Sonntag, 2. März 2014

Schweden, Zinsen, Eigentum

Heute, am 30. Februar ... siehste, wenn ich meinen Eintrag so beginne, sind gleich alle Leserinnen und Leser hellwach. Nee, ich habe nichts geraucht, alle Pillen richtig dosiert und auch nicht zu tief in das Kapitel "kaufmännische Zinsrechnung" geschaut, das, laut einem unserer Profs, tatsächlich in meiner in den nächsten Wochen anstehenden Zwischenprüfung abgefragt werden könnte.

Kleiner Einschub: Wofür muss eine Ärztin kaufmännische Zinsrechnung können? Ganz einfach. Wenn ich frühestens Ende 2018 mit meinem Medizinstudium fertig sein sollte, verdienen Hausärzte, sofern die aktuelle Entwicklung so weiter geht, nur noch so wenig, dass sie für die Berechnung ihres Überlebenskredits keine Arzthelferin mehr fragen können, denn die können sie sich dann schon lange nicht mehr leisten. Hausärztliche Versorgung auf dem Land oder sogar in ländlichen Gebieten innerhalb des Bundeslandes Hamburg ist kaum noch attraktiv. In dem Bezirk, in dem Maries Mutter ihre Praxis hat, liegt der "Versorgungsgrad", also der Anteil von hausärztlich tätigen Medizinern pro einer bestimmten Anzahl von Einwohnern, bei unter 50. Angestrebt wird normalerweise ein Grad von 100, das bedeutet im Fall von Maries Mutter: Sie versorgt mehr als doppelt so viele Patienten als ihr eigentlich zuzumuten ist.

Eigentlich müsste sie sich freuen? Weit gefehlt. Ein Hausarzt sollte pro Tag bis zu 50 Patienten sinnvoll behandeln können, so war es vor Jahren, als man in der gesetzlichen Krankenversicherung kürzen und deckeln wollte, berechnet worden. Da chronisch kranke Menschen öfter zum Arzt gehen, manche sterbenden Menschen sogar täglich einen Hausarzt brauchen, ging man mal davon aus, dass pro Tag durchschnittlich etwa 15 Patienten zum ersten Mal in diesem Quartal kommen, bis zu 35 waren in diesem Quartal schon einmal da. So kommt ein durchschnittlicher Hamburger Hausarzt auf etwa 700 bis 800 verschiedene Patienten pro Quartal. Pro Patient bekommt Maries Mutter durchschnittlich etwa 32 bis 35 Euro, so dass sie im Idealfall zwischen 8.000 und 9.000 € monatlich mit ihrer Praxis erwirtschaftet. Auf den ersten Blick viel Geld, wenn man vergisst, dass davon auch die Angestellten und die laufenden Kosten bezahlt werden müssen.

Nun leben in dem ländlichen Gebiet, in dem ihre Praxis liegt, sehr viele Menschen, die nur selten zum Arzt gehen. So dass es gute Chancen gibt, dass von den etwa 2.800 Patienten, für die sie statistisch zuständig ist, tatsächlich auch mal 1.200 bis 1.500 im Quartal in ihre Praxis kommen. Statt der statistisch berechneten 700 bis 800. Ist auch so. Allerdings: Wer jetzt denkt, es gibt dafür auch doppelt so viel Geld, irrt. Maries Mutter kann als Kassenärztin pro Quartal nicht mehr Geld verdienen, als ein durchschnittlicher Hausarzt durchschnittlich verdienen würde. Und das sind nunmal diese 8.000 bis 9.000 €. Nun könnte man sagen: "Macht doch nichts. Sie ist mit dem Herzen Ärztin, dann arbeitet sie halt zum halben Preis." - Tatsächlich denkt sie auch so, nur verbrauchen doppelt so viele Patienten natürlich auch mehr Personal, Material und nicht zuletzt Medikamente, für die sie auch nur ein bestimmtes Budget hat, das sie trotzdem nicht überschreiten darf. Kurzum: Rein von ihrer Tätigkeit als Kassenärztin rentiert sich die Praxis nicht. Aus ihrer kassenärztlichen Tätigkeit bleiben ihr monatlich zwischen 1.500 und 2.000 € netto übrig. Es handelt sich also, obwohl hierfür die meiste Zeit beansprucht wird, nur um ein "kleines Zubrot".

