Sonntag, 20. April 2014

Weit weg

Mein Blog hat mir schon mehrmals sehr geholfen. Und er hilft mir aktuell wieder. Aufzuschreiben, zu sortieren. Viele Leserinnen und Leser schreiben mir, per Mail, per Kommentar zurück. Ich lese alle Mails, ich lese alle Kommentare, auch dann, wenn ich keine Antwort schreibe, auch dann, wenn ich einzelne Kommentare nicht veröffentliche, beispielsweise, weil in dem Kommentar über meinen neuen Studienort spekuliert wird.

Einige Leserinnen und Leser haben sich, selbst wenn sie es nicht an mich formuliert haben, gefragt, warum ich zwar insgesamt oberflächlich, punktuell aber dennoch sehr konkret über diejenigen Dinge schreibe, von denen ich gerade nicht möchte, dass sie bekannt werden. Wie beispielsweise über meinen neuen Studienort. Über meine neue Wohnung. Einzelheiten, dass die Wohnung in einer Sackgasse liegt, dass die Stadt an einem Fluss liegt, dass sie südlich von Hamburg ist, dass zum Personal eine Psychologin im Rollstuhl gehört, lassen doch sehr viele Rückschlüsse zu.

Richtig. Genau das tun sie. Ich versuche, zu erklären, dass ich mir sehr genau überlegt habe, warum ich was aufschreibe - und warum ich was nicht aufschreibe. Ich weiß allerdings nicht, ob mir diese Darstellung gelingt. Längst ist mein Blog nicht mehr nur ein einfaches Tagebuch, auch wenn ich meinen Blog in erster Linie für mich selbst schreibe. Längst muss ich auf mich aufpassen, nicht nur wegen meiner Mutter. Aber derzeit hauptsächlich ihretwegen.

Für meine Mutter wurde wegen ihres Hilfebedarfs, der sich aus ihrer psychischen Erkrankung ergibt, eine rechtliche Betreuung bestellt. Eine rechtliche Betreuung ist nicht mehr, wie früher, ein Vormund; jemand, der einen rechtlichen Betreuer hat, ist nicht automatisch geschäftsunfähig. Es ist vielmehr so, dass der Betreuer ein gesetzlicher Vertreter ist und diejenigen Geschäfte erledigen soll (und darf), die der Betreute nicht alleine erledigen kann. Wichtig ist aber: Diejenigen Geschäfte, die der Betreute sehr wohl alleine erledigen kann, darf (und soll) der Betreute (in der Regel) selbst erledigen. So benötigt ein Betreuter in aller Regel nicht das Einverständnis seines Betreuers, wenn er Dinge tun oder lassen möchte; auch dann nicht, wenn diese Dinge eigentlich in den Aufgabenbereich des Betreuers fallen. Natürlich sollten die beiden sich idealerweise einig sein und abstimmen. Aber rein rechtlich ist der Betreute eben nicht entmündigt. Ich weiß, es gibt in Ausnahmefällen Einwilligungs-Vorbehalte und Einschränkungen; ich versuche aber gerade, auf ein eher kompliziertes Thema hinzulenken und beschränke mich daher auf allgemeine und wichtige Grundsätze.

Zweiter Grundsatz: Ein Betreuer ist immer nur für einen ganz begrenzten Aufgabenkreis zuständig. Also beispielsweise für die Vermögenssorge. Das bedeutet, dass er beispielsweise für den Bereich der Gesundheitsfürsorge den Betreuten nicht rechtlich vertreten darf. Möchte der Betreute also sich ein Piercing stechen lassen oder eine Zahn-OP durchführen, braucht er weder über das eine noch über das andere überhaupt mit seinem Betreuer reden. Es ist sogar rechtlich unzulässig, dass der Betreuer dann den Aufklärungszettel für die Zahn-OP unterschreibt. Das kann nur der Betreute selbst. Wenn der Betreute allerdings nicht begreift, was das Schreiben mit den ganzen Zahlen, das ihm von der Abrechnungsstelle des Zahnarztes zugeschickt wurde, bedeutet, kann er das an seinen Betreuer weiterleiten und dieser kann dann vom Konto des Betreuten die Rechnung der Zahn-OP bezahlen, ohne dass der Betreute gegenüber der Bank diese Zahlung legitimieren muss. Der Betreuer darf (und soll) den Betreuten dann vertreten.

