Montag, 10. März 2014

Physikum - mündliche Prüfung

Es gibt einen ersten Teilerfolg zu vermelden: Ich habe nach gefühlter viel zu langer Wartezeit heute endlich die Mitteilung bekommen, dass ich für den schriftlichen Teil des Physikums zugelassen bin! Das heißt: Ich habe den mündlichen Teil bestanden! Ick freu mir!!!

Im Medizinstudium gibt es nach vier Semestern eine Zwischenprüfung, früher offiziell "Physikum" genannt, heute inoffiziell auch noch so, die sich in einen mündlichen und einen schriftlichen Teil gliedert. Der mündliche Teil ist in Hamburg vor dem schriftlichen - und sah so aus, dass ich, zusammen mit noch zwei Kommilitonen über 210 Minuten geprüft wurde. Jeder ist etwa eine Stunde lang dran, zwischendrin gab es zwei Mal eine Viertelstunde Klo- und Trinkpause, und ich empfand es als blanken Horror.

Zum Anmelden muss man ja sowieso schon jede Menge Dokumente vorlegen, an dem Tag mussten wir dann noch eine Stunde vor dem eigentlichen Termin vor Ort sein, die Personalausweise wurden kontrolliert, die Handys mussten abgeschaltet werden, es gab ein Vorgespräch, in dem man uns erklärte, was auf uns zukommen würde und in dem wir gefragt wurden, ob es uns gut ginge und wir uns den Anforderungen der Prüfung gewachsen fühlen. Und dann sollten wir einmal bei uns gegenseitig Blutdruck messen...

Und danach war ich natürlich als Erste dran, ob es an meinem Nachnamen liegt, dessen Anfangsbuchstabe ziemlich früh im Alphabet dran kommt, oder an meinem immerwährenden "Glück" bei solchen Dingen, lasse ich mal offen. Es waren insgesamt sechs Leute plus wir drei im Raum. Ein Prof führte fast ausschließlich das ganze Gespräch und ich muss sagen: Es war kein Zuckerschlecken. Er war sehr freundlich, hat auch überhaupt keinen Druck aufgebaut, aber es war nie genug und er wollte alles genau wissen. Immer, wenn ich auf eine Frage geantwortet habe, kam noch eine weitere Nachfrage. Und immer, wenn man die Nachfrage beantworten konnte, kam noch eine weitere Nachfrage. Er kam sozusagen von einem Detail ins nächste und hat sich am Ende so in dem ganzen Kram verfahren, dass er, zusammenfassend betrachtet, alle drei Schwerpunkte behandelt hatte und auch eine rote Linie erkennbar war - aber eben erst bei nachträglicher Betrachtung. In dem Moment habe ich immer wieder gedacht: Was für ein konfuses Gespräch!

Es begann in etwa so: "Zur Einstimmung habe ich erstmal eine lustige Frage: Wo befindet sich der kleinste Knochen des menschlichen Skeletts?" - Das war ja noch einfach und das könnte wohl auch jeder Zweite beantworten, der nicht Medizin studiert. Nachdem wir uns nun ausgetauscht hatten, dass der im Ohr sitzt und Steigbügel heißt, wollte er wissen, ob ich wüsste, warum er so heißt. Ich antwortete, dass seine Form namensgebend war, und er fing zu diskutieren an, ob ich mir da sicher sei. Schließlich hätte der Steigbügel ja auch was mit dem Gleichgewichtssinn zu tun und den wiederum bräuchte man auch beim Reiten. Da lief das eigentliche Prüfungsgespräch aber gerade erst eine Minute lang. Ich habe es mit etwas Charme versucht und geantwortet: "Deswegen haben den auch nur Leute, die regelmäßig auf dem Pferd sitzen."

Das fand er wohl ganz gut. Er fragte nach: "Ist das so?" - Ich antwortete: "Nein, ist es nicht, aber er hat auch nichts mit dem Gleichgewicht zu tun." - Worauf er dann fragte: "Wie funktioniert das eigentlich, das Gleichgewicht?" - Naja, und so weiter. Vom Ohr kamen wir dann zum Gehirn, vom Gehirn über Herz und Lunge zu den Verdauungsorganen und dort dann ließ er sich dann bis ins gefühlt letzte chemische Detail die Verwertung von Fruchtzucker erklären, um dann über die in der Bauchspeicheldrüse produzierten Hormone mit einem Sprung zur Schilddrüse zu gelangen und ... bevor wir dort noch tiefer einsteigen konnten, war meine Zeit rum.

