Freitag, 13. Februar 2015

Uschi und ein Luchs

Eine weitere Woche meiner Famulatur ist geschafft. Es macht sehr großen Spaß, allerdings bin ich auch froh, wenn es vorbei ist. Die körperliche und vor allem die seelische Belastung ist wirklich nicht zu unterschätzen. Mit meiner Chefin komme ich ganz gut klar, mit den übrigen Mitarbeiterinnen überwiegend auch. Überwiegend heißt: In der Praxis sind sechs Mitarbeiterinnen hauptsächlich in Teilzeit beschäftigt. Eine Minijobberin, Uschi, kurz vor der Rente, arbeitet nur an einem Nachmittag. Mit ihr bin ich am letzten Montag, unserem ersten gemeinsamen Tag, richtig heftig aneinander geraten.

Bei dutzenden Patienten klappte alles irgendwie. Die Routine fehlt mir, ich muss ständig fragen, oft kann ich nur raten, Atemwegsinfekte sind das Dauerthema. Dann kommt eine junge Familie in die Praxis, ist eigentlich sonst bei einem anderen Kinderarzt. Dessen Praxis ist krankheitsbedingt geschlossen. Die elf Monate alte Tochter ist akut verschnupft und hat leichtes Fieber. Nach Angaben der Mutter hustet sie auch - nicht ständig, aber wenn, dann extrem heftig. Es handele sich um trockenen Reizhusten. Ich soll die Vorgeschichte aufnehmen und dokumentieren, das Kind untersuchen und wenn ich fertig bin, die Chefin dazurufen. Natürlich bevor das Kind wieder angezogen wird.

Das Kind findet meine Untersuchung spannend und guckt mich aufmerksam an. Das Mädchen ist insgesamt recht warm, hat aber trockene und auffallend blasse Haut. Auffällig ist auch ein sehr schlanker Ernährungszustand. Die oberen Atemwege sind etwas verrotzt, die Ohren sind unauffällig, der Hals ist leicht gerötet. Die Lunge ist überall frei. Ich weiß nicht warum, aber irgendein inneres Bedürfnis hat mich dazu veranlasst, das Herz sehr genau abzuhören. Alte Hasen machen das sehr routiniert und hören sofort, wenn da etwas nicht stimmt, genauso wie ein absoluter Autofreak schon beim Reinfahren in die Werkstatt weiß, welches Bauteil gerade rasselt. Ich hingegen habe von Automotoren allenfalls einen oberflächlichen Plan und muss mich beim Abhören des Herzens sehr konzentrieren und mir im Kopf Bauplan und Funktionsweise aufrufen, um die Töne den verschiedenen Aktionen zuordnen zu können. Ich habe es einfach noch nicht oft genug gemacht, um routiniert zu sein. Man muss dazu wissen, dass es neben dem allgemein bekannten "Herzschlag" noch mehrere weitere Töne gibt, die ein Herz machen kann, und die völlig normal sind. Einige Geräusche sind aber krankhaft. Einige Geräusche, die bei Erwachsenen krankhaft sind, sind wiederum bei Kindern völlig normal. Einige Geräusche, die nicht normal sind, sind neben den lauten, völlig normalen Herztönen kaum zu hören.

Dieses Herz schlägt völlig regelmäßig und auch fast unauffällig. Nur ... ich glaube, an der Herzspitze ein regelmäßiges, ganz leises Klicken zu hören. Das Kind guckt mich geduldig an. Die Eltern quasseln in einer Tour. Ich sage: "Tschuldigung, könnte ich bitte einmal kurz abhören? Wir können gleich reden, nur ich höre im Stethoskop nichts, wenn wir uns nebenbei unterhalten." - Kein Problem. Ja, da klickt wirklich was. Und jetzt, wo ich genau hinhöre, ist auch ein an- und abschwellendes Rauschen / Fiepen zu hören. Ganz kurz, recht leise, also leiser als das Atemgeräusch, immer kurz nach dem dumpfen ersten Herzton (Anspannungston). Sehr schwierig zu hören, weil ein Kinderherz sehr schnell schlägt. Normal sind solche Geräusche auf jeden Fall nicht. Ob sie behandlungsbedürftig sind, kann man aber pauschal nicht sagen. Man muss wissen, dass viele geringfügige Abweichungen keine Auswirkungen oder Folgen haben.

Vermutlich ist das völlig harmlos, denn ich bin ja nicht die erste, die sich das Herz anhört. Bevor sich da also nun unnötig jemand Sorgen macht, möchte ich, dass meine Chefin sich das anhört und mir hinterher kurz erzählt, was ich da gehört habe. In dem Moment kommt Uschi, die besagte Minijobberin, ohne Anzuklopfen in das Zimmer gepoltert und fragt, wie lange das denn hier noch dauert. Mir steht nicht zu, darüber zu urteilen, aber ich finde es unverschämt. Es dauert so lange wie nötig. Wir werden schon kein Kaffeekränzchen machen. Ich überhöre das und bitte sie: "Ja, könnten Sie bitte einmal der Chefin Bescheid sagen, dass sie noch einmal mit abhört, ich bin mir bei einer Sache nicht ganz sicher."

