Sonntag, 18. Mai 2014

Eine Lektion für mich

Ich möchte nicht behaupten, dass ich mich bereits eingelebt hätte. Das wird noch sehr lange dauern, vermutlich wird es auch nie so ganz geschehen. Ich vermisse Hamburg.

Die Stadt, in der ich jetzt wohne, ist sehr schön. Sehr hübsch, auch schon etwas älter, sehr gepflegt. Die meisten Menschen sind sehr nett, wenngleich sich mein erster Eindruck weiter vertieft, dass viele Menschen im Süden nicht so leicht und tief zugänglich sind wie im Norden. Oder vielleicht auf eine andere Art und Weise, die ich noch herausfinden muss.

Die übliche Anzahl schräger Leute gibt es - entgegen meiner ersten Annahme - auch hier. Während der zweiten Woche meines Praktikums gab es einige Momente, in denen ich mich gefragt habe, welchen Weg einerseits der visuelle Reiz, der entsteht, wenn jemand mich erblickt, nehmen muss, um solchen Unsinn ungefiltert aus dem Mund schwappen zu lassen; andererseits: Was diesen Weg geprägt hat. Also was jemand erlebt oder nicht erlebt hat, um so zu denken und vor allem so zu reden.

Der Brüller war Gerda, eine Frau um die 60, die in Begleitung von Heinz in ihrem Privatpatienten-Zweibettzimmer saß und auf die Aufnahme wartete. Sie kam nicht als Notfall, sondern wollte sich durchchecken lassen und, wie jedes Jahr, an einer Ernährungsberatung teilnehmen. Gerda hatte Probleme mit ihrem Diabetes. Oder vielmehr hatte Gerdas Bauchspeicheldrüse Probleme mit Gerdas Ess- und Bewegungsgewohnheiten, so dass das entstanden ist, was der Mediziner Diabetes nennt. Und das machte wiederum Gerda Probleme, denn spritzen wollte sie sich nicht, und nur mit Tabletten eingestellt bestand ihr Blut hauptsächlich aus Zucker. Kein Wunder, wenn man den mit steigendem Blutzucker immer weiter zunehmenden Durst mit Cola und Brause stillt... Oder anders ausgedrückt: Dass ihr Teststreifen-Messgerät nur noch "HI" schreibt, was weniger eine Begrüßung, sondern mehr das Verlassen des Messbereichs nach oben anzeigt, sollte möglichst noch vor dem unmittelbar bevorstehenden Koma korrigiert werden. Erzählt hat sie davon erst, nachdem ich sie mit einem Blutzuckerwert von über 1.000 konfrontierte. Ihr privates Messgerät steige bei 600 aus und schreibe dann nur noch "HI", was sie für eine Fehlfunktion gehalten habe.

Zunächst aber zweifelte sie an meiner Fähigkeit, den Blutzucker richtig zu bestimmen und vor allem richtig zu bewerten. Ich meine, das ist ihr gutes Recht, immerhin bin ich nicht approbiert und habe damit erstmal nicht mehr zu melden als die Kollegin, die den Wischwagen vor sich herschiebt. Dennoch: Irgendetwas muss mir meine Anleiterin schon zutrauen, wenn sie mich solche Dinge zunächst alleine machen lässt. Insofern war der Befehl von Gerda etwas unangemessen: "Das kann ja gar nicht sein, ich habe es hierher geschafft, warum sollte ich ausgerechnet im Krankenhaus gleich umfallen? Holen Sie jetzt mal einen richtigen Doktor, am besten einen ohne Rollstuhl. Auf diese Spielchen hier habe ich keine Lust mehr."

Also ging ich meine Anleiterin suchen und fragte sie: "Können Sie mal bitte kommen? Die Patientin möchte ihren Blutzucker über 1.000 von einer Approbierten ohne Rollstuhl erklärt bekommen."

Und während sie sich (ohne Rollstuhl) auf den Weg machte, zog mich der Oberarzt zur Seite. "Sie sagen das mit einem gewissen Unterton. Das ist das gute Recht der Patientin und Ihr Ton erzeugt hier schlechte Stimmung. Das möchte ich nicht. Jeder Patient ist etwas besonderes und kommt nicht ohne Grund zu uns ins Krankenhaus. Wir nehmen seine Wünsche und Bedürfnisse ernst. Und 'wir' meint auch 'Sie', haben Sie mich verstanden?"

