Sonntag, 23. November 2014

Diesel, Bratwurst und Muskelschwund

Was für eine dicke Suppe! Bis kurz vor Hannover war das Wetter noch schön, von dort an wurde die Sicht immer schlechter. Als Marie und ich am Freitag in Hamburg aus dem Zug stiegen, kam man sich vor wie in einer Waschküche. Stellenweise konnte man keine 50 Meter weit gucken. Und so schauten wir beispielsweise an der Tankstelle auch zwei Mal hin: Diesel für 1,17 € pro Liter? Tatsächlich.

Das Riesenrad auf dem Winterdom, dem Volksfest in Hamburg, drehte leer seine Runden. Was wohl daran lag, dass man von unten noch die ersten fünf Gondeln erkennen konnte, darüber aber alles in der grauen Suppe verschwand. Irgendwie unheimlich. Es war voll, aber es waren erstaunlich wenige Leute im Rollstuhl unterwegs. Cathleen, Marie und ich waren (von zwei älteren Damen in ihren Alu-Shoppern abgesehen) die einzigen. Auf hohe oder schnelle Karussells hatten wir kaum Lust, denn es war kalt und nass. "Lass uns eine Runde im Autoscooter drehen", meinte Cathleen. Doch daraus wurde nichts: "Es ist zu voll. Kommen Sie mit Ihren Rollstühlen einen anderen Tag wieder." - Danke für die Gastfreundschaft. Das hatten wir so auch noch nicht erlebt.

Die Bratwurst vom Schwenkgrill schmeckte dafür aber umso besser. Wenn man vom Preis absah: 3,80 € fand ich reichlich happig. Aber dafür gab es den Senf gratis dazu. Und wir hatten ja immerhin schon günstig getankt. Vom freitäglichen Höhenfeuerwerk war natürlich auch absolut nichts zu sehen. Kurz vor Mitternacht waren wir wieder bei Marie zu Hause. Auf dem Küchentisch lag ein Zettel: "Wir saunieren im Garten. Bitte stört uns nicht. Danke und gute Nacht!"

Ich tippte auf den Zettel und kommentierte: "Vögel im Nebel?" - Marie antwortete: "Will ich gar nicht wissen. Sollen sie machen. Wenigstens warnen sie vor." - Ich grinste. Marie schüttelte den Kopf.

Gestern abend durfte ich einen Arbeitskollegen von Maries Vater (und seine Frau) kennenlernen, die bei Maries Eltern zu Abendessen eingeladen waren. Es gab Fondue, Marie und ich waren auch eingeladen und durften unsere Gabeln in den heißen Topf halten. Es war lecker und die Gäste waren sehr nett.

Nach einem kurzen Besuch bei unserem Haus, das noch steht und immer besser aussieht, sind wir nun wieder auf der Rückreise. Morgen früh muss ich über 45 Minuten lang die Ergebnisse einer recht umfangreichen Hausarbeit vorstellen. Ich bin nicht wenig aufgeregt. Ich durfte mich zusammen mit drei Kommilitoninnen und Kommilitonen mit Muskelschwund, wie es im Volksmund heißt, befassen. Ich bin mit meinen 45 Minuten als erste dran und stelle das Thema vor. Um den Umfang der Arbeit kurz anzureißen: Es gibt rund 800 Erkrankungen, die mit einem Abbau der Muskelmasse einhergehen können. Diese lassen sich in 23 Gruppen untergliedern. Mein Job ist es morgen, die 23 Gruppen vorzustellen und abzugrenzen. Also im Durchschnitt zwei Minuten pro Gruppe, und das alles so aufbereitet, dass niemand der Zuhörer etwas durcheinander bekommmt und nach der 22. Gruppe noch alle folgen können. Hurra. Aber ich freue mich - es ist ein sehr interessantes Thema!

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Klingt nach einer Gastroenteritis. Offenbar macht sich das bei Dir anders bemerkbar als bei einem Fußgänger. Ich staune nur daß Du Bauchschmerzen so heftig wahr nimmst und sogar lokalisieren kannst. Du hast ja einmal geschrieben dass Du einen inkompletten QS hast. Offenbar sind da etliche sensible Nervenbahnen erhalten geblieben. Deswegen hast Du auch Kontrolle über Deine Blase und spürst gewisse Dinge noch, die bei einem kompletten QS unmöglich zu detektieren wären.

Baldige Besserung

wünscht

Andreas

Philipp hat gesagt…

Oh jeh, das hört sich nicht gerade Krachermäßig an.

Ich drück dir die Daumen!

Grüße aus Dresden

Philipp

TineHappy hat gesagt…

Das klingt nach einem schönen Wochenende trotz schlechtem Wetter! :)
Wünsche dir morgen viel Glück für die Vorstellung der Gruppen, du schaffst das schon!

Anonym hat gesagt…

Mein Kommentar habe ich falsch gepostet. Sorry

Andreas

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule,

zufällig bin ich auf deinen Blog gestoßen und habe mich jetzt von 2009 bis Anfang 2011 in deinem Blog "vorgearbeitet".

Du schreibst wirklich sehr toll und deine Geschichte ist schon sehr berührend! Das wollte ich dir einfach nur einmal sagen ;-)

Ich wünsche Dir alles Gute

LG

Stephan hat gesagt…

Wie fährt man denn ohne funktionierende Beine Autoscooter? Gibt es auch umgebaute???

Gruß, Stephan