Soviel zur Theorie. Für meine Mutter wurde, nachdem es ihr zuletzt sehr schlecht ging, eine Betreuung angeordnet. Die Betreuerin, eine Rechtsanwältin, sollte sich sowohl um die Gesundheitsfürsorge als um die Aufenthaltsbestimmung kümmern. Eingeschlossen war eindeutig die Möglichkeit der Anordnung einer zwangsweisen Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik durch die Betreuerin. Das ist natürlich nur möglich, wenn entsprechende Gefahren für meine Mutter oder für andere (durch meine Mutter) bestehen; jede einzelne solcher Entscheidungen muss sofort dem Betreuungsgericht mitgeteilt werden und wird auch immer von dort überprüft. Die Möglichkeit, dass die Betreuerin die Einweisung anordnen kann, setzt die Hürde, die allgemein besteht, bevor jemand gegen seinen Willen in die Psychiatrie gesteckt wird, erheblich herab. Nicht in dem Sinne, dass andere (weichere) Maßstäbe gelten; wohl aber in dem Sinne, dass es jemanden gibt, der ständig für eine solche Entscheidung zuständig ist und diese Entscheidung im Bedarfsfall auch sofort treffen muss. Insbesondere eine Berufsbetreuerin (die eine Rechtsanwältin nun mal ist, im Gegensatz zu einer freien Betreuerin, wie sie beispielsweise eine Familienangehörige wäre) muss sich für alles, was sie tut, aber auch für alles, was sie nicht tut, regelmäßig und anlassbezogen vor dem Gericht schriftlich rechtfertigen. Es herrscht die Auffassung, dass die Betreuerin mindestens alle 7 bis 14 Tage sich einen aktuellen Eindruck verschaffen muss, im Bedarfsfall auch öfter.

Zu den Aufgaben eines Betreuers gehört auch, regelmäßig dem Betreuungsgericht mitzuteilen, ob aus seiner Sicht die Betreuungsbedürftigkeit noch besteht. Es sind ja genügend Möglichkeiten denkbar, in denen jemand im Laufe der Zeit gesund wird oder ausreichend Erfahrungen sammelt, um sich irgendwann (wieder) selbst zu vertreten. Das Gericht muss zudem von sich aus alle spätestens sieben Jahre überprüfen, ob die Betreuung noch korrekt ist; also ob sie umfangreich genug oder zu umfangreich oder vielleicht sogar überflüssig ist.

Bei meiner Mutter war es nun wohl so, dass die Rechtsanwältin, die für die Betreuung zuständig war (die Betonung liegt auf 'war'), alles unternommen hat, um den Bereich der Aufenthaltsbestimmung wieder aufheben zu lassen. Sie hat das Gericht mit ihrer Ansicht gefüttert, meine Mutter käme in diesem Punkt alleine zurecht. Wie sie zu dieser Ansicht gelangt ist, kann ich nicht sagen, denn ich kenne den Inhalt der Akte nicht. Ich darf diese Akte auch nicht kennen. Es ist das gute Recht der Betreuerin, zu dieser Ansicht zu gelangen und diese Ansicht auch dem Betreuungsgericht mitzuteilen. Eventuell müsste man sich Sorgen darüber machen, falls die Betreuerin zu einer Ansicht kommt, die mit der Realität kaum etwas zu tun hat. Eventuelle Sorgen darüber, dass die Betreuerin die Bedürfnisse ihrer Betreuten nicht richtig wahrnehmen könnte, beispielsweise. Anhand dieser Formulierungen merkt bereits jede Leserin und jeder Leser, dass hier noch ein Jurist nachgeschliffen hat.

Nicht von der Hand zu weisen sind mehrere über einfache Stellungnahmen hinausgehende Anregungen der Betreuerin, die Betreuung für den Bereich der Aufenthaltsbestimmung bei meiner Mutter wieder aufzuheben. Konkret wurden auch Gutachten mit eingereicht, die außerhalb des Betreuungsverfahrens in Auftrag gegeben wurden und beweisen sollten, dass meine Mutter die Angelegenheiten der Aufenthaltsbestimmung alleine regeln kann. Meine Mutter hat sich kooperativ gezeigt und selbst diese Aufhebung forciert. Ich möchte nicht unterstellen, dass die Betreuerin sich damit, dass sie diesem Wunsch folgt, Arbeit vom Hals halten wollte. Aber, so die Beschwerde der Rechtsanwältin, die mich vertritt (übrigens eine, die auch vom Weißen Ring vermittelt wird und dieselbe, die mich auch bereits einmal vor zwei Jahren gegen einen Fetischisten vertreten hat, der extrem zu weit ging, nun aber Ruhe gibt), es sei nicht Aufgabe der Betreuerin gewesen, die Betreute im Betreuungsverfahren parteilich zu unterstützen. Sie hätte vielmehr die Bestellung eines Verfahrenspflegers anregen müssen. Dieser Auffassung hat das Betreuungsgericht in einer schriftlichen Stellungnahme bereits zugestimmt.