Sie nickt und geht raus. Das Kind ist noch immer ganz ruhig und daddelt mit einem Spielzeug herum, während es unter einer Wärmelampe gegrillt wird. Kurz danach spielt die Mutter mit dem Kind, der Vater erzählt mir, dass die Tochter bislang sehr pflegeleicht ist. Nach drei Minuten gucke ich, wo die Chefin bleibt. Möglicherweise hat sie gerade selbst viel zu tun. Nein, sie steht an der Anmeldung und füllt irgendwelche Zettel aus. Das Wartezimmer ist voll. Als sie mich sieht, fragt sie: "Na, bist du soweit? Ich warte auf dich, bevor ich meinen nächsten Patienten aufrufe." - "Und ich warte nur auf dich." - "Achso, ich habe das so verstanden, als wenn du noch einen Moment brauchst."

Auch das kommentiere ich nicht. Aber ich wollte ihr vorher sagen, was ich gehört habe, ohne dass die Eltern daneben stehen. Es ist zwar immer wichtig, auch das Fach-Chinesisch zu beherrschen, aber zur groben Informationsweitergabe kann man auch Deutsch reden. Also sage ich ihr, dass ich an der Herzspitze ein Klickgeräusch höre. "Außerdem rauscht da was." - Meine Chefin geht voraus. Uschi, die die Worte mit angehört hat, sagt zu mir: "Und bei dir rauscht es im Kopf."

Ich dachte, ich hätte mich verhört. Ich frage nach: "Wie bitte?" - "Ist doch wahr. Du bist nicht die erste Famulantin, die entweder die komplette Praxisorganisation auf den Kopf stellt, altbewährte Methoden über den Haufen wirft und neumodischen Schwachsinn einführen will oder glaubt, das Fachwissen direkt vom Herrn vermittelt bekommen zu haben und über alle Erfahrungen erhaben zu sein." - Boa, wie ungerecht! Sie kennt mich noch nicht mal eine Stunde und kommt zu so einem Urteil? Ich glaube es nicht. Eine Kollegin lacht und sagt: "Nun lass mal gut sein, das ist heute wirklich nicht dein Tag." - Sie setzt noch einen drauf: "Nein, es nervt mich einfach, wenn hier ein Schnullerdoc nach dem nächsten den ganzen Laden aufmischt. Es war eine glückliche junge Familie - bis eine Medizinpraktikantin ein Rauschen hörte." - Ihre Kollegin sagt: "Die Chefin guckt sich das deswegen ja gerade an und wird das mit Sicherheit einordnen können. Du warst auch mal jung und hast mal klein angefangen." - Ich schüttel nur mit dem Kopf und rolle in das Sprechzimmer zurück. Ich würde mich sowas nicht trauen.

Die Chefin lauscht konzentriert. Ich gucke sie an. Werde ungeduldig. Frage: "Und?" - Sie nickt. Zumindest schon mal keine Einbildung oder irgendwas ganz anderes. Sie nickt noch einmal. Und fragt die Mutter: "Ist das Herz ihrer Tochter mal untersucht worden?" - "Was ist mit ihrem Herz?" - "Nun, vermutlich gar nichts, deswegen frage ich." - "Naja, wir haben bisher alle Vorsorgeuntersuchungen eingehalten." - "Ist mal ein Ultraschall gemacht worden?" - "Das weiß ich nicht." - "Ich würde Sie bitten, einen Kardiologen aufzusuchen, um ein Ultraschall vom Herzen machen zu lassen. Man hört bei Ihrer Tochter ein Herzgeräusch, das einfach eine harmlose Besonderheit sein kann, die nicht stört und die man nicht weiter beachten muss und die vielleicht im Wachstum wieder verschwindet. Um hier aber auf Nummer Sicher zu gehen, sollten wir das einmal abklären." - "Müssen wir uns Sorgen machen?" - "Sie sollten besorgt genug sein, um das einmal überprüfen zu lassen. Aber mehr erstmal nicht."

Immerhin war es erstmal dringend genug, dass die Chefin persönlich aus dem Behandlungszimmer in einer Kinderklinik angerufen und einen Termin für den nächsten Morgen gemacht hat. Die Familie ging besorgt nach Hause und bis zum Feierabend hat mich Uschi nicht mehr angeguckt. Weil ich nicht möchte, dass irgendwas im Raum stehen bleibt, habe ich sie noch einmal angesprochen. Sie giftete herum, ich sei dafür verantwortlich, dass der kleine Wurm nun durch die Mühlen der Diagnostik gedreht wird und später irgendeine Klinik irgendeinen lukrativen Eingriff vornimmt, der eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Mit möglicherweise lebenslangen Folgen für das Kind.

Ist es meine Aufgabe, solche Methoden zu kompensieren? Meine Chefin hat die Mutter gebeten, zur Besprechung des Befundes noch einmal zu kommen oder zu ihrem Kinderarzt zu gehen. Soll ich jetzt künftig meinen Job nicht mehr machen und Probleme für mich behalten, weil sie anderen einen Anlass zu Betrug und sinnlosen Behandlungen geben könnten? Ich sagte nichts dazu. Es steht mir, erneut, nicht zu, über das Verhalten der Mitarbeiterin zu urteilen. Auf einer Gesprächs- und Diskussionsebene rechnete ich mir von vornherein keine Chancen aus.

