Sonntag, 7. Januar 2018

Nix Paket

Wir haben es ja so gewollt. Wir wollen ja den örtlichen Handel nicht mehr unterstützen. Stattdessen die ganzen Paketdienste und die Versandunternehmen. Und auch wenn ich mich lieber beraten lasse, Dinge anschaue und vielleicht auch anfasse, und dafür am Ende 3 bis 20 Prozent mehr bezahle - ich habe fast keine Chance mehr. Ein Geschäft nach dem nächsten schließt oder ist bereits geschlossen, und die wenigen, die noch vor Ort sind, haben kaum noch Auswahl. Wir haben es so gewollt.

Also suche ich im Netz nach dem günstigsten Preis, scrolle bis zum ersten seriösen Händler und bestelle. Einen Artikel, den ich hier nicht bekomme, für 202 Euro. Am dritten Weihnachtstag. Da hatte ich ja Zeit dafür. Per Kreditkarte gezahlt, Versand kostenlos nach Hause - die Ware verlässt unser Lager noch am selben Tag! Wow.

Ich könnte das Ende der Arie vorweg nehmen, indem ich erwähne, dass ich bis heute noch keine Ware erhalten habe. Aber das wäre nicht so unterhaltsam.

Man mag ja so einem Versandhändler zugestehen, dass er nach Feiertagen (und insbesondere zwischen Feiertagen) sein Versprechen, die Ware verlässt am selben Tag sein Lager, nicht einhalten kann. Immerhin kommt am 02.01., also am vierten Werktag nach meiner Bestellung, der Paketbote zu mir. Kurz vor 17.00 Uhr klingelt er, stellt ein Paket auf meine Fußmatte und hält mir sein Gerät zur Unterschrift hin. Ich sehe, dass das Paket in Fetzen hängt und sage: "Oh, das möchte ich mir erstmal angucken."

Da auch der Inhalt schon klappert und klimpert, verweigere ich gleich die Annahme. Er hält mir wieder sein Gerät hin. "Nein, ich verweigere die Annahme." - "Du nix Paket?" - "Nein, das Paket ist kaputt. Geht zurück." - "Nix Paket?" - "Nein! Zurück!" - "Dein Paket hier. Nix Paket?" - "Nein! Annahme verweigert. Nix Paket, Paket zurück. Da: Kaputt. Broken. Return!" - "Ah." - Er klimperte auf seinem Gerät herum, hielt es mir wieder hin. Und fragte: "Du nix Paket?"

Nix Paket. Als er wieder weg war, schaute ich in die Sendungsverfolgung. "Das Paket ist beschädigt und wird zur Nachverpackung an eine Zustellbasis weitergeleitet. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten. Die Zustellung wird sich um ein bis fünf Tage verlängern."

Am 03.01., gegen 17.00 Uhr, klingelt es erneut. Derselbe Paketbote. Mit demselben Paket. Dieses Mal mit ein paar hübschen braunen Klebestreifen an der Seite des Kartons, die gestern noch in Fetzen hing. Ob sie den Inhalt wohl auch geklebt haben? Wieder hält er mir sein Gerät hin. Ich hole einen dicken schwarzen Faserstift, lasse mir das Paket auf den Schoß stellen, streiche meine Adresse durch und schreibe "Annahme verweigert" in großen Lettern auf den Karton. Was dem Paketboten missfällt. "Nix Paket?"

"Nee. Nix Paket, finished, goodbye", sage ich ihm. Normalerweise rede ich nicht so. Ich möchte den Job nicht machen. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass man, bevor man jemanden alleine auf Tour schickt, nicht überprüft, ob er einen Führerschein hat und ob er "Annahme verweigert" versteht. Verarschen kann ich mich also auch alleine.

Zwei Stunden später klingelt es erneut an meiner Tür. Meine Nachbarin: "Huhu, ich hab Sie gar nicht kommen sehen. Ich habe ein Paket für Sie angenommen." - "Da steht doch groß drauf: Annahme verweigert." - "Ja, ich hab mich schon gewundert, wer das da drauf geschrieben hat."

Ich schreibe also eine Mail an den Absender. Der antwortet sofort: "Dann müssen Sie das Paket an uns zurücksenden." - Ich stehe dafür zwanzig Minuten in einer Filiale des Unternehmens an, zahle sieben Kröten dafür und bekomme heute eine Mail, dass die Ware wieder eingegangen, aber beschädigt sei. Man akzeptiere, dass ich von meinem Widerrufsrecht als Endverbraucher Gebrauch machen möchte, allerdings sei eine Erstattung des Kaufpreises ausgeschlossen, da der Inhalt nicht mehr verkaufsfähig sei.