Ich dachte mir so: Nö. Gewiss nicht. Und antwortete eben auch genau so: "Verstanden habe ich Sie, ja. Was schlagen Sie vor, was kann ich tun, damit ich mich als Studentin auch ernst genommen fühle?"

Er guckte mich mit großen Augen an und polterte los: "Sie stecken erstmal Ihren Kopf ins Gras und fressen Scheiße. Und wenn Sie sich einen guten Ruf herausgearbeitet haben, dann dürfen Sie von mir aus auch erste Starallüren entwickeln. Also so in 15 bis 20 Jahren. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich habe keine Zeit für diesen Quatsch. Wenn Sie als Behinderte diesen Job machen wollen, darf Ihre Behinderung auch nicht im Wege stehen. Und das tut sie in dem Moment, wo Sie sich daran aufgeilen, dass Patienten aus einer Unsicherheit heraus Sie ablehnen. Das wird Ihnen immer wieder passieren, darauf müssen Sie sich gefasst machen, wenn Sie im Rollstuhl sitzen. Oder, wenn Sie das nicht können, dann wählen Sie einen anderen Beruf. Im Schockraum kann ich auch nicht über ein tätowiertes Hakenkreuz auf der Brust debattieren, nur weil meine jüdischen Großeltern von den Nazis hingerichtet wurden. Sie machen Ihren Job ohne Ansehen der Person und fertig, oder Sie haben hier nichts verloren."

Scheiße fressen? Aufgeilen? Habe ich das nötig? Nein. Ich holte zum Gegenschlag aus. "Nur dass das Hakenkreuz im Schockraum in der Regel nicht mit Ihnen spricht und sagt, es wolle nicht von einem Juden behandelt werden. Glauben Sie wirklich, dass Sie dann cool bleiben würden?" - Er hob seinen Kopf, guckte mit leerem Blick über mich hinweg. Ich befürchtete schlimmstes und zog in Gedanken schon den Kopf ein. Fünf, sechs Sekunden vergingen. Dann guckte er mich wieder an und sagte: "So habe ich noch nie darüber nachgedacht. Nein, dann würde ich vermutlich nicht cool bleiben. Aber auch wenn ich Sie vielleicht verstehen kann, ich will Ihren Zynismus hier nicht haben. Fragen Sie künftig die Kollegin, ob Sie Ihre Patientin bitte übernehmen kann, Sie kämen nicht miteinander klar. Geben Sie der Kollegin die Chance, unvorbelastet in das Gespräch zu gehen. Wir therapieren hier Krankheiten und keine ... keine ... Sie wissen schon."

"Starallüren?" - "Die Patientin darf sie haben. Ich auch. Sie nicht. Das müssen Sie lernen, sonst überleben Sie in diesem System nicht." - "Nun sagen Sie mal selbst: Krankes System, oder?" - "Machen Sie sich darüber nicht zu viele Gedanken. Funktionieren Sie. Sonst schaffen Sie später Ihren Alltag nicht."

Er eilte aus dem Dienstzimmer. Aha. Lektion gelernt?

Hinter der Tür stand ein Pfleger, Mitte 50, den ich erst jetzt entdeckte. Er war gerade damit beschäftigt, etwas in einer Akte zu notieren. Er gab der Tür mit dem Kugelschreiber einen minimalen Stups, so dass sie ein Stück weiter zufiel, verbeugte sich dann minimal vor mir und machte mit einer Hand am Kopf eine Geste, als lüftete er einmal seinen (nicht vorhandenen) Hut. Ich guckte ihn mit einem verschmitzten Grinsen an. Er sagte: "Lass dir hier bloß nichts gefallen, Mädchen. Du bist schon goldrichtig, so wie du bist."

Doch keine Lektion gelernt. Hmpf.