Uschi verschwand pünktlich mit Ende der Sprechzeit. Nachdem die letzten Patienten bedient waren und alles aufgeräumt war, setzen wir uns üblicherweise noch einmal kurz zusammen und sprechen bei einem Kaffee oder einem Tee noch einmal fünf bis zehn Minuten über den Tag. Und über das, was am nächsten Tag ansteht. Organisatorisch wie auch inhaltlich. Ich wollte das aus meiner Sicht unmögliche Verhalten der Minijobberin nicht in dieser Runde ansprechen, zumal sie nicht mehr vor Ort war. Aber jene Kollegin, die zuvor schon fragte, ob sie einen schlechten Tag hätte, thematisierte das noch einmal: "Uschi musste man heute wieder mit der Kneifzange anfassen. Du hast den Segen ja auch einmal geballt abgekriegt", sagte sie und guckte mich an. Ich nickte. Sie fragte: "Was ist da jetzt eigentlich rausgekommen? Ich habe das am Ende nicht mehr mitgekriegt. Waren da nun Herzgeräusche?" - Meine Chefin sagte: "Ja. Wie bist du darauf überhaupt gekommen, Jule?"

Ich sagte: "Ich weiß es nicht. Ich habe die Lunge abgehört, natürlich auch einmal kurz das Herz, und aus irgendeinem Grund habe ich genauer hingehört. Das war eigentlich reiner Zufall." - "Nun back mal nicht so kleine Brötchen. Das war eine Sternstunde. Das haben vor dir einige Kollegen überhört und ich bin mir auch nicht sicher, ob mir das in der Routine aufgefallen wäre." - "Na gut, dann eben Glück", sagte ich, denn es war wirklich ein Zufallsfund. Meine Chefin ließ nicht locker: "Mädel, deine hanseatische Bescheidenheit in allen Ehren, aber das muss einem ja überhaupt erstmal auffallen! Du hast Ohren wie ein Luchs. Und nun sag nicht, es liegt nur am guten Stethoskop, das lass ich nicht gelten." - Okay, ein wenig Seelenbalsam nach der Begegnung mit Uschi tut ja ganz gut.

Die Familie kam heute wieder. Sie war wie ausgewechselt. Die Mutter weinte. Das Kind hat einen angeborenen Herzfehler (genauer gesagt an der Mitralklappe, das ist die Herzklappe, die verhindert, dass Blut aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof zurückfließt). Wohl keine ganz große oder ganz dringende Sache, aber man will noch weitere Untersuchungen machen und es ist möglich, dass das operativ versorgt werden muss, wenn die durch den Herzfehler verursachte Undichtigkeit zu groß ist und langfristig zu Problemen führt.

Das tut mir sehr leid und ich hoffe, dass es richtig war, sie in die Herzklinik zu schicken. Uschis Worte, die sicherlich auf eigene schlechte Erfahrungen, ob nun persönlich oder im Laufe der langen Dienstzeit gemacht, basieren, wollen mir natürlich nicht aus dem Kopf. Aber trotzdem denke ich, dass ich richtig gehandelt habe. Es ist nur einfach so verdammt schwierig, alles zu überblicken. Nicht nur fachlich, sondern auch noch (zwischen-) menschlich und hinter dem Horizont. Vor allem in dem Takt, den das volle Wartezimmer vorgibt.

Kommentare :

Clavicular von PL hat gesagt…

Liebe Jule,
was du ansprichst ist das Problem von vielen angehenden Leuten in einem medizinischen Beruf.
Bei meiner ersten Ausbildung zum RettSan wurde bei einem Freiwilligen ein EKG geschrieben. Einige wenige angehende RettSan haben sich dieses EKG so "zu herzen" genommen, sodass sie mehr oder weniger bereits die Berufsunfähigkeit in diesen sahen "oh, ein AV Block 2°, oh, und hier ist die Refraktion gestört, oh, unregelmäßig auch" und so weiter.
Was ich eigentlich sagen möchte: Wenn man frisch von der Schule kommt, oder sich in dieser noch befindet ist es normal sich mit allen Dingen auseinander zu setzen. Man schaut überall hin. Man überlegt ob man noch etwas vergessen hat. Blick in den Koffer: RR, BZ, Pupillenleuchte, oh da liegt noch der Reflexhammer.
Irgendwann hat man viele Jahre auf dem Buckel "mehr Tee, alles gut, nur ein Husten, und leicht erhöhte Temperatur, der siebte heute, der nächste bitte" Und bumm... beginnende Lungenentzündung übersehen. Oder wie in deinem Fall noch was anderes gefunden. Ich verstehe Uschi. Aber leider versteht Uschi nicht, dass unter all den 1.000 Wichtigtuern auch mal eine Person sein kann die etwas hört was andere überhöhrt haben und es sich genauer anhören (stichwort berufsblind werden, siehe oben).
Frage: welches Stethoskop verwendest du?
Liebe Grüße

Anonym hat gesagt…

Lass dich nicht verunsichern. Ob jetzt Zufallsfund oder Bauchgefühl - auch für die Familie ist es besser, Bescheid zu wissen und handeln zu können.
Isabell

Marny Vogelfrei hat gesagt…

Hey! Alles richtig gemacht!

Mafdet hat gesagt…

Für die Familie ist es natürlich nicht witzig, plötzlich zu erfahren, dass ihr Kind einen Herzfehler hat.
Somit könnte man meinen, dass Uschi recht hätte: Erst eine glückliche Familie und nun traurig und völlig fertig, weil du was gesagt hast. Und wer weiß, was noch auf sie zukommt.

