, wünsche dir aber alles Gute und viel Erfolg bei der Realisierung, falls es dazu kommt!

Graugrüngelb hat gesagt…

Ich bin gerade etwas neidisch auf 500m² für 25 T€. Das ist ja schon ein sagenhaftes Schnäppchen, wenn es nicht völlig am Allerwertesten der Welt ist.

Aber insgesamt klingt die Sache wirklich gut und mit Maries Vater und Frank scheinst du ja gute Berater zu haben. Ich drcke mal die Daumen, dass alles so klappt, wie ihr euch das vorstellt.

ruolbu hat gesagt…

Sowas finde ich immer tierisch spannend, erklärt zu bekommen. Ich hoffe das läuft wunderbar für dich, und evtl. auch dass man in 30 Jahren noch irgendwie irgendwas von dir zu hören bekommt... wer weiß ^^

Gewerbe ist nicht erlaubt sagst du, fällt da evtl. auch ne eigene Praxis drunter, die du in einigen Jahren vielleicht mal hast?

Dein Blog ist nicht nur cool, lehrreich, unterhaltsam und lustig sondern auch noch mega spannend. Und in Erweiterung trifft das wohl eigentlich auch auf dein Leben zu. Zumindest für mich Außenseiter.

Anonym hat gesagt…

Oha, das klingt alles sehr spannend! Ich wünsche dir/euch dabei viel Erfolg.

Roichi hat gesagt…

Vor allem klingt es nach entspannten Leuten als Nachbarn.
Ist ja auch viel Wert.
Und nicht vergessen "Dicker" gelegentlich einen Happen zukommen zu lassen. ;-)

Frank hat gesagt…

Hallo Jule,
ich habe bei der Aktion ein komisches Gefühl.
Klar,das Angebot kam von dem Mann selber,vielleicht mit ein bisschen Druck des Nachbarn,
aber allein die Rückrechnung in DM zeigt doch,der lebt in seiner eigenen Welt.
Das Grundstück hat vermutlich einen Wert,der um ein vielfaches höher liegt
als das was ihr bezahlen müsstet,ich könnte so ein Geschäft nicht machen.
Ich hätte mein Leben lang das Gefühl,einen älteren Mann über den Tisch gezogen zu haben.
Ihr werdet sicher noch ausrechnen lassen,was das Grundstück für einen tatsächlichen Wert hat,
mit dem als Grundlage würde ich nicht den vollen,
aber sicher 75% des eigentlichen Wertes bezahlen,
damit könnten beiden Leben und es wäre immer noch ein Schnäppchen.

Vermutlich stehe ich mit dieser Meinung alleine da

claralottiluth hat gesagt…

Und wieder ein riesiges Projekt. Wird nicht langweilig in Deinem Leben!!

Anonym hat gesagt…

irgendwie kam ich nicht drumrum die Worte des alten Mann in tiefstem Plattdeutsch zu lesen.

Ich schließe mich allerdings dem Vorkommentator an, der das Schnäppchen unmoralisch findet an. 50000€ wäre schon ein Schnäppchen gewesen bei dem man nicht nein gesagt hätte, wie man an der Reaktion von Maries Vater auch erkennen kann - 25000 hingegen sind einfach nur unverschämt wenig.

Philipp hat gesagt…

Mann oh Mann was für eine Sache. Na da kann man ja wirklich nur die Daumen drücken dass das alles so klappt wie Ihr euch das vorstellt. Ich würds euch wünschen.

Ja, bauen, nein, das würd Ich mir nie im Leben antun. Aber, viel Glück, dass das alles so klappt wie Ihr euch das vorstellt.

Grüße von einem Kaiserslauterer (nun endgültig) in Dresden

Philipp

Jule hat gesagt…

Das ist doch noch gar nicht gekauft. Ein Grundstückskauf geht nur über einen Notar. Es wurde nur Interesse bekundet.

Zu welchem Preis das, wenn, am Ende den Besitzer wechselt, werden wir sehen. Abzocken werde ich sicherlich niemanden, schließlich habe ich noch sowas wie ein Gewissen und möchte obendrein auch keinen verärgerten Nachbarn neben mir wohnen haben, falls das tatsächlich dazu kommen solle und ihm das beim nächsten Stammtisch jemand stecken sollte.

Allerdings ist es auch so, dass das Grundstück nicht mitten in den Stadt, sondern schon im ländlichen Gebiet liegt. Allerdings: Eine Bushaltestelle ist direkt vor der Tür und der nächste große Supermarkt ist 500 Meter weit weg.

