Mittwoch, 30. April 2014

Tanz in den Mai

Meine erste (kurze) Woche an meinem neuen Studienort ist rum. Ich vermisse Marie. Ich habe die letzten drei Nächte so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr, denn in meinem Zimmer ist nachts eine derartige Stille, dass man die Flöhe husten hört. Und bei hustenden Flöhen kann ich besonders gut schlafen.

Ich habe einige nette Kommilitoninnen und Kommilitonen kennen gelernt. Was mir auffällt, ist, dass, einige Kilometer weiter südlich als Hamburg, die Menschen zwar wesentlich offener für Smalltalk sind, aber sich schwerer mit jemandem anfreunden. Den Eindruck habe ich mehrfach gewonnen. Vielleicht fehlen mir aber auch einfach nur bereits meine Freunde. Man war hier zwar immer höflich und freundlich zu mir, aber man schaut auch sehr distanziert und abwartend. Vielleicht ist es aber auch gar nicht so verkehrt, denn dumme Sprüche habe ich andererseits bisher auch noch nicht bekommen.

Diejenigen, mit denen ich persönlich gesprochen habe, wissen von meinem Problem mit meiner Mutter. Und sie wissen auch, dass ich keine Ortsangaben über mich im Internet lesen möchte. Ich habe bislang den Eindruck, als wenn alle das verstanden haben. Einige zeigten sich schockiert, andere zunächst ungläubig - drei Leute kennen allerdings meinen Blog. Und das war eine Erfahrung, die ich bisher nicht hatte. Klar wissen viele Freundinnen und Freunde aus Hamburg von meinem Blog, aber viele lesen ihn nicht, weil er ihnen "zu langweilig" ist. Verständlich, denn wenn man mich live kennt, muss man das alles nicht nochmal im Internet nachlesen. Was ich aber bisher noch nicht erlebt habe, ist, dass ich jemanden kennen lerne, der vorher schon zufällig über meinen Blog gestolpert ist und diesen liest. Das war in dieser Form so das erste Mal und es war schon eine spannende Erfahrung.

Und wenn erstmal eine liest, ist es nicht mehr weit, bis eine Freundin ebenfalls meinen Blog liest. So gibt es, wie beschrieben, drei Kommilitoninnen (die untereinander eng befreundet sind), die nun die Person zur Stinkesocke live kennen. Der erste Moment war dabei ganz lustig: Als ich erzählte, dass ich Probleme mit meiner stalkenden Mutter habe, kombinierte die eine Kommilitonin sehr schnell und sagte: "Im Internet gibt es gerade eine Bloggerin, auch eine Julia, die ähnlichen Stress hat. Die sitzt auch im Rollstuhl. Das bist nicht zufällig du?" - "Könnte sein." - "Aus dem Leben einer Stinkesocke?"

Ich deutete auf meine Füße und sagte: "Stinkesocke." - "Echt? Das ist ja voll verschärft! Du bist doch total berühmt!" - "Naja." - "Was naja, doch klar! Ich habe eine Webseite mit Fotos drauf, da hat der Zähler nach drei Jahren endlich die Tausendermarke geknackt. Bei dir sind es 2,75 Millionen!" - "Kann schon sein." - "Kann schon sein, nun gib dich nicht so bescheiden! Ich lese seit Ewigkeiten mit und ... voll krass! Ich hätte nie gedacht, dass ich dich mal live sehen würde. Also, ich hatte das auch nie vor, aber jetzt ... Wahnsinn." - Wahnsinn. Vermutlich muss ich mir demnächst doch noch Autogrammkarten zulegen.

Die besten Bäcker in Uninähe kenne ich bereits, heute Abend bin ich zum Tanz in den Mai eingeladen. Hoffen wir mal, dass niemand den Maibaum klaut.

Kommentare :

Vio hat gesagt…

Das wundert mich jetzt aber auch, dass du gleich auf drei Leute gestoßen bist, die deinen Blog kannten. Klar hast du viele Leser, aber trotzdem hätte ich gedacht, dass sich das "verläuft", wenn man bedenkt, wie groß Deutschland ist.

Mir ist es lustigerweise genau umgekehrt so gegangen. Ich komme ursprünglich aus Bonn und als ich mal ein paar Monate in Hamburg gewohnt habe, fand ich es schwierig dort Anschluss zu finden. Aber das ist wahrscheinlich immer das subjektive Gefühl in der Fremde.