Kommentare :

Vio hat gesagt…

Da wundert mich die Reaktion des Arztes aber sehr und ist für mich nur durch den PKV-Status der Patientin erklärbar. Ich hatte bisher immer eher das Gefühl (ok, nicht objektiv, nur hören-sagen), dass Ärzte intern ganz gerne mal über Patienten lästern. Deine Cola-Auslassungen sind ja nun auch nicht gerade nett ; )

Anonym hat gesagt…

Hmm, ich hab lange überlegt, ob ich dir das schreibe. Aber ich finde der Oberarzt hat Recht. Dich treffen diese Kommentare über deine Behinderung. Sowas passiert bei jedem, der nicht "Normal" ist. Genauso wie jeder Dicke beäugt wird, wenn er ein Eis ist, wie ihm jedes Gramm abgezählt wird, dass er abschleckt. Es gibt viele Beispiele. Aber du darfst die Kränkung nicht auf dem Tablett servieren. Denk dir deinen Teil und arbeite trotzdem weiter. Beiss dir auf die Zunge und ärger dich später. Du wirst so viele Menschen kennen lernen, denen man normalerweise nicht helfen dürfte, wenn man deren Gedanken/Charakter kennt, aber du musst es. Also höre einfach über diese Kommentare hinweg und mach deine Arbeit. Später wirst du sicher mit Kollegen über solche Situationen sprechen können, man tauscht Gedanken aus und spricht über solche Dinge. Aber im Moment bist du als Studentin das kleine Licht, sollst lernen und darfst nicht jede Zurückweisung so stark aufnehmen. Ich kann das jetzt schreiben, mir geht es genauso. Du bist viel Lob gewohnt. Da kommt so eine ablehnende Haltung doch schon als Faustschlag bei einem an. Ich kenne das ;-) Aber sieh es neutral. Die Leute wissen nicht, dass du Ahnung hast. Sie gehen bei einem Studenten immer vom Schlimmsten aus, und Schlimme gibt es zu Hauf. Und wenn dann noch jemand anders ist... Rollstuhl, Tattoo, langer Bart, andere Hautfarbe.... Dann muss man sich erstmal hocharbeiten. Ist so. Schwer, aber realität.

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule!
Ich hatte die zweifelhafte Ehre Turnusarztvertreter zu sein. Meine Erfahrung ist, dass das Arschlochgen im Mittelbau weitaus verbreiteter ist, als bei den Primarärzten, bei Euch Chefärzten. Ich habe da so meine Theorie. Die Oberärzte werden von den Chefärzten bei den Morgenbesprechungen regelmäßig runtergeputzt. Also brauchen sie ein Ventil, das sind dann die Assistenzärzte, und eben Famulanten. Die OAs machen viele Dienste, verdienen schlecht, und müssen tagtäglich sehen, wie ihre Chefs ausgeruht in den Dienst kommen, schicke Autos auf dem reservierten Parkplatz abstellen, während sie in Wahrheit die Dreckfresser sind. Erbämlich. Ich hatte auch so meine Sträusse mit den Primaries, aber ich hatte immer eine bessere Basis als mit dem Mittelbau. Dieses Exemplar ist leider ein typisches Beispiel und sehr ungerecht.
Kopf hoch

Andreas

Philipp hat gesagt…

Was du da schreibst kommt mir irgendwie bekannt vor. Hier in Dresden grüssen sich auch alle die sich über den Weg laufen, ob man sich kennt oder nicht. Das musste Ich heute wieder einmal feststellen als Ich bei einem Freund zu besuch war und die Nachbarn dauernd ein und aus gingen. Von Kaiserslautern kenne Ich das nicht. Wenn man sich da nicht kennt grüsst man auch nicht.

Zu der Patientin, Ja. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern als Ich mal in der Grossküche von einem Krankenhaus gearbeitet habe. Da gabs auch das "normale" Essen und das für die "Selbstzahler". Schönes Wort.

Genau darauf läufts aber hinaus. Patienten die freiwillig ins Krankenhaus kommen und selber zahlen dürfen so gut wie alles. Schliesslich verdient die Klinik ja daran.

Trotzdem muss man sich nicht alles gefallen lassen. Genau richtig gehandelt.

Und wenn ein Vorgesetzter schon mit "Scheisse fressen" anfängt kann man sich ganz schnell denken wie er über seine Mitarbeiter denkt. So welche braucht keiner!

