Montag, 22. September 2014

Scooter vs. Tram

In Potsdam soll sich laut Zeitungsbericht aus letzter Woche ein Senior in einem Elektro-Scooter eines Vergehens schuldig gemacht haben. Elektro-Scooter sind jene drei- bis vierrädrigen Fahrzeuge für gehbehinderte Menschen, die mit 6 km/h führerschein- und kennzeichenfrei die überwiegend ältere Generation befördern, die selbständig in das Ding ein- und aussteigen kann und solche Gefährte oft gerne im Eingangsbereich von Supermärkten oder in engen Hausfluren abstellt.

Das Vergehen, das dem Rentner vorgeworfen wird: Verkehrsunfallflucht. Eine Straftat.

Das finde ich keineswegs witzig. Ich hasse Leute, die an fremden Autos Schaden anrichten und davon fahren. Wenn man schon den Umfang des eigenen Gefährts nicht richtig einschätzen kann und irgendwo entlang schrubbt, sollte man soviel Popo in der Hose haben, dass man für die Schadenregulierung aufkommt. Im Fall eines Elektro-Scooters kommt dafür in aller Regel die private Haftpflichtversicherung auf, so dass man nicht mal hochgestuft wird.

Wie das vermutlich bei der Kfz-Haftpflicht der Fall wäre. Also das mit dem Hochstufen. "Vermutlich" deshalb, weil ich bisher den Umfang meiner Fahrzeuge immer richtig einschätzen konnte und damit keine Erfahrungen sammeln musste. Oder mir rechtzeitig jemanden anlache, der mal draußen guckt und winkt.

Witzig wird es aber dennoch, wenn man dann weiterliest und realisiert, was sich dort zugetragen haben soll. Der Senior sei mit seinem Scooter bei Rot über die Ampel gefahren und mit einer Straßenbahn, genauer gesagt mit einer der Linie 94 in Potsdam, zusammengekracht. Um sich das vor Augen zu halten: So ein Scooter wiegt mit Akkus schlappe 150 Kilogramm, die Tram bis zu 60 Tonnen. Man kann also von Glück sprechen, wenn der Senior so einen Crash überlebt. Das war wohl der Fall, denn der Senior sei aufgestanden, habe seinen Scooter zurechtgerückt, sei dann mit der Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h, also schnelles Torkeln bis langsames Schlendern, davongebraust und wurde nicht mehr gesehen. Das Tatfahrzeug wurde später verlassen aufgefunden.

Vermutlich wird an der Straßenbahn irgendwas kaputt gegangen sein. Eine Plastikabdeckung, was auch immer. Natürlich muss der Unfallverursacher, und das ist nunmal der Rentner, wenn er bei Rot fährt, für den Schaden aufkommen. Aber ich frage mich, wieso da niemand hinterher läuft und den Zündschlüssel abzieht. Oder einfach nur verdeckt dran bleibt, sich unterwegs noch unauffällig irgendwo einen Kaffee to go rausholt und über die 110 laufend eine Lagemeldung an die Einsatzleitstelle übermittelt. Oder vielleicht als Staat den Scooter einsackt, meistbietend versteigert und davon den Schaden an der Tram bezahlt.

Oder so. Oder so ähnlich. Herrlich.

Kommentare :

Philipp hat gesagt…

Das erinnert irgendwie an David gegen Goliath, oder?

Lustige Geschichte.

Grüße aus Dresden

Philipp

Anonym hat gesagt…

Vielleicht war das Ding frisiert und er nicht einholbar. ;-)

Mithrandir hat gesagt…

Naja, das ist nicht ganz so einfach. Bei der heutigen Rechtssprechung besteht die Gefahr, dass dich der alte Herr wegen Tätlicxhkeit, Hausfriedensbruch o. ä. anzeigt. Womöglich wehrt er sich, bekommt einen blauen Flecken und dann hast du eine Körperverletzungsklage am Hals.