Donnerstag, 27. März 2014

Service und andere Krankheiten

Dokumentationen im Fernsehen gucke ich eher selten. Das liegt hauptsächlich an meinen Fernsehgewohnheiten: Eher sehr selten, und wenn, dann meistens abends, vom Bett aus, kurz vor dem Einschlafen. da möchte ich dann meistens mich nicht mehr großartig konzentrieren und über -meistens verdächtig mundgerecht präsentierte- Fakten und Beobachtungen nachdenken.

Kürzlich blieb ich aber dennoch an einer Dokumentation über eine Verlagerung der Umsätze vom Einzel- zum Versandhandel hängen. Immer mehr Leute bestellen online und lassen sich die Ware nach Hause liefern. Verschiedene Gründe und Motivationen wurden genannt, und ich hatte den Eindruck, die Reportage war bei der Bewertung dieser Gründe und Motivationen nicht neutral, sondern pro Versandhandel. Nicht nur, weil auf den Aspekt des persönlichen Service vor Ort (im Einzelhandel) überhaupt nicht eingegangen wurde. Und der ist es überwiegend, der mich hin und wieder dazu veranlasst, trotz etwas höherer Preise vor Ort zu kaufen.

Was mich beim Versandhandel am meisten stört, ist das Drama, das entsteht, wenn niemand zu Hause ist, um das Paket anzunehmen. Eine Möglichkeit ist, dass Nachbarn das Paket annehmen. Was aber, wenn sie ein Paket annehmen, bei dem ich die Annahme verweigert hätte? Beispielsweise, weil es schon aus dem Karton tropft, selbiger in Fetzen hängt oder ähnliches. Transportschaden? Pech gehabt, weil nicht sofort reklamiert. Und was ist, wenn die Firma nicht liefern kann? Dann bin ich im Zweifelsfall erstmal wochenlang an die Bestellung gebunden. Natürlich könnte ich es inzwischen woanders kaufen bzw. bestellen und dann versuchen, von meinem Rückgaberecht Gebrauch zu machen. Was aber auch wieder umständlich wird, wenn ein Nachbar das (zweite) Paket annimmt.

Kurzum: Am liebsten mag ich es so: Einen Artikel aussuchen, einen freundlichen Verkäufer anflirten, damit er das nicht nur etwas billiger macht, sondern mir den Karton auch gegen ein kleines Trinkgeld ins Auto lädt, sofern das Ding größer ist als mein Schoß. Zu Hause einfach auspacken, einschalten, fertig.

So war ich in der letzten Woche unterwegs und suchte: Ein DVI-Kabel, ein analoges Antennenkabel und eine Packung CD-Rohlinge. Marie brauchte für ihre Oma eine neue Mikrowelle (nachdem bei dem 20 Jahre alten Gerät angeblich Funken aus dem Gerät sprühten) und Maria braucht einen neuen Kühlschrank und hätte gerne in ihrer Wohnküche, die zum Zimmer gehört, einen eigenen Geschirrspüler. Sie hat nun über ein halbes Jahr den Anteil, den sie von ihrem Arbeitslohn behalten darf, zusammengespart und wollte, wenn sie den Kühlschrank vor Ort findet, den Geschirrspüler gleich mitbestellen und zusammen anliefern und anschließen lassen.

Insgesamt kamen also drei süße Mädels in den Laden gerollt und wollten mehrere hundert Euro loswerden. Im ersten Laden (drei standen zur Auswahl, alle drei gehören zu großen Ketten mit Filialen in ganz Deutschland, zwei von ihnen haben in den großen Tageszeitungen oft seitenweise Anzeigen oder dicke Beilagen) rollten wir zuerst zu den Mikrowellen. Zwanzig Mal stand das gleiche Modell in den Regalen, von einer Noname-Firma für 49 Euro. Am Ende des Regals gab es dann noch drei andere Modelle. Eins davon entsprach den Kriterien, die Maries Oma vorgegeben hat: Drehknopf, einfach zu bedienen, kein Schnickschnack, leicht zu reinigen, Markenprodukt, bis 100 Euro. "Ja, da haben wir leider nur noch den Aussteller, der Hersteller will seit Wochen nicht liefern, die nächste Ware kommt erst am 21. April." - "Bekommen wir den Aussteller denn etwas günstiger? Immerhin haben daran ja schon etliche Leute rumgefummelt und zerkratzt ist er auch schon etwas." - "Auf 95 kann ich noch runtergehen, aber mehr nicht, das ist schon ein günstiges Angebot. Ja und Geschirrspüler und Kühlschränke liefern wir nur bis zur Bordsteinkante." - Und tschüss.

Laden zwei. Maria sagte: "Vielleicht sollte ich mal meine Jacke aufmachen, damit man meine Rundungen etwas besser sieht." - Allgemeines Gelächter. Ein junger Verkäufer, in meinem Alter, wollte wissen, ob Marie einen Geschirrspüler überhaupt selbst bedienen könnte. Nachdem wir das geklärt hatten: "Ich muss Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie pro Artikel nicht die angeschlagenen 20 Euro, sondern 70 Euro Liefergebühren zahlen. Dafür nehmen wir das Altgerät aber kostenlos zur Entsorgung mit." - "Wie jetzt? Warum 70 Euro, hier steht 20." - "Wegen der Entfernung." - "Wir wohnen keine fünf Minuten Autofahrt von dieser Filiale weg. Was meinen Sie mit Entfernung?" - "Ja, ähm, wir liefern über die Spedition [XY] aus [einer anderen Stadt]. Und für die zählt als Ausgangspunkt immer der Sitz unserer Hauptfiliale in Hamburg. Und dieses hier ist nur eine Zweigstelle. Und..." - "Sie brauchen gar nicht weiterreden, schönen Tag noch."

Laden drei. Marie zu Maria: "Pack deine Titten wieder ein. Das führt nur dazu, dass die denken, wir sind völlig beknackt." - Nachdem wir 15 Minuten herumstanden und mindestens sechs Verkäufer eilig an uns vorbei rannten, rollte ich zur Information, mit der Frage, ob uns vielleicht jemand bei den Mikrowellen bedienen könnte. Die Dame brachte mich sehr freundlich zu einem Verkäufer, der allerdings noch drei Kunden vor uns hatte. Nach weiteren 10 Minuten waren wir dran. "Für diese Mikrowelle hier", sagte Marie und zeigte auf die einzige, die einen Drehknopf hatte und zudem das gleiche Modell war wie in dem ersten Elektronikladen, "interessiere ich mich. Mich wundert aber der Preis: 149 Euro. Drüben, bei [XY] gibt es die für 99 Euro. Ist das nicht ein wenig viel Unterschied?" - "Natürlich bekommen Sie die bei uns auch für 99 Euro, wenn es die bei [XY] tatsächlich für 99 Euro gibt. Steht ja auch vorne an unserer Servicetafel. Ich rufe da mal eben an."

