Samstag, 17. Januar 2015

Behindert und schwanger

... und wo ich schonmal in Fahrt bin: In fast die gleiche Kerbe wie "Biester und Hexen" schlägt mein heutiger Beitrag. Auch auf die Gefahr hin, dass ich gleich erneut lesen muss, ich würde zunehmend verbittern. Völlig fassungslos habe ich gerade einen Artikel im Spiegel gelesen, der auf der Facebookseite von Spiegel online hunderte Male kommentiert wurde. Eigentlich ging es in dem Artikel darum, dass es für Menschen mit Beeinträchtigungen in Deutschland sehr schwer sei, einen spezialisierten Gynäkologen zu finden. Ich kann diese Einschätzung nicht teilen, weil ich mich durch meine Frauenarzt-Praxis gut betreut sehe; ich muss allerdings auch gleich ergänzen und damit auch relativieren, dass ich kein Maßstab bin, da viele Menschen weitaus stärker ausgeprägte körperliche Einschränkungen haben als ich. Von daher möchte ich die Aussage des Artikels überhaupt nicht in Frage stellen.

Was mich aber (nicht verbittert sondern) wütend macht, ist die Vielzahl jener Kommentare, in denen es plötzlich nicht mehr um die schlechte gynäkologische Versorgungssituation von Frauen mit Behinderung in Deutschland geht. Etliche Leserinnen und Leser haben den Artikel zum Anlass genommen, eine widerwärtige Diskussion über die Rechte von Menschen mit Behinderungen loszutreten. Und damit meine ich nicht die übliche Anzahl jener Trolle, die überall durch destruktive Provokationen ihre Aufmerksamkeit erhalten wollen; Kommentare, wonach man sich am Ort eines ehemaligen Konzentrationslagers ja zumindest mit Behinderten auskenne, natürlich ironisch gemeint, oder nicht-ironische Aussagen, es sei falsch, wenn Behinderte überhaupt Kinder bekämen, kann man, genauso wie die Frage, wer denn bitte eine Behinderte ficke, natürlich nicht ernst nehmen.

Aber ob und unter welchen Umständen es Menschen mit Behinderungen erlaubt sein soll, eigene Kinder zu bekommen und welche Rolle Kinder mit Behinderung in der Gesellschaft spielen, waren Fragestellungen, zu denen viele differenzierte Meinungen und noch viel mehr Unsinn tatsächlich geschrieben wurden. Ich sage ausdrücklich, dass es unterschiedliche Meinungen geben muss und dass ich die richtigen Lösungen auf viele Fragen und Probleme unserer Gesellschaft ebenso wenig weiß. Ich habe aber mit Erschrecken festgestellt, dass eine Vielzahl jener Kommentatoren, die ernsthaft glauben, diese Lösungen zu kennen, auf mich den Eindruck erweckten, von Tuten und Blasen überhaupt keine Ahnung zu haben. Um nicht unterstellen zu müssen, sie seien mitten in den dreißiger Jahren eingeschlafen und eben gerade wieder aufgewacht. Das passte aber vom Alter nicht, denn die Mehrzahl jener derart ekelerregend Kommentierenden war nicht weit über 80 sondern gerade über 20.

Kann es wirklich sein, dass mir jemand ernsthaft meinen Wunsch absprechen würde, ein Kind zu bekommen? Weil ich querschnittgelähmt bin? Ist das wirklich diskussionswürdig?

Vielleicht ist es vermessen, in Zeiten, in denen wir mit Sorge auf unseren Umgang mit Flüchtlingen schauen müssen und in denen sich Nachbarn aus derselben Stadt, vielleicht sogar aus derselben Straße, mit großem Aufwand zu Terroristen ausbilden lassen, dafür zu werben, sich mit Themen wie Nächstenliebe, Vielfältigkeit, Dazugehörigkeit und vor allem Gleichwertigkeit mal intensiv zu befassen. Vielleicht aber auch gerade nicht.