Nun war das aber ein großer Einschub. Zinsrechnung. Kaufmännische. Und der 30. Februar. Den es 1712 tatsächlich mal gegeben hat. In Schweden und (dem damals abhängigen) Finnland gab es 1712 einen zweiten Schalttag, weil man 1700 den 29. Februar hat ausfallen lassen und nun der Zeitrechnung einen Tag hinterher war. Am 1. März 1712 war dann in Schweden wieder alles so wie drum herum - wer hätte das gewusst? Dafür hätte Günther Jauch sicherlich eine Million Euro springen lassen!

Apropos Million: Zu Beginn dieses Jahres hat mir mein Finanzberater (nein, nicht der von der Bank) empfohlen, ein Teil meines Geldes in Wohneigentum zu investieren. Auch wenn ich es nicht selbst bewohnen sollte, solle ich bedenken, dass bei den derzeitigen Zinsen, die auf Spareinlagen gezahlt werden, mein Geld immer mehr seines Wertes verliert. Er hat mir dazu geraten, mich nach einer Eigentumswohnung umzusehen und diese gegebenenfalls zu vermieten. Wovon ich allerdings Abstand genommen habe, weil ich mich derzeit voll auf meine Prüfung konzentriere und nicht auf Wohnungssuche. Zumal ich eigentlich aus meiner WG auch nicht ausziehen möchte.

Allerdings gibt es zur Zeit unweit von dort, wo Marie wohnt, also noch im Hamburger Stadtgebiet, aber mit kilometerweitem Blick in die grüne Natur, ein Objekt samt Grundstück, das nach dem Tod des Käufers (gleichzeitig Bauherrn) zwangsversteigert wird. Mehrere Leute haben mich unabhängig voneinander bereits darauf aufmerksam gemacht, unter anderem Maries Eltern. Derzeit ist seit November Baustopp, fertig ist bisher das Untergeschoss (Rohbau) und ein Teil des Erdgeschosses. Das Grundstück und der Grundriss des Hauses sind so groß, dass es sich lohnen würde, nochmal neu zu planen und statt einer Luxusvilla ein Haus mit insgesamt fünf Wohnungen in drei Stockwerken (EG, 1. Etage, Dachgeschoss) zu bauen. Ich weiß, es hört sich verrückt an. Aber Frank, der sich das mit angesehen hat, sagte mir: "An deiner Stelle würde ich sofort zugreifen. So eine Chance bekommst du nie wieder." - Tatsächlich habe ich ihn gebeten, Details auszuarbeiten und konkrete Vorgespräche mit dem Bezirksamt zu führen, ob eine abweichende Baugenehmigung überhaupt erteilt werden würde. Als Idee sollen fünf barrierefreie Wohnungen entstehen, von denen ich in eine, maximal zwei investieren würde (je nach Zuschuss). Es müsste sich also noch mindestens ein weiterer Investor finden (nachdem ein weiterer bereits ernsthaftes Interesse angemeldet hat). Ich bin total aufgeregt und kann das eigentlich gar nicht gebrauchen. Daher verdränge ich es auch ganz schnell wieder.

So ist mein Leben im Moment. Viel los, wenig Zeit. Aber bloggen ... na klar, das mache ich trotzdem. Oder gerade deswegen.

Kommentare :

Schnuffelsocke(n) hat gesagt…

Hey das hört sich nach nem super Bauprojekt an!
Ich drücke dir bzw. euch die Daumen, dass es wirklich so klappt. Dass das Bezirksamt die Genehmigung erteilt und dass ihr auch noch einen weiteren Investor findet!

Sally hat gesagt…

Uiui, da hast du aber was vor... :-o Bin mal gespannt, wie das so weitergeht. Und falls du Fragen zur kaufmännischen Zinsrechnung hast... ;-)

BigDigger hat gesagt…

Ja, ein Bauprojekt aus Zwangsversteigerung ist mit Sicherheit sinnvoller als eine ETW irgendwo in der Stadt.