Der Verkäufer holte ein Notizbuch aus der einen Tasche, nahm sein schnurloses Telefon aus der anderen, suchte eine Nummer raus, wählte und sprach: "Hallo Jürgen, die Mikrowelle 12345ABC von XY, hast du die da? Und was kostet sie bei dir? 129 Euro, okay. Danke! Ja, leg dich wieder hin!" - Und dann zu uns: "Also, sie kostet da nicht 99 Euro, sondern 129, kann es sein, dass Sie sich auf dem Preisschild verguckt haben? 129 erscheint mir auch plausibler." - Marie antwortete: "Nein, wir haben mit ihm ja noch gesprochen, er wollte uns sogar noch bis auf 95 Euro Nachlass geben. Also hat er sich wohl eben vertan." - "Ich habe ihm ja die korrekte Bezeichnung mit Nummer durchgegeben, aber machen Sie sich nichts draus, das versuchen alle Kunden, die den Preis drücken wollen. Ich bin Ihnen nicht böse deswegen." - "Wie bitte?", fragte Marie.

Ich hatte inzwischen auf der Webseite des anderen Unternehmens gesucht und die Mikrowelle dort mit 99 Euro gefunden. Ich konfrontierte den Verkäufer damit. Antwort: "Tja, dann hat mir der Verkäufer wohl einen falschen Preis genannt. Aber das habe ich schon öfter erlebt, immerhin will er Sie ja auch nicht verlieren als Kunden." - "Wieso? Wir sind doch schon raus aus dem Laden." - "Ja, aber er denkt vielleicht, Sie kommen zurück. Dann entschuldigt er sich, das sei im Stress passiert, er hatte gerade noch drei Kunden an der Backe, aber jetzt mache er Ihnen einen Superpreis und sie können das Ding gleich bei ihm mitnehmen."

Das konnte ja nicht passen, denn er hatte die Mikrowelle ja gar nicht da. Was wir unserem jetzigen Verkäufer natürlich nicht erzählt haben. Er sagte: "Also 124 Euro könnte ich Ihnen als Angebot machen, aber das ist das letzte Wort." - Nein. Schönen Tag noch. Ein vertrauensvolles Verhältnis lässt sich so nicht aufbauen. Ich guckte nach dem analogen Antennenkabel: 49 Euro für 15 Meter. 15 Meter brauche ich nicht, aber 5 Meter war nicht da und alles darunter wäre zu kurz. Ansonsten gab es nur noch welche, bei denen der Anschluss nicht passte. Eine Verkäuferin, die gerade daneben stand, meinte: "Da sind die Stecker vergoldet, deswegen ist das so teuer." - Ja nee, ist klar. Und tschüss.

"Okay. Den halben Nachmittag unterwegs gewesen, nichts erreicht. Lasst uns auf dem Weg nach Hause noch einmal in das erste Einkaufscenter gehen, ein Eis essen und auf dem Rückweg den Jürgen ansprechen, warum er da für einen Quatsch am Telefon erzählt. Ich will jetzt wissen, ob er wirklich drei Kunden an der Backe hatte." - Ergebnis: Das Eis schmeckte gut und Jürgen sagte: "Hier hat nie einer angerufen." - Ohne Worte.

Also bestellen wir nun doch per Internet. Spaßeshalber habe ich das vergoldete Antennenkabel mal bei einer Preisvergleichsseite eingegeben: Bei 16,90 Euro inklusive Versand geht es los. Ja, sorry, dann darf sich wirklich niemand wundern, wenn die Leute zunehmend im Versandhandel bestellen. Das ist kein Service-Defizit, das ist Abzocke.

Als mangelhaften Service würde ich eher beschreiben, wenn ich Ende Januar ein millionenfach verkauftes Auto bekommen soll, die Auslieferung sich aber inzwischen bis Mitte April verzögert. Es ist noch nicht mal bei der Stelle (im Werk) angekommen, die den behindertengerechten Umbau vornehmen soll. Und wer jetzt denkt, dass das Autohaus mal selbständig bei mir anruft und mich auf dem Laufenden hält, täuscht sich. Wenn ich nicht immer wieder nachfrage, bekomme ich keine Infos. Und oft ist der Verkäufer gerade nicht zu sprechen, hat sein Telefon auf die Zentrale umgestellt. Und zurückrufen? Fehlanzeige. "Hoffentlich gewährt man dir anständigen Rabatt", sagte kürzlich ein Kumpel von mir. Ja, tun sie, aber wegen meiner Behinderung. Und was nützt mir Rabatt? Ich möchte das Auto. Mein letztes habe ich storniert, nachdem der Händler trotz zweier großzügiger Nachfristen innerhalb eines Jahres nach Liefertermin kein fertiges Auto präsentieren konnte. Ein Drama.

Und um diesem Meckerpost noch einen draufzusetzen: Abends haben wir uns eine Pizza liefern lassen. Ich mag dieses "Pizza aus dem Karton fressen" eher nicht so gerne, aber wenn etliche andere Leute aus der WG bestellen, bestelle ich mir, vielleicht einmal pro Quartal, auch so einen Fraß. Möglichst mit viel Gemüse. Ich habe mal ein Foto gemacht von einer Pizza mit Salami und Schinken, exakt so, wie sie sich meinem Mitbewohner beim ersten Öffnen des Kartons präsentiert hat. Lauwarm und ...


... jeder Hund würde sich sofort abwenden. "Haben die mit dem Karton Frisbee gespielt?", war die erste Frage des Mitbewohners, der sie bestellt hatte. Die anderen waren nicht wärmer und sahen nicht besser aus. In diesem Sinne: Prost Mahlzeit!

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Warum bist Du wochenlang an die Bestellung gebunden, wenn der Versandhandel nicht liefern kann?

Gerade beim Versandhandel ist es ganz einfach, aus der Bestellung wieder rauszukommen: Nutze das 14-tägige Widerrufsrecht (es ist keine Begründung nötig) und der Fall ist erledigt.

Albrecht hat gesagt…

UARGH... Nicht das ihr ausversehen beim Katzenfutterversand bestellt habt ;)

A propos servicewüste in großen Elektronikmärkten: leider ist es echt so, dass anscheinend nur Herren mittleren Alters vor den rieeesen Fernsehern oder vor den überteuerten PCs "beraten" werden für kleinelektroniken muss man in die jeweilligen kleinen Spezialläden rammeln, welche zwar ahnung aber kaum Auswahl haben :(

A propos Autokauf: leider erfährt man von den Lieferverzögerungen ja erst NACHDEM man den Kaufvertrag unterschrieben hat.. und dort steht bestimmt irgendwo im kleingedruckten: "die Lieferzeit kann sich aufgrund vollkommen unerwarteter Ereignisse beliebig verzögern" also sowas dringendes wie Urlaub, Auslastung, Streik, keine Lust oder schönes Wetter

*** hat gesagt…

Von der Kette braucht man nichts erwarten, wenn man nicht vorher schon genau weiß, was und zu welchem Preis man etwas haben will. Insbesondere Kabel und Kleinkram sind nicht einfach nur teuer sondern regelrecht unverschämt.
Dass du (mal wieder) die Volldeppen erwischt hast merkt man auch kaum...

