Sonntag, 14. Juni 2015

Vater und Sohn

Ich mag keine pathetischen Beiträge. Noch weniger, wenn es dabei um den Tod geht. Aber manchmal schreibt das Leben Geschichten, die einfach nicht sachlich erzählt werden können. Schon gar nicht, wenn sie mich seit Tagen beschäftigen.

Ein noch gar nicht so alter Mann, in den mittleren Vierzigern, geschieden, zwei erwachsene Kinder, kommt mit Handy am Ohr in Anzug, Krawatte und mit polierten Schuhen in die Notaufnahme, weil ihn unerträgliche Leibschmerzen plagen. Das war vor rund zwei Wochen, ich war nicht dabei, bekam es nur erzählt. Quasi noch während des Ultraschalls versuchte er, am Handy Meetings zu verlegen. Verantwortung habe er, für viele Menschen. Auf einen Harnleiterstein wurde zunächst getippt, doch ziemlich schnell stellte sich heraus, dass es der Darm war, der ihm Probleme machte.

Man vermutete ziemlich rasch Darmkrebs als Ursache des Übels und wollte ihn für den übernächsten Morgen zu einer Operation einbestellen. Er versuchte, den Termin noch um eine Woche zu verschieben, fügte sich unter dem Eindruck seines angeschlagenen Gesundheitszustandes aber doch. Ich war am nächsten Tag bei der Aufnahmeuntersuchung und dem OP-Vorgespräch dabei, lernte ihn da erstmals kennen. Während zunächst der Internist, dann der Chirurg das Gespräch mit ihm führte, saß ich im Hintergrund. Er flirtete mit mir, beschäftigte sich mehr mit mir als mit seinem Gesprächspartner. Ihn schien sein Gesundheitszustand überhaupt nicht zu interessieren. Das ganze Spektakel wirkte auf mich eher befremdlich. Am Ende sprach er mich noch auf dem Flur an, ob ich bald fertig werden würde mit meinem Studium, wieviel Zeit ich noch aufzubringen hätte und ob ich nicht nur aus technischen Gründen eine andere Perspektive auf die Patienten hätte. Er könne sich vorstellen, dass ein Mensch mit Behinderung die Welt ganz anders sehe als ein gesunder Mensch.

Bei der Operation stellte sich heraus, dass da nichts mehr zu retten ist. Bauch auf, einmal reingeguckt, Bauch sofort wieder zu. Ich war nicht selbst dabei. Sachliche Einzelheiten erspare ich mir. "Keine vier Wochen mehr", lautete die Prognose des Kollegen. Ich hatte mit dem Mann danach nicht mehr zu tun, er wurde auf eigenen Wunsch entlassen.

Am letzten Dienstag wurde er erneut aufgenommen, dieses Mal mit Kreislaufproblemen. Das bekam ich nicht mit, allerdings sprach mich plötzlich meine Professorin an, dieser Patient hätte nach mir verlangt. "Er würde sich gerne von Ihnen verabschieden", sagte sie. Und fragte: "Kennen Sie ihn näher?" - Ich schüttelte den Kopf. Sie antwortete: "Dann würde ich Ihnen davon abraten. Das klingt nach einer emotionalen Kiste und einem Fall für die Seelsorgerin." - "Wenn es aber sein Wunsch ist?", fragte ich. Sie überließ die Entscheidung mir.

Ich klopfte an die Tür seines Einzelzimmers. Er bat mich herein. Er war nicht wiederzuerkennen. Eingefallen, blass, krank. Totkrank. War an Geräte angeschlossen, hatte einen Sauerstoffschlauch unter der Nase und war so klapprig, dass er nicht mal seine Tasse halten konnte. "Sie wollten mich sprechen?", fragte ich. Er bat mich, neben seinem Bett Platz zu nehmen. Ob ich einen Moment Zeit für ihn hätte, wollte er wissen. Ich zuckte mit den Schultern. Er begann, mir lauter krauses Zeug zu erzählen. Von korrupten Managern und Regierungsbeamten, die alle schwul seien. Er wollte wissen, ob ich eine Lesbe sei. Ich verneinte das. "Aber die Professorin ist eine Lesbe. Oder?" - "Ich habe keine Ahnung, das habe ich sie noch nie gefragt", sagte ich und musste ob der Vorstellung, so etwas zu fragen, lachen. Was hatte er für ein Problem mit Lesben?