Grüße aus Dresden

Philipp

ruolbu hat gesagt…

Ich bin froh, dass Menschen auf Grund ihrer Meinungen, Überzeugungen, Ignoranz und Naivität medizinische Betreuung nicht abgesprochen werden kann.
Darüber hinaus bin ich aber echt froh, wenn Patienten vom medizinischen Personal in die Schranken gewiesen werden, sobald sie anfangen Scheiße zu bauen (oder zumindest ein dezenter Hinweis kommt).
Ich gebe dem Pfleger recht. Goldrichtige Einstellung. Klar, als Studentin kann niemand was bewirken, aber wenn Jule ihre Einstellung behält (und davon gehe ich aus), dann ist das vielleicht ein Schritt, um in der Zukunft das kranke System zu kurieren.

Anonym hat gesagt…

Nein, ich bin ganz anderer Meinung. Die Patientin hat Jules Kompetenz nicht auf Grund ihrer Behinderung in Frage zu stellen. Und nur weil Jule im KH Betrieb ein "kleines Licht" ist, braucht sie sich beleidigen und diskriminieren lassen.
Der grosse Unterschied ist, dass die Patientin das Cola stehen lassen kann, Jule ihren Rollstuhl leider nicht. Was Jule lernen muss, ist dass man nicht jeden Patienten retten kann. Dann soll die doofe Diabetikerin sich bis ins hyperglykämische Koma saufen und fressen. Wenn dann sie selber eines Tages im Rollstuhl sitzt, weil ihr scheibchenweise die Beine amputiert wurden, denkt sie vielleicht anders. Das klingt sehr brutal, aber man kommt einfach zur Erkenntnis, dass der Mensch einen freien Willen hat, den man respektieren muss. Der Arzt kann nur Empfehlungen geben. Ich habe z.B. einen Patienten der raucht wie ein Schlot, ist Diabetiker, weigert sich zu spritzen, hat hohe Blutfettwerte, und einen schlechten Langzeitwert. Ich kann ihn so lange quälen bis er woanders hingeht oder zu gar keinem Arzt mehr. Also muss ich ihn so gut es geht durchlavieren. Er kennt die Risiken, also muss ich seinen Livestyle akzeptieren.
Bei der erwähnten Patientin kommt noch dazu, dass sie Privatpatientin ist. Die will man sich nicht vergraulen, und jetzt bin ich zynisch, das Krankenhaus wird ihr bzw der Versicherung noch viele schöne Rechnungen stellen dürfen.

Andreas

Anonym hat gesagt…

@Andreas: Sehr eigenartige Ansichten über die Strukturen im Krankenhaus. Kann nicht glauben, dass Sie tataächlich schon einmal einen Fuss auf irgendeine Station gesetzt haben.
1. Oberärtze verdienen durchshnittlich ca. 5-6000 Euro im Monat und dürfen sich gegenüber einem Durchschnittsösterreicher mit einem Nettoverdienst von ca. 2000 Euro damit wohl kaum beschweren. Ein Mecedes A-Klasse, ein nettes Haus in der bevorzugten Lage und der ein oder andere tolle Urlaub ist da allemal "drinnen".
2. Persönlichkeitsstrukturen von Oberärzten und Primarärzten sind individuell durchaus verschieden und können SO nicht verallgemeinert werden.

Mfg
Sabine

Anonym hat gesagt…

Wenn genügend Personal vorhanden ist, kann ein Durchtauschen für alle Seiten (Patient/Kunde wie Personal) die stressfreieste Lösung sein.

Von daher, Jule: Nicht drüber aufregen, Patient tauschen, LMAA denken und mit der Schulter zucken.

Solche Leute änderst Du eh nicht, egal ob Du Dich über sie aufregst oder nicht.

Bei mir kam es in 4 Jahren ehrenamtlichem Dienst (im nichtmedizinischen Bereich) genau ein Mal zu so einem Vorfall, dass einfach "die Chemie nicht stimmt".
Da ich noch zwei Kollegen hatte, haben wir dann getauscht. Siehe da: Zu denen war er genauso garstig.
Hatte für uns dann den Vorteil, dass er sich jegliche Beschwerde sparen konnte, denn der, ich nenne ihn mal Teamleiter, um mich nicht zu sehr zu de-anonymisieren, hat natürlich unseren Wechsel mitbekommen, und bekam von uns dreien das gleiche Feedback über den "Kunden".