Was die angesprochene Praxis angeht: Ich weiß nicht, ob wegen des Ärztemangels in dem Bereich die strikte Trennung Wohnen/Gewerbe in den Hintergrund treten würde. Supermarkt ging ja auch. Allerdings bin ich nicht vor 2019 mit meinem Studium fertig und müsste mich dann, um eine Praxis eröffnen zu können, noch weitere 5 Jahre weiterbilden. Das sind aber die nur die Mindestzeiten - in dem Galopp halte ich das vermutlich gar nicht durch und werde länger brauchen. Sollte ich noch promovieren wollen, kommt noch mindestens ein zusätzliches Jahr hinzu. Damit wären wir mindestens bei 2025. Das ist noch so weit weg - ich kümmere mich erstmal um die Prüfung nächste Woche...

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule,

spannende Sache! Rechtlich bist Du ja super beraten, da kann in der Hinsicht mit Bauvoranfragen etc. ja nichts passieren. Aber vielleicht darf ich Dir einen Rat aus (fast) einer anderen Generation geben.

Das Leben ist ja bunt (gerade bei Dir) und wo es Dich hinführen wird, weisst Du nicht. Du stehst noch in der Berufsausbildung, wer weiß vielleicht arbeitest Du irgendwann mal in einem ganz anderen Teil Deutschlands oder der Welt. Und auch privat kann ja immer viel passieren. Vielleicht brauchst Du in 10 oder 15 Jahren jeden Euro Eigenkapital, um eine eigene Praxis einzurichten, oder eine Wohnimmobilie zu erwerben, in der eine ganze Familie leben kann.... ;-)

Wenn Deine momentane Wohnsituation keine unbedingte Änderung erfordert, dann solltest Du Dir gut überlegen, ob die möglichen 4,3% Rendite es Wert sind, um die 100 kEUR so fest anzulegen, dass Du unter Umständen nur sehr sehr schwer das Geld zurückbekommen kannst, wenn Du es für etwas anderes dringender benötigst. Es gibt viele Leute, die z.B. mal wegen hoher Renditen in geschlossene Immobilienfonds (und so ähnlich hört sich dieser Plan an) investiert haben, aus denen man nicht so einfach wieder aussteigen kann, und die dies irgendwann sehr bereuen.

Rendite für Ersparnisse ist sowieso nicht so wichtig. Es ist heutzutage fast unmöglich, risikoarm gegen die Inflation anzusparen. Auch Immobilien haben Risiken, noch nie war bauen so teuer wie heute. Die höchste Rendite liegt sowieso in Dir und Deiner Ausbildung.

Ich hoffe, Du nimmst diese Ratschläge nicht krumm, ich sehe nur in meiner Generation viele Leute, die sich ärgern, dass Sie in jungen Jahren in z.B. Eigentumswohnungen investiert haben, die für die 2-3 Kinder jetzt leider zu klein sind...

n.

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule,

Ich stimme dem anonymen n. zu. Was in der Rechnung ausserdem fehlt sind Instandhaltungskosten, Steuern, Versicherungen, Reparaturen, etc. Was ist, wenn die Strasse neu geteert wird, dann musst Du einen Beitrag leisten. An einem Haus ist immer was zu tun und zu reparieren, zu warten, der Garten zu pflegen…. Wer macht/zahlt das? Und was machst Du bei Leerstand? Was ist wenn in das ländliche Gebiet gar nicht vier Single-Rollifahrer ziehen wollen? Wenn Du an einen Nicht-Rollifahrer vermietest gibt es dann auch noch Zuschüsse? Bis das Haus fertig gestellt ist, zahlst Du hast aber keine Einnahmen. Steuerliche Vergünstigungen, die man als Vermieter hat und die eine Immobilie erst zu einem tollen Renditeobjekt machen, hast Du nicht, weil Du noch kein Einkommen hast, gegen dass Du das verrechnen kannst.

Also das klingt zu schön um wahr zu sein und ist es wahrscheinlich auch. Da würde ich mich wirklich noch mal sehr genau informieren. Und was ist, wenn sich Dein Leben ändert? Das ist ja fast nicht mehr zu liquidieren. Ein solches Objekt in ländlicher Umgebung. Wenn Du Geld in eine GmbH einbringst bekommst Du es so leicht auch nicht mehr raus. Zumindest nicht steuerfrei.

Bin gespannt wofür Du Dich entscheidest. Ich finde übrigens, wenn der Alte Herr mein 25.000€ sind ein super Deal ist das doch prima. Vielleicht braucht er das Geld nicht und hat keine Kinder. Das finde ich ok.

LG Kathrin