Also auf Deutsch: Die Betreuerin hat sich (auf Wunsch meiner Mutter) dafür stark gemacht, dass die Aufenthaltsbestimmung nicht mehr zu ihrem Aufgabenbereich gehört. Auch wenn meine Mutter sie darum anfleht: Vor diesen Karren hätte sie sich nicht spannen lassen dürfen, sondern lediglich neutral dem Gericht ihre Einschätzung oder die Einschätzung der Betreuten zu dem Thema mitteilen dürfen. Daraufhin hätte das Gericht unabhängig den Umfang der Betreuung überprüfen und entscheiden müssen. Gegen diese Entscheidung hätte sich meine Mutter wehren können; wenn sie dabei Hilfe braucht, hätte mit dieser Hilfe aber eine unabhängige Person betraut werden müssen. Das ist so aber nicht passiert.

Okay, was soll das? Warum reite ich auf diesen Vorschriften herum? Ganz einfach: Das Gericht hat (und das hat meine Anwältin gerügt) dieser Verkleinerung des Aufgabenbereichs der Betreuerin meiner Mutter zugestimmt. Aufgrund vorliegender Gutachten, eigenem Eindruck und ähnlichem. Solche Verfahren werden im 10-Minuten-Takt entschieden, von daher will ich dem Richter selbst in dieser Sache nicht mal einen großartigen Vorwurf machen. Rechtlich ist das höchstwahrscheinlich nicht mal zu beanstanden, denn es gibt keine gesetzliche Pflicht für den Betreuer, sich im Betreuungsverfahren neutral zu verhalten. Aber eben als Ergebnis dieser einseitigen Interessenverfolgung und vermutlich nicht ausgewogenen Entscheidung fehlt nun jemand, der den Gesundheitszustand meiner Mutter regelmäßig grob überwacht. Und das wiederum gehörte zu den Empfehlungen der Klinik, in der meine Mutter über Monate stationär behandelt wurde.

Derjenige (oder diejenige) fehlt nun insofern, als dass (und nun wird es spannend) zum Aufgabenbereich der Betreuerin zwar nach wie vor der Bereich der "Gesundheitsfürsorge" gehört - aber damit eindeutig nicht mehr die Möglichkeit, sie zwangsweise einweisen zu lassen, denn, so sagte meine Anwältin und Frank hat die Geschichte bereits als "dickes Osterei" bestätigt, für eine Einweisung ist ausdrücklich auch die Vertretung im Bereich der Aufenthaltsbestimmung nötig. Die die Betreuerin ja nun nicht mehr hatte. Somit kann die Betreuerin meine Mutter nicht mehr zwangsweise in die Psychiatrie schicken und somit muss sie auch, da es nicht mehr zu ihrem Aufgabengebiet gehört, diese konkrete Frage nicht mehr berücksichtigen und über die psychische Gesundheit meiner Mutter nicht mehr Rechenschaft ablegen. Es wäre sogar ein Eingriff in die Grundrechte meiner Mutter, wenn die Betreuerin hier überwachend tätig werden würde, ohne dass das Betreuungsgericht ihr diesen Aufgabenbereich zuspricht. Und damit hat es meine Mutter geschafft, aus der regelmäßigen "Kontrolle" herauszukommen.

