Dienstag, 24. März 2015

Inklusion selbstgemacht

Menschen mit Behinderung sind in ihrer Berufswahl bisweilen erheblich eingeschränkt. Insbesondere bei körperlich schwer beeinträchtigten Menschen, die im Alltag persönliche Assistenz benötigen, lohnt sich ein Job meistens nicht, weil das Gehalt für die Assistenz draufgeht. Manchmal ist aber auch die technische Realisierung unmöglich oder zumindest unverhältnismäßig, manchmal stehen auch klare gesetzliche Regelungen dem Berufswunsch entgegen.

Von alledem, insbesondere von den klaren gesetzlichen Regeln, hat sich ein 38jähriger Rollstuhlfahrer aus Karlsruhe überhaupt nicht beeindrucken lassen. Der seit einem Arbeitsunfall vor etwa fünf Jahren querschnittgelähmte Mann war selbständig tätig, bevor er bei der Ausübung seiner Tätigkeit aus großer Höhe abgestürzt sein soll und sich schwer an der Wirbelsäule verletzte.

Statt sich in staatliche Umschulungsmaßnahmen zu begeben und sich anschließend auf Kosten der Steuerzahler den Arbeitsplatz barrierefrei einrichten zu lassen, nahm er die Sache selbst in die Hand und gab den Teil seiner Arbeit, den er aus technischen Gründen nicht selbst erledigen konnte, einfach an seinen fünf Jahre jüngeren Bruder ab. Das betraf in erster Linie jene auswärtigen Tätigkeiten, die ihm deshalb nicht mehr möglich waren, weil seine Kunden überlicherweise nicht in barrierefreien Wohnungen wohnten.

Der querschnittgelähmte Mann leistete aber die gesamte Vorarbeit und führte, während sein Bruder die nicht-barrierefreien Wohnungen aufsuchte, über einen Knopf im Ohr ständig Regie. Über das Headset des Bruders konnte der Rollstuhlfahrer so stets mithören und dem Bruder wichtige Informationen "ins Ohr flüstern". Diese Zusammarbeit funktionierte so gut, dass nicht nur beide prima von diesem Job leben konnten, sondern der assistierende Bruder für einzelne Aufträge sogar jedes Mal rund 3.000 Kilometer mit dem Flugzeug zurücklegte.

Seit etwa Mitte Februar mussten beide ihre Tätigkeit nun vorläufig aufgeben. Die Behörden hatten sich eingemischt, nachdem sich mehrere Menschen über ungewöhnliches Verhalten des Rollstuhlfahrers beschwert hatten. So ein Rollstuhl fällt eben auf. Tatsächlich fand man bei einer späteren Durchsuchung seiner barrierefreien Wohnung Wertgegenstände im fünfstelligen Eurobereich, die alle aus zusammen mit dem Bruder verübten Einbrüchen stammen sollen. Beide sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Merke: Inklusion ist nicht alles im Leben...

Kommentare :

Philipp hat gesagt…

Nunja, was soll man dazu sagen.

Es gibt weiße und schwarze Diebe, deutsche und Ausländische, warum nicht welche im Rolli.

So ein fahrbarer Untersatz sagt ja gemeinhin nichts über den aus der drin sitzt.

Grüße aus Dresden

Philipp

Anonym hat gesagt…

Naaa toll. Und ich grübele mir beim Lesen einen zusammen: Dachdecker? IT-Fachmann? Irgendwas anderes handwerkliches? Und du kommst dann mit Einbrecher daher... :D

Salat