Die anderen beiden Kommilitonen hatten beide deutliche Lücken, und ließen sich auch wiederholt in die Fangfragen des Prüfers verstricken, und obwohl ich dachte, ich wäre schon fertig, wurde ich dann immer nochmal gefragt. "Wissen Sie es? Erklären Sie das bitte mal Ihrem Kollegen." - Peinlich. Aber ich werde sicherlich nicht aus Empathie sagen, dass ich es nicht weiß. Er hatte ja die gleichen Möglichkeiten, sich vorzubereiten, und wenn er seine Schwerpunkte anders gesetzt hat, sind das eben meine Punkte.

Ob es am Ende gereicht hat, wollte man uns vor Ort nicht sagen. Heute habe ich Bescheid bekommen: Ich bin zum schriftlichen Teil zugelassen. Damit weiß ich zumindest, dass der mündliche Teil bestanden ist. Die Note erfahre ich hoffentlich auch noch. Die anderen beiden haben es allerdings nicht geschafft. Was mich ehrlich gesagt sehr überrascht hat, denn etliche Fragen haben sie beantworten können. Insofern hoffe ich mal, dass ich nicht nur so "gerade eben" bestanden habe. Aber die Hauptsache ist: Ich bin durch. Durch den mündlichen Teil. Schriftliche Arbeiten liegen mir mehr, von daher bin ich zuversichtlich, auch das zu schaffen. Nächste Woche ist es soweit: Ich bin schon tierisch aufgeregt.

Kommentare :

Vio hat gesagt…

Ich drück dir ganz fest die Daumen!

Christian hat gesagt…

Na dann, herzlichen Glückwunsch.

Anonym hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch!!!

Drakoon1964 hat gesagt…

Wann, nächste Woche, muss ich Daumen drücken?
Ich hab die nicht die ganze Woche frei, da mein sohn auch noch "Drückhilfe" braucht.

Anonym hat gesagt…

Hipp, hipp, hurra!
Herzlichen Glückwunsch, und weiter so!

Xin hat gesagt…

Aus meinem Studium weiß ich, dass es Klausuren gab, die besonders schwer waren und andere, wo man eigentlich nur durchgewunken wurde.

Wenn man einer von ganz wenigen ist, die bestanden haben, sagt das aber durchaus was über die eigene Leistung aus. Und ich finde es erfreulich, wenn Ärzte nicht einfach durchgewunken werden.

Gratulation. :)

Anonym hat gesagt…

Ich kann dich sehr gut verstehen, das Physikum war für mich auch der blanke Horror, vor allem der mündliche Teil! Kein Vergleich zum Examen, selbst da war ich weniger nervös.
Ich bin jetzt schon einige Jahre im Beruf, aber bei deinem Bericht war ich direkt wieder im Prüfungssaal in der Anatomie, mit der gleichen Gänsehaut wie damals :)

Zu deiner Aufmunterung: Nach dem Physikum wird alles besser!
Zumindest wird das Studium deutlich praxisorientierter und patientenbezogener, was mir immer leichter fiel als "reine" Theorie.

Halt die Ohren steif, das schriftliche packst du auch! Und dann erstmal durchatmen. ;)

LG, Sandra.

Nina hat gesagt…

Liebe Jule,
du bist ja der Wahnsinn! Herzlichen Glückwunsch, ich freue mich sehr für dich. Die schriftlichen Sachen bestehst du hoffentlich mit Bravour - du kannst deine Gedanken ja wunderbar in Worte fassen und darüber schreiben und auch komplizierte Sachverhalte erklären. Nun gut, deine Prüfer sind ja alle vom Fach, trotzdem werden sie sich sicher freuen, wenn da jemand kommt, der sich schriftlich klar ausdrücken kann. Die Daumen für dich sind gedrückt!
Liebe Grüße! Nina

Anonym hat gesagt…

Glückwunsch zu Teil 1....

Anonym hat gesagt…

Glückwunsch
juergen

Anonym hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch, liebe Jule!!!

Anonym hat gesagt…

Glückwunsch !
Übrigens merken Prüfer recht schnell was sie prüfen. Ob sie auf eine Vier prüfen, oder eine Eins. Bei einer Eins kommen dann sehr viele gemeine Fragen. Da steht man manchmal echt doof da, aber man hat vergessen, dass man auf eine Eins geprüft wird.
Viel Erfolg für das Schriftliche? Wann ist es soweit?

jali hat gesagt…

Hallo Jule,

wie schon vorhin von mir auf Twitter: Glückwunsch!