Denn in den Lagen, die die Kosten über Vermietung generell wieder reinspielen würden, sind die Preise eher überheizt, und beim derzeitigen Quadratmeterpreis kann halt auch nicht jeder Mieter zugreifen. In schlechteren Lagen hingegen kannste Pech haben und holst Dir einen Nomaden in die Bude, die dann mehr kostet, als sie einbringt.

In meiner Straße sind in einem Haus vier von sechs sanierten Altbauwohnungen leer - seit über drei Jahren, in ETW umgewandelte Mietobjekte. Da wurde teuer gekauft, teuer saniert, und nun kann keiner die aufgerufenen Preise zahlen, trotz Top-Lage. Ich weiß nicht, ob Du mit Deinem sozialen Gewissen verantworten könntest, wenn erst entmietet und dann in Eigentumswohnungen umgewandelt wird - ist auch nicht jedermanns Sache.

Von daher würde ein solches Objekt, auf der grünen Wiese, barrierefrei gestaltet, tatsächlich besser zu Deinem Charakter passen. Und hätte noch einen Vorteil: Wenn Du irgendwann von der Stadt die Nase voll hättest und eine Deiner Buden frei wäre (bis dahin verkauft vielleicht der Investor den Rest an Dich - wer weiß, wie das in 30 Jahren aussieht?), könntest Du da einziehen, ins Grüne.

Hast Du allerdings die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln bzw. deren Erreichbarkeit vom Objekt aus schon berücksichtigt? Nicht jeder potenzielle Mieter hat einen Fahrdienst oder ein eigenes Auto, oder? Wie sieht es mit der Versorgungslage aus hinsichtlich eigenständigem Einkauf von Grundbedarf?

Und nein, es hört sich nicht verrückt an. Es liest sich nicht mal verrückt.

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule!

Das Elend der Deutschen Kassenärzte ist schon lange bekannt. Allerdings hat man so viel ich weiss auch Privatpatienten, die bei den besseren Kassen versichert sind. Deswegen bekommen die auch schneller Termine wie ein Test einmal gezeigt hat.
In Österreich gibt es in manchen Bundesländern auch diesen Deckel, in anderen wieder ist die Leistung pauschaliert. Wo ich meine Ordination besitze ist es noch am besten, wobei hier in Österreich am Land die Tätigkeit auf Grund der österreichischen Besonderheit der Hausapotheken versüßt wird. Trotzdem haben wir auch ein Landärztesterben.
Wenn man wie Du finanziell unabhängig ist, geht man am besten auf eine Uniklinik, wo man zwar anfangs sehr wenig verdient, aber sich habilitieren kann, und einen weiten Bogen um kassenärztliche Tätigkeit macht, und nur privat ordiniert.

Zu Deinem Wohnbauprojekt: ich denke Du bist bisher in Deinem Leben mit Franks Rat ausgezeichnet gefahren. Er muss halt genau prüfen ob der Bau noch ungeplant werden kann, ob es dort noch Verbindlichkeiten gibt, die man mit übernehmen muss, etc. Aber ich denke da war er immer ein guter Berater.
Wenn ich mir die finanziellen Aussichten siehe oben so ansehe, dann kann ich nur sagen, mache es. Ich habe mein Geld auch zum Großteil in Immobilien stecken, und gut ist es.

Dürftest Du überhaupt einen Kassenpraxis führen, ohne Deine Rente zu verlieren? Soweit ich verstanden habe Nein. Außerdem wäre das auf Grund der Verpflichtung Hausbesuche zu machen gar nicht möglich, oder?

An Deiner Stelle würde ich die Medizin als "Hobby" machen, aber nicht die Existenz darauf zu gründen. Deine Rente macht ja auch nicht weniger aus, als so ein kassenärztliches Einkommen, das mit dem Risiko behaftet ist, eines Tages aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben zu können, und was dann? Ich denke alleine daran, dass Deine Arme Deine Beine ersetzen müssen, und daher Arthrosen in den Schultern und anderen Armgelenken sich früher als bei Fußgängern einstellen, wenn man sich nicht ein bisschen schont.

LG

Andreas

Blogolade hat gesagt…

Bei dir wirds echt nie langweilig :D

Stephan Wilden hat gesagt…

Das hört sich richtig interessant an.
Und du hast ja schon öfter davon berichtet, dass es in Hamburg einen Mangel an rollstuhlgerechten Wohnungen gibt.