"Mein Sohn ist auch schwul", ergänzte er. "Wir haben seit Jahren nichts mehr miteinander zu tun. Weil ich zu feige war, ihm zu sagen, dass ich ihn auch mit seiner Homosexualität liebe. Dass er mir fehlt. Aber nein, ich habe ihn vom Hof gejagt und seinen Freund dazu." - "Sagen sie ihm das und räumen Sie das aus", empfahl ich ihm. Er fand, es sei zu spät dazu. Ich antwortete: "Für sowas ist es nie zu spät." - "Ich habe nicht mal seine Telefonnummer. Aber vielleicht können Sie ihm ja etwas aufschreiben und ihm geben, wenn Sie ihn benachrichtigen."

Er war sich also über seinen Zustand mehr als klar. "Ich hole Zettel und Stift", sagte ich und verschwand. Im Dienstzimmer fütterte ich eine Suchmaschine und bekam relativ schnell die Kontaktdaten des Sohnes auf den Schirm. Was ich hier machen würde, war unter Garantie in höchstem Maße gegen jede Dienstvorschrift. Ich griff zum Telefon und rief ein Unternehmen in einer rund 100 Kilometer entfernten Stadt an. Zuerst wollte man mich nicht durchstellen, als ich sagte, dass es um eine dringende familiäre Angelegenheit ging, erreichte ich dann doch mein Ziel. Ich vergewisserte mich, dass der Mann, mit dem ich sprach, sein Sohn war. Zuerst drohte das Gespräch zu kippen, denn auch der Sohn wollte nichts von seinem Vater wissen, aber als ich dann sagte, dass er im Sterben liegt und es die letzte Chance sei, miteinander zu reden, wurde er weich. Ich bat ihn: "Er ist Ihr Vater. Mitunter sind inzwischen Sie der Stärkere. Gehen Sie einen Schritt auf ihn zu und geben Sie ihm eine letzte Chance."

Ich rollte zurück in sein Zimmer. Er hatte sich inzwischen übergeben. Ein widerlicher Gestank machte sich in dem Zimmer breit. Zwei Pfleger halfen mir dabei, ihn wieder bettfein zu machen, dann schlug ich den Block auf, den ich mitgebracht habe. Er wollte seine Familie wissen lassen, dass es nicht einfach sei, zu sterben. Jetzt, im Sommer, wenn draußen die Blumen blühen und die Menschen fröhlich sind, wenn das Sonnenlicht in den langen Haaren hübscher Frauen glänzt und junge Menschen am Flussufer grillen und feiern. Genau so kitschig sagte er es. Er wollte, dass seine Tochter wisse, dass sie ihm mit ihren unregelmäßigen Anrufen stets Freude gemacht hätte. Die Freude, ihre Stimme zu hören und die Vorfreude, bald wieder mit ihr zu telefonieren.

Sie wohne in Schweden und ist dort glücklich verheiratet und hätte zwei Kinder, die ihren Opa aber noch nie gesehen hätten. Er wollte, dass ich einen Brief an einen alten Freund schreibe, den er auch bereits seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hätte. Als sie sechs Jahre alt waren, hätten sie sich kennen gelernt und sich gemeinsam die Knie aufgeschlagen, als sie mit dem Fahrrad zusammengeprallt seien. Zum ersten Mal betrunken sei er mit ihm zusammen gewesen. Wilde Geschichten bekam ich erzählt, zum Beispiel dass er mit ihm seine erste Zigarette geraucht hätte. Und ausprobiert hätte, ob der Rauch aus den Ohren steigt, wenn er Mund und Nase schließt.

