Dienstag, 28. Oktober 2014

Manchmal

Manchmal, aber nur manchmal, kann ich nicht mehr schlafen und blättere mich durch alte Blogeinträge. Finde Rechtschreibfehler, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie mache. Spüre meine damalige Stimmung und hätte wiederum nie gedacht, dass ich so drauf sein kann. Lese, was ich so erlebe, und frage mich, ob ich ein bewegtes Leben habe. Muss grinsen, schaue in den Himmel und frage den, der da oben irgendwo wohnt: "Sag mal bitte, habe ich irgendwann mal zu laut geäußert, mir wäre langweilig?"

Dann frage ich mich, ob ich alles richtig mache. Und erinnere mich an eine Vorlesung aus dem Bereich der Psychiatrie, in der ein Patient vorgestellt wurde, der seine Armbanduhr zu Rate gezogen hat, sobald er eine Antwort brauchte. Er fragte dann laut: "Mache ich alles richtig?" - Dann blickte er einmal auf den Sekundenzeiger. Stand dieser gerade auf einer ungeraden Zahl (1, 3, ... 59), hieß das "Ja!", stand er auf einer geraden Zahl (0, 2, ... 58), hieß das "Nein." - Ich weiß jetzt nicht, welche Regel gilt, wenn der Zeiger gerade umspringt. Vermutlich gab es dafür auch eine Lösung. Bei mir ist es gerade 4 Uhr 27 und exakt 1 Sekunde. Es ist aber keine Armbanduhr und ich habe vorher nicht laut gefragt, also zählt das nicht.

Bevor das Formen annimmt, die ich nicht mehr erklären kann, gebe ich mir die Antwort selbst: Ich mache nicht alles richtig. Aber auch nicht alles falsch. Ich rolle meinen Weg. Einen Weg. Mal mehr, mal weniger planvoll; mal mehr, mal weniger spontan. Meine Richtung kenne ich, mein Lebensziel nicht. Mein Wunsch: Ich möchte glücklich sein und niemals einsam. Ob ich das weiterhin schaffe? Ich lasse mich überraschen.

Kommentare :

Stephan hat gesagt…

*g* Du willst perfekt sein? Viel Spaß bei der lebenslangen unnützen Suche. Eigene Fehler zu akzeptieren ist ein Weg dorthin, aber führt zu nichts konstruktivem. Konfuzius saagt: "Siele auf die Wäg, nich auf dem Ziel."

Xin hat gesagt…

Ich habe Deinen kompletten Blog gelesen und ich würde sagen: Du lebst und erlebst eine normale Entwicklung.

Du ärgerst Dich über vieles, über manches zurecht, bei manchem würde ich heute anders reagieren. Mit Anfang/Mitte 20 wäre ich da vielleicht auch impulsiver und mehr auf Krawall gebürstet gewesen.

Du lebst und Du erlebst Dinge teils anders aufgrund Deines Rollis. Den alltäglichen Wahnsinn hat man aber auch ohne Rolli und als mich einer einparkte, konnte ich durch den Kofferraum ins Auto krabbeln und musste keinen Abschlepper abwarten. Mein Blogeintrag wäre also wohl nur halb so lang gewesen. Gelegentlich habe ich halt auch solche Tage. Ich blogge diese Situationen aber nicht.

Unglücklich scheinst Du nicht zu sein, vielleicht etwas genervt - und das ist gelegentlich ja auch gut nachzuvollziehen. Gelegentlich denke ich mir auch, dass Du die Situation zu persönlich nimmst.
Spannend wird wohl eher die Frage, ob Du Dich vom Alltag nerven lässt oder ob Du eine klare Trennlinie findest zwischen dem, was wichtig ist und wo Du einfach mit den Schultern zuckst.
Mir scheint manchmal, Dir ist noch zu viel zu wichtig. Bekommt man das nicht sortiert, dann könnte das auf Dauer frusten. Über einen Typen am Aufzug kann man sich aber auch amüsieren.
Vielleicht solltest Du überlegen, Dich in solchen Situationen direkt zu amüsieren. Nicht über, sondern mit den Leuten. Dann nervt's nicht so. :-)

Philipp hat gesagt…

Das wichtigste ist doch dass du es versuchst richtig zu machen, denn wer nicht kämpft hat schon verloren, oder?