Auf jeden Fall lohnt es sich aber, für das nötige Selbstbewusstsein zu werben, das man braucht, um auf jene Fragen, mit denen man sich noch nicht ausreichend beschäftigt hat, keine Antwort zu äußern. Das mache ich an dieser Stelle mal, denn ich habe den Eindruck gewonnen, es ist mit Blick auf diesen Artikel bitter nötig.

Kommentare :

Bloggergramm hat gesagt…

Ich kann das "Problem", das behinderte Frauen keinen Frauenarzt finden auch nicht nachvollziehen.
Ich war 6 Jahre mit einer Tetraspastikerin zusammen. In der Zeit haben wir zweimal den Wohnort gewechselt und sie hatte nie Probleme in der Hinsicht...
Außerdem bin ich noch aus der Zivizeit mit einigen (teilweise auch sehr stark) behinderten Frauen befreundet - und auch die haben dieses Problem nicht. Das größte Hinderniss ist und bleibt immer noch die (oder besser gesagt die nicht vorhandene) Barrierefreiheit von vielen in frage kommenden Praxen...

Hana Mond hat gesagt…

Ich habe nur kurz in die Diskussion reingeklickt und der erste Kommentar, den ich las, war "Ich habe nichts dagegen, wenn die Behinderung nicht vererbbar ist, aber wenn doch, hielte ich das für unfair gegenüber dem Kind". Weil "behindert zur Welt kommen" ein schlimmeres Schicksal ist als "überhaupt nicht geboren werden"? Bei einer Behinderung, die es offensichtlich erlaubt, mit einem Partner so glücklich zusammenzuleben, dass man sich für ein Kind entscheidet? Beängstigend, was in manchen Köpfen vorgeht ...
Ich könnte das bei extrem religiösen Menschen nachvollziehen, die glauben, die Seele käme "von außen" in den Körper und würde statt dem behinderten dann eben den nächsten gesunden Körper bekommen - aber ich fürchte, die meisten solcher Kommentatoren haben einfach nicht darüber nachgedacht, was ihre Aussagen bedeuten ...

grnseliese hat gesagt…

Hm ich hab den Artikel auch gelesen und mich direkt beim lesen gefragt, ob du dazu was schreibst:)

Olli hat gesagt…

In gewisser Weise initial irritiert zu reagieren, nachzufragen, ob Dir das möglich scheint, ob es die nötigen Hilfen gibt bzw. ob Dui da andere benötigstals andere, das kann ich vielleicht noch nachvollziehgen. Aber Dir den Kinderwunsch generell abzusprechen oder ausreden zu wollen, das finde ich schlicht ein Unding.
Leider scheint es abstrakt logisch, dass es sowas in dem Maße gibt. Es zeigt wohl leider nämlich nur, dass es in unserer freiheitlich demokratischen und so sehr pluralistischen Gesellschaft eben auch Menschen gibt, deren fahrlässigen oder vorsätzlichen Ansichten mit selbigem System nur gerade noch so übereinzubringen sind. Oder anders: auch in solchen Leserdiskussionen zeigt sich, dass das Wählerpotential rechtsrextremer Parteien und die Anhängerschaft von Pegida, Hogesa usw. keine bestellten Schauspielertruppen sind, sondern manche Menschen eben tatsächlich so ticken, wie es m:E. zum Glück die Mehrgheit dieses Landes eben definitiv nicht tut.

Noch was plumpes: wer fickt Behinderte - Wo ist denn da das generelle Problem?!? - Aber wer bitte wählt für intimste zwischenmenschlichkeiten Partner mit derart geradezu unmenschlichem Gedankengut?

sternenseglerin hat gesagt…

Das traurige an der Diskussion ist ja, dass das zum Gynäkologen gehen mit Kinderwunsch gleichgesetzt wird, weil es in dem Beispiel so war.