Wenn du mit Zuschuss baust, dann ist das doch öffentlich gefördert, demnach muss ein Amt zustimmen, wer da einzieht. Hat das Amt denn seine Bearbeitungszeiten verringert? Damals in eurer ersten WG stand doch monatelang ein Zimmer leer, weil die Überprüfung des Amtes so lange gedauert hat.

Yvi hat gesagt…

Ich find die Idee auch nicht doof.

Die Aussagen zum Gehalt von Ärzten aber doch etwas seltsam? Ja, die Regelungen sind Quatsch. Aber 2.000 Euro netto sind doch ein gutes Gehalt? Das ist immerhin mehr als viele andere Akademiker verdienen.

Max Hargon hat gesagt…

So nun bin ich wohl in der Gegenwart angekommen.
Hallo Jule,
nachdem ich vor kurzem beim Überqueren der Straße beinahe vom LKW überfahren worden wäre, ich hatte grün, wollte ich eigentlich wissen, was passiert wäre, wenn er mich nicht am Rucksack sondern frontal erwischt hätte…
Dabei bin ich wohl hier hängen geblieben, und lese zum ersten Mal einen Blog – so richtig.
Nachdem ich mich durch den Prolog, die Witze und auch die Fragen gewühlt hatte war ich erst mal überrascht: Warum zur Hölle scheint sich hier alles um Pippi zu drehen !? Nachdem mir dann klar wurde, wieso weshalb warum, war ich erst mal verärgert. Über mich selbst, dass mir das nicht schon vorher bewusst war. Später belustigten mich nur noch deine Ankündigungen: „Jetzt kommt gleich was Ekliges, klick schnell weiter“, und ich finde es nicht wirklich eklig, hätte aber zu gerne die Kommentare der Pippi Fetischisten gelesen. Wirklich schade, dass du die raugenommen hast, aber ich weiß ja auch nicht welche Maße das angenommen hatte. Auch wen ich diesen nicht nachvollziehen kann, obwohl ich wohl meinen eigenen Körperflüssigkeitenfetisch habe, auch wenn meiner fataler und egozentrischer ist, fand ich das ganze recht ulkig.
Aber nun mal zu was anderem, man kann ja schlecht nur über Pippi schreiben ;), deine Mischung aus Banalität und Gesellschaftskritik, oder so, hat mich wahrlich gefesselt, mir einige neue Eindrücke vermittelt und das Gefühl gegeben meine Zeit mal nicht all zu effektiv zu verschwenden. Du hast es geschafft mich so zu binden, dass ich mache Beiträge mehrmals lesen musste, weil es zu minutenlangen Blackouts kam, und als Abendlektüre ist der Blog großartig. Damit, dass ich des Nachts vor Treppen stehe und diese nicht bezwingen kann, obwohl meine Beine doch eigentlich funktionieren müssten, kann ich um einiges besser leben als mit meinem sonstigen Standartprogramm.
Mich würde aber mal interessieren ob es noch andere Leitungssportarten für Rollifahrer gibt (außer Triathlon, Basketball, Schützensport …), ich weiß zwar auch von Kletterkursen für „rollstuhlgebundene“ Spastiker, aber eher als Therapie und weitere Möglichkeiten zum Leistungssport wollen mir nicht wirklich einfallen.
Ich hoffe du schreibst schön weiter, und lässt uns auch weiterhin an so manchem „Idiotenmagnetenerlebnis“ teilhaben.
Was den LKW betrifft, ich muss mir keine Gedanken machen im Rollstuhl zu sitzen, nicht bei 80 km/h.
Ich mach mir nur Gedanken darüber, dass ich doch lieber „Nebel“ statt „Links 2 3 4“ gehört hätte.
Man sollte das Leben mit Ruhe angehen, es zieht schließlich schnell genug an einem vorbei …

Vielen Dank.