Aber was hätte man denn sonst in deiner Situation machen sollen?
Wie würde Uschi denn folgendes Szenario finden: Erst eine glückliche Familie, die noch eine ganze Weile länger glücklich bleibt, weil du nichts gesagt hast. - Und dann komplett zerstört, weil das Kind zwei Jahre später am viel zu spät erkannten Herzfehler gestorben ist.

Das kann ja nicht die Lösung sein.
In meinen Augen hast du alles richtig gemacht.

Alex hat gesagt…

Hallo Jule, es kann ja sein das USchi einfach nur nen miesen Tag hatte, aber ihr verhalten war trotzdem nicht in Ordnung. Du dagegen hast dich eins a so verhalten wie man das tun sollte. Das Lob der Chefin würde ich mir einfach einstecken und mir für einen miesen Tag aufheben, da hat man doch was positives zum zurückblicken.
P.S.: Ich hab es geschafft in der letzten Woche deinen gesamten Block zu lesen. Ich muss sagen ich bin sehr von dir und einigen Personen in deinem Leben beeindruckt. Dein Block hat mich deswegen so beeindruckt, weil du es trotz aller Widrigkeiten geschafft hast so ein positiver Mensch zu werden und auch noch immer Zeit gefunden hast anderen zu Helfen. Bei den Leuten in deinem Umfeld von denen ich beeindruckt bin sollte ja klar sein von wem ich spreche äh schreibe. Ich werde sie aber noch mal erwähnen, denn ich glaube solche Leute können gar nicht genug Lob bekommen. Diese Leute wären Frank, Sofie, Maries Mutter (aka deine Hausärztin) und auch Marie. Eigentlich könnte ich zu jedem noch einen extra Absatz schreiben, aber ich glaube das wird zu viel für hier.
Mit den besten Wünschen für euch alle Alex

Turtle hat gesagt…

Ich finde du hast richtig gehandelt. Ein angeborener Herzfehler kann schließlich ernsthaft Probleme machen. Wenn das Kind Glück hat, bleibt es bei Kontrolluntersuchungen. Aber ohne Kontrolle würde eine Verschlechterung vielleicht erst auffallen, wenn ernsthafte Beschwerden entstehen, die dann vielleicht nicht mehr ohne weiteres zu behandeln sind. Klar ist es für die Eltern großer Mist, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie es besser fänden über sowas nicht Bescheid zu wissen.
Uschi hat da meiner Meinung nach die Prioritäten falsch gesetzt.

Alexander hat gesagt…

Ich lese schon lange, habe bislang aber noch nie kommentiert... diesmal würde ich gern ;-)
Völlig verständlich, dass du dich hinterfragst, aber wo sollte der Fehler sein? Du hast gehandelt, weil dir das Geräusch verdächtig vorkam. Du hast deine Chefin gebeten das zu prüfen und sie ist zu dem gleichen Ergebnis gekommen. Das Kind wurde in der Klinik untersucht und sie haben tatsächlich was gefunden.
Mensch, eigentlich kann man nur froh sein an jemanden wie dich geraten zu sein! NOCH ist es nicht so schlimm, NOCH kann man ja wohl was dran machen (auch wenn es womöglich leider eine OP wird). Was aber, wenn du nicht reagiert hättest? Wäre es in einigen Jahren immer noch keine große Sache gewesen?
Mach weiter so! Ich glaube du wirst eine super Ärztin werden :-)
Liebe Grüße

Simone hat gesagt…

Solche Gewissenskonflikte kenne ich auch! Dann hilft es, alles so klar aufzuschreiben, wie du es getan hast. Auf mich wirkt Uschis Verhalten so, als ob sie neidisch, also unzufrieden mit ihrem Status in der Praxis ist (und das ist nicht deine Baustelle). Sich reflektieren ist o.k. (den Befund zwischenmenschlich angemessen mitteilen, keine Panik machen, zur Nachbesprechung einladen), aber an der eigenen Wahrnehmung (deine Gründlichkeit am Herz wirkte auf mich intuitiv gelenkt) zu zweifeln - das wäre schädlich für deinen Kräftehaushalt und für deine Freude an diesem herausfordernden Beruf! Auf mich als Leserin ist eine gewissenhafte und besonnene Atmosphäre rübergekommen, wer weiß, vielleicht wechseln die Eltern jetzt sogar in diese Praxis...

FelixT hat gesagt…

Nun ja, was soll man dazu sagen? Zum einen natürlisch Uschi. Aber das ist wohl weniger der Rede wert. Solche Leute gibt's eben. Sich darüber aufzuregen ist vergebliche Liebesmühe, ändert nichts und man fühlt sich nur noch schlecht danach.

Also das andere Thema bzw. die implizit gestellte Frage: Soll ein Arzt Eltern auf ein vermutliches Problem oder eine Krankheit eines Kindes hinweisen? Soll ein Arzt desweiteren für eine weitere Abklärung eines Symptoms die Eltern an Spezialisten/Klinik verweisen?
Aber natürlich! Warum sonst geht man zum Arzt? Damit man gesagt bekommt, dass alles in Ordnung ist, nur ein harmloser Schnupfen. Das mag sein. Aber wenn es denn etwas Heftigeres oder auch Schlimmeres ist, dann erwarte ich von jedem Arzt, dass er sich nicht abwendet oder schweigt, nur um mögliches Seelenheil der Eltern zu schonen.

