Montag, 25. Mai 2015

Noch ne Seefahrt 3

Heute ist bereits der letzte Tag unseres Ausflugs im Mittelmeer. Sollte mich Hamburg irgendwann mal so derbe anöden, dass ich nur noch weg möchte, kaufe ich mir eine Insel im Mittelmeer und mache den ganzen Tag nichts anderes als das schöne Wetter zu genießen. Vielleicht kommt der schöne Sommer ja noch nach Norddeutschland. Ich würde es mir wünschen und bin bislang noch wirklich unzufrieden. Etwas weiter südlich gab es ja bereits schon einige schöne Tage und auch einige sehr warme Nächte, aber auch Hamburg würde Sonne mal sehr gut stehen! Falls also eine verantwortliche Stelle mitliest: Meinen Wunsch habe ich hiermit geäußert!

Inzwischen reicht es aber auch mit der Party. Und dem eher abgedrehten Leben. Heute morgen mussten wir rund zwanzig Kilometer mit der Yacht in den nächsten Hafen waren, weil uns das Crush-Eis ausgegangen war. Eine Tankstelle hatte noch welches...

Ich kann derzeit übrigens nicht behaupten, dass ich mich untervö... sportlich unterfordert fühle. Der Kitzel, nachts auf einer Art Sonnenterrasse erwischt zu werden, ist zwar recht groß und entsprechend faszinierend. Aber das Gefühl, wenn mein Puls in die Höhe schießt, weil es dann tatsächlich passiert und plötzlich jemand mitten in der Nacht schwimmen, ein paar Stückchen der total leckeren Ananas essen oder einfach nur seinen letzten Cocktail wegbringen möchte und unangekündigt um die Ecke biegt, macht auf mich allergrößten Eindruck. Mein Kopf weiß natürlich, dass wir uns gerade auf einer Veranstaltung befinden, auf der alle jederzeit mit solchen Dingen rechnen müssen. Mein Herz weiß in dem Moment aber von nichts und lässt meinen Puls in atemberaubende Höhen schnellen.

Ich werde aber dennoch nicht zur leichtsinnigen Egoistin und werde zu Hause weiterhin auf die Gefühle meiner Mitmenschen achten. Soll heißen: Ernsthaft versuchen, auch im Alltag zu Hause nicht erwischt zu werden, werde ich nicht. Auch werde ich mich freuen, wenn demnächst mein Studium weitergeht und ich wieder arbeiten kann. Bei aller Faszination, die so ein Wochenende voller Massagen, leckerem Essen, Ruhe und unentwegtem zärtlichen Geschaukel haben kann: Auf Dauer wäre es mir zu langweilig.

Absolut fasziniert war Philipp übrigens von dem Gefühl, das entsteht, wenn man in einem warmen Bett in einem warmen Raum neben einer Stinkesocke liegt, die gerade eine halbe Stunde lang im kühlen Wasser schwimmen war. Die letzten Wassertropfen noch auf der kalten Haut, kann diese Kälte in der warmen Umgebung wohl sehr erotisieren. Bevor ich aber auch das zu umfangreich beschreibe, möchte ich lieber jene Worte von Marie erwähnen, die mich am Ende doch sehr nachdenklich gemacht haben: "Ich würde mich freuen, wenn ihr mich nächstes Jahr wieder dabei haben wollt." - Leider ist es schon gedanklich nicht einfach, sich als Single mit einem Paar ein Schlafzimmer zu teilen. Und ich fürchte, sie hat sich doch zu sehr als drittes Rad der Schubkarre gesehen. Ich muss aber dennoch ganz deutlich sagen: Ohne sie würde ich gar nicht mitfahren wollen. Denn dass ich mit jemandem eine Partnerschaft habe, bedeutet ja nicht, dass mir dabei meine Freunde egal sind. Was mir dabei nur immer wichtig ist, den Mittelweg zu finden: Zwischen dem nötigen Respekt vor den Freunden und dem Verlangen nach dem Partner. Ich glaube, dass wir das alle zusammen sehr gut hinbekommen haben.

Kommentare :

ednong hat gesagt…

Ja, mit Beziehungen ändern sich (leider) auch Freundschaften ...

Philipp hat gesagt…

Na so eine Auszeit ist doch manchmal genau das richtige um mit neuer Energie wieder an die Arbeit zu gehen.

Ich hoffe Ihr habt euch alle gut erholt und kehrt frohen Mutes zurück.

Grüße aus Dresden

Philipp

Olli hat gesagt…

Steht da nicht ein nicht zuviel im Satz "Ernsthaft versuchen, auch im Alltag zu Hause nicht erwischt zu werden, werde ich nicht."?

JayJay hat gesagt…

@Olli: Jap. Da ist definitiv ein "nicht" zu viel. Es sei denn, Jule möchte mit ihrer Sexualität künftig tatsächlich etwas freizügiger umgehen.

Maria hat gesagt…

Nein, das ist kein "nicht" zuviel. Das ist genau richtig so, wie Jule es geschrieben hat.

Es geht in dem Satz darum, beim Sex erwischt zu werden. Bzw., nicht erwischt zu werden. Die Gefahr, erwischt werden zu können, ist das, was hier den Nervenkitzel ausmacht. Tatsächlich möchte man aber natürlich nicht erwischt werden. Man versucht also, nicht erwischt zu werden (ansonsten wäre man ja exibitionistisch veranlagt).

Dieses Beispiel zeigt anschaulich, daß viele Menschen die eigene Muttersprache nicht mehr verstehen.

Man hätte das natürlich auch anders formulieren können (z.B. "Ich werde nicht ernsthaft versuchen, erwischt zu werden." Das wäre die simple Variante gewesen.
Jule hat nun aber, um den ganzen Vorgang des "Sex an mehr oder weniger öffentlich zugänglichen Orten haben, verbunden mit der Gefahr von anderen Menschen dabei überrascht zu werden und zu hoffen, dass das nicht passiert" zu umschreiben, die Formulierung "Versuchen, nicht erwischt zu werden" gewählt. Da sie nicht vorhat, die oben erläuterte Tätigkeit durchzuführen, wird sie es eben nicht tun.

Also: "Ernsthaft versuchen, auch im Alltag zu Hause nicht erwischt zu werden, werde ich nicht."

Hätte Jule geschrieben "Ernsthaft versuchen, auch im Alltag zu Hause erwischt zu werden, werde ich nicht." würde das bedeuten, daß sie exibitionistisch veranlagt wäre und gerne erwischt werden würde, aber auf Rücksicht auf ihre Mitmenschen darauf verzichtet.

Hätte sie geschrieben "Ernsthaft versuchen, auch im Alltag zu Hause nicht erwischt zu werden, werde ich." wäre das eine sehr altbackene Formulierung und müßte dann aber besser so formuliert werden: "Ich werde ernsthaft versuchen auch im Alltag zu Hause nicht erwischt zu werden."
Das würde nun aber bedeuten, dass sie durchaus Sex an öffentlich zugänglichen Orten hätte, aber größere Bemühungen durchführen würde, um sich vor dem Erwischtwerden zu schützen. Doch wie sollte das aussehen? Marie Schmiere stehen lassen?

Das "nicht" in "versuchen, nicht erwischt zu werden" ist in diesem Fall kein verneinendes "nicht", sondern Teil eines festen Ausdrucks. Und deshalb ist da kein "nicht" zu viel.

Ich hoffe, das ist jetzt verständlich. Man kann das bestimmt auch noch ganz toll grammatisch begründen - aber ich kann das nicht. ;-)