Edelnickel hat gesagt…

Oh man, das ist aber eine ganze Menge schlechte Erfahrung für einen Tag!
Ich gehe ungern in Läden; Klamotten gibt es oft nicht in meinen Größen und Vorstellungen (oder sie sind gerade vergriffen etc), das Heu für meine Schweinchen hat im Laden schlechtere Qualität etc pp.
Aber ja, bei Elektronik gucke ich schonmal eher im Laden. Und kaufe es dann doch online. Hm, irgendwie kein Wunder, dass die Läden alle eingehen, so nach und nach.

Vio hat gesagt…

Genau deshalb bestelle ich mittlerweile auch alles im Internet. Die paar Male, in denen ich in der letzten Zeit in Elektronikmärkten war, habe ich nie bekommen, was ich wollte.

Und wenn man bei den großen Versandhändlern bestellt sind die zudem noch sehr kulant was das Zurückschicken betrifft.

Jali hat gesagt…

Irgendwie kommt mir das sehr bekannt vor.

Leider hat man ja gerade Elektronik und Großgeräte (wie eben Kühlschränke und so) im Einzelhandel wenig Auswahl an Läden.

In den meisten Gegenden, auch in Großstädten, gehören die ja alle zu der Kette wo man angeblich nicht blöd sei.

Da bleibt einem meist nur der Weg ins Netz. Kabel und sonstigen Zubehörkram kauft man übrigens am besten beim Elektronikfachändler (meist auch per Versand). Beim Händler meines Vertrauens kostet das besagte 75 Ohm Antennenkabel aus Deinem Beitrag 0,4€ pro Meter.

Ein 75 Ohm Kabel mit vergoldeten IEC Steckern? Das ist wirklich pure Abzocke.
*augenverdreh*

Rene hat gesagt…

Das Problem an den großen Ketten ist, dass da ein vorgegaugekelter "Preiskampf" stattfindet.
Aber mal genauer betrachtet ist es doch so: MediaMarkt und Saturn gehören dem gleichen Konzern an. Deswegen ist es sowieso völlig egal bei welchem der beiden ich meine Produkte kaufe. Wirklich günstiger sind diese Märkte nur bei Großgeräten mit Selbstabholung, da sie die Preise stellenweise über die Masse kompensieren können.
Und Service... na ja... Wenn man sich mit so manchen Dingen selbst mehrere Tage beschäftigt, kann man den Verkäufern (nicht Fachverkäufern!) fast mehr über das Produkt in ihrer Abteilung erzählen als sie einem selbst.
Wenn man denn einen zuständigen und freien Mitarbeiter in der richtigen Abteilung findet ;)

Bisweilen kaufe ich wirklich teure Geräte (Objektive für die DSLR o.ä.) in Geschäften in denen ich gerne mehr bezahle und die kleiner sind. Dann habe ich auch einen direkten Ansprechpartner wenn mal was nicht funktioniert etc. .

Die großen Ketten versuche ich da bisweilen echt zu meiden.

Mastacheata hat gesagt…

Bei Kabeln und sonstigem Kleinkram ist das ja eigentlich Allgemeinwissen, dass gerade die großen Elektromarktketten da reinste Mondpreise aufrufen.
Die Idee dahinter ist einfach: Wer die Kabel im Markt vor Ort kauft, der braucht Sie so dringend oder hat eh keine Alternative, dass er jeden Preis zahlt den der Einzelhändler dafür aufruft.


Was das Problem mit den Paketen bei Nachbarn angeht: Fast alle Paketdienste bieten die Möglichkeit an Pakete direkt an einer Ihrer Filialen zu adressieren und Sie dort dann zu den üblichen Öffnungszeiten abzuholen.
Zumindest von DHL und Hermes weiß ich das ganz sicher.
Die DHL Packstation dürfte für Rollifahrer nicht funktionieren.
Man kann leider nicht vorhersagen in welchem Fach ein Paket landen wird und wenn es dann ganz oben landet sind wir da gut und gerne auf 1,80m für den Fachboden.


Last but not least: Antennenkabel kann man hintereinanderstecken. Wenn die Hausverkabelung ordentlich gemacht ist und die Signalstärke ausreicht, halten sich die Verluste durch die Steckverbinder auch in Grenzen.
Vielleicht wäre das ja eine Alternative solltest du jemals wieder den drigenden Bedarf nach einem neuen Antennenkabel haben.

ednong hat gesagt…

Mit den unterschiedlichen Preisauskünften bei Anrufen habe ich auch schon erlebt. Ich habe danach dann immer Fotos gemacht und mir den Namen des jeweiligen Verkäufers gemerkt. Wie du allerdings selbst feststellst - es gibt immer noch eine Ausrede, die man nicht kennt.

Ergo: hat keinen Zweck, macht nur Mühe und Ärger. Nur ein einziges Mal habe ich das korrekt in einem Baumarkt erlebt.

Und so gucke ich meist online nach technischen Daten oder Geräten, die in die Auswahl kommen. Und dann im Laden nach den Geräten und Preisen. Um meist leider dann wieder online zu bestellen.

Klar, für den Einzelhandel nicht förderlich. Aber der unterscheidet sich eben durch Kundenservice, der heut seltenst geboten wird.

Zu Gute halten muss man: oft wird dieser Kundenservice, sofern vorhanden, auch ausgenutzt. Ist halt alles nicht ganz einfach.

Mike hat gesagt…

Servicewüste Deutschland!

Übrigens hat ein mir bekannter Buchhändler immer öfter folgenden Fall, dass die Kunden die Bücher bei ihm per Telefon oder online bestellen, sie aber nicht ins Haus geliefert werden sollen, sondern bei ihm im Laden dann abgeholt werden.

Zum Thema Pizzaservice: Lass die NIE NIE NIE Pizza anliefern, die kommt immer kalt und labbrig an. Nimm Nudeln :-)

LG
Mike

Anonym hat gesagt…

Tja, dass man bei den Kistenschiebern von vorne bis hinten vera....lbert wird, sollte allgemein bekannt sein. Ist es wohl doch noch nicht. Ich halte es sogar für einen außerordentlichen Glücksfall, dass ihr überhaupt einen Verkäufer zu sehen bekommen habt.

Mein Tipp: Kauf lieber im (kleinen) Fachhandel statt bei den großen Kistenschiebern. (Zu erkennen z.B. am EP- oder SP-Schriftzug neben dem Namen des Inhabers.) Das Gerät kostet ungefähr gleich viel, spätestens wenn Du Lieferung, Aufbau und Entsorgung des Altgerätes mit einrechnest. Und im Fachhandel heißt Lieferung nicht bis zur Bordsteinkante oder zum Ortsschild, sondern bis zum endgültigen Standplatz.

Und übrigens sollte es im Fachhandel eine Selbstverständlichkeit sein, dass einem körperlich nicht fitten Kunden (Rolli-Fahrer, Oma & Opa, Gipsträger, ...) größere Einkäufe bis in den Kofferraum getragen werden - auch ohne dass Du mit den Augen klimpern mußt. Das ist nämlich mittlerweile (leider) das letzte Argument für den Fachhandel: Der bessere Service. Preislich können die kleinen Händler weder die Kistenschieber noch den Versandhandel unterbieten, das scheitert schon an den Abnahmemengen. Bei 10.000 Geräten sind einige Prozente oder andere Extrawürste drin, bei 10 eher nicht.

