Samstag, 4. Oktober 2014

Männerhort

Ich war mindestens ein halbes Jahr nicht mehr im Kino. Viel zu lange. "Männerhort soll gut sein", hörte ich. Vielleicht hätte ich mehr auf die Formulierung achten sollen. Wenn etwas gut sein soll, heißt das: Mach dir selbst ein Bild. Habe ich gemacht.

Marie und ich, dazu noch zwei Freundinnen aus Hamburg, bekamen vier der zehn letzten Plätze der Vorstellung. Und zum Glück waren diese Plätze in räumlicher Nähe zu den bereits belegten Rollstuhl-Stellplätzen, so dass unsere laufenden Freundinnen uns nicht allzu weit tragen mussten. Genauer gesagt: Nur über eine Stufe und drei Plätze. Ein Mann: "Können die nicht gehen?" - "Wir sind verliebt, deswegen trage ich sie auf Händen", war die spontane Antwort. Er hatte vermutlich die beiden Rollstühle nicht gesehen, die nach unserem Sitplatzwechsel im Flur abgestellt wurden. "Hoffentlich sind die nachher noch da und hoffentlich kippt keiner sein Bier drüber", meinte Marie.

Wie habe ich ihn vermisst, den Geruch nach den Kartoffelchips mit Käsesoße und Oliven. Wie habe ich die umherfliegenden Popcorn, das unter den Sitzen über die Teppiche laufende Bier und die kreischenden Teenies in der letzten Reihe vermisst. Und die Mädchen mit Konfirmandenblase, die während 108 Minuten Film jeweils drei Mal nach draußen mussten. Und natürlich alle in der Mitte der Reihen saßen. Zum Glück war im Kinosaal kein Handyempfang, so dass uns wenigstens das erspart blieb. Der Ton war auch so laut eingestellt, dass ein Unterhalten nicht mehr möglich war, nach immerhin 45 Minuten Werbung konnte der Film ja beginnen. Zum Glück ist noch niemand auf die Idee gekommen, den Film selbst mit den von den Privatsendern bekannten Werbepausen zu unterbrechen.

Die ersten zehn Minuten des Films, in denen die drei Paare vorgestellt wurden, fand ich noch recht lustig. In der Zeit kam auch der bereits im Trailer verratene beste Witz vor: "Im Einkaufscenter shoppen gegen im Internet einkaufen ist wie Sex gegen onanieren." - Ja prima. Ansonsten wurden 90 Minuten lang nur Klischees bedient. Immerhin wurden Menschen mit Behinderungen nicht ausgelassen, so dass der Film ein Sternchen von mir bekommt. Die Frage, welche Behinderung vorliege, so dass er mit seinem fetten Porsche auf einem Rolliparkplatz parke, wurde mit "Tourette, du Fo**e. Funktioniert immer wieder." beantwortet. Die paralympischen Spiele bekamen auch nochmal ihr Fett weg.

Und ansonsten handelte der Streifen von rülpsenden Typen, die sich einen Heizungskeller teilten, Chips und Bier konsumierten und ihr Refugium gegen einen türkischen Hausmeister verteidigen mussten. Der beruflich erfolgreichste der drei Männer verkaufte Dixi-Toiletten und hatte natürlich auch so eins vor sein Einfamilienhaus gestellt. Klar, dass das nicht nur ein Musterklo war, sondern auch benutzt wurde, und irgendwie auch klar, dass irgendwann der Hausmeister die Dixitoilette unfreiwillig mit seinem Rasenmäher an den Haken nahm und kilometerweit durch die Straßen zog. Und während drinnen weiter gekackt wurde, zerlegte sich die Kabine in ihre Einzelteile und alle Bewohner der Schickimicki-Siedlung konnten sich davon überzeugen, wie der erfolgreichste Toilettenverkäufer der Welt mit heruntergelassener Hose aussieht. Silikon-Vaginas, Sexdating über das Internet, ein Hausmeister, der den Kloverkäufer erst mit einer Flex von seinen Handschellen, anschließend von dem Staubsauger im Schritt befreit und dabei auch noch zufällig gefilmt wird, runden das Bild ab. Und die Frauen? Eine ist schwanger, die zweite ist nicht nur dauershopping sondern auch dauergeil und täuscht irgendwann mit Vitaminpillen einen Suizid vor - und die dritte ist ein Er und sucht nachts halbnackt Nacktschnecken im garteneigenen Biotop.

Ich will nicht zuviel verraten. Mein Fazit: Ich habe vorher zu wenig getrunken. Und ich hatte nach einem halben Jahr Kino-Abstinenz überzogene Erwartungen, die dieser Film leider nicht erfüllen konnte.

Kommentare :

ruolbu hat gesagt…

Guck dir Guardians of the Galaxy an, selbst wenn man weder auf Actionfilme, Marvel, Comicfilme oder SciFi steht, solltest der Film besser unterhalten, als das was du da scheinbar erleben musstest.

Philipp hat gesagt…

Das klingt ja nicht so der Knaller.

Ich war die Tage in a most wanted man, der war besser.

Grüße aus Dresden

Philipp

Anonym hat gesagt…

Mich wundert sehr, dass ein intelligenter Mensch diese Masche Film nicht durchschaut - das ist so konsequent auf (sogar noch weit unter) Mario Barth-Niveau getrimmt, dass echter "Humor" dort nicht überleben kann.

Kurz: Es handelt sich nach meiner Meinung um verfilmten geistigen Durchfall.

Und nun noch dauerhaft das Zitat mit den Millionen Fliegen merken und ab sofort solche Machwerke meiden. Es gibt schlicht zuwenig Lebenszeit für solche "Filme". *kopfschüttel*

Xin hat gesagt…

Ich gucke mir gleich die 3. Staffel vom Tatortreiniger im Kino an.
Die erste Folge handelt ja von der Rollstuhlfahrerin, der Rest wurde ja noch nicht gezeigt.

Es ist eine tolle Sache, wenn man ins Kino gehen kann und weiß, dass man was gutes zu sehen bekommt, obwohl man es noch nicht kennt. :-)

jali hat gesagt…

Ich habe den Film bislang nicht gesehen, aber die Inhaltsangabe klang ein bisschen wie der bemühte Versuch den billigen "Buddy-Komödien" vom Schlage eines "Hangover" so was wie Anspruch zu verpassen (immerhin basiert der Film ja auf einem Theaterstück, ist also nach moderner Lesart Kunst!).

Ich mache mich vielleicht unbeliebt, wenn ich das sage, aber Detlev Buck ist mit seinen Komödien eigentlich schon immer an diesem Anspruch gescheitert. Immerhin kann man dem Film zu Gute halten, dass er nicht mit Katja Riemann ist.

Die letzte Komödie die ich gesehen habe war "Better Than Chocolate". Der Film ist zwar schon 15 Jahre alt aber immer noch brüll-komisch. Leider bringt das Main-Stream Kino sowas nur selten zustande, und Independent Filme schaffen es ja nur gelegentlich auf deutsche Leinwände.