Dienstag, 20. Mai 2014

Das Auto.

Da ist es endlich, mein neues Auto. Die Lieferzeit war vier Mal so lange als vorher zugesagt. Am Ende, nachdem ich den Händler gewechselt hatte, klappte alles wie am Schnürchen. Da ich als Mensch mit Behinderung ohnehin schon relativ viel Rabatt bekomme und als Ausgleich für die lange Wartezeit kein weiterer Rabatt mehr drin war, hat man mich unvorbereitet noch mit mehreren nicht bestellten und deshalb auch nicht berechneten Extras beglückt. So meinte man, mir mit zusätzlicher "Ambiente-Beleuchtung", was so viel heißt, dass der Dreck im Fußraum auch noch angestrahlt wird, und einem zusätzlichen "Ablagenpaket" einen Gefallen zu tun, ohne vorher zu fragen, ob die Ablagen nicht möglicherweise beim Verladen des Rollstuhls hinderlich sein könnten. Ich betone, dass das nicht vom zweiten Autohaus ausging, dort war man genauso verwundert darüber und fragte gleich, ob ich das so annehme oder ob der wieder zurück geht. Ich dachte, ich kriege einen Föhn.

Das dachte ich sowieso, denn der für mehrere tausend Euro eingebaute Umbau entspricht überhaupt nicht den Erwartungen, den ich an diesen Preis habe. Ja, ich weiß, ich bin nur am Meckern. Ist auch so. Wie bitte kann ein Einbau durch die Endabnahme kommen, der im Leerlauf scheppert? Und wie bitte kann ein Auto durch selbige kommen, wenn das Amaturenbrett knarzt und im Kofferraum irgendwas während der Fahrt klackert?

Das Autohaus bat um Verständnis, dass man mich zur Reparatur der Handbedienung zu einer Firma schickt, die diese Geräte verbaut. Man selbst wollte daran keine Reparaturen vornehmen, das sei in meinem Interesse, man habe keinerlei Schulungen in dieser Hinsicht bekommen und daher auch keine Ahnung davon. Damit kann ich leben - also fuhr ich zu einer Firma, die solche Geräte verbaut. Und war dort natürlich angemeldet. Erster Kommentar: "Das liegt daran, wenn man das ab Werk bestellt, statt das hinterher hier einbauen zu lassen." - Brauche ich das? Nein. Man fummelte eine gute Stunde an dem Teil herum, dann konnte ich vom Hof fahren. Beim Auffahren auf die Autobahn blieb dann das Gaspedal in der durchgedrückten Stellung stehen. Zum Glück beim Auffahren auf die Autobahn und nicht irgendwo in dichter Verkehrslage. Die Autobahn war frei, daher hatte ich genug Zeit, zu reagieren. Bei einem elektronischen Gaspedal konnte das ja nur zwei Ursachen haben: Entweder war die Feder defekt, die das Pedal wieder in die Ausgangsposition brachte, oder das Handbedienungsgerät war verklemmt. Ich drückte also den Hebel zum Gasgeben mit roher Gewalt in die Richtung, in die er eigentlich von selbst wieder zurückfallen sollte. Und das brachte auch gleich Erfolg. Meine zweite Maßnahme wäre gewesen, das Getriebe von "D" auf "N" zu stellen, was den nagelneuen Motor sicherlich erfreut hätte.

Warnblinklicht an, Standstreifen angesteuert, Auto aus. Per Handy die Firma angerufen. "Wir schicken Ihnen einen Abschleppdienst."

Der kam, wollte mich allerdings mit dem Abschleppseil ziehen, was ich aber ablehnte, denn ich könnte das Auto ja nur mit dem eingebauten Gerät abbremsen. Und das war ja nicht in Ordnung. Also fuhr der wieder weg und es kam ein Abschlepper mit Kran, der mein Auto auflud ... und weil ich in den Lkw vorne nicht rein kam, kam dann auch noch die Polizei mit einem Sprinter und holte mich mit meinem Rollstuhl von der Autobahn. Auf dem Gelände der Umbaufirma entschuldigte man sich ein paar Mal bei mir. Eine Kunststoffabdeckung sei nicht richtig verankert gewesen und habe sich verhakt. Man tausche sie komplett aus. Was ganze zwei Stunden dauerte. Anschließend bin ich vom Hof, zunächst war alles gut, nun scheppert es wieder im Leerlauf. Ein nächster Termin lässt noch auf sich warten, zunächst wurde mit dem Gerätehersteller Kontakt aufgenommen. Der stellte bereits in Aussicht, das Gerät komplett zu tauschen, ein defektes Gerät wolle man nicht auf sich sitzen lassen.