Was das Antennenkabel angeht: 5 m Antennenkabel für Kabelfernsehen kostet bei meinem Stamm-Versender als Noname 1,30 € brutto, Endkundenpreis. (Glaubst Du nicht? Such mal nach "EAKS 5,0"!) Der Einkaufspreis dürfte nochmal deutlich darunter liegen. Deswegen können findige Fachhändler dem Kunden auch ohne Probleme ein Gratis-Antennenkabel zum neuen Fernseher dazu geben, und dem Kunden suggerieren, sie hätten man eben 10 € oder 20 € für das Kabel gespart. Die technisch etwas bessere Markenware mit der Bestellbezeichnung "BAK 503-96" landet für 4,60 € im Karton.

Vergoldete Antennenstecker sind technisch so notwendig wie vergoldete Wasserhähne. Und wie die können manche Leute halt nicht ohne Gold und werden entsprechend abgezockt. Da sind 50 € für ein Kabel noch absolut unterste Klasse, High-End-Deppen geben auch mal drei- oder vierstellige Euro-Beträge für ein Kabel aus, das mit pseudowissenschaftlichem Hokuspokus beworben und verkauft wird und nachweislich keine Verbesserung gegenüber einem normalen Kabel bringt.

Tux2000

Anonym hat gesagt…

Ich habe deinen Text gelesen und saß hier mit offenem Mund. So viel Dreistigkeit ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. Ich kaufe in solchen Läden aber auch nie ein. Vor allem muss man sich fragen, was der Verkäufer, der seinem Kollegen unterstellt, er habe den falschen Preis genannt, um Kunden zu binden, selbst so alles an den Tag legt - außer Telefonate vorgaukeln und euch dann noch unterstellen, ihr würdet lügen. Es ist echt eine bodenlose Frechheit und das zeigt, unter welchem Druck die scheinbar stehen, dass sie sowas nötig haben.

Naja, und dann scrollte ich zur Pizza. Und habe laut gelacht. Das ist echt eine Unverschämtheit. Die hätte ich wieder abholen lassen. Ich hoffe, ihr habt das letzte Mal dort bestellt?

Anonym hat gesagt…

Nun hast du ja erkannt, warum ich fast nur noch bei Amaz... bestelle. Ich lese die Bewertungen, filtere etwas aus und finde auch ohne ahnungslose Andreher genau das, was ich wollte. Es wird mir dann sogar Problemlos bis an den Aufstellplatz gestellt und das meist sogar gratis. Wäre für Euch also genau richtig. Und es gab noch nie Probleme mit Umtausch, Rückerstattung oder Garantiefall, sofern nicht von Drittanbietern gekauft. Versucht es doch mal.

Die Pizza hätte ich zurückgehen lassen, die sieht absolut wiederlich aus und es gibt in HH wirklich gute Lieferdienste.

Amy hat gesagt…

Oh jee.. das ist ja wirklich fast unglaublich :( Allerdings kenne ich das auch. Mein Freund und ich bestellen häufiger Pizza und haben da inzwischen bestimmte Lieferanten, die wir exklusiv wählen, weil es so viele schlechte gibt, dass wir keine Lust mehr auf das Testen neuer Läden haben.

Und der Einzelhandel ist eh ein Thema für sich. Wenn ich geschlagene 15 Minuten in der Buchhandlung drauf warten muss, dass jemand mir ein Buch bestellt weil jeder Verkäufer mich auf "ja, gleich" vertröstet und zur Theke schickt, wo dann aber niemand erscheint, frage ich mich schon, warum ich denn bitte dort kaufen soll... Immerhin beliefert mich der größte Onlinehänder ebenso schnell und kostenlos, die Bestellunge des Artikels ist allerdings in weniger als 30 Sekunden über die Bühne gegangen und ich muss nicht noch lange, lange, lange erklären was ich will, weil ich ja "nur" Titel und Verlag nennen kann und man das so ja nicht finde, ohne dass ich den Namen der Autorin kenne... Ernsthaft, so rettet sich der Einzelhandel einfach nicht. Da muss mehr passieren, sonst braucht man sich nicht zu wundern wenn immer mehr Menschen online shoppen.

Schnuffelsocke hat gesagt…

Also ich muss ehrlich sagen, wenn ich DIE Pizza sehe, bekomme ich doch glatt Lust einfach mal NICHTS zu essen....
*kotz würg*

Stephan Wilden hat gesagt…

Klingt irgendwie nach ner Menge Sch**ße, die ihr da erlebt habt.
Ich persönlich mag Einkaufscentren und auch kein MM/S/Schießmichtot nicht, ich mag noch nicht mal einkaufen. Immer Ewigkeiten durch die Gegend laufen, warten müssen, den Vergleich mit anderen Produkten ist schwierig, weil man diese auch nicht immer zur Hand hat.
Kurzum:
Ich kaufe online, natürlich nachdem ich mich auch online (auf Herstellerseiten oder Vergleichsportalen) informiert habe. Hat irgendwann mal mit CDs und Büchern angefangen, geht heute über Werkzeug, Elektonikzubehör und sonstiges sogar bis zu Klamotten. Die Tage habe ich sogar Schuhe gekauft, einfach auf gut Glück gekauft. Nur die Winterjacke im letzten Herbst, die habe ich in der Stadt gekauft, aber das waren auch 3 Stunden in 5 läden, bis ich die richtige Jacke hatte.
Wie gut, dass ich jetzt 2 bis 3 Jahre keine neue Winterjacke brauche.

Winterkatze hat gesagt…

Ich kann mich Tux2000 nur anschließen und die kleinen Einzelhändler empfehlen. Da hättet ihr zwar auch nicht eure ganze Liste abarbeiten können, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ihr bezüglich der Mikrowelle und der Spülmaschine eine gute Beratung und ebensolchen Service bekommen hättet, ist deutlich größer als bei den Ketten. Und gerade bei einem Großgerät sind Rabatte, sowie Lieferung bis zum Einsatzort und das Anschließen des Geräts eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wenn man einen guten Händler hat.

Wobei ich zugeben muss, dass man diese kleinen Händler inzwischen immer gründlicher suchen muss, denn die Ketten machen ihnen das Überleben nicht gerade einfach.

Die Pizza hätte ich auch zurückgehen lassen - und die Sache mit dem Auto macht mich fast sprachlos. So eine Unverschämtheit!

Annike hat gesagt…

Woaaaah hör auf zu meckern :D ich muss doch nach Hamburg ziehen und wenn das da so abläuft, dann muss ich mir das noch mal überlegen ;) Am 1. und 2. bin ich da oben bei euch auf Häuserbesichtigungstour, die Pizza Bestellung zwischendurch lasse ich dann besser weg :P

Max Muster hat gesagt…

Hallo Jule,
anstelle der großen Ketten solltet ihr mal zu einem Mittelständler rollen
die haben in der regel fast die selben Preise wie die großen Ketten (von den Lockangeboten mal abgesehen) und bieten zusätzlich jede menge service.
mit Mittelstänlern meine ich geschäfte die z.B. zu der "Euronicks kette" oder ähnlichen gehören.