Klar ist: Auch wenn die Betreuung so weitergeführt worden würde, hätte die Betreuerin meine Mutter nicht deshalb einweisen können, weil sie mich stalkt. Das gibt ihr Amt nicht her. Darum geht es mir auch nicht. Aber: Die Betreuerin hätte den Gesundheitszustand regelmäßig überwachen müssen, um einer drohenden Verschlechterung, in der es zu gefährlichem Verhalten kommt, zum Beispiel, indem sie jenseits von Gut und Böse sich mit anderen Leuten körperlich anlegt oder im fünften Stock nachts auf Feuerleitern turnt, notfalls zwangsweise entgegen wirken zu können. Da sie selbst nicht in der Lage ist, die psychische Gesundheit meiner Mutter abschließend und genau zu beurteilen, hätte meine Mutter regelmäßig zur ambulanten Kontrolle zum Psychiater gemusst. Der hätte dann kurz berichtet, ob sie ihre Medikamente nimmt, ob sie am Rad dreht, ... - nur da war sie wohl länger nicht. Und wäre sie da gewesen, um dann den Kreis endlich zu schließen, bräuchte ich vermutlich mir keine Sorgen darüber zu machen, wo ich künftig studiere und wie ich künftig heißen soll.

Das Problem ist ja nach wie vor nicht, dass sie an meinem Leben teilnehmen möchte. Sie kann jederzeit meinen Blog lesen, sie könnte über ihre Betreuerin mit mir in Kontakt treten, wenn das denn alles nicht nur darauf abzielen würde, mich davon zu überzeugen, dass ich falsch mit meiner Behinderung umgehe. Sie kann teilnehmen; sie will es aber nicht. Im Moment will sie durch destruktives Verhalten Aufmerksamkeit. Die bekommt sie jetzt, wunderbarerweise auch noch über das Familienfest "Ostern" - allerdings für einen teuren Preis.

Und, auch um auf die eingangs gestellte Frage zurück zu kommen, warum ich meinen neuen Studienort nicht geheimer halte, eins möchte ich mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck bringen: Meine Mutter kommt nicht von selbst auf die Idee, so geschickt in ihrem Betreuungsverfahren zu manövrieren. Ich habe anderthalb Jahrzehnte mit ihr zusammengewohnt, ich habe sie danach erlebt. Bei allem Respekt: So clever ist sie nicht. Das überblickt sie nicht. Das hat ihr jemand gesteckt. Sicher nicht in der Absicht, mich zu schädigen. Aber von sich aus ist sie nicht auf diese Idee gekommen. Das ist nicht nur meine Überzeugung, sondern auch die Einschätzung mehrerer anderer Menschen aus meinem Umfeld.

Dass sie manipuliert, den Leuten was vorspielt, falsche Anrufe macht, geschickt fragt: Das traue ich ihr alles zu. Aber dass sie sich an einen PC setzt, eine Suchmaschine bemüht und einen juristischen Plan ausheckt, wie sie sich der ärztlichen Kontrolle entziehen kann, das packt sie nicht. Und auch wenn Menschen, die eine psychische Erkrankung haben, möglicherweise mit Fähigkeiten beeindrucken, die man im ersten Moment nicht erwartet hat, so hat meine Mutter trotzdem kein abgeschlossenes Jurastudium und auch keine plötzlich erhöhte Intelligenz. Bei allem Respekt, so clever, dass sie das alleine ausheckt, ist sie einfach nicht.

Und damit bin ich der festen Überzeugung: Wenn sie herausbekommen möchte, wo ich künftig studiere, dann bekommt sie das problemlos raus. Auch dann, wenn ich meinen Namen ändere, auch dann, wenn ich eine Auskunftssperre beim Einwohnermeldeamt habe, auch dann, wenn sämtliche Organisationen, die irgendwie mit mir zu tun haben, nur die Adresse meines Hamburger Wohnsitzes kennen. Oder die Adresse von Marie. Oder die einer Anwaltskanzlei oder eines Scan-Dienstes, wo vielleicht künftig meine Post bearbeitet wird. Und sei es, indem sie in Hamburg beim Schwimmtraining auftaucht und dort Leute bedroht oder in der Tasche meiner Trainerin wühlt, wo sie vielleicht irgendwelche Angaben über mich findet.

Ich weiß nicht, ob eine Namensänderung der richtige Schritt ist. Die Abdeckung des Namens in Melderegistern und an der Uni ist es auf jeden Fall. Nirgendwo öffentlich den Namen der Stadt und ähnliche genaue Angaben zu machen, auch. Konkret auf die Geheimhaltung meiner persönlichen Daten zu bestehen, auf das Stalking hinzuweisen - genau richtig. Meine Leute zu Wachsamkeit und zu sehr überlegtem Handeln aufzurufen, ja. Aber dass sie beispielsweise herausbekommen hat, welches meine Bank ist, wird eher ein Zufall sein, der eben auf genau diesen laschen Umgang mit persönlichen Daten zurückzuführen ist. Sie hat vermutlich einfach bei den fünf größten Kreditinstituten in Hamburg angerufen und die mit Namen, Geburtsdatum und Adresse konfrontiert. Und dann gesagt, dass ich dort ein Konto hätte. Bei einem kam eben nicht die Antwort "Ich finde Sie hier gar nicht", sondern "Ich stell Sie mal zur Filiale durch." Bums.