Hätte ich nicht getauscht, hätte ich eine Kundenbeschwerde am Hals gehabt, bei der Aussage gegen Aussage gestanden hätte und der Teamleiter dann um des lieben Friedens und der Kundenzufriedenheit willen den Bückling hätte machen müssen.

Daniel hat gesagt…

Jule,

irgendwie sieht mir das nach einer vermeidbaren Liste der Eskalationen aus:

- Patientin offenbar nicht allzu helle, mag Diagnose nicht und stellt Deine Kompetenz in Frage. (Das wird Dir mit Sicherheit noch häufiger begegnen. Entweder bist Du zu jung, zu alt, zu normal, zu blond, zu brünett, zu groß, zu klein, zu unerfahren oder denkst auf zu eingetretenen Wegen.) Der Rollstuhl ist natürlich geeignet, noch eine Spitze draufzusetzen, aber wäre es nicht der Rollstuhl gewesen, wäre es irgendetwas Anderes geworden. Wahrscheinlich hättest Du es nicht abwenden können.

- Dich zipft das an, was sich in der ja doch etwas schnippigen Wortwahl äußert. Verstehe ich völlig - aber ist das produktiv? Professionalität verlangt, dadrüber zu stehen. Unprofessionalität beginnt mit völlig verständlichen und natürlichen Emotionen. Du hast hier nichts richtig falsch gemacht - aber ich denke schon, das besser möglich gewesen wäre.

- Oberarzt wittert das und bringt es wenig geschickt zum Ausdruck. Dummerweise mit einer Schärfe, die so nicht notwendig gewesen wäre. Hätte er ein "normaleres" Gespräch geführt, wäre es vielleicht sogar zu einem Lerneffekt gekommen - wer weiß, vielleicht bei beiden Seiten, denn merkbefreit war er ja offenbar auch nicht?

- Du widersprichst - offenbar eher patzig - und stichst damit ein Faß an. Kein Vorgesetzter mag es, wenn seine Autorität in Frage gestellt wird - deutlicher kann man doch kaum um eine Reaktion betteln. Diese Eat-Shit - Kommentare gehen sicher gar nicht und Du hast ja auch vernünftig pariert. (Vielleicht hattest Du auch einfach nur das Pech, einer Reihe selbsternannter 2/3-Götter in Weiß zu folgen.)

Eigentlich hätte jeder diese Kette problemlos durchbrechen können. Treibt man es weiter, muß man sich nun nicht so ganz wundern, wenn es auf der Spitze landet.

Sein letzter Rat war doch - egal, was vorher gelaufen ist - so schlecht nicht: Zynismus hilft nicht weiter. Und es ist auch keine wirkliche Neuigkeit, ein sehr hierachisches Gesundheitssystem zu haben. Vielleicht änderst Du es eines Tages mit, aber groß werden mußt Du nun einmal in den bestehenden Verhältnissen.

BerndK hat gesagt…

Der Arzt hat teilweise recht: in dem Beruf muss man was abkönnen, sonst geht man ein.

Allerdings hat das weniger mit einem Rollstuhl, als mit Blut/seelischem Leid/Schicksalen/... zu tun, da ja hinter jeder Krankengeschichte eines Menschen auch eune Familie steht.

Aber die Reaktion vom Oberarzt zum Thema Rollstuhl war natürlich Schwachsinn.

Anonym hat gesagt…

Hi!
Ich bin ein klein wenig anderer Meinung...

Klar muss Du Dir nicht alles gefallen lassen. Es ist jedoch sinnvoll und durchaus angebracht, den "Vorgesetzten" halbwegs neutral über die Situation zu informieren, da dieser sonst negativ vorgespannt an die Patientin herangeht. Leider hat der Oberarzt da eine sehr unglückliche Hand, was die Belehrung angeht, "Sch... fressen" ist jetzt nicht die Art und Weise, wie man eine sowieso schon leicht bis sehr angenervte Mitarbeiterin behandelt. Und leider braucht man in gewissen Situationen ein Mindestmaß an Sarkasmus um überleben zu können. Daher verstehe ich Dich durchaus, und die bösen Kommentare haben hinterher immer noch Raum, ich gehe nämlich mal schwer davon aus, dass auch Deine Anleiterin mit Gerda ihre liebe Müh und Not haben wird. ;-)
Ohren steif halten, und irgendwie sind die Norddeutschen komisch...
Es grüßt
sowas wie
"ein Bayer auf Rügen"

Olli hat gesagt…

Ich schließe mich dem Pfleger an.