Er wollte, dass auch seine Frau einen Brief bekommt. Er war sehr kurz: "Ich wollte mit dir die Sterne erreichen. Das hat nicht geklappt. Ich wünsche Dir alles Gute." - Er weinte. Dann sagte er: "Können Sie nicht doch irgendwie versuchen, meinen Sohn zu erreichen? Er hat zuletzt bei [...] gearbeitet. Im Zeitalter von Social Network ist das doch bestimmt nicht schwierig." - "Ihr Sohn ist bereits auf dem Weg zu Ihnen", sagte ich. Er war überhaupt nicht erstaunt, sondern fragte: "Was soll ich ihm sagen, wenn er hier ist? Ich habe Angst vor dieser Begegnung. Zum ersten Mal in meinem Leben." - "Naja, sagen Sie ihm einfach das, was Sie mir vorhin gesagt haben. Bitten Sie ihn um Entschuldigung. Ich bin mir sicher, er wird Ihnen verzeihen können. Wenn auch vielleicht nicht sofort." - "Es klingt zwar doof, aber könnten Sie vielleicht dabei bleiben?" - Unglaublich. Ich sagte: "Einen Moment lang bleibe ich gerne dabei, aber danach sollten Sie das doch alleine hinbekommen. Innerhalb der Familie, sozusagen."

Er erzählte mir weiter krauses Zeug. Ich holte Briefumschläge, faltete die Notizzettel und verpackte sie. Nach etwa zehn Minuten klopfte es. Der Sohn kam rein, nur leider brachte die Begegnung nicht den gewünschten Erfolg. "Was wird das hier? Warum wird er nicht operiert? Stirbt er jetzt?", polterte er herum. Der Vater versuchte zwei, drei Mal, auf ihn einzureden. Bat ihn, ihm zuzuhören. Es hatte keinen Sinn. Der Sohn schien überhaupt keine Antenne für die Situation zu haben, schimpfte über alles mögliche, über Äußerlichkeiten, dass das Zimmer zu klein sei, ob er nicht mal einen vernünftigen Pyjama bekommen könnte und warum ich an seinem Bett säße und kein ausgebildeter Arzt. Es dauerte keine fünf Minuten, dann verschwand der Sohn wieder. Angeblich Termindruck. Der Vater bat mich, ihn alleine zu lassen. Er bedankte sich bei mir, drückte mir die Hand. Ich versprach ihm, die Adressen zu recherchieren und die Briefe in die Post zu geben. Rollte nach draußen und fühlte mich scheiße.

Der Stationsarzt meinte später zu mir: "Du hast alles versucht, mehr kannst du nicht tun. Es war gut von dir, aber solche Hingabe hat nur sehr selten einen Sinn." - In der darauffolgenden Nacht ist der Mann verstorben.

Kommentare :

ednong hat gesagt…

Es ist schade, dass der Sohn unsentimental war, obwohl es nachvollziehbar ist. Er wird sich wahrscheinlich (irgendwann) drüber ärgern.

Das Leben ist hart. Es ist einfach irgendwann zu Ende. Man sollte es genießen, jeden Tag aufs Neue. Es könnte der letzte sein.

Clavicular von PL hat gesagt…

Ich habe den Eindruck der Sohn war mit der Situation selbst vollkommen überfordert.
Du hast dir mehr Zeit genommen als nötig, sogar als eigentlich gut. Im Sinne der Nächstenliebe hast du dem Vater die letzten Stunden beigestanden. Das tat ihm sicher gut sich nochmal vieles von der Seele reden zu können.
Dass es kein Happy End gibt war klar. Aber ein solches... Leider wirst du als Medizinerin und auch als Mensch immer wieder Rückschläge erhalten - welche zu denen du noch nicht einmal etwas kannst.

Philipp hat gesagt…

Ja, das kann einem an die Nieren gehen, das kann Ich mir denken.

Ich finde es immer schön zu lesen wie du versuchst deinem Beruf immer etwas mehr Menschlichkeit abzugewinnen als deine Kollegen.

Mach weiter so und lass dich nicht beirren.

Grüße aus Dresden

Philipp

Laura hat gesagt…

Das hat mich wirklich getroffen- wie schnell ein Leben zu Ende sein kann. Wenn jemand so von seiner Arbeit vereinnahmt ist dass er (vermutlich) erst viel zu spät auf seinen Körper gehört hat.

Schön, dass du ihm noch geholfen hast, die Briefe zu schreiben und seinen Sohn zu kontaktieren...