Grüße aus Dresden

Philipp

ednong hat gesagt…

Ich denke mal, deinen Wunsch hast du mit vielen gemein. Und ich vermute mal, du wirst dich nicht nur überraschen lassen, sondern auch einiges dafür tun.

Wie ich ja schon sagte: es gibt wohl für jeden Topf einen Deckel. Nur manchmal dauert das Suchen und anschließende Finden etwas länger ...

Anonym hat gesagt…

Manchmal ... Lache ich bei dir, dass mir der Bauch weht tut, manchmal schüttele ich den Kopf, manchmal bin ich schockiert, manchmal weiß ich, anderen geht es noch viel schlechter als mir (was ich bedaure, mich aber vom eigenen (Selbstmit)-Leid oft in die Wirklichkeit holt), manchmal schalte ich einfach ab und lese, manchmal sehe ich RS-Fehler ;), von denen ich immer denke, ICH mache DIE nie ...
Manchmal geht es mir selbst sowas von sch....

IMMER fühle ich mich auf deinem Blog wohl, ein Stück Zuhause :)

IMMER schaffst du es, Mut zu machen, Tränen zu trocknen, abzulenken vom eigenen Mist, der gerade ist oder auch Augen zu öffnen. IMMER denke ich, wenn ich hier gelesen habe, es war ein Zugewinn. Danke Jule. IMMER Klasse, dein Blog, manchmal amazing, aber NIE vergeudete Zeit .. :)
DANKE an dieser Stelle einfach mal für dein "MANCHMAL" .. ;)

fredi hat gesagt…

Ich kommentiere selten, aber diesmal kann ich nicht anders: So wunderbare Schlusssätze. Man sollte sie sich rahmen und an die Wand hängen und jeden Tag daran denken!!!!

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule!
Ich bin vor etwa einem Jahr auf Deinen blog gestossen, und habe binnen kürzester Zeit alles nachgelesen. Ich war entsetzt, berührt, amüsiert, ich erlebte alle Deine Höhen und Tiefen mit. Du musstest schlagartig erwachsen werden, Du hast viele Nachteile, aber auch Vorteile von Deiner Behinderung gehabt.
Ich frage mich bei Deiner (und ähnlichen) Biographien immer: Was wäre wenn Du wieder laufen könntest. Du hast sicher die Studie verfolgt, bei der kultivierte Riechzellen im RM eingepflanzt werden. Abgesehen von den möglichen Nebenwirkungen, könntest Du Dir theoretisch vorstellen Dich so einer Behandlung zu unterziehen? Körperlich wäre es, vorausgesetzt es funktioniert, eine Erleichterung. Aber wie sähe es psychisch aus? Was hätte so eine wundersame Heilung für soziale Folgen? Wie wäre dann die wunderbare Freundschaft mit Marie, die von so einer Behandlung höchstwahrscheinlich nicht profitieren würde.
Ich denke nicht nur mich würden Deine Gedanken interessieren.

Liebe Grüße

Andreas

Amy hat gesagt…

Ein schöner Wunsch, den du da formuliert hast! Er lässt genug Raum für neue Entscheidungen und Entwicklungen, ist nicht einengend und lässt sich auf viele Arten aktiv selbst angehen und verwirlichen. Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg - und danke für dieses tolle Blog, ich habe alle Blogposts gelesen und empfinde deinen Weg von der Stinkesocke im Krankenhaus zur selbstständigen, selbstbewussten Studentin als inspirierend. Ein tolles Beispiel dafür, was im Leben alles möglich ist!

Stephan hat gesagt…

Nach dem Zufallsprinzip zu entscheiden (Sekundenzeiger) ist gar nicht so verkehrt. Der Papagei hat auch 8 oder 9 von 10 Börsenspekulanten übertroffen, weil eine Erdnuss scheinbar besser roch, als andere. Ab und zu mal leicht nehmen und daran denken, dass das Leben einfach ist, wie es ist. Wie ein Sekundenzeiger - es tickert immer weiter, egal was passiert.

Frau P hat gesagt…

Schöne nachdenkliche Worte! LG Frau P