Jede Frau hat einen Anspruch auf Vorsorge. Egal, ob beeinträchtigt oder nicht...

Es steht mir aber nicht zu, über die Problematik zu urteilen, ob die Versorgungslage wirklich so schlecht ist, wie dargestellt, weil ich (glücklicherweise) in der Lage bin, mir meinen Arzt nicht nach Barrierefreiheit aussuchen zu müssen

Die Diskussion, ob eine behinderte Frau ein Kind zur Welt bekommen darf, finde ich befremdlich.
Ich arbeite ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen und wir hatten vor Weihnachten eine Fortbildungsreihe mit pro Familia,wo eben auch über die Thematik gesprochen wurde... Öhm ja. Das war auch zum schreiend im Viereck springen und fremdschämen.

Meine Meinung dazu?
Ich glaube, ich habe pauschal keine. Es kommt auf die einzelne Frau und ihren Partner an...
Und eine Beurteilung oder gar Verurteilung stehr mir nicht zu.



Frau Jule hat gesagt…

ich hab den artikel auch gelesen. allerdings die kommentare ausgespart, weil ich das immer so unerträglich finde. es geht in dem artikel ja auch "nur" um körperbehinderte. somit dreht sich der artikel viel um technische barrierefreiheit in praxen. aber da gibt es ja noch eine andere seite.
ich habe meine staatsarbeit über sexualerziehung bei menschen mit geistiger behinderung geschrieben. das ist ein paar jahre her, aber was mir da selbst aus den reihen meiner kommilitonen für ein wind entgegenwehte war echt zu oft zu ekelhaft. bis vor kurzem habe ich ein mädchen mit geistiger behinderung betreut und ihr (bzw. ihren eltern) wurde bereits im alter von 12 von einem arzt zur sterilisation geraten. das geht nicht in deutschland nicht ganz so einfach aber es war auch sehr schwer nach dem schockerlebnis in hamburg (großstadt und so) eine frauenärztin zu finden, die mädchen und frauen mit geistiger behinderung überhaupt kompetent behandelt... in der schule wiederrum war ich zeitweise lehrerin eines kindes von einen paar mit geistiger behinderung. da ist in der unterstützung und versorgung von wohneinrichtungen etc. einiges schief gelaufen, aber das kind war supergut. übrigens nicht behindert, man stelle sich vor was bei meinen kollegen los war, als sie das rausbekamen.... so viele hürden. manchmal mag ich auch nicht mehr mitkämpfen, aber ich kann mich auch nicht hinsetzen und nichts tun....
danke jule, dass du dich immer wieder aufregst. denn ohne aufregung geht hier gar nichts vorher. ich lese da keine verbitterung.
liebe grüße,
jule*

Anonym hat gesagt…

Ich geb auch meinen Senf dazu:
1. Ich habe in vernünfriger Nähe noch keine Gynpraxis gefunden, die ich nutzen kann (von Wollen ganz zu schweigen). Die Damen am Empfang erklären mit gerne, dass die Praxis ja barrierefrei ist, weil sie mit dem Fahrstuhl zu erreichen ist. Na, und den Rolli kann ich ja vor der Umkleide stehen lassen- man könne mich ja tragen ... halbnackt.

2. War es meine eigene Schwiegermutter, die die Familie meines Mannes versuchte davon zu überzeugen, dass ich als Pflegefall ja keine gute Mutter sein kann. Geschweige denn, den Kinder "normale" Werte vermitteln könnte.

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht meine Kinder zu Politikern zu erziehen.
Dann können sie mit meinen Ansichten anderen Leu5en auf den Sack gehen.

Alles Liebe Viktoria

Anonym hat gesagt…

Zum Glück dürfen Menschen mit Behinderungen Kinder bekommen.
Mein Vater sowie meine Mutter sind seit/durch Geburt behindert.