Und wenn mein Pizza so ausgeseh hätte wie auf dem Foto wäre sofort der Telefonhörer bei der Pizzaria explodiert....

ruolbu hat gesagt…

Der primäre Grund etwas im Laden um die Ecke zu kaufen, ist für mich die Unterstützung kleiner Geschäfte, die mir gefallen und die mir lieber sind als noch ein McDonals, noch ein Starbucks, noch ein whatever. Wenn der Laden nicht um die Ecke ist, sondern mit mehr als 15 Minuten Bahnfahrt etc. versehen ist, dann gehts bei mir mit der Sympathie für kleine Läden rapide abwärts.

Wenn ich es doch auf mich nehme, dann ist der primäre Grund, dass ich das Objekt meiner Begierde einmal direkt vor mir gehabt haben will, am besten in meinen Händen, bevor ich mir zu einem Kauf qualifiziert vorkomme.

Service ist etwas, was ich persönlich nicht hoch anrechne. Service bei Elektronikriesen und anderen großen Ketten ist in meinen Augen nicht mehr als Werbung für was auch immer die gerade am liebsten los werden wollen. Eine Stunde Recherche daheim am Rechner sind da oft Ergebnisreicher und effektiver als eine Stunde Hin- und Rückweg.

Kleine Läden haben hingegen das Problem, dass die Auswahl oft stark eingeschränkt ist und ich mir auch gerne mal schlecht vorkomme, wenn ich mir was erzählen lasse und dann doch wieder ohne etwas gekauft zu haben, abdampfe.

Und dann gibt es ja auch immernoch die immer gleiche Situation, dass ich selbst mit Versand und kostenloser Rücklieferung im Netz vieles deutlich billiger finde, als es sich kleine Läden leisten können und, Ketten es anbieten müssen (weil es scheinbar immernoch von genügend Leuten gekauft wird).

Mir gefällt die Anonymität und das in meinen Augen sowohl gut einschätzbare als auch geringe Risiko beim Onlinehandel.

Anonym hat gesagt…

Erinnert mich daran, wie ich vor einigen Jahren mein autarkes Gaskochfeld durch ein Neues ersetzen wollte. Da das Ganze nicht eilte, habe immer mal wieder im vorbeigehen bei den großen Ketten (die vom gleichen Konzern ;-) )geguckt, also kein großer Zeitaufwand. Noch viel mehr habe ich mich online informiert. Schlussendlich bin ich zu dem Einzelhändler (!) meines Vertrauens gefahren: Der fragte mich im Laufe des Gespräches, was denn gegen einen Induktionskochfeld spräche. Ich will nicht in die Details gehen, schlussendlich habe ich bei diesem Händler (offline!) ein Induktionskochfeld gekauft und bin sauglücklich: Lieferung und Anschluss kosteten extra, hätte es mich beim Onlinehändler aber auch.
Ich habe auch online nach Preisen gesucht: ich habe genau einen (!) Händler gefunden, der das Kochfeld günstiger hatte... um genau € 5... mit Lieferung und Anschluss wäre es auf das Gleiche rausgekommen.
Resumee: ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen, nimm lokale Einzelhändler: Kontakt mit sachverständigen Menschen, Service und Ansprechpartner vor Ort UND im Sinne von "Support your local dealer" ;-)

Elabo hat gesagt…

Hi Jule,

ich glaube ich weiß welchen Markt Du meinst :D
Wir haben auch zwei Märkte hier, einen von der großen Kette mit dem vielen Rot in der Werbung und ein anderer, einer kleineren Kette. Beim Zweiten bin ich bis jetzt immer sehr gut beraten und bedient worden, den ersten betrete ich nicht mehr.
Wo ich ebenfalls gute Erfahrung mit gemacht habe waren Läden, die der Euronics-Kette angehören. Diese sind meistens eigenständig und es steckt noch ein echter Radio-/Fernsehtechnikerbetrieb dahinter. Die bringen das Gerät auch gerne bis in die Wohnung und schließen es so an dass nicht die Küche unter Wasser steht.

Wenn Du immer noch auf der Suche nach der Antennen- und DVI-Leitung bist sag Bescheid, dann lass ich Dir davon kostenfrei was zukommen. Die Antennenleitung auch gerne auf den cm genau mit den gewünschten Steckern (gerade/abgewinkelt). ;)
VGA-, DVI- und Kaltgeräteleitungen stapeln sich bei mir schon. :D


Grüße
Elabo

Xin hat gesagt…

16,90 für 5m Antennenkabel? Ich habe mal flott bei meinem Kabelversender geguckt und bin auf 10 Euro gekommen, wobei 6 Euro Versandkosten waren. Es rechnet sich aber trotzdem nur ein Kabel dort zu bestellen, wie man sieht.
Entsprechend bestelle ich da einfach alles, was ich in der nächsten Zeit gebrauchen könnte und packe den Rest in den Schrank. Die Versandkosten spielen dann keine Rolle mehr und wenn ich was brauche, muss ich nichtmals zum Laden.

Liefern lasse ich an eine Packstation.

Ich weiß, welche Elektronik ich kaufe. Manchmal gehe ich zu Saturn und lasse mich beraten. Nur weiß ich meistens besser als die Verkäufer bescheid. Mein persönliches Highlight war dabei, als ich eilig einen neuen Laserdrucker kaufen wollte(!), dass ich mit dem Verkäufer die Druckkosten der Angebote durchrechnete. Mit dem Ergebnis, dass Saturnverkäufer erkannte, dass sie keinen brauchbaren Drucker im Angebot haben, es also billiger ist, meinen alten uralten Drucker zu reparieren.

Mein Fahrrad habe ich im Netz bestellt. Nach einer Recherche fand ich einen Hersteller, der nur über Versand liefert, dafür kostet das Rad 800 statt (ab) 1200 für vergleichbare.

Den Vorteil, Dinge direkt in der Hand zu halten, sehe ich auch nicht. Ich habe in in einer Stadt gewohnt, wo alles wichtige verfügbar ist, aber vieles eben nicht. Oder im Ausland, wo nur das nötigste vor Ort war.
Wenn ich so verplant bin, dass ich Dinge nicht rechtzeitig bestellen kann - gerade in Deutschland - dann weiß ich es auch nicht. Alleine den Zeitverlust, in die Stadt zu fahren, um ein Buch zu kaufen, im Vergleich es am nächsten Tag im Briefkasten zu haben. Zumal ich meistens in der Buchhandlung höre, dass man es erst bestellen muss es und es in zwei Tagen da wäre. Dann muss ich nochmals fahren - und warte länger.

An eine Online-Bestellung ist man nie gebunden, da man es 14 Tage nach Erhalt zurückschicken kann. Die Händler werden eine Stornierung also niemals losschicken, weil es nur Versandkosten mit sich bringt.

Als Mann flirte ich keine Verkäufer an, dafür sind meine Titten nicht groß genug. Und ich zeihe mich auch nicht für einen guten Preis aus. Billiger als 4 Euro wirst Du Dein 5m Kabel auch nicht bekommen, wenn Du einen Table-Dance im Elektronikmarkt machst.