Wie anders als derart vorsichtig wie in diesem Fall kann ein Arzt den Eltern so etwas beibringen? Man findet ein Symptom und dann wird das abgeklärt. Das Kopfkino dazu läuft bei den Eltern. Aber dafür kann der Arzt nichts.
Man muß es ja nicht so bescheuert wie ein Orthopäde machen, der meinem damals 12-jährigen Sohn die Diagnose für eine Spondylolyse so beibrachte: "Du mußt mit dem Tennis aufhören, ansonsten landest Du im Rollstuhl."
Bei unserem Jüngsten wurde nach der Geburt ein zweiter Nierenabgang festgestellt. Also an einer Niere zwei Ausgänge, der eine aber nicht angeschlossen. Eine schöne Möglichkeit für alle möglichen späteren Krankheiten. Wir machten uns Sorgen, aber bei jeder Vorsorgeuntersuchung wurde das sonographiert und mit der Zeit hat es sich einfach nicht weiter entwickelt. Der Stillstand wurde dann zum Rückschritt und im Alter von 6 Jahren wurde letztmalig untersucht und Entwarnung gegeben. Was aber wäre gewesen, wenn die Ärzte auf die Idee gekommen wären uns zu schonen. Das "Elternglück" nicht zu stören. Und es wäre nach Jahren eben nicht so gut ausgegangen. Und dann hätten wir möglicherweise nach 5 Jahren zu hören bekommen: "Wären sie da mal früher gekommen. Hat man das nie bemerkt? Jetzt muß die Niere entfernt werden." Na bravo, da wären wir aber so etwas von erleichtert gewesen, dass man uns geschont hatte. Nein, einen Dreck wären wir gewesen.

Meinen Glückwunsch an alle, die einen Arzt besuchen, der sowohl fachlich als auch seelisch/psychologisch einfühlend ist. Aber in erster Linie ist Arzt ein hochspezialisierter Fachmann/-frau für Krankheiten. Und dieser Aufgabe soll er/sie so gut wie möglich nachkommen. Perfekt wäre ideal. Perfektionismus mag im Alltag manchmal hinderlich sein, aber spätestens wenn ich auf dem OP-Tisch liege, freue ich mich wenn der Operierende dieser Geisteshaltung entspricht.

Um das psychische Wohl und Wehe muß sich der Patient dann größtenteils schon selbst kümmern.

hühnerschreck hat gesagt…

wow. diese uschi ist ja mal eine ... *hust* groooßartige kollegin ... *kopfschüttel*

jule, mMn hast du das absolut und total genau richtig gemacht. etwas auffälliges festgestellt, genauer hingesehen bzw. -gehört und was gesagt.
mag ja sein, dass nun ein paar unangenehme untersuchungen auf die lütte zukommen. aber es hätte gut auch sein können, dass sie eines weniger schönen tages beim sport oder bei sonst irgendeiner belastung einfach tot umfällt, oder? (bin kein mediziner, weiß aber, dass mit herzgeschichten selten zu spaßen ist.)
und _dann_ wär das geschrei erst groß gewesen.

BigDigger hat gesagt…

Tut mir leid, ich muss Dir einen Vogel zeigen...

Du entdeckst bei einem 11 Monate alten Baby etwas, das sich bei näherer Betrachtung als ein Herzproblem herausstellt, das mindestens beobachtet, wenn nicht sogar operiert werden muss, und anstatt es mit Pech einfach irgendwann beim Schulsport tot umfallen zu lassen, sorgst Du dafür, dass die Eltern Gewissheit haben und alles dafür unternehmen können, dass es irgendwann alt wird - und Du fragst Dich, ob Du richtig gehandelt hast, sie in eine Herzklinik zu schicken?

Deine nächste praktische Erfahrung solltest Du in der geschlossenen Psychiatrie sammeln. Ich weiß nur nicht, auf welcher Seite der Tür... -.-

Jakob hat gesagt…

Mädel, hanseatische Bescheidenheit in allen Ehren... aber in den Jahren, die ich schon deinen Blog lese, hast du schon so oft in ähnlichen Situationen den richtigen Riecher bewiesen, dass du auch einmal stolz auf dich sein kannst.

Was das Kind angeht, fehlt mir die medizinische Kenntnis, um sagen zu können, ob ein möglicher operativer Eingriff sinnvoll ist oder eventuell ungewollte Konsequenzen mit sich tragen kann. Aber du als Famulantin hast genau das Richtige getan, nämlich deine Chefin um Rat gefragt, als dir etwas Ungewöhnliches aufgefallen ist. Die letztliche Entscheidung lag bei ihr und dass die Mitarbeiterin dir deshalb Vorwürfe macht, ist unglaublich.

Jenny hat gesagt…

Du hast es richtig gemacht!