Der seltsam motzende Arzt, an entscheidender Stelle dem sich sehr spannend entwickelnden Diskurs entziehend, wohl auch, weil er erkennen musste, dass er gegen die mit perfekten Sachargumente nicht anstinken kann, ist wohl gottlob von der aussterbenden Art.

Gestern noch in einer Nottfallambulanz erlebt: Assistenzart, der vorm schallen einer TVT erstmal auch erwähnt, dass es nicht soviel Erfahrung hat und nicht so sicher urteilen kann, wie der sonst behandelnde Chefarzt.

Ein Arzt, der vor Pfleger, Patienten und Begleitung seine Kompetenz nicht überhöht, sondern deren Grenzen aufzeigt - wäre früher wohl undenkbar gewesen.

Achso, in dem KH waren sie auch sehr freundlich und hilfsbereit, bevor die Frage nach der Versicherungsart kam.

Mela Eckenfels hat gesagt…

Blöde Situation und natürlich hast du Recht. Das Verhalten der Frau geht gar nicht und sie muß lernen, dass sie sich den Arzt nicht backen kann. Vermutlich hätte sie einer dunkelhäutigen Ärztin gesagt, sie lasse sich das nicht von einer Negerin sagen, oder so. Andererseits hat auch der Arzt recht. Ein nicht unwesentlicher Teil deiner Patienten werden Arschlöcher sein. Entweder weil sie wirklich welche sind oder weil sie sich aus Schmerz und Angst akut so benehmen.

Du wirst einen Weg finden müssen, ihnen so respektvoll zu begegnen, dass du sie behandeln kannst, auch wenn sie dir den Respekt (in dem Moment) nicht entgegenbringen. Das wird sich aber ändern.

Anonym hat gesagt…

Jule, es tut mit Leid, aber in der Hinsicht muss ich deinem Oberarzt einfach Recht geben: Du als ANGEHENDE Ärztin musst genauso viel fressen wie alle anderen auch. Niemand sonst wird in jeglichem Berufsfeld sonderlich in Watte verpackt, wenn es darum geht, das 'echte' Berufsleben kennenzulernen. Es geht nicht darum, dass du mit jedem Patienten einstellungstechnisch klarkommen musst. Wenn du mal einen Patienten hast, der ein Nazi ist (ähnlich wie das, was du dem Oberarzt angezettelt hast), darfst du ihm die Behandlung nicht verwehren, aber umgekehrt darf sich ein gutbezahlender Kunde duchaus seine 'Bedienung' aussuchen. Ob das fair ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Doch du tust dir selbst einen Gefallen, wenn du dich nicht permanent mit solchen Menschen beschäftigst, die darin große Unterschiede machen.
Und trotzdem: Auch wenn du im Rollstuhl sitzt, musst du dich zunächst beweisen und ich weiß, wie schwer das ist. Immer brav aussortieren, was einen weiterbringt und auf welche Informationen man getrost verzichten kann. Man kann sich seinen AG in den seltensten Fällen aussuchen und muss zunächst eine Menge Sch*** fressen, bevor man selber zu Wort kommt. Das ist in nahezu allen Bereichen so, darin bist du keine Ausnahme, weil du im Rollstuhl sitzt ;)

Anonym hat gesagt…

Mein Chapeau geht an den OA.
Ich wünschte mir alle Patienten würden mit solchem Respekt behandelt werden wie er es tut.
Ironie ist ganz schlecht und zeugt von einem schlechten Selbtstwetgefühl.
Der Künde sollte König sein, schön dass es noch solch ein KH gibt, leider sehr selten!

Anonym hat gesagt…

Nachtrag
Du hast die Patientin gleich schlecht dargestellt, Diabetes, selbst schuld, kommt jedes Jahr, versteht es nicht.
DU musst noch SEHR viel lernen.
Das du das nicht hören willst ist mir klar.