Wie gesagt, ich werde es nicht auf die leichte Schulter nehmen. Aber meine Strategie wäre im Moment: Andere Wohnung, weg aus Hamburg, Adresse nicht nennen und in öffentlichen Verzeichnissen (einschließlich Meldeamt) sperren - und dann einen Einfluss nehmen auf das Betreuungsverfahren und durchsetzen, dass der Bereich "Aufenthaltsbestimmung" bei meiner Mutter wieder von einem Betreuer unterstützt wird. Zumindest so weit, dass jemand auf meine Mutter aufpasst, damit sie ihre Medikamente nimmt und regelmäßig Hilfe bekommt. Und sei es nur, dass jemand einmal pro Woche feststellt, dass es ihr gut geht. Das wäre mir natürlich am liebsten. Mit dem Bereich "Aufenthaltsbestimmung" wäre auch verbunden, dass das Betreuungsgericht zustimmen muss, wenn meine Mutter ihren Wohnsitz verändern will. Also beispielsweise auf die Idee käme, in meine Nähe zu ziehen. Und dass man sie eben, sobald sie sich wieder nähern sollte, nicht mal eben um den Block fährt und in 10 Minuten ist sie wieder da, sondern nach Hause bringt. Weit weg.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Habt ihr denn mal die Rechtsanwältin bei euch eingeladen, um ihr zu zeigen, welchen "Erfolg" ihre Bemühungen haben?

Gruß

Loxia

PS: Frohe Ostern noch :)

Blogolade hat gesagt…

Au Mann, da ist ja echt einiges schief gegangen dass es so weit kam. :-(

Die Namensänderung widerstrebt dir, das merkt man. Hast du einen verbreiteten Namen oder einen ungewöhnlichen? (also, nicht dass ich jetzt deinen Namen wissen will aber wenn es in Deutschland 3 Dutzend Jule Müllers gibt, fänd ich eine Namensänderung nicht so wichtig)
Andererseits würdest du bei einer Hochzeit vielleicht auch den Namen wechseln, oder? Hängst du sehr an deinem Nachnamen?

Egal wie du dich entscheidest, ich wünsche dir nur das Beste!
(südlich von Hamburg und an einem Fluss gelegen sind ja nu wirklich einige Uni-Städte. Sogar die Stadt, wo ich studiert habe, könnte das sein. Ich finde die Stadt aber nicht besonders behindertengerecht. ;-))

Nichts desto trotz, ich hoffe, bald von dir was positives zu lesen wie "ich lebe mich langsam ein" oder "die neue Uni ist cool"
Gibts eigentlich schon was neues vom Physikum? Bestanden? Darf man gratulieren?

Bloggergramm hat gesagt…

Und genau weil deine Mutter nicht auf den Kopf und Mund gefallen ist, ist eine Änderung des Names nicht ganz unwichtig. Denn wenn sie erstmal den Namen nicht weiß, kann sie auch durch rumtelefonieren nichts rausbekommen. Mir ist auch klar, das das z.B. nicht hilft, wenn sie die Tasche deiner Trainerin durchwühlt (wobei man dann halt sicherstellen muß, das es keinen Hinweis auf deinen Namen in den Unterlagen gibt). Oder beim Sport die anderen Leute ausquetscht. Allerdings kannst du dir die entsprechene Paranoia antrainieren... Ich denke halt nicht, das die Einschränkung der "Aufenthaltsbestimmung" alleine ausreichen wird - falls die überhaupt wieder so einfach eingesetzt wird.

Stephan Wilden hat gesagt…

Danke.
Für diese ausführliche Erklärung der Situation.
Für deine Offenheit
Für deinen Mut.