Ich wünsche Dir einen guten Start in der neuen Start!

ruolbu hat gesagt…

Bin nicht überrascht, dass du Leute triffst, die 'dich' aus dem Netz kennen.
Freut mich, dass dein Umfeld bisher damit klar kommt und dir hoffentlich keine Probleme bereitet.
Deine Einschätzung, dass außerhalb vom Hamburger Gebiet die Leute weniger schnell Freundschaften schließen, würde für mich erklären, weswegen ich über all die Jahre das Gefühl hatte, dass dein Vermögen, anderen (dir neuen) Leuten sehr nahe zu kommen, mir wie aus einer anderen Welt erschien ;)

Jule hat gesagt…

@Vio: Das sind drei enge Freundinnen, die sich gegenseitig meinen Blog empfohlen haben. Zählt also nur einfach. :)

Michael hat gesagt…

Schoen, dass der Wechsel bisher einigermassen gut gelaufen ist und Du Anschluss findest. Lustig wie das mit Stereotypen bzgl. Norden und Sueden ist. Bei uns im Sueden heisst es immer, dass die Leute im Norden reservierter sind, aber wenn sie sich mal dazu entschlossen haben, Deine Freunde zu sein, dann bleiben es Freunde fuers Leben -- also genau umgekehrt wie das, was Du empfindest und geschrieben hast. Insofern wuerde ich auf diese ganzen Klischees nicht viel geben. Es haengt halt einfach von sehr vielen Faktoren ab: Wie gross ist die Stadt, kennen sich viele Menschen an der Uni schon von frueher, wieviel bilden sich Menschen auf ihre Stadt ein usw usf. Ich habe in Muenchen studiert, komme aus dem Sueden, aber es war wahnsinnig schwierig fuer mich, Kontakt zu finden und richig Fuss zu fassen. Viel Glueck weiterhin!

Jakob hat gesagt…

Ich war immer neugierig, wann dir mal ein Leser über den Weg läuft, und wie du damit umgehst :)

Die Erfahrung, dass es regionale unterschiede gibt, was Smalltalkfreudigkeit und generell die Offenheit Fremden gegenüber angeht, habe ich auch schon gemacht.
Bei dir spielt aber wahrscheinlich auch einfach der Uniwechsel mit hinein. Deine Kommillitonen kennen sich eben schon einige Semester und haben ihre Grüppchen gebildet. Da muss man sich manchmal in einen Freundeskreis hineinboxen ;)

masterwahnsinn hat gesagt…

Liebe Jule,

endlich gibt es Neuigkeiten von dir! Ich habe in den letzten Tagen jeden Abend erwartungsvoll deinen Blog geöffnet, in der Hoffnung, gute Nachrichten zu lesen. Ich freue mich für dich, dass der Umzug und der Neuanfang einigermaßen glimpflich über die Bühne gegangen sind.

Ich hab auch schon überlegt, wie ich reagieren würde, wenn es dich ausgerechnet in meine Stadt verschlagen hätte und wir dann auch noch ausgerechnet aufeinandertreffen würden - ich studiere nicht Medizin & die Mediziner sitzen ganz wo anders als meine Fakultät. "Hallo, ich bin Jule und hab die Uni gewechselt, weil..." - "Hallo, ich weiß" ;)

Ich wünsch dir weiterhin alles Gute und dass du dich in der neuen Stadt schnell einigermaßen zu Hause fühlst!

Judi hat gesagt…

Das klingt ja erstmal gut * daumenhoch*. Ich wünsche Dir weiterhin ein gutes Einleben!
Was die Mentalität betrifft - ic h bin vor fast 13 Jahren aus dem Ruhrgebiet ins tiefste Allgäu gezogen und habe hier schon viele "Zugezogene" kommen und gehen sehen, weil sie mit der Mentalität der Einheimischen nicht klar kamen. Außerordentlich nette Leute, gar keine Frage. Offen und freundlich auf der Sraße, im Job, beim Hobby - aber halt diesbezüglich "oberflächlicher" als wir es gewöhnt sind. Um in den ganz privaten Raum hineinzukommen braucht es lange... Natürlich nicht bei allen, aber tendenziell bei deutlich mehr Leuten als ich es von "daheim" kenne. Und wenn ich so nachdenke muss ich zugeben, daß mein "innerer" Freundeskreis bis auf eine Ausnahme aus Zugezogenen besteht.
Andersherum habe ich aber auch schon zwei Allgäuer aus dem Rheinland zurückkommen sehen, denen es dort "zu dicht" war. Es gibt sie also durchaus, diese Unterschiede
LG
Judi

Sally hat gesagt…

Das sind doch schon mal beste Voraussetzungen! =) Ich denke, das mit dem Einleben wirst du gut hinbekommen.
Mich hätte es ja gegruselt, wenn mich so offen jemand nach meinem Blog fragt. oO

Schnuffelsocke hat gesagt…

Na du bist halt doch auf eine Art und Weise eine Berühmtheit!
Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass es nicht so einfach ist... Auf deinem Blog stehen eine Menge von Infos... Tja und du weißt im Gegenteil erstmal nicht viel von deinem Gegenüber....

Ich hoffe du findest doch noch recht schnell neue Freunde!!!