Das Knarzen im Amaturenbrett kam von einer Lüftungsdüse, die hat man ausgetauscht. Ein Klackergeräusch kam vom Beifahrersitz, das hat man behoben, ein weiteres kommt aus dem Kofferraum. Da meinte die Werkstatt, man habe die Abdeckung der Reserveradmulde im Verdacht und habe diese mit Klebefilz "entstört", es klackert aber noch immer. Außerdem ist mir aufgefallen, dass irgendwer, ich habe den Abschleppdienst im Verdacht, zwei stecknadelkopfgroße Beschädigungen am hinterhen Stoßfänger verursacht hat. Da ist nämlich bereits der Lack abgeplatzt. Eine Schraube an der Beifahrertür ist auch nur halb lackiert ... ich bin genervt.

Eigentlich ist das Auto total toll, wenn dieser Ärger nicht wäre. Den Turbodieselmotor und das DSG-Getriebe kenne ich schon vom Touran, der leichtere und windschnittigere Golf ist damit fast schon übermotorisiert. Das Getriebe schaltet, im Stadtverkehr, bei 60 km/h bereits in den 6. Gang und man kann ohne Probleme mitschwimmen. Im Gegensatz zum Touran hat der Golf nun auch eine Start-Stopp-Automatik, die ich teilweise etwas gewöhnungsbedürftig finde. Gerade wenn man von der Autobahn kommt und ein paar Kilometer mit 130 km/h gefahren ist, dauert es rund eine Viertelstunde, bis das Auto im Innenstadtverkehr wieder an Ampeln den Motor ausschaltet. Die Werkstatt meinte, das sei normal, das liege an einer zu hohen Temperatur der Ansaugluft nach einer Autobahnfahrt.

Besonders gut gefällt mit die Stop-And-Go-Funktion (Abstandsassistent), bei der das Auto einfach die Geschwindigkeit des Vordermanns übernimmt. Was im Stau absolut geil ist, weil man sich nur um das Lenken kümmern muss. Und es funktioniert sogar. Und sehr begeistert bin ich bisher vom Verbrauch, der mir schon beim Touran sehr gefallen hatte. Wenn man normal fährt (also nicht besonders sparsam), komme ich im Stadtverkehr nicht über 5 Liter. Wenn ich darauf achte, möglichst wenig zu verbrauchen, ist selbst im Stadtverkehr problemlos ein halber Liter weniger drin. Man könnte das sicher noch optimieren. Auf der Autobahn bin ich, von einigen 120er- und 100er- Beschränkungen abgesehen, die meiste Zeit mit Tempomat 160 gefahren, zu einer Zeit mit wenig Verkehr. Das war absolut entspannt, der Motor dreht bei etwa 3.000 U/min, also durchaus ruhig, und ich bin durchschnittlich nicht über 5 Liter pro 100 Kilometer gekommen. Damit bin ich sehr zufrieden.

Nun bin ich mal gespannt, wann mein Auto tatsächlich so "perfekt" ist, dass es nicht mehr ständig in die Werkstatt muss. Mindestens zwei weitere Termine zu jeweils einem ganzen Tag stehen noch an.

Kommentare :

Philipp hat gesagt…

Da spricht eine Frau die sich auskennt! Respekt.

Wobei, wenn man eine so teure Anschaffung macht sollte man natürlich schon wissen wofür man sein Geld ausgibt.

Dass das immer noch zu so vielen Problemen führt ist echt bedauerlich.

Ich drück dir die Daumen dass es besser wird.

Grüße aus Dresden

Philipp

ruolbu hat gesagt…

Ich musste zwischendurch lachen. Das war ziemlich albern, was da alles schief gelaufen ist. Mein Beileid für den nervenden Stress, meine Glückwünsche zum sonst tollen Auto.

Anonym hat gesagt…

Tut mir leid, dass Du den Ärger hast. Ich kenne das von verschiedenen VWs leider nur zu gut.
Was ist jetzt eigentlich mit dem Bus? Ist der schon da, oder hast Du den wieder storniert?

Liebe Grüße

Andreas

Mela Eckenfels hat gesagt…

Das mit der Start-Stop-Automatik nach einer Autobahnfahrt kann ich bestätigen. Ich hab zwar selbst kein Auto damit, aber fahre hin und wieder Stadtmobil-Fahrzeuge die das eingebaut haben und da ist es mir auch unangenehm aufgefallen. Auch wenn man zu oft und zu lange an Ampeln rumsteht, reagiert sie irgendwann nicht mehr.

Vio hat gesagt…

Meine Güte, das würde mich aber auch schrecklich nerven. Da legst du schon so viel Geld auf den Tisch und dann klappt das von vorne bis hinten nicht.

Aber vielleicht ist das ja fürs nächste Auto die Lösung, dass du es nicht ab Werk umbauen lässt, sondern nach der Fertigung in einer Spezialwerkstatt.

Wie gefährlich das auch hätte ausgehen können, wenn das Gaspedal sich im falschen Augenblick verhakt hätte...

Christiane hat gesagt…

Been there. Done that. Niemals Handgas ab Werk einbauen lassen. Aber selbst das hat mich nicht vor Ärger bewahrt. Hab auch schon Handgas aus- und wieder einbauen lassen, weil es ständig ausfiel.