Und ich werd dafür in gewisser hinsicht noch bestraft...
1. natürlich durch nicht vorhandene Chancengerechtigkeit was Kinder aus Bildungsfernen Mileus betrifft. Wenn beide Eltern nur einen Sonderschulabschluss haben ist es selber schon sehr schwer in der Schule.
2.Wenn Eltern Sozialhilfe und sei es nur Zeitweise bekommen sind Kinder zum sogenannten Elternunterhalt verpflichtet. Dieses ist glücklicherweise nicht so drastisch wie Kindesuntehalt (bei dem es auch richtig ist) aber lässt mich mein mögliches Einkommen bzw meine Verbindlichkeiten immer genau berechnen.

Alle Menschen egal welcher (sozialen) Herrkunft und welchen Unterschieden sollten die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben. Das schließt selbstverständlich das eigene Kinder bekommen mit ein. Unsere Geselschaft muss dafür aber auch den Rahmen für die Kinder schaffen.

ednong hat gesagt…

Um deine Fragen "Kann es wirklich sein, dass mir jemand ernsthaft meinen Wunsch absprechen würde, ein Kind zu bekommen? Weil ich querschnittgelähmt bin? Ist das wirklich diskussionswürdig?" zu beantworten, teile ich sie mal auf:
Diskussionswürdig: vielleicht dann, wenn das Kind durch die Behinderung der Mutter (oder des Vaters) vor Geburt geschädigt wird. Also durch Tabletten, die permanent zu nehmen sind, durch eine Behinderung, die vererbt werden wird.
Da weiß ich persönlich nie, ob man den Wunsch nach einem Kind höher werten soll als das Wohlergehen/die Gesundheit des Kindes.

Querschnittslähmung: nein, aus dem Grunde fände ich so etwas nicht mal diskussionswürdig, weil es meines Wissens nach zu keinen Gefährdungen oder Beeinträchtigungen kommt. Aber da ich kein Arzt bin und mich darüber noch nicht schlau gemacht habe, ist das meine ganz persönliche Meinung.

Wunsch absprechen: Kinder zeugen/bekommen ist natürlich Privatsache. Und da sollte niemand - weder Staat noch Kirche - reinreden. Die Kirche macht es. Der Staat - nun ja, so ganz beurteilen kann ich das nicht. Wäre dann wahrscheinlich auch eine Frage von reinreden.

Vielleicht sollte man die Option "abraten aus gesundheitlichen Gründen" nicht als absprechen definieren. Wie oben schon geschrieben - es ist schwierig. Ist der Kinderwunsch mächtiger und wichtiger als eine _garantierte_ Behinderung des Kindes?

Wie sollte man in so einem Fall entscheiden? Finde ich schwierig, zumal es ja auch die Gemeinschaft betrifft.

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Bzgl. Verbitterung - ich denke, es ist auf meinen Kommentar bezogen - bitte ich um Entschuldigung. Das war nicht so hart gemeint, wie es wahrscheinlich angekommen ist.

Ausdrücken wollte ich damit, dass deine Antworten und Denkweisen inzwischen manchmal ziemlich hart, ggf. irgendwie "verhärtet" erscheinen und ich deinen trotzdem noch fröhlichen Unterton vermisse. Und ich da einfach nur gedacht habe, das ist schade. Zumal du es dir damit vermutlich nicht leichter machst.

Und ja, es ist immer schwierig, so etwas mit Worten korrekt auszudrücken, weil soviel fehlt, was man sonst sieht. Und natürlich fehlen dann dem Post - logischerweise - auch ein paar Info, mit denen man das vielleicht so einschätzen könnte wie du.

Ergo: ob du da wirklich "verbitterst", vermag ich nicht beurteilen können. Vielleicht kommt das einfach mit der Zeit, vielleicht wirkt das nur auf mich so - es ist jedenfalls nicht irgendwie böse gemeint gewesen.