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule,

ich habe schon des öfteren bei dir einen Kommentar hinterlassen. Ich kann aus beruflicher Erfahrung deinen Beitrag komplett verstehen. Ich möchte dir daher auch eins sagen: Ein Richter entscheidet normalerweise nicht im 10 Minuten-Takt, ob und wie eine Betreuung eingerichtet wird. Zumindest "meine" Richter haben sich immer sehr ausführlich mit den Betroffenen unterhalten. Ich stimme dir aber in einer Sache zu, auch wenn du es nicht direkt erwähnt hast: Die Richter verlassen sich manchmal zu sehr auf die Berichte der Berufsbetreuer. Aber auch da muss man sagen: Was soll man sonst tun? Richter sind Menschen wie du und ich. Ich kenne deine Mutter genauso gut, wie der Richter. Nämlich garnicht. Der Richter kann sich seine Meinung also nur aus Gutachten, den Betreuerberichten und dem persönlichen Gespräch eine Meinung bilden. Dieses persönliche Gespräch ist aber von der Einsichtsfähigkeit abhängig, wie zugänglich ist die Person und und und... Je nachdem, wie häufig die Betreuung deiner Mutter also überprüft werden soll, sieht der Richter deine Mutter nur 1-2 Mal im Jahr, für eine kurze Zeit. Wenn die Betroffenen aber, und das kenne ich von den erhaltenen Anrufen, sich völlig "Gesund" artikulieren kann, und Krankheitsanzeichen daher nur durch einen Gutachten aus dem psychiatrischen Bereich erkannt werden können, dann ist das eben eine verdammt schwierige Sache.

Vielleicht solltest du einfach mal versuchen, ein Gespräch mit dem zuständigen Richter zu führen. Nicht nur Papier machen, sondern deine Probleme schildern und dir auch seine Sicht der Dinge erklären zu lassen. Vielleicht macht es nicht jeder mit; meine Richter hätten so ein Gespräch geführt...

Alles Gute!

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule!

So ungefähr habe ich mir das vorgestellt. Da hat wieder einmal jemand nicht aufgepasst. Wobei ich aus eigener Erfahrung sagen muss, dass gerade im Psychiatriebereich unter dem Thema "Selbstbestimmungsrecht" Geisteskranke zu weitgehende Rechte haben. Dazu kommen noch faule Beamte und Sachwalter, Betreuer, usw. die zu viele Fälle an der Backe haben, und im Einzelfall mangels Kenntnis der näheren Umstände haarsträubende Entscheidungen treffen, weil bezahlt werden sie ja nach Fallzahl und nicht nach Arbeitsaufwand. Ich habe im Dienst, wenn kein Amtsarzt erreichbar ist, das Recht Leute nach Unterbringungsgesetz, wenn Gefahr im Verzug ist, mit Hilfe der Polizei einzuweisen. Wenn es einmal so weit ist, dass die Polizei gerufen wird, dann sind die Deliquenten auch in der Regel in einem Zustand, wo die Einweisung gerecht fertigt ist. Ich habe durchaus Kollegen, die sich weigern überhaupt in Aktion zu treten, da wir da ein sehr schwammiges Gesetz haben und man theoretisch geklagt werden könnte. Da ich nicht feig bin, gehe ich dieses Risiko ein. Was ich damit aufzeigen möchte, ist, dass es durchaus etwas Mut bedarf, um eine Entscheidung zu treffen, die irgendjemanden nicht gefällt. Wenn ich aber die Wahl eine hysterische Frau, die völlig auzuckt zu belassen, da man der armen Frau ja eine Einweisung nicht zumuten kann, nimmt man in Kauf, dass sie weiterhin ihre Familie terrorisiert; oder man weist sie gegen ihren Willen ein, und hat den Familienfrieden gerettet. Wenn es ungerechtfertigt war, wird sie ohnehin nach 24h entlassen, wenn es gerechtfertigt war, dann hat man allen Beteiligten einen Gefallen getan.
Ich habe hier selbst mit Psychiatern immer wieder unnötige Diskussionen, weil die immer eine Fremd- und Selbstgefährdung dabei haben wollen. Ich bin der Meinung, dass herumtoben, lästig sein und zu stalken, wenn eine Psychose vorliegt, oder eine Akutsituation anderer Genese, dann sollte man zum Wohle des Umfeldes auch handeln. Ich könnte zB mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, wenn ich eine völlig ausgezuckte Frau belasse, und die dann ihre Kinder in einem erweiterten Selbstmord mitnimmt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Du hast sehr eindrucksvoll aufgezeigt, wie schlimm solche Personen für ihr Umfeld sein können, und man hilflos seine Lebensfreude schwinden sieht, und man kann nichts machen. Da ist eine "Kassernierung" des Betroffenen die ethisch sinnvollere Lösung. Ich bin unglaublich empört was Dir der Staat hier zumutet. Offenbar zählt auch nicht, dass Du auf Grund Deiner Behinderung besonders schutzbedürtfig bist.