Ben hat gesagt…

Aus meiner Nicht-Mediziner-Sicht hast du natürlich alles richtig gemacht. Es ist doch die Aufgabe des Arztes gesundheitliche Probleme zu finden und zu heilen. Was soll denn diese irrsinnige Behauptung dass das "arme Kind" nun durch einen Untersuchungsmarathon muss, wie als wäre das eine Strafe. Die Alternative wäre doch einen potentiell tödlichen Herzfehler (oder allgemein tödliche Krankheiten,...) zu ignorieren und leichtfertig den Tod eines Menschen zu riskieren.
Ich hoffe das ich bisher immer bei Ärzten war die so gedacht und gehandelt haben wie du und nicht wie Uschi, denn ich würde gern selbst entscheiden ob ich eine Untersuchung ausbleiben lasse, nur der Bequemlichkeit wegen

Philipp hat gesagt…

Wenn es so war wie Ich hier lese hast du dir nichts vorzuwerfen.

Um beim Auto zu bleiben, wenn einer als Azubi nicht wüsste ob beim Golf 3 Baujahr 95 der Zahnriemen wie Opas quietschende Gartentür klingen muss oder nicht dann fragt er auch den Meister weil er nicht will dass der Kunde mit Motorschaden auf der Autobahn liegen bleibt.

Manche Leute werden mit dem Alter eben etwas sonderbar, die muss man so nehmen wie sie sind.

Nicht weiter darüber aufregen.

Grüße aus Dresden

Philipp

ednong hat gesagt…

Ach Jule,
wie ich ja schon mal schrieb: da kommt eine Menge Psychologie und Zwischenmenschliches zur reinen Praxis/den Erfahrungen hinzu.

Laß dich nicht davon verunsichern. Ich denke, dass es richtig war in deiner Position/der des Arztes, zu diagnostizieren. Und die Klinik-Untersuchung hat es dann noch präzisiert.

Was dann wie behandelt wird, ist ja letztlich immer die Entscheidung der Eltern, die sich Hilfe beim Arzt suchen können. Und ich vermute, die Klinik verfügt über genügend Erfahrungen, um richtig beurteilen zu können, ob eine Behandlung notwendig ist oder nicht.

Du kannst doch als Arzt nur den momentanen Zustand erkennen und hoffen, dass du die für die Zukunft richtigen Methoden/Behandlungen ergreifst. Keiner kann voraussehen.

Ich vermute wie du, dass die Sprechstundenhilfe (die Minijobberin) wirklich einige schlechte Erfahrungen hat und (nur) daraus ihre Schlüsse zieht. Vielleicht zu negativ, ihr Denken. Die Angriffe auf dich sind jedenfalls unmöglich und nicht gerechtfertigt.

Eigentlich würde ich ja dann vermuten, dass ihr die zum Arbeitgeber nötige Loyalität fehlt ...

Anonym hat gesagt…

Wow. Ich hoffe wirklich das das ganze gut für die kleine ausgeht :/
Gut das du deinem Gefühl gefolgt bist :)

LG

paulchen hat gesagt…

"Better safe than sorry."

Im Ernst: Wenn einem an den Herztönen was komisch vorkommt, fände ich es nicht richtig, das einfach zu ignorieren. Insofern frage ich mich: Welche Zweifel plagen dich da?

Und Uschi gehört wohl zu den letzten, die beurteilen können, ob das Kind ein Problem mit seinem Herz hat und ob deswegen irgendetwas gemacht werden muss.

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule, ich bins wieder, die Herzchenmama. Also, ich denke mal, dass Du das Geräusch gerade deshalb gehört hast, weil Du eben noch keine Routine hast. Das soll auf keinen Fall meinen Respekt vor Dir schmälern, schließlich stehtst Du noch am Anfang der Berufskarriere, also bitte nicht falsch verstehen, das haben ja die Oldis des Berufs nicht erkannt. . Und Du hast das auch sehr gut gemacht, Dir nichts anmerken lassen, trotz einer Uschi die Ruhe bewahrt und die Ärztin aufmerksam gemacht, als die Eltern nicht dabei waren.....Als Du das mit dem trockenen Husten und dem schlanken blassen Kind auch schriebst, dachte ich, das hört sich für mich bekannt an. Mein Herzchen war auch immer blass und um den Mund-Augenbereich blaugrau, sehr schlank, hat auch immer gehustet, vor allem in tieflage, sie hat ja immer fast im Sitzen geschlafen. Das Husten kam bei ihr durch den Rückstau des Blutes in die Lungen. Diese Geräusche kenn ich auch, hab ja meine Tocher immer abgehört...Durch die DCM waren ja zum Schluß alle Klappen bei meiner Tochter undicht. Grad 2-3 .. Ich habe in den Jahren viele Eltern mit Herzkindern kennen gelernt. was ich über die Korrektur der Herzklappe weiß (als Laie und Mama, bin keine Ärztin) ist, dass dies heutzutage (zumindest bei den älteren Kids) sogar via Katheter möglich ist. Zumindest wird das immer erst versucht. Es gibt in jedem größeren Krankenhaus Kinderherzhilfen und das UKE ist sehr gut. Nun bin ich ja seit kurzem eine HTX - Mama, würde mich aber freuen zu wissen, wie es mit dem Baby weiter geht. Den Eltern wünsche ich alles gute, Kopf hoch, es gibt in HH sehr gute Kinderkardiologen, die ambulante Betreuung ist nachher auch wichtig der beste KiKa ist in HH Jenfeld. Ganz lieben Gruß, eine Herzmama.