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule,

Sie/Du machst Deinen Job über alle Maßen... das ist für die Menschen unglaublich schön, Dich könnte es aber in wenigen Jahren in die Situation Deines Patienten bringen.... die Situation der Überarbeitung, des zuviel gebraucht werdens, des daran krank werdens. Ist nicht bös gemeint, aber gute Menschen als Ärzte sind selten, Du bist so einer und hast Zukunft. Wenn Du differenzieren lernst. GlG, Herzchenmama

Anonym hat gesagt…

Das hast du gut gemacht. Meinen Respekt dafür.

Anonym hat gesagt…

Der Stationsarzt hat recht: "Du hast alles versucht, mehr kannst du nicht tun.".
Aber es gibt kein Anrecht auf Glück oder ein happy end. Es gibt nur Möglichkeiten und den Versuch, sie zu nutzen. Auch er wird das gemerkt haben. Und vielleicht seinen letzten Frieden gefunden haben. Kitschig ist das nicht.

Anonym hat gesagt…

Jule, es hätte auch gut ausgehen können mit dem Sohn. Es gibt viele Menschen für dich nach Jahren wieder versöhnen. Auch wenn die Beziehung zuvor völlig kaputt war. Das hast du gut gemacht und Scheu dich ich davor auch mit einen phsychologen zu reden, wenn es dich nicht los lässt. Das ist keine Schwäche, sondern manchmal notwendig zum verarbeiten.

Martin hat gesagt…

Schnüff :(

Anna hat gesagt…

Ich als Krankenschwester in Ausbildung kann dazu nur sagen, dass es toll ist was du gemacht hast. In dieser sehr kurzen Zeit ihm dabei zu helfen seine Angelegenheiten zu regeln war das letzte Wichtige, was man für ihn tun konnte. Noch dazu, da die Palliativpflege leider nicht immer so gut funktioniert wie sie sollte. Wie du dich gefühlt haben musst, kann ich richtig nachvollziehen. Ich habe oft das Gefühl, dass was ich getan habe sei zu wenig gewesen. Zu akzeptieren, dass man manchmal nicht mehr tun kann und das was man macht das Einzige und Bestmögliche ist, ist schwer.
Liebe Grüße

Anonym hat gesagt…

Beim Lesen hatte ich den guten alten Yusuf Islam im Ohr: https://www.youtube.com/watch?v=vJfofy_tI6M Wie der Vater, so der Sohn. Papa war ja auch bis kurz vor Schluss nicht der Sensibelste. Und was will man vom Sohn erwarten? Von Papa vom Hof gejagt, jahrelang kein Kontakt, dann auf einmal der Anruf... wie soll er da adäquat reagieren? Das ist ja die absolute Ausnahmesituation. Der stand auch unter Schock! Und da wird gern erstmal wild rumgepoltert.
Du hast alles richtig gemacht.

Und es ist schön nach langer Abstinenz mal wieder von dir zu lesen!

ThorstenV hat gesagt…

Jule mutig wie immer. :)

"Was ich hier machen würde, war unter Garantie in höchstem Maße gegen jede Dienstvorschrift."

Ne, keine Sorge.

Anonym hat gesagt…

Hi Jule,

erst einmal: schön, wieder von Dir zu hören!
Und dann Danke.
Sowohl Stationsarzt als auch Professorin haben - technisch gesehen - recht, wenn Sie sagen, dies wäre / war eine sehr emotionale Sache und eher im Bereich der Seelsorge. Aber die Seele gehört auch zum Menschen, was der ein oder andere Arzt gerne mal übersieht. Umso mehr Respekt Dir dafür.
Nur finde - wenn noch nicht geschehen - einen Weg, dererlei Geschichten ruhen zu lassen. Mir deucht, Du begegnest öfters krassen Problemen (die nicht immer nur Deine sind ;) und gehst sie nach bestem Wissen und Gewissen an, mit aller Kraft (und führst Probleme, soweit ich hier gelesen habe, immer zu einer guten Lösung). Sollten wir uns auch mal ne Scheibe von abschneiden. Und wenn es heißt "Du kannst nicht allen helfen" stimme ich gerne mit in ein trotziges "Aber ich kann es versuchen!" ein! Wichtig ist dann aber, abzuschließen und sich nicht von geschlagenen Schlachten die Kraft für zukünftige rauben zu lassen.