Die Frage an sich des Patienten finde ich interessant - sie so in dieser Situation zu stellen. war unangemessen. Das kam vielleicht ebenfalls nicht so ganz raus bei meinem Kommentar.

mathias hat gesagt…

kurze und klare Antwort auf deine Frage: nein

Schnuffelsocke hat gesagt…

Da fällt mir nur der nette Bericht / Artikel ein, den ich irgendwann mal gelesen habe.
Ging um zwei Behinderte Menschen, die auch geistig eingeschränkt waren. Trotzdem wurde Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit sie mit ihrem Kind zusammen leben konnten.

Die Frage sollte wohl eher lauten, welche Unterstützung Eltern mit Behinderung brauchen, um optimal für ihre Kinder sorgen zu können. Und nicht anderes herum.

Ich seh es sogar positiv... Kinder, deren Eltern eine Behinderung haben, lernen von Anfang an, das eine Behinderung völlig normal ist, das es zum Leben dazu gehört und sie lernen auch Toleranz etc...

Genauso gut könnte man da dann auch fragen, ob Menschen mit bestimmten Vorgeschichten überhaupt Kinder haben dürfen...
Aber die Frage traut sich dann keiner zu stellen, weil klar wäre, dass es eine unhöfliche, diskriminierende und unerlaubte Frage wäre!

Anonym hat gesagt…

Zum letzten Absatz: Das ist ein Grundrecht und nennt sich negative Meinungsfreiheit bzw. negative Meinungsäußerungsfreiheit. Ein Recht, das leider viel zu viele Internetnutzer und insbesondere -kommentatoren nicht kennen bzw. nicht wahrzunehmen bereit sind. Sehr schade.

Früher wären sie dennoch auf Grund gelaufen, nämlich kurz hinter ihrem Stammtisch. Heute finden sie quasi unbegrenzt Publikum. Und das ist noch viel trauriger (schade kann man nicht steigern, oder?).

Fastdäne hat gesagt…

Moin,
die Diskussion und die Beiträge zeigen, was so langsam wieder in der Mitte der Gesellschaft ankommt oder erwacht. Wahrscheinlich war diese Denke nie weg und Pegida, AfD und vorher Theo Sarrazin machen da jetzt den Wecker. Heute die Flüchtlinge und Islamisten, morgen dann wieder Behinderte.
Wehret den Anfängen dieser geistigen Brandstifter!

Anonym hat gesagt…

Eine Freundin mit Tetraspastik hat in unserer Stadt auch lange nach einem Gyn gesucht, dessen Praxis nicht nur "barrierefrei" (im Bezug auf Zugang zu den Praxisräumen) sondern auch barrierefrei (im Bezug auf Zugang zu den Behandlungsräumen, der Möglichkeit sich selbst im Behandlungsraum zu entkleiden und eigenständig auf den Behandlungsstuhl umzusetzen) und zusätzlich gewillt war, sich auf ihre Behandlung einzulassen (genau das im Spiegel Artikel genannte Problem "So könne eine Spastikerin bei Berührung so verkrampfen, dass man sie gar nicht mehr untersuchen könne" hat u.a. dazu geführt, dass zwei Gyns sie wegen "Das dauert uns alles zu lange" nicht auf Dauer behandeln wollten). Da kam das Thema Schwangerschaft nichtmal auf, ihr ging es eher um die ganz regulären Kontrollen sowie das typische Frauenproblem "Ich hätte gerne die Pille weil aua".

Warum spricht man eigentlich nur behinderten Frauen bzw. Paaren in denen beide Partner eine Behinderung haben den Kinderwunsch ab? Bei uns - mein Mann hat eine Spastik - ist das überhaupt kein Thema. Mutter auf den ersten Blick gesund (ich schleppe mehr gesundheitliche Probleme mit mir rum als er, u.a. ein Grund, warum wir auch nach 8 Jahren Ehe noch kinderlos sind), Kinderplanung erlaubt? Schließlich kümmert sich eh nur die Mutter ums Kind? Hauptsache, Vater vererbt nichts? Von allen Seiten (in der Familie, im Freundeskreis und am Arbeitsplatz) wird uns ganz klar kommuniziert, dass wir uns jetzt endlich mal fortzupflanzen haben, bevor es zu spät wird.