Sabine K. hat gesagt…

Hallo Jule,

ALLES GUTE und "TOI TOI TOI" für Deine anstehenden Zwischen- Prüfungen!
Eine schlaue und engagierte Frau, wie Du eine bist, kriegt die aber sicherlich gut "über die Bühne"

LG
Sabine K

Anonym hat gesagt…

Die monatelangen Bewilligungszeiten halte ich für eher unwahrscheinlich. Gerade, wenn Menschen aus einem Heim in eigene vier Wände ziehen wollen, geht das recht schnell - schon alleine weil das Sozialamt da viel Geld spart.

Entscheidend für die Rentablitätist allerdings zu welchen Konditionen das Sozialamt die Miete übernimmt. Also maximale Quadratmeterzahl und -preise.

Anonym hat gesagt…

Yvi, nein, das ist kein gutes Gehalt. Das ist vielleicht mehr als manche Ausbildungsberufe bringen, aber sicher nicht mehr, als 1000de Bachelor-Absolventen nach spätestens zwei Jahren Berufserfahrung bekommen.

Für den ganzen Aufwand ist es sogar verdammt wenig.

Anonym hat gesagt…

1500-2000€ ein nettes Zubrot? Sei mir nicht böse, Jule, aber das ist Quatsch!

Ich kenne (leider) einige Akademiker, die da - trotz längerer Tätigkeit - drunter liegen. Grade in den sozialen Bereichen sind 2000€ Netto schon ein gutes Gehalt, für das man auch ordentlich ranklotzen darf.
Wenn man dann liest, dass das für einen Arzt nur ein "nettes Zubrot" ist, dann kann einem das schon sauer aufstoßen.

Versteh mich nicht falsch, ich verstehe, das sich andere Dinge hier mehr lohnen. Aber wenn man die Behandlung von Privatpatienten dazurechnet, sollte man doch schon adäquat leben können. Zumal immer die Option besteht, eine reine Privatpraxis auf zu machen, und keine Kassenpatienten zu behandeln. Das machen dann aber doch die wenigsten, denn dieses "Zubrot" wird dann doch schon gerne mit genommen, auch wenn man die Patienten spüren lässt, das sie nur zweite Klasse sind.

Anmerkung am Rande: Ich bin freiwillig Gesetzlich versichert, weil ich glaube, dass unser Versicherungssystem falsch läuft, und wir am besten alle bei einer großen, gemeinsamen Versicherung versorgt sein sollten.

Jule hat gesagt…

@Yvi @18.03.14 9.10:

Bitte überlegt nochmal. 1.500 € bis 2.000 € sind für jemanden, der 7 Jahre studieren muss, anschließend sich noch mindestens 5 Jahre fortbilden muss, bevor er eine Zulassung bekommt, also erstmal 12 Jahre vorfinanziert (oder hinterher abbezahlt), nicht viel Geld.

Wenn jemand nach 12 Jahren Ausbildung/Studium irgendwo fest angestellt ist, null unternehmerisches Risiko trägt, vielleicht komplexe Entscheidungen treffen muss, aber nie Behandlungen durchführen muss, deren korrekte Ausführung im Zweifel nicht nur über Wohlbefinden entscheiden, mag das möglicherweise angemessen sein.

Jemand, der mit Mitte 30 mit seiner "Ausbildung" fertig ist, und heute, mit knapp 50 Jahren, mit seinen Einnahmen für das Gehalt von mehreren Leuten aufkommen muss und nur deshalb überhaupt auf 2.000 Euro für sich selbst kommt, weil er nicht noch Praxismiete zahlt, ist schlichtweg unterbezahlt.

Richtig, es gibt noch Privatpatienten. Im ländlichen Raum eher wenige, aber sie machen hier vielleicht 5% der gesamten Patienten aus. Entsprechend sollten auch 95% der Einkünfte aus der kassenärztlichen Tätigkeit kommen, denn für sie geht locker 95% der Arbeitszeit drauf.

Stattdessen kann es dem Kassenarzt auch noch passieren, dass er diese maximale Summe gar nicht bekommt, dann nämlich, wenn er zu viele Medikamente verschrieben und damit die Kassen an anderer Stelle zu stark belastet hat.

Ich bleibe dabei: Das, was aus der kassenärztlichen Tätigkeit eingenommen wird, reicht nicht zum Überleben. Es muss über andere Kanäle weitere Kohle kommen.