In die Stadt fahre ich gerne für Klamotten, Schuhe, Kaufhöfe oder kleine Läden, bei denen ich auch gerne mehr bezahle.

Anonym hat gesagt…

"Und übrigens sollte es im Fachhandel eine Selbstverständlichkeit sein, dass einem körperlich nicht fitten Kunden (Rolli-Fahrer, Oma & Opa, Gipsträger, ...) größere Einkäufe bis in den Kofferraum getragen werden"

Die Selbstverständlichkeit ist im Einzelhandel aber nur zu leisten, wenn die entsprechende Personaldecke vorhanden ist. Wenn in einer Abteilung eh schon nur ein Kollege arbeitet (zwecks Kostenersparnis, weil eben leider "alle" online bestellen und nicht im stationären Fachhandel), dann kann der eine Kollege eben nicht "mal schnell" für fünf oder zehn Minuten seinen Arbeitsplatz verlassen, um einem Kunden seine Ware ans Auto zu bringen.

Und selbst wenn - wo zieht man die Grenze? Wie lange darf der Kollege weg sein? Wo darf das Auto parken? Trägt der Kollege dann auch bis nach Hause, wenn der Kunde "nur um die Ecke" wohnt? Wer sagt, dass der anwesende Kollege körperlich in der Lage ist, den Einkauf des Kunden bis zum Auto zu tragen? Auch Beschäftigte im Einzelhandel könnten körperlich nicht in der Lage sein, schwer zu heben (oder Dinge die Treppe runterzutragen).

In den wenigsten Geschäften (obwohl ich's gerade bei S & MM schon gesehen habe) sitzt im Wareneingang ein Kollege rum, der nichts weiter zu tun hat, als auf einen Kunden zu warten, der Hilfe beim Tragen braucht. Während der kompletten Öffnungszeiten (also in der Regel etwa 66 Stunden in der Woche).

Und selbst wenn die Fachabteilung mit mehr als einem Mitarbeiter besetzt ist, landet man dann schnell bei "Wenn ich geschlagene 15 Minuten in der Buchhandlung drauf warten muss, dass jemand mir ein Buch bestellt weil jeder Verkäufer mich auf "ja, gleich" vertröstet und zur Theke schickt, wo dann aber niemand erscheint, frage ich mich schon, warum ich denn bitte dort kaufen soll..."

Wieviele Kollegen dürfen denn zeitglich die Abteilung verlassen, um einem anderen Kunden Ware bis ans Auto zu tragen? Nur einer? Was, wenn zeitgleich ein zweiter Kunde auftaucht, der Hilfe beim Tragen braucht? Darf dann der zweite Kollege auch gehen oder muss der zweite Kunde warten?

[Und ja, ich habe einem - nicht offensichtlich irgendwie eingeschränkten - Kunden seinen Großeinkauf schon auf Chefs Wunsch bis in die Tiefgarage geschleppt, 10 Minuten hin, Auto beladen, 10 Minuten zurück und die Kollegen mussten eine halbe Stunde zusehen, dass bitte keiner aufs Klo muss und die Abteilung besetzt bleibt.]

An Büchern macht man übrigens kaum Gewinn. Wir machen 85% unseres Gewinns (nicht Umsatzes) am non-Book. Warum die Buchhandelsketten inzwischen so viel Scheiß nebenher verkaufen und die kleinen Buchläden zumachen? Weil man mit Büchern nix verdient.
Und Amy, du sollst im stationären Handel kaufen, damit er bestehen bleibt. Und damit er das nächste Mal noch da ist, wenn du dringend ein Geburtstagsgeschenk brauchst oder einen Bildband in die Hand nehmen willst, bevor du dich dafür oder dagegen entscheidest (ohne ihn dir liefern zu lassen und dann mit der Post zurück zu schicken - Stichwort: green footprint). Und damit Menschen in deiner Stadt einen Arbeitsplatz haben und nicht auf staatliche Sozialleistungen zurückgreifen müssen. Damit du deinen Kindern mal Schulbücher kaufen kannst, auch wenn du nur weißt "Brauch ich Englischbuch fünfte Klasse", der Kollege vor Ort hat nämlich hoffentlich die Buchlisten der umliegenden Schulen unterm Tresen und kann schauen, welches Buch in Schule X genutzt wird, das schafft der Onlinehandel nicht. Und auch wenn das Geschäft vor Ort für dich aktuell nicht wichtig ist, dann ist es das vielleicht für das Ömchen in der Wohnung nebenan, die vielleicht dafür sorgt, dass es fünf Minuten länger für dich dauert, weil sie nämlich der Fachhändlerin noch ihr Leben erzählt und die Kollegin ihr ein offenes Ohr schenkt und weil sie nicht online bestellen kann oder die sozialen Kontakte im Laden vor Ort (ja, den gibt es auch in Ketten) genießt.

[tbc]

Anonym hat gesagt…

"Und übrigens sollte es im Fachhandel eine Selbstverständlichkeit sein, dass einem körperlich nicht fitten Kunden (Rolli-Fahrer, Oma & Opa, Gipsträger, ...) größere Einkäufe bis in den Kofferraum getragen werden"

Die Selbstverständlichkeit ist im Einzelhandel aber nur zu leisten, wenn die entsprechende Personaldecke vorhanden ist. Wenn in einer Abteilung eh schon nur ein Kollege arbeitet (zwecks Kostenersparnis, weil eben leider "alle" online bestellen und nicht im stationären Fachhandel), dann kann der eine Kollege eben nicht "mal schnell" für fünf oder zehn Minuten seinen Arbeitsplatz verlassen, um einem Kunden seine Ware ans Auto zu bringen.

Und selbst wenn - wo zieht man die Grenze? Wie lange darf der Kollege weg sein? Wo darf das Auto parken? Trägt der Kollege dann auch bis nach Hause, wenn der Kunde "nur um die Ecke" wohnt? Wer sagt, dass der anwesende Kollege körperlich in der Lage ist, den Einkauf des Kunden bis zum Auto zu tragen? Auch Beschäftigte im Einzelhandel könnten körperlich nicht in der Lage sein, schwer zu heben (oder Dinge die Treppe runterzutragen).

In den wenigsten Geschäften (obwohl ich's gerade bei S & MM schon gesehen habe) sitzt im Wareneingang ein Kollege rum, der nichts weiter zu tun hat, als auf einen Kunden zu warten, der Hilfe beim Tragen braucht. Während der kompletten Öffnungszeiten (also in der Regel etwa 66 Stunden in der Woche).

Und selbst wenn die Fachabteilung mit mehr als einem Mitarbeiter besetzt ist, landet man dann schnell bei "Wenn ich geschlagene 15 Minuten in der Buchhandlung drauf warten muss, dass jemand mir ein Buch bestellt weil jeder Verkäufer mich auf "ja, gleich" vertröstet und zur Theke schickt, wo dann aber niemand erscheint, frage ich mich schon, warum ich denn bitte dort kaufen soll..."