Trotzdem ein verbleibendes schönes Fest

Andreas

Anonym hat gesagt…

Wenn man ein bisschen recherchiert, dann kann man Jules Namen finden. Ich sage ihn jetzt bewusst nicht. Es ist kein Allerweltsnamen, und sogar sehr schön. Ich verstehe, dass sie darn hängt.

Anonym hat gesagt…

Du klingst ein wenig so, als hättest du dich schon fast dafür entschieden, deinen Namen nicht ändern zu lassen.
Ich würd mir das an deiner Stelle noch einmal überlegen. Es mag vielleicht jetzt so sein, dass momentan nur deine Mutter ein Problem ist.
Aber gerade aufgrund deiner Popularität im Internet kann es passieren, dass dich irgendwann wieder ein Verrückter stalkt.
Und ein neuer Name ist doch auch ein bisschen wie ein Neuanfang, oder? Möchtest du noch dieses verbindende Element zu deinen Eltern?

Mango

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule!

Es freut mich zu hören, dass für Dich ein Ausweg aus der vertrackten Situation aufgetaucht ist. Auch wenn es den Schnitt "Namensänderung" bedeutet. Zum Glück ist Dein Vorname ein "Allerweltsname", so dass Du da nicht auch noch ran musst.
An Deiner Stelle würde ich tatsächlich den Namen ändern, das garantiert eine Mindestanonymität zumal Du ja wieder nach HH zurück möchtest. Wenn es Deine Mutter daran hindert, Dir und Deinem Umfeld weiter auf die Nerven zu gehen, mach es. Stalking hört nämlich nicht einfach so auf. Und einen Stalker kann man nicht dadurch beikommen, dass man ihn (sie) regelmäßig sieht, da sich diese Personen dann noch in ihrem Verhalten bestärkt fühlen.

Was mir noch als Frage in den Sinn kam: Bist Du eigentlich ggü. Deiner Mutter Unterhaltspflichtig? Geld hat sie ja keines, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es ihr möglich ist, einem Beruf nachzugehen.

Dir auf jeden Fall viel Kraft und Mut für diesen Schritt, egal wie Du Dich entscheidest. Und solltest Du Deinen Blog nicht weiterführen (können) so hätte ich dafür großes Verständnis, auch wenn mir (persönlich) dann etwas fehlen würde. (Das ist aber schlichtweg mein Problem ;-) schliesslich kennen wir uns nicht persönlich)

Anonym hat gesagt…

Ich würde sehr gern erfahren wie das Verhältnis zu deiner Mutter vor dem Unfall war und welchen Beruf sie früher ausgeübt hat und welchen Beruf dein Vater ausübt? Hat dein Vater auch Kontaktverbot?

lg

fujolan hat gesagt…

Ich kann dich nur in deinem geradlinigen Umgang mit der Situation bestärken.
Wer es mit aller Kraft und Tücke will, wird einen finden. Ja, es ist gut, sich da nichts vorzumachen. Jedoch sind die von dir geplanten Schritte schon so, dass sie es erheblich erschweren - und das ist ein Schritt in die gute Richtung. Ist ein bissl so wie bei Fahrradschlösser: alle können geknackt werden,aber bei einigen ist es erheblich schwieriger.

Nachsatz: Bei all deiner Klarheit und Stärke und Härte klingt doch auch durch, wieviel Kraft es dich kosten muss. Pass gut auf dich auf, um die gute Mischung aus Härte zum Selbstschutz und für dich notwendiger Sanftheit zu finden.

Birgitta hat gesagt…

Jule - ich schicke dir eine Extraportion Kraft für diese nicht ganz einfache Situation und die Entscheidungen, die du gerade treffen muss! Und eine fette Ladung von Gottes Segen nur für dich!
Liebe Grüße
Birgitta

Daniel hat gesagt…

Jule,

so krass es sein mag - das mit der Namensänderung, das würde ich mir durchaus noch einmal überlegen.

Irgendwer mag Deiner Mutter geholfen haben. Deiner Schilderung nach nicht vielleicht, sondern recht wahrscheinlich. So jemanden wird sie früher oder später ohnehin wieder finden.