Als Nicht-Mediziner kann ich das nicht wirklich beurteilen, aber, dass diese Prüfung hammerhart ist, haben mir alle gesagt, die das mal gemacht haben.

Insofern: Chapeau, da kannst Du stolz drauf sein!

Ich drücke Dir für die schriftliche Prüfung ganz fest die Daumen, ich bin aber sicher, dass Du die auch schaffen wirst.

Edelnickel hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch!
Ich wünsche dir für den schriftlichen Teil viel Erfolg! Und auch etwas Glück bei den Fragestellungen. :)

MichiK hat gesagt…

Wie sagt man so schön: 4 ist bestanden, bestanden ist gut, gut ist die 2 und die ist doch auch bloß knapp an der 1 vorbei. Daraus folgt: 4 gewinnt.

Und beim schriftlichen Teil hast du dann den Vorteil, dass die einzelnen Teile thematisch schön gegliedert sind und man bei den Multiple-Choice-Fragen auch wenn man mal was nicht weiß, auch alleine mit gesundem Menschenverstand erstaunlich weit kommt. Insofern ist das wohl allgemein der leichtete Part.

Blogolade hat gesagt…

Auch hier nochmal: Herzlichen Glückwunsch! Und ich drücke die beide Daumen für die schriftliche Prüfung!

Übrigens hat mir mal jemand erzählt, dass das Medizinstudium nach dem Physikum etwas entspannter wird, also wünsche ich dir das von Herzen! :)

ruolbu hat gesagt…

Wie du studierst schon vier Semester? Wann ist denn das passiert? O_o

In jedem Fall herzlichen Glückwunsch.
Ich liebe es ja, solche Prüfgespräche zu verfolgen, wenn ich selbst nicht bewertet werde und kompetent genug bin, um folgen zu können. Wenn ich jedoch selbst dran bin, vergeht mir da auch sehr schnell der Humor ^^.

Wie viele Semester liegen nun noch vor dir?

Roichi hat gesagt…

Mal eine Erzählung dazu von einem unserer Profs. Der war in mündlichen Prüfungen genauso, hat sich in Details verliebt etc.
Aber wirklich schlimm war eigentlich, wenn er nur stumm dasaß und sich die Antworten anhörte. Dann hatte man nämlich falsch geantwortet und war durchgefallen.
Insofern ist das doch gut.
Und ansonsten kann ich mich da anschließen, die Prüfung auf gute Noten erfordert mehr Fragen, als auf die vier. Noch ein gutes Zeichen.

Wie auch immer, Glückwunsch und auf ein Neues.

ThorstenV hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch und weiterhin alles Gute :)

Jetzt weiß ich auch, was es bedeutet, wenn es heißt "Jule, erzähl uns hier nix vom Pferd" ;) So wörtlich hatte ich das bisher gar nicht verstanden.

Und bitte bloß keine überflüssigen Sorgen wg. der Emapathie für die Nixlerner. Einfach gnadenhalber jeden Schlamphans und Unfähigen durch die Prüfung zu winken geht nu mal nicht. Das führt genau zu solchen "italenischen Verhältnissen", wie wir sie hier schon hatten.

Sally hat gesagt…

Ich freu mich immer noch total für dich!!! :D

Anonym hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch!

Bei uns in Österreich in der alten Studienordnung hiess das Vorklinik. Nachher wurde es leichter. Die Pathologie war auch noch ein Hammer, aber dann kamen die klinischen Fächer, die waren dank Praxisbezug deutlich leichter.
Darfst Du überhaupt so schnell studieren, sonst ist ja die Rente weg, oder?

die besten Wünsche

Andreas

Philipp hat gesagt…

Toi Toi Toi, dass das alles gutgeht!

Grüße von einem Kaiserslauterer in Dresden

Philipp

Anonym hat gesagt…

Gratuliere! Viel Erfolg im Schriftlichen, keine Panik, das schaffst du schon!

Die Methode vom Prof hört sich ziemlich raffiniert an, auf diese vertrackte Art hat sich der Prof wohl ein gutes Bild von deinem Wissensstand und Nervenkostüm gemacht (und von dem der anderen wohl auch...)