Nachklapp zum Thema Dienstvorschrift: Als mein Vater vor 15 Jahren mit Rückenschmerzen ins Krankenhaus kam und spontan einbehalten wurde (Wirbelbruch LWS) hätte sich meine Mutter über direkte Nachricht gefreut - sie fragte erst bei seiner Arbeitstelle nach, wegen welches Meetings er länger ausblieb. Nahe Angehörige benachrichtigen (also, nicht nur im Sterbefall) sollte doch mit zu den Tätigkeiten eines Krankenhauses gehören O.o

Mit Grüßen
Ein Schatten

Summer hat gesagt…

Gegen die Vorschrift war es durchaus - vor allem gegen das Gebot der Schweigepflicht. Kann einen im schlimmsten Fall den Job kosten, bevor man überhaupt das Examen hat...

Menschlich gesehen kann ichs allerdings verstehen. Auch wenn es augenscheinlich primär nicht so erfolgreich war wie erhofft - vielleicht hilft es dem Sohn im Nachhinein doch, wenn die erste Trauerarbeit getan ist.

JayJay hat gesagt…

Du hast ein echtes "Helfersyndrom". Pass nur auf, dass du dir nicht zu viel auflädst. Du kannst nicht wiedergutmachen, was er in seinem Leben falsch gemacht hat. Die Probleme anderer Menschen sind in erster Linie deren Probleme und nicht deine. Wenn dich ein solches Erlebnis so nachhaltig beschäftigt, hast du das vielleicht zu nah an dich heran gelassen. Deine Menschlichkeit in allen Ehren, aber vergiss nicht, deinen Selbstschutz zu aktivieren, wenn er notwendig ist, sonst hältst du den Job nicht auf Dauer durch.

Pirandîl hat gesagt…

Liebe Jule,

ich bin eigentlich nur ein stiller Leser Deines Blog, doch zu diesem Post möchte ich doch etwas sagen. Er berührt mich sehr, denn ich habe selbst im vergangenen Herbst meinen Vater verloren. Mein Verhältnis zu ihm war ein sehr gutes, zum Glück, doch die Möglichkeit, mich von ihm zu verabschieden hatte ich nicht.

Was Du getan hast, war sehr edel von Dir. Wahrscheinlich ist es für Ärzte im normalen Alltag fast unmöglich, einen solchen Aufwand für einen Patienten zu betreiben. Um so mehr, was Du getan hast, war sehr edel von Dir.

Liebe Grüße,

Pirandîl

Lena hat gesagt…

Üble Geschichte. Ich denke, der Sohn wird das irgendwann bereuen. Wobei man nicht weiß, wie sehr er unter der Ablehnung seines Vaters gelitten hat. Aber wenn er schon die Anreise auf sich nimmt, dann hätte man ja gedacht, dass er dann nicht nur so nen unsensiblen Kurzauftritt hinlegt.

Aber so sind Menschen halt. Es läuft nicht alles wie im Hollywoodfilm.

Ich find es toll, dass du versucht hast, seinen letzten Wunsch zu ermöglichen, und dass du die Briefe für ihn geschrieben hast. Ich denke, seiner Tochter und seinem Freund wird das viel bedeuten.

Hana Mond hat gesagt…

Dass der Sohn gleich gekommen ist, ist doch eigentlich durchaus ein Zeichen, dass deine Bemühungen erfolgreich waren ... hätte ihn der Vater wirklich nicht interessiert, hätte er ja einfach wegbleiben können. Seine Reaktion im Zimmer schätze ich als Hilflosigkeit und Überforderung ein ... nach Jahren des Bruchs mit dem Vater trifft man ihn plötzlich und unerwartet auf dem Sterbebett an? Das ist eine schwierige Situation ... und die Hilflosigkeit hat er dann wohl in Aggression kanalisiert - mMn nicht unüblich.
Auch wenn es kein vollkommenes Happy-End gab - vielleicht wird der Sohn dir dennoch später dankbar sein, seinen Vater nochmal gesehen zu haben. Ich denke nicht, dass deine Bemühungen vergebens waren.