Anne hat gesagt…

Hallo Jule,

ich finde, du hast alles richtig gemacht. Trotz aller Sorgen, die die Eltern jetzt haben, ist Wissen immer besser als Nichtwissen. Jetzt kann dem Kind wenigstens geholfen werden.

Unser eigenes Töchterchen (fast 3)hat eine hohe Querschnittsymptomatik (C2) durch Osteomyelitis. Sie kann alles bewegen, aber doch sehr eingeschränkt.

Dein Blog hat mir schon so vieles erklärt, was Ärzte offenbar nie für relevant gehalten haben. Du gibst mir Zuversicht, dass auch unsere Kleine ganz viele Möglichkeiten hat. Ihren eigenen Idiotenmagneten in Form ihres ersten E-Rollis bekommt sie bald.

Bleib, bitte, wild und frech und wunderbar.

gismo1978 hat gesagt…

Das ist ein ganz schwieriger Balanceakt. Zum einen die häufig große Wahrscheinlichkeit eines Fehlalarms und auf der anderen Seite die Sorgfaltspflicht. Ich habe keine Antwort darauf, wie das richtige Vorgehen aussieht. Ich bin auch kein Arzt sondern Patient.

An mir hat man schon häufiger rumgeschnippelt, die Sorge war groß und nachher ist oft nichts greifbares oder schlimmes bei rausgekommen. Da besteht dann halt immer auch die Gefahr einen seelischen Knacks zu bekommen. Oder etwas zu übersehen.

Schwierig, schwierig...

Anonym hat gesagt…

Ps. noch was wichtiges:
Es wird kein kleiner Patient unnötig operiert. Das sind gute Ärzte, so wie Du. Denen geht es nicht um Gewinn, sondern darum einem Herzkind zu helfen. Lasse dir bitte von einer Uschi nichts einreden. Wenn die Ärzte der Meinung sind, dass es wichtig ist, das Kind so früh wie möglich zu operieren, dann wird das schnellstens gemacht. Wenn es besser ist, zu warten, dann wird gewartet. So lange, bis das Baby stabil genug ist, wenn es zu wenig wiegt, oder bis gewartet werden darf. Und je eher ein Herzfehler entdeckt wird, umso besser. Nun ist das Kind unter Beobachtung, die Eltern werden lernen, damit umzugehen, das Baby wird bestens versorgt werden, ggf operiert (Ein AVSD ist es ja nicht, so wie du es beschreibst, also nicht komplex und mit Loch) und damit höchstwahrscheinlich ein fast normlases Leben führen können. ...Vielleicht Endokarditisprophilaxe, aber ich hab da echt viele gesehen, die nach der OP beste Chancen hatte, und das hätte das Baby ohne Dich wohl nicht zumindest nich so früh. GLG, Herzchenmama

Anonym hat gesagt…

Naja, in die Psychiatrie einweisen finde ich schon heftig, schließlich ist ja bekannt, dass viele OPs allein aus Kostengründen in Deutschland vollzogen werden. Beim Herzen nicht so oft, aber Hüftgelenke und Kniegelenke sollen oft nicht nötig sein. Da kann ich Uschis Ambivalenz schon nachvollziehen und ich möchte am Ende auch nicht in Jules Haut stecken, wenn herauskommt, dass die OP am Hezren gar nicht nötig gewesen wäre und nur aus Kostengründen vollzogen wurde. Viele Menschen haben angeborene Herzfehler, die Geräusche machen ohne dass es je Beschwerden gibt.

Dennis Ziesecke hat gesagt…

Als bei meiner Mutter (viel zu spät, da sie Arztbesuche leider viel zu oft verweigert hat) Krebs festgestellt wurde, hieß es auch immer "Wäre ich mal nicht zum Arzt gegangen, dann wäre ich noch gesund". Da kann man nur den Kopf schütteln oder?

Ich stehe auf gute Ärzte, muss ich jetzt mal so zugeben. Ärzte, die mehr als nur die Routine abspulen. Du gehörst ganz offensichtlich zu den guten, bleib so wie du bist! Und lass dir nie nie nie das Gegenteil einreden. Versprochen? :)

Anonym hat gesagt…

Genau, es ist natürlich viel besser solche Hinweise zu ignorieren und die Familie in glücksseliger Unwissenheit zu lassen. Wenn das Kind dann sichtbare und deutliche Probleme hat, kann man imemrnoch reparieren oder einen hübschen Pflegeplatz suchen, nicht.
Arg! Medizin ist doch kein Kuschelkissen, da geht's um mehr. Und meiner Ansicht nach hat Uschi in der Arbeit mit Menschen derzeit nichts verloren, sie soll ihren Seelenzustand in Ordnung bringen. Gute Besserung an an Uschi.

Dem Kind wünsche ich in gute Hände zu kommen und dass es sich vielleicht doch noch verwächst (sofern das möglich ist, ich habe keine Ahnung von der Materie).

Jule hat gesagt…

@Clavicular: Ich verwende ein klassisches Kinderstethoskop von 3M.

Anonym hat gesagt…

Du hast alles richtig gemacht. Lass dich doch nicht ständig von kleinen oder großen Bemerkungen so aus der Bahn werfen!

Aber was ich gar nicht verstehen kann: Wie kann man so eine geistig beschränkte Person wie Uschi nur in der Praxis arbeiten lassen? Ich hätte der längst gekündigt.

Anonym hat gesagt…

Super gemacht!