Informatiker sagen, dass es keine absolute Sicherheit gibt: Sicherheit ist ein Prozess. Mit dem richtigen Know-How und viel Zeit erreicht man, was man will. Soweit ich weiss, bewerten Versicherungen Safes danach, wie lange man braucht, sie zu knacken, nicht, ob man die knacken kann.

Es mag ja sein, dass sie Hilfe bekommt. Aber wenn die einzige Referenz beim BKA liegt (wo die Mitarbeiter sicher hinreichend sensibilisiert sind), wird es auch Wissenden sehr, sehr schwer gemacht, an Deine neue Anschrift und den neuen Namen zu kommen. Es gibt immer Wege, und es mag sein, dass ihr jemand hilft. Nur: Je uneinfacher das wird, desto unwahrscheinlicher wird es auch.

Absolute Sicherheit wirst Du nicht finden - aber die Hürden weit nach oben schrauben, das dürfte machbar sein. Wenn sie nicht motorisiert ist - dann taucht sie halt mal beim Sportverein auf. Da läufste unter Deinem alten Namen und der Adresse von nem Scanservice. Big Deal.

ralle kümmelspalter hat gesagt…

Liebe Jule,

ich bin zwei Wochen im Krankenhaus gelegen und komme erst jetzt dazu, deine Einträge der letzten Wochen ausführlich zu lesen.

Was ich da lese, macht mich sprachlos und sehr nachdenklich.

Sicher musste man damit rechnen, dass deine Mutter irgendwann etwas über dich herausfinden würde. Ob es nun bspw. die Adresse eurer Wohnung, die Adresse deines Blogs, deine Uni oder was auch immer sein würde. Aber dass es inzwischen dazu kam, dass du sogar umziehen musst, macht mich traurig. Weg aus DEINER Stadt, weg aus DEINER heißgeliebten WG, weg von DEINEN Leuten, weg von DEINEM Sportverein. Das tut mir in der Seele weh, was ich da lese, und gibt mir sehr zu denken.

Ich weiß nicht, was ich weiter dazu sagen soll. Außer, dass ich dir von Herzen wünsche, dass es dir gelingt, mal ein wenig zur Ruhe zu kommen und etwas abzuschalten. Alles Weitere wird sich zeigen.

Liebe Grüße schickt dir der
Kümmelspalter

(http://ralle-kuemmelspalter.blogspot.de/)

Anonym hat gesagt…

moinsen du kannst mich jetzt haßen oder lieben aber wenn ich lese was die hier für n mist schreiben wird mir schlecht von sowas leben berufe wie rechtsanwälte richter und gutachter überleg wo du herkommst.. keiner hat gesagt das das leben nen zuckerschlecken wird.. lg aus m norden marc

Anonym hat gesagt…

psychologen hab ich ich vergessen man kann sich die kranke welt auch zusammenbasteln so das war s erstmal so und jetzt kopf hoch und durch moin

Ulli hat gesagt…

Liebe Jule,

ganz schön hart, was sich gerade in Deinem Leben abspielt! Ich kann verstehen, dass Dir die Namensänderung nicht leicht fällt, auf der anderen Seite finde ich es schön (und beruhigend) für Dich, dass es so schnell gehen würde - ich habe mir das irgendwie "bürokratischer" vorgestellt...
Ich kenne mich mit dem Krankheitsbild Deiner Mutter absolut nicht aus und kann aus diesem Grund nichts dazu schreiben, aber ich wünsche Dir einen schönen und erfolgreichen Neuanfang, viele nette neue Bekannt- und Freundschaften und dass Du in der neuen Stadt wieder zur Ruhe kommst. Toi toi toi, Ulli

Anonym hat gesagt…

der blau schwarze bürgt?? hat er dich ja in der hand ich glaub nicht das is das ist was du willst und ich weiß das ich nerv lg marc ps ich mag das aber^^

Elminster hat gesagt…

Und 2.750.000 - wieder eine große Marke geknackt. Glückwunsch :)
Auch wenn du grad wahrscheinlich andere Sorgen hast - dein Schreibstil ist einfach so klasse, du hast das mehr als verdient. :)
Weiter so, und danke für die vielen Einblicke, die wir bekommen durften - und hoffentlich auch weiter bekommen dürfen.
Ich hoff, du schreibst bald wieder, und hoffee dass es nicht heißt, dass dir wieder was passiert ist.