Wieviele Kollegen dürfen denn zeitglich die Abteilung verlassen, um einem anderen Kunden Ware bis ans Auto zu tragen? Nur einer? Was, wenn zeitgleich ein zweiter Kunde auftaucht, der Hilfe beim Tragen braucht? Darf dann der zweite Kollege auch gehen oder muss der zweite Kunde warten?

[Und ja, ich habe einem - nicht offensichtlich irgendwie eingeschränkten - Kunden seinen Großeinkauf schon auf Chefs Wunsch bis in die Tiefgarage geschleppt, 10 Minuten hin, Auto beladen, 10 Minuten zurück und die Kollegen mussten eine halbe Stunde zusehen, dass bitte keiner aufs Klo muss und die Abteilung besetzt bleibt.]

An Büchern macht man übrigens kaum Gewinn. Wir machen 85% unseres Gewinns (nicht Umsatzes) am non-Book. Warum die Buchhandelsketten inzwischen so viel Scheiß nebenher verkaufen und die kleinen Buchläden zumachen? Weil man mit Büchern nix verdient.
Und Amy, du sollst im stationären Handel kaufen, damit er bestehen bleibt. Und damit er das nächste Mal noch da ist, wenn du dringend ein Geburtstagsgeschenk brauchst oder einen Bildband in die Hand nehmen willst, bevor du dich dafür oder dagegen entscheidest (ohne ihn dir liefern zu lassen und dann mit der Post zurück zu schicken - Stichwort: green footprint). Und damit Menschen in deiner Stadt einen Arbeitsplatz haben und nicht auf staatliche Sozialleistungen zurückgreifen müssen. Damit du deinen Kindern mal Schulbücher kaufen kannst, auch wenn du nur weißt "Brauch ich Englischbuch fünfte Klasse", der Kollege vor Ort hat nämlich hoffentlich die Buchlisten der umliegenden Schulen unterm Tresen und kann schauen, welches Buch in Schule X genutzt wird, das schafft der Onlinehandel nicht. Und auch wenn das Geschäft vor Ort für dich aktuell nicht wichtig ist, dann ist es das vielleicht für das Ömchen in der Wohnung nebenan, die vielleicht dafür sorgt, dass es fünf Minuten länger für dich dauert, weil sie nämlich der Fachhändlerin noch ihr Leben erzählt und die Kollegin ihr ein offenes Ohr schenkt und weil sie nicht online bestellen kann oder die sozialen Kontakte im Laden vor Ort (ja, den gibt es auch in Ketten) genießt.

{tbc]

Anonym hat gesagt…

Wenn einmal vor dir eine Kundin in Tränen ausbricht, weil sie schon so alt ist und gar nicht mehr alles lesen kann, was sie so gerne lesen würde, weil sie bald sterben wird... dann weißt du, warum du dir für sie auch mal ein paar Minuten mehr Zeit nimmst, trotz vollem Laden.

Ganz ehrlich. In vielen (gerade größeren) Fachmärkten ist das Personal doch aus Kostengründen so runtergeschraubt, dass die Abteilungen kaum besetzt sind. Wie oft sieht man in Baumärkten oder im Elektrohandel das Steppengras schon durch den Gang wehen? Kundenservice? Ich bekomm ja nichtmal mehr Holz auf Maß geschnitten, weil das Personal und damit die Zeit nicht da sind. Find ich das toll? Ganz bestimmt nicht und dann suche ich mir auch einen Laden, der's noch macht.

Mehr Personal einstellen?
Coole Idee. Kommen dann auch mehr Leute und kaufen auch vor Ort oder bleibt der Umsatz gleich und König-Kunde kauft doch im Internet, um 5 Euro zu sparen, nachdem er sich im stationären Handel hat ausgiebig beraten lassen?
Der nächste Kunde, der sich bei mir für die nette Beratung bedankt und dann bei Amazon bestellt, "weil die kostenlos nach Hause versenden" (wir auch!! ehllich lieber Kunde, ich bestell dir deine Ware gerne nach Haus, das bringt der gleiche Postbote, dauert auch genau so lange) wird gevierteilt. Und nein, auch Studenten/Lehrer/Schüler/Senioren bekommen aufgrund der Buchpreisbindung keinen Rabatt - Lesezeichen? Freundliches Lächeln? Tütchen?!
Dafür arbeite ich auch gerne jede Schicht ein paar Minuten unbezahlt, um mit der Kollegin davor oder danach noch ne Übergabe zu machen (die nicht eingeplant wird, weil die fünf Minuten ja Geld kosten) oder um den Laden abzuschließen und die Kasse wegzubringen (meine bezahlte Arbeitszeit endet mit Ladenschluss, nicht mit Dienstschluss). Und bei acht Abendschichten im Monat heißt das auch, dass ich monatlich fast zwei Stunden meiner Zeit verschenke.

Es gibt irgendwo für den stationären Handel Grenzen zwischen "machbar" (weil, kriegen wir zur Kundenbindung irgendwie hin) und "geht nicht, können wir nicht".
Niemand schafft es, sich zu klonen. Und wenn die Abteilung leider nur minimal besetzt ist (weil Kollegen krank oder in Schulung oder im Urlaub oder aufm Klo), dann muss der Kunde leider mal 10 Minuten warten, bis ihm geholfen werden kann. Ich schwöre, das macht uns auch keinen Spaß. Die wenigsten Händler versuchen sich ihre Kunden absichtlich zu vergraulen. Leider haben die Leute die in den Abteilungen arbeiten in der Regel auch keinen Einfluss auf: Mitarbeiterdichte, Mitarbeiteranzahl, Dienstzeiten, Krankheit ihrer Kollegen, gesetzliche Urlaubsansprüche, die Anzahl anderer Kunden im Geschäft etcpp. Beschwert euch bei der Filialleitung oder im Zweifel bei Ketten auch bei der Zentrale... die Mitarbeiter an der Kasse oder in den Abteilungen tun auch nur was sie können, dürfen und was ihnen vorgegeben wird.

Und ja - ich bestelle auch Online.
Eben weil oft die Leistung besser ist, nichtmal unbedingt der Preis, aber z.B. Lieferung und Aufbau. Ich kann auch ohne körperliche Einschränkung meinen Kühlschrank nicht bis in die zweite Etage wuchten, die Spedition über Amazon schickt dafür zwei Männer und ne Sackkarre, S & MM stellen mir das Teil nur an die erste Tür. Ich würde davor im Handel vor Ort sogar extra bezahlen, aber wenn's nicht angeboten wird...
Oder weil Dinge vor Ort nicht zu bekommen sind. Wenn ich drei Stunden lang durch die Geschäfte renne, um Pistazienmark (nein, auch nicht im Feinkostladen), lilane Porzellanknäufe (nein, wir haben nur noch den einen und wir bestellen auch nicht mehr nach), Quinoa (nein, auch nicht im Reformhaus), die Bluse in Größe 40 (tut uns leid, aber Übergrößen führen wir nicht) oder Blaubeersirup (nehmen sie doch Johannisbeere, ist doch auch lila) zu bekommen, dann geht auch mir irgendwann die Zeit (und die Lust) aus.