Eine Geschichte aus meiner Praxis:
Ich schicke jeden neu entdeckten Bluthochdruck zum Nieren US. 99x kommt nix raus. Einmal aber hat das dass Leben des Patienten nachhaltig verändert. Der war Dauerpatient wegen Bluthochdruck und Diabetes. Als der Verbrauch der Blutdruckmedikation immer höher wurde, handelte ich. Mein Vorgänger, von dem ich die Ordination übernommen habe, hatte sich offenbar nichts dabei gedacht. Es kam raus, dass der Patient ein Phäochromozytom hatte! Seit der OP brauchte er nur mehr ein Blutdruckmedikament in geringer Dosis, und ist kein Diabetiker mehr.
Was ich damit sagen möchte: Es zahlt sich aus gründlich zu sein.
Du wirst eine Spitzenärztin.

Andreas

FiAsKo hat gesagt…

Besser der Famologe(?) findet den Herzfehler, als dass der Pathologe ihn findet!

Mike hat gesagt…

Hi
ich hau mal in die gleiche Kerbe:
Du hast vollkommen richtig gehandelt! Gut gemacht!
Und vor allem: Die eigentliche Entscheidung hast ja nicht Du gefällt, sondern deine Chefin. Gerade in dieser Hinsicht ist die Meinung von "Uschi" vollkommen daneben, weil die Aussage mit "lukrativer Operation" usw genauso als Vorwurf an ihre eigene Chefin gerichtet ist. Da würde ich mir als Chef jedenfalls SEHR genau überlegen, ob ich diese Mitarbeiterin behalten würde.

Eventuell sollte sich Uschi einen anderen Job suchen... beim Homöopathen oder so... Wo Herzfehler mit Globuli behandelt werden.

LG
Mike

Xin hat gesagt…

Häh? Du denkst richtig gehandelt zu haben!? Wieso steht das in Zweifel?
Weil Tresen-Uschi 'nen schlechten Tag hat!?
Mädel... Glückwunsch für Deine kritische Untersuchung, von der sich erfahrene Ärzte was abgucken können.
Gut gemacht. Auch wenn Uschi die Umstände nerven, hast Du Deinen Job gut gemacht.

Lolo hat gesagt…

Warum denn ein Gewissensbiss? Alle Eltern wollen das Beste für ihre Kinder und würden doch nicht wollen, dass es dem Kind irgendwann richtig zu schaden kommt!
Also weg mit den Gedanken & weiter den Menschen helfen, herrgott nochmal.

Anonym hat gesagt…

Ob Sie alles richtig gemacht haben? Das fragen Sie sich ernsthaft?

Stellen Sie es sich einfach mal "andersrum" vor: Uschi als Ärztin.

"Ja, so, also da ist ein Herzgeräusch, aber das soll Sie jetzt nicht weiter stören. Wenn ich Sie jetzt in die Klinik schicke, wird Ihre Kleine ganz schrecklich gequält, allein der Herzkatheter, ich kann Ihnen sagen… und am Ende kommt doch nichts dabei raus und das Mädchen ist für den Rest ihres Lebens traumatisiert. Sie ist doch noch so klein, das vergeht vielleicht alles ganz von selbst wieder. Und wenn nicht? Gut, älter als 12, höchstens 14, wird sie dann wahrscheinlich nicht werden, aber das ist doch auch eine ganz schöne Lebenszeit, nicht wahr? Gehen Sie halt öfter mit ihr in den Zoo oder auf die Kirmes, dann freut sie sich. Tja, man kann nicht alles haben, nech? Sie sind ja noch jung, da können Sie noch weitere, dafür aber gesunde Kinder bekommen. Wie der Herr Pfarrer in unserer Gemeinde immer so schön sagt: Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Schönen Tag noch und viel Freude mit Ihrer kleinen Maus."

Bei mir wurde im Alter von wenigen Wochen ein solches "Herzgeräusch" festgestellt. Muss ziemlich massiv gewesen sein, der Herzfehler war es auch. Operiert werden konnte ich, da in den 50ern geboren, erst im späten Jugendalter, als man sich an solche OPs wagte. Heutzutage wird das schon bei wenige Tage oder Wochen alten Säuglingen operiert, die Kinder haben beste Aussichten auf ein "normales" und langes Leben.
Mir selber geht es jetzt mit Einschränkungen relativ gut, und ich stehe kurz vor dem Rentenalter.
Die Kleine wird sich irgendwann sehr bei Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und ihre Elefantenohren bedanken.
Suse

Ulrich hat gesagt…

Ich denke aus, dass du alles richtig gemacht hast.

Die Uschi must du ignorieren, solche Menschen gibt es leider immer wieder. Mach dein Ding und lass dich nicht entnerven.

Und sieh es mal so, deine Chefin hat dir zugestimmt, was interessiert dich da die Meinung so einer Nervensäge?

Miriquidi hat gesagt…

Sorry zu Uschi fällt einem wirklich nichts mehr ein. Da fragt man sich wirklich wo die ihre Daseinsberechtigung in der Praxis hat mit diesem Verhalten.
Ansonsten schließe ich mich den anderen an, super gemacht. Es nützt niemanden was wenn der Arzt den Patinten schont und sich ein viel größeres Problem daraus erwächst.
Ich denke auch du wirst mal eine gute Ärztin.

LG Miriquidi