Mittwoch, 16. September 2015

Plätschern, rieseln, pullern

Oft kommt es ja nicht vor, dass man mich morgens in einem Supermarkt antrifft. Aber heute bin ich um eine Lebenserfahrung reicher geworden. Nämlich dass morgens grundsätzlich nur schwerhörige Omas und Opas einkaufen.

Nicht etwa, dass mir ein paar Gehwagen im Weg gestanden hätten. Und niemand auf meine Bitte reagiert hätte, sie beiseite zu schieben. Keineswegs. Im Gegenteil, der Laden war so gut wie leer. Es wurden an etlichen Stellen die Regale aufgefüllt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wuselten hin und her.

Normalerweise, wenn ich einkaufe, plätschtert im Hintergrund irgendeine Musik. Manchmal rieselt sie auch, manchmal pullert sie - ich habe da schon die vielfältigsten Umschreibungen gehört. Meistens sind es mehr oder weniger aktuelle Charts, manchmal könnte man denken, die lassen einfach ein Radio laufen. Hin und wieder wird diese Musik unterbrochen und die neuesten Angebote (ab sofort: Australischer Spargel), irgendwelche Werbe-Aktionen (nur hier, nur heute) oder Lebenstipps (Wenn der PC raucht, sollten Sie ihn reinigen) sowie die Toilettengewohnheiten von Frau Müller (Frau Müller bitte Siebenhundert) und der Ort des nächsten zerbrochenen Gurkenglases (Einhundert bitte zu den Sauerkonserven) werden durchgesagt.

Heute war alles anders: Zuerst war es seltsam still, dann, plötzlich, wie aus dem Nichts, brandete Volksmusik auf. Muss i denn zum Städtele hinaus, heut kommt der Hans zu mir, die Katja hat ja Wodka im Blut. In einer Lautstärke, dass eine normale Unterhaltung nicht mehr möglich gewesen wäre. Man hätte schreien und zum Telefonieren nach draußen gehen müssen. In den ersten Sekunden habe ich das noch für irgendeine dämliche Werbung gehalten und erschrocken dreingeblickt, nach einigen Minuten war es nur noch lästig.

Es veranlasste mich regelrecht, auf dem direkten Weg zur Kasse zu rollen und den Laden zu verlassen. Es nervte tierisch. Und während ich da in der Schlange wartete, wurde es noch einmal lauter: Es muhte keine Kuh. Sondern ein Typ blökte ins Mikro: "Muh! Muh! Muuuhuuu!" - Man sollte irgendeine Milchpackung suchen, in der ein Gewinn versteckt ist. Und kurz nachdem lautstark mit Jahrmarktgekreische und Karusselltröten auf das Münchener Oktoberfest hingewiesen wurde, muhte es erneut. Der Mann vor mir versuchte, Kontakt mit der Kassiererin aufzunehmen und musste brüllen: "Sag mal, seid ihr nicht ganz dicht? Was ist das für ein Lärm hier? Wollt ihr eure Kunden verscheuchen, oder was soll das?"

"Das ist Werbung, die wird aus der Zentrale eingespielt. Morgens ist das immer etwas lauter, weil viele alte Menschen hier sind. Wir können das nicht regulieren und heute ist das besonders laut. Mein Chef hat da aber in der Zentrale schon aufs Band gesprochen, dass das zu laut ist.", brüllte sie zurück. "Macht zwölf achtzig." - Ich war froh, als ich wieder draußen war.

Kommentare :

Philipp hat gesagt…

Jaja, 71 bitte die 12 und 55 bitte die 81!

Das sind die geheimen Supermarktcodes mit denen die Aliens uns Menschen unterwandern und die Herrschaft an sich reißen wollen!

Nicht gewusst?

Grüße aus Dresden

Philipp

Anonym hat gesagt…

Hallöchen Jule,

hab mich gefreut, hier wieder so viele Lesestoff vorzufinden.

Ich frag mich nur eins, entweder hab ich was verpasst, oder vergessen oder überlesen...oder...ich weiß es nicht :-)

Was ist eigentlich mit Philipp? :-)

Ich hoffe, ich trete mit meiner Frage in kein Fettnäpfchen

Lg
Hanna

Anonym hat gesagt…

17
Die Toilette ist 17

:D

Alice hat gesagt…

In meinem Stammsupermarkt (L*dl), spielt gar keine Musik. Finde ich auch ganz gut, ich muss mich bei Einkaufen echt konzentrieren :D Als aber letztens, ich war im Urlaub in Franken, ein kleiner Junge heulend im L*dl stand und seinen Papa suchte, bat ich den Filialleiter eine Durchsage zu machen, denn der Papa war weit und breit nicht zu sehen. Da entgegnete der Filialleiter, dass sie kein Ausrufsystem hätten. Man können nur Knöpfe drücken à la "Kasse 1 öffnet für Sie!", "Kasse 3 schließt.", aber es gäbe kein unabhängiges Mikrofon. Fand ich auch sehr verblüffend. Der Papa des Jungen kehrte kurz darauf zurück... er hatte den heulenden Kleinen wohl absichtlich "zurückgelassen", um ihn zu erschrecken, weil er sich schlecht benommen hatte. Das kommentiere ich jetzt mal nicht weiter.