Was machen wir eigentlich mit Kindern, deren Eltern an irgendwas möglichweise vererbbarem erkranken, wenn die Kinder schon da sind? Erschießen? Schonmal prophylaktisch von der Familienplanung ausschließen (mein Onkel hatte MS, genau wie seine Schwester und eine seiner Nichten, sollten meine Cousinen den Kinderwunsch entsprechend direkt hintenan stellen?)?
Was machen wir mit Eltern, die eine Behinderung erwerben, nachdem das Kind schon da ist? Kinder direkt wegnehmen?

Wieviele Behinderungen sind überhaupt erblich bedingt und direkt von den Eltern an die Kinder weitergegeben? Meines (Laien)Wissens nach sind die meisten doch eh erworben und nicht angeboren. Und selbst angeborene Behinderungen sind doch oft spontane Genmutationen bzw. rezessiv vererbt, so dass die Eltern sich gar nicht bewusst sind, dass sie möglicherweise eine Behinderung vererben?

Was sollte Jule zu einer schlechteren Mutter oder meinen Mann zu einem schlechteren Vater machen? Jeder halbwegs intelligente Mensch denkt doch heute schon dreimal darüber nach, ob er Kinder bekommen möchte. Wer sich dann auch mit einer Behinderung dazu entschließt, Kinder zu bekommen (und vielleicht meine Rente zu sichern... danke dafür) sollte doch eher noch das Ego gestreichelt bekommen, als dafür abgewatscht zu werden.

Philipp hat gesagt…

Meine Vorrednerin hat es erkannt: "Das traurige an der Diskussion ist ja, dass das zum Gynäkologen gehen mit Kinderwunsch gleichgesetzt wird"

Worüber reden die da eigentlich? Man fing damit an dass es Behinderte schwer haben einen passenden Arzt, aus welchen Gründen auch immer zu finden, und jetzt ist man dabei Menschen ein normales Leben abzusprechen das jeder wie du und Ich gerne haben will.

Ich will nicht abstreiten dass es Menschen mit Erbkrankheiten gibt bei denen der Arzt beraten soll und aufklären muss was das für den Kinderwunsch bedeutet, aber die Entscheidung und die Verantwortung liegt allein bei den Eltern.

Was man dazu aber auch noch sagen muss, ist dass meiner Meinung nach eine Facebook Kommentar-Diskussion nicht unbedingt eine große Aussagekraft haben muss. Es ist kein "Spiegel der Gesellschaft" der sich dort, und insbesondere in solchen Diskussionen tummelt. Würde man fragen ob wir einen neuen Hitler wollen würden sicher auch viele sagen dass es damals keine Arbeitslosen gab.

Also immer langsam und nicht immer gleich den Kopf verlieren!

Grüße aus Dresden

Philipp

Anonym hat gesagt…

Hallo.
Ich muss jetzt aber bisschen die Gesellschaft wieder ins bessere Licht rücken. Ich, querschnittgelähmt, seit meiner Jugend habe zwei kleine Kinder und bin bisher noch nicht negativ angemacht worden.


Aber jaaa, leider hört man davon viel.

Su

Lola hat gesagt…

Heyho Jule!
Gerade auf der Suche nach Fotographieblogs gewesen und irgendwie bei dir gelandet. Ich weiß nicht warum ich bei dir Suche nach so etwas Gewöhnlichem bei so etwas Außergewöhnlichem gelandet bin!
Himmelschreiende Ungerechtigkeiten und spannende Alltagssituationen und das alles in unverblümter Sprache - superklasse! Mach weiter & lass dich niemals unterkriegen!