Es wäre schön, wenn die Welt ein rosarotes Luftschloss wäre und für jeden eine gute Fee bereit stünde. Ist aber nicht so. Welcome to reality. Der stationäre Einzelhandel kann's nie allen rechtmachen.

Anonym hat gesagt…

Habt ihr die Pizza wenigstens über ein Portal bestellt? Da kann man wenigstens entsprechend schlecht bewerten. Wirklich schlimm.

Von den großen Ketten erwarte ich auch gar nichts mehr, was die mir schon für Bullshit erzählen wollten, ich nehme die manchmal, wenn ich eine DVD als Geschenk möchte und mich noch inspirieren lassen will, wenn ich eine Tasche für ein technisches Gerät brauche (z.B. Kamera), die probiere ich dann vor Ort aus und wenn der Preis nicht viel zu hoch ist, dann kaufe ich die da auch.
Für alles andere suche ich mir meistens echten Fachhandel in kleinerer Ausführung, die bestellen dir auch gerne mal was vom Großhändler und sind freundlich und beraten gut, eben in Richtung Support-your-local-Dealer. Aber alles außerhalb dieser Spezialläden kannst du vergessen, ich glaube das letzte Mal war ich vor anderthalb Jahren in einem großen Elektroladen und das nur, weil ich Wartezeit totschlagen musste.

Anonym hat gesagt…

Hi Jule,

da bestätigt sich leider der Eindruck, dass Teile des Einzelhandels zu einem großen Teil selber zu ihrem Niedergang beitragen.

Dennoch würde ich nicht alle über einen Kamm scheren. Ich habe auch schon sehr gute Erfahrungen mit kleineren Geschäften gemacht, die mit Fachkompetenz und Service punkten und flexibel auf die Bedürfnisse ihrer Kunden reagieren. Doch die werden durch die großen Filialisten nach und nach kaputt gemacht, die durch die pure Masse günstigere Preise realisieren können.

Zu den Themen "Pizza" und "Auto" fällt mir außer "Zumutung" gar nichts ein.

LG, Simone

BigDigger hat gesagt…

Mein "Lieblings"laden ist immer noch der, da wo so schön Drama immer drum ist. Der mit dem grünen Berg und wo Dagobert mal *kawumm* hat machen lassen.
Erst letztens war ich auf der Suche nach einem Waschtrockner. Eigentlich kein Ding. Ein bestimmter von Miele, gesehen bei den Nochblöden für 999, beim Planeten ebenfalls 999. In der Filiale Mö des 1881 gegründeten "Tuch-, Manufactur und Confectionsgeschäfts": 1699...
Und die wundern sich, dass sie pleite sind.

Dass man von denen durch die Bank verarscht wird, ist keine Neuigkeit. Bei den Einzelhändlern ist das falsch verstandener Preisdruck, bei den großen Ketten aber eher Renditedruck - unter 20 % Eigenkapitalrendite geht ja die Aktie runter...

Man kann die Verarsche übrigens daran erkennen, dass sich die Verkäufer unterschiedlicher Läden untereinander duzen. "Hallo, Jürgen..." Wenn die sich duzen, sind sie dicke genug, um sich entsprechend abzusprechen.

Und was die Pizza angeht: War das ein Franchiser oder ein freier? Pizza bestelle ich gerade wegen der Möglichkeit, gegenüber dem Franchisegeber über Nichteinhaltung von vertraglich zugesicherten Standards (schließlich wirkt sich miese Qualität auf das Ansehen der Marke aus) zu meckern, eher bei den Großen.

Es gibt kaum ein Gericht, das man so verkacken kann wie Pizza, denn die kennt jeder, isst jeder, und jeder weiß, dass die qualitativ durchaus vernünftige TK-Pizza im Vergleich zu frischer Pizza schon Scheißdreck ist. Sprich: Eine normale, frische Pizza ist ein hochqualitatives Produkt (und mit 10 Ocken auch nicht billig), und qualitative Abweichungen fallen entsprechend auf.

windgetrieben hat gesagt…

Hmm. Wenn wir hier in Bonn Pizza bestellen, sehen die Pizzen aber leckerer aus...

Und zum Thema Elektronikhandelsketten wurde m.E. schon alles gesagt.

Gibt es keine Rechtsmittel, die Du wegen des Autos in Anspruch nehmen kannst?

fujolan hat gesagt…

Jepp. Jepp. Jepp.

Ich vermeide Versandhandel ABER nur dort wo ich kompetenten Einzelhandel auftun kann. Und ich habe auch im Versandhandel wahnsinnig fitte und gute Beratung gefunden.

Und DANN zahle ich auch gerne einen Teil mehr, bei einem kleinen Laden mit guter Beratung. Egal ob ich im Laden stehe oder es im webshop kaufe. Beispiel für Superservice z.B. ist Kulmine, die beraten, geben Rabatte, und reagieren pronto auf Anfragen

Philipp hat gesagt…

Ohjehohjeh!

Was war denn da bei dir schon wieder los.

Also Ich muss sagen dass Ich Elektrogroßgeräte bisher immer am liebsten im Laden gakauft habe und habs dann mit dem Auto nach hause gebracht.

Mittlerweile hab Ich nach meinem Umzug kein Auto mehr und muss mir was für die Zukunft überlegen.

Bei den anderen Sachen denke Ich dass man wie du mit ein klein wenig nachdenken drauf kommen kann dass mit dem Preis für das Kabel was nicht stimmt. und vergoldete Kontakte halte Ich für Unsinn.

Bei solchen Sachen hab Ich bisher selten Preise verglichen. Ich frag mich dann immer ob das angemessen sein kann und wenns einigermaßen passt wirds eingepackt. Ich mag dieses hin und herfahren und da und dort vergleichen nicht. Das ist mir zuviel Arbeit. Ich achte mehr auf die Qualität als auf den Preis.

Im Internet kaufe Ich meistens nur Sachen die Ich im Laden nicht so ohne weiteres kriege: Wenn Ich eine bestimmte CD / DVD suche. Also Sachen wo Ich genau weiss wes dann kommt. Ich mag das zurücksenden, Rückabwicklung usw. einfach nicht.

Grüße aus Dresden

Philipp

rike hat gesagt…

Danke, Anonym vom 28. März 2014 10:39! Dem ist nichts hinzuzufügen... Doch, recherchiert mal, wohin euer Ama***-Wahn bei DHL&Co führt... Beim Buchhändler meines Vertrauens kann ich Bücher sich telefonisch oder per Mail bestellen und die sind am nächsten Tag dort.

Computerfuzzi hat gesagt…

Einzelhandel. Ach. Es kommt in jedem Laden immer auf die Mitarbeiter und ihre Motivation an. Und Motivation wächst auch nicht an Bäumen. Nach 10 Jahren Einzelhandel (unter anderem bei einem nicht kleinen Saturn in HH) bin ich froh, das nicht mehr mitmachen zu müssen. Am Ende wird eh immer der einzige Vollzeitmitarbeiter gegen zwei Studenten und einen Praktikanten ersetzt.

Die älteren Einträge in meinem Blog zeigen aber auch: Nicht nur die Verkäufer sind seltsam. Oft auch die Kunden. ;)