Mittwoch, 10. September 2014

So einfach ist das

Ja, ich darf darüber schreiben. Hat Lisa gesagt. Es geht um Sexualität. Mit dem Wort sind alle vorgewarnt, die nichts über Sexualität lesen möchten.

Jeder Mensch erlebt Sexualität ja etwas anders. Damit meine ich nicht nur, dass jeder Mensch verschiedene Beuteschemata, Interessen, Vorlieben, vielleicht sogar Fetische hat. Damit meine ich vor allem, dass sich Paare, die zusammen sind und miteinander ins Bett gehen, relativ schnell auf ein gemeinsames Muster verständigen. Mitunter wird das am Anfang noch ein paar Mal gewechselt, vielleicht wird es irgendwann öde und daher entweder Grund für einen Seitensprung oder für den gemeinsamen Besuch im Sexshop - die Gefahr, sich in einem langweiligen Trott wiederzufinden und dabei das Gefühl zu schüren, eben aus diesem irgendwann ausbrechen zu müssen, wird, glaube ich, von vielen unterschätzt.

Ich erwähne nicht, wer mir neulich diese mal eben eingeschobene Geschichte erzählte: "Wir haben meistens Sonntagsmorgen Sex. Unter der Woche sind wir so kaputt, dass wir sofort einpennen, am Wochenende haben wir den Rhythmus der Woche im Blut. Die innere Uhr lässt mich um halb acht aufwachen, dann wälzen wir uns hin und her und würden am liebsten noch einen Moment weiterschnorcheln. Naja, und dann kommt irgendwann die Frage: 'Kannst du auch nicht schlafen? Wollen wir vögeln?' - Und anschließend knacke ich dann immer noch zwei Stunden weg."

Lisa ist mit ihrem Freund noch nicht so lange zusammen. Inzwischen habe ich auch ihn kennengelernt. Ich finde ihn sehr nett. Am Morgen im Bus, kurz vor dem Triathlon, plauderte sie aus dem Nähkästchen: "Sorry, ich bin gerade etwas rollig. Mit meinem Freund hätte ich jetzt Sex." - "Wieso ausgerechnet jetzt?", fragte ich verwundert. Und dachte dabei an die Geschichte von der Freundin, die regelmäßig Sonntagmorgen Sex hat. Lisa klärte auf: "Weil Morgen ist. Wir haben morgens fast immer Sex." - "Echt? Das wäre nichts für mich. Ich bin eher für abends zu begeistern, und dann gemeinsam einschlafen."

"Ich auch. Deswegen gehört mir auch der Sex abends. Da habe ich sozusagen den Hut auf und lasse mich kraulen und andere Sachen und dann schlafen wir zusammen ein. Und der Sex morgens gehört ihm. Und da ist es halt so wie er das gerne will. Rein, raus, Nikolaus. Glatte Nummer. Nicht nachdenken." - "Und du?" - "Ich brauch ja nur die Beine breit machen. Und danach kann ich super noch eine Runde weiterschlafen. Er fängt ja früh an zu arbeiten, ich hab ja noch ein bißchen mehr Zeit." - "Das ist deine Beziehung, ich würde mir da vielleicht ein wenig benutzt vorkommen. Ich weiß nicht." - "Ach was, das ist mir zu kopflastig. Sex ist ein Trieb, den man erfüllt oder eben nicht. Ich bin ehrlich, mir ist es lieber, wenn der Sack leer ist, wenn er zur Arbeit geht." - Ich musste einen Moment grinsen. Und fragte dann aber: "Denkst du, er geht sonst fremd?" - "Nicht er speziell. Alle Menschen sind nicht für Treue geboren. Die Moral der Kirchen ist out, was die Nachbarn sagen, ist auch egal, da kann es nicht schaden, andere Anreize zu geben und Bedürfnisse zu befriedigen. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste."

"Wenn du so glücklich bist, will ich dir da nicht dreinreden", sagte ich nachdenklich. Und Lisa: "Ja, bin ich. Nicht nur vom Rechnen. Früher hab ich masturbiert, aber Sex ist viel schöner. Und falls der mal nicht schön genug ist, kann ich ja trotzdem noch masturbieren. So wie früher. Also immer ein Plus. So einfach ist das."

Kommentare :

Philipp hat gesagt…

So einfach kann die Welt sein!

Genau deswegen ist das ein Thema das jeder mit sich selbst vereinbaren muss und in das keiner reinreden soll.

Grüße aus Dresden

Philipp

Zwiespalt hat gesagt…

Lisa ist toll!
Richte ihr das aus! Ich habe deutlich länger gebraucht, um zu erkennen, dass ich nicht für Treue geboren bin.

ruolbu hat gesagt…

Ich finde Lisas Ansatz ist mir ein wenig zu pragmatisch, aber dabei behalte ich im Hinterkopf, dass ich nur den Abriss eines Abrisses einer komplexen Meinung gelesen habe. Ich gebe ihr jedoch recht, dass Sex auch einfach nur eine Tätigkeit sein kann, die ohne große Anteilnahme von statten gehen kann. Fände ich evtl. auch etwas zu unattraktiv, aber wenn es der Beziehung zu Gute kommt und niemand zu kurz kommt, ist etwas Pragmatismus evtl. ganz passend angebracht.

BigDigger hat gesagt…

Einen Faktor bei Lisas Pragmatismus überliest man leicht: Sie ist ja rollig. Der Sex morgens ist also, trotz des flapsigen Beinebreitmachens, offenbar nicht bloß etwas, das sie über sich ergehen lässt, sondern scheint ja durchaus erfüllend zu sein, wenn sie ohne Morgensex auf Entzug ist. Nur scheint sie eben in ihrer Schlaftrunkenheit völlig passiv und braucht sich keinen Kopp zu machen, wie sie es ihrem Liebsten schon machen kann. Das tut sie dann halt abends, wenn sie den Sex bewusst genießt.

Ich finde auch, zu jeder Zeit hat Sex so seine Vorteile. Morgens mit halbverpennter Birne, aufgehitzt von den Nachtwärme, mit diesem Mix aus Pheromonen und dem Eigenduft der Liebsten in der Nase, unverfälscht nach sich selbst "miefend" Zärtlichkeiten austauschen und gemütlich reingleiten - auch in den Tag -, ohne Leistungsgedanken, einfach nur dem guten Gefühl folgend... das ist doch was Feines.

Und wenn ihr Freund eher Frühaufsteher ist, der sie morgens kräftig und erholt - pardon - durchrammelt und dann in den Tag startet, während sie es ja trotzdem genießt, wo sollte da was Schlechtes sein? Solange beide damit glücklich sind...

Anonym hat gesagt…

Lisa ist toll! Ich hatte mich schon gefragt, was aus ihr geworden ist, weil du schon länger nichts mehr von ihr geschrieben hast. Die Storys mit ihr lese ich immer besonders gern :)!