Samstag, 30. Mai 2015

Nicht vermittelbar

Pflege und Assistenz von Menschen mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen wird, nachdem die Kosten oft die Höchstbeträge der gesetzlichen Pflegeversicherung überschreiten (oder dort nicht vorgesehen sind), von den betroffenen Personen, unabhängig ihres Verschuldens, selbst gezahlt. Oder von ihren Ehe- bzw. Lebenspartnern. Nur wenn diese die oft hohen Summen nicht zahlen können, springt der Staat, in diesem Fall die Sozialhilfe, für die Kosten ein. Immerhin wird, wenn auch oft lückenhaft oder unangemessen begrenzt und oft nicht standardisiert, sondern mitunter von Faktoren wie Wohnort oder Sachbearbeiter abhängig, Menschen mit entsprechenden Behinderungen schonmal grundsätzlich das Recht auf Teilhabe und damit verbunden die dazugehörige Leistung zuerkannt, sodass eine Zahlung aus Sozialhilfemitteln, also Steuermitteln, überhaupt in Betracht kommt.

Nach Ansicht des Deutschen Landkreistages vertreten die steuerzahlenden Menschen und Unternehmen in unserem Land überwiegend die Meinung, dass eine gleichberechtigte Teilhabe der Menschen am Leben in der Gesellschaft zunächst Sache des Einzelnen ist. Es sei dem Steuerzahler nicht vermittelbar, warum ein Betroffener nicht über die von ihm regulär gezahlten Steuern hinaus bis an seine Armutsgrenze heran zu den Kosten herangezogen werden sollte.

Ich möchte dazu sagen, dass ich den Steuerzahler für nicht ganz so dumm halte. Ich denke schon, dass er den dargestellten Sachverhalt gut versteht, wenn man ihm die Inhalte gut vermittelt. Und das, so finde ich, gehört eben auch zu den Aufgaben unserer Politiker. Menschen zu vermitteln, dass es unerträglich ist, nicht nur eine schwere körperliche Beeinträchtigung zu haben, sondern gleichzeitig auch noch für die Kosten aufkommen zu müssen, die entstehen, weil man anders ist. Weil man in der Welt, in der man lebt, alleine nicht zurecht kommt. Meistens unverschuldet und sogar ungefragt.

Ich stimme zu, dass eine staatliche Grundversorgung sich an dem Mindestmaß des Notwendigen orientieren sollte. Ich kann auch nachvollziehen, dass dieses Mindestmaß an der individuellen Leistungsfähigkeit und dem Wohlstand einer Gesellschaft bemessen wird. Wenn ich mir das allerdings für Deutschland so angucke, verstehe ich ehrlich gesagt nicht, wieso es in 2015 noch immer Menschen gibt, die ab halb sechs Uhr abends ihre Hausarbeiten für das Studium aus dem Bett heraus erledigen müssen, weil es keine finanziellen Möglichkeiten gibt, den Pflegedienst um halb elf noch einmal vorbeischauen zu lassen. Und nein, es ist kein Einzelfall.

Kommentare :

ednong hat gesagt…

Da stimme ich dir zu, gerade in Bezug auf den Pflegedienst.

Ich denke auch, dass das Notwendigste in D viel zu tief gelegt wird. Aber was soll man von einer Gesellschaft erwarten, in denen 48 % des Vermögens bei 6 % der Leute liegt? Und deren Wirtschaftssystem auf ein "immer mehr" ausgerichtet ist und die Menschen zu einem "Geiz ist geil/notwendig"-Denken verkommen läßt?

Und wenn ich mir dann die Überalterung der Gesellschaft anschaue, wird mir Angst und Bange um eine menschenwürdige Zukunft.

Philipp hat gesagt…

Tja, das muss man auch nicht verstehen können.

Es ist nunmal so dass hier bei uns was das angeht das Geld mehr zählt als der Mensch.

Leider ist auch nicht abzusehen dass sich das irgend wann einmal ändert.

Grüße aus Dresden

Philipp

Fastdäne hat gesagt…

Hallo
ich denke, deine Sicht ist durchaus vertretbar. Bitte erlaube aber den Hinweis, dass man wohl differenzieren muss, wenn eine Haftpflicht oder Unfallversicherung für erlittene Körperschäden zahlen oder gezahlt haben, daraus auch der besondere Bedarf bezahlt werden sollte.
Genauso kann es nicht sein, dass Hilfsmittel immer neu ausgeschrieben werden und nur die billigsten geliefert werden ohne vernünftige Berücksichtigung der Qualität.
Gruß Frank

Anonym hat gesagt…

Naja, das Leben ist halt leider nicht gerecht. Warum werden Unsummen für Banken verschleudert, die uns als Gemeinschaft im Endeffekt nicht wirklich was bringen? Warum dürfen intelligente Kinder in den USA nicht studieren, wenn sie das Geld nicht aufbringen können und kein Stipendiat bekommen? Wenn wir das ändern wollen müssen wir als Gemscheinschaft etwas dran ändern, und dazu ist es leider vielen Menschen einfach zu egal.

Wie schon gesagt: Das Leben ist leider nicht fair.