Ich hätte eigentlich die Nachbarin, die das Paket angenommen hat, im Regen stehen lassen müssen. Gut gemeint ist mal wieder das Gegenteil von gut gemacht. Ich könnte kotzen.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Mal wieder Umzug

Ist ja schon wieder alles mögliche vorbei. Weihnachten vorbei. Silvester vorbei. Jahreswechsel vorbei. Neujahr vorbei. Dritter Praktikumstag in der neuen Klinik vorbei. Dritter Tag des dritten Drittels des praktischen Praktischen Jahres vorbei. Wobei das derselbe dritte Tag war. Und der erste und der zweite sind natürlich auch schon. Vorbei.

Tja. Ich bin ziemlich fertig. Körperlich ausgelaugt. Es waren anstrengende drei Wochen. In denen andere sich erholt haben. In denen ich Weihnachten und Neujahr gefeiert habe. Aber in denen ich auch viel regeln musste, was ich eigentlich schon viel früher geregelt haben wollte. Und nun bin ich bereits wieder Vollzeit beschäftigt, muss nebenbei noch für die letzte Prüfung lernen. Es reicht.

Was sich im letzten Jahr gedanklich verdichtet hat: Ich werde erstmal nicht zu dir zurück kehren. Hamburg, meine hübsche Liebe, du musst in den nächsten Jahren ohne mich auskommen. In dir zu wohnen ist, wenn auch teuer, zwar schön, aber in dir wohnen einfach zu viele Idioten, die mich nicht in Ruhe lassen können. Keine Sorge, ich komme dich sicherlich immer mal wieder besuchen. Und ich werde auch hin und wieder mal in dir schlafen, wenn du erlaubst. Aber mehr ist im Moment nicht drin.

Zum 31.12. musste ich auch meinen Krempel aus meiner Bude am letzten Studienort räumen. Dort hatte sich natürlich mal wieder eine Menge angesammelt. Für das letzte Drittel penne ich anfangs noch in meiner Mini-Ferienwohnung an der Ostsee und pendel täglich mit dem Auto - das passt irgendwie. Während der Prüfungszeit werde ich mir am letzten Studienort ein Hotelzimmer nehmen, das ist günstiger, als die Wohnung noch ein halbes Jahr zu behalten. Am letzten Studienort hält mich nichts. Und ich bin ehrlich gesagt auch froh, dass das Kapitel beendet ist.

Im Moment wohne ich also in meinem gemütlichen Nest an der Ostsee, wo wir auch den Jahreswechsel gefeiert haben. Allerdings sind die Tage in dieser Mietwohnung ebenfalls gezählt, denn auch hier habe ich gekündigt. Ja, großer Umbruch. Hauptsächlich aus steuerlichen Gründen. Und weil die Wohnungsgröße zum dauerhaften Wohnen nicht reicht. Zumindest nicht, wenn frau im Rollstuhl sitzt. Für Ferien, für ein Wochenende oder mal eine Woche im Sommer war es super und die Wohnung ist mir auch sehr ans Herz gewachsen, aber ich brauche etwas, wo ich dauerhaft bequem wohnen kann.

Entscheidend war auch, dass ich mich zum Jahreswechsel um meine Kohle kümmern musste. Bis Ende 2015 profitierte ich noch von einer Geldanlage, die mir aufgrund der langen Laufzeit feste Zinsen in aus heutiger Sicht traumhafter Höhe eingespült hat. Nachdem die aktuelle Zinspolitik aber Vermögen auf Sparkonten verbrennt, habe ich 2015 meine Kohle in physisches Edelmetall und in Aktienfonds deponieren lassen. Das Metall hat in den letzten zwei Jahren jeweils über 6% an Wert gewonnen, die Aktien ziemlich genau 4%. Das Metall fasse ich nicht an, aber einen Teil der Aktiensumme habe ich nun, bevor der nächste Börsencrash kommt, in Wohneigentum verwandelt.

Etwa 10 Kilometer von meinem gemütlichen Nest entfernt hatte jemand barrierearm gebaut, sich dann aus privaten, beruflichen, finanziellen oder whatever Gründen aber anders entschieden. Ich habe keine Ahnung, warum man so etwas macht, vielleicht gab es eine Trennung oder einen Verlust - dieser Mensch wollte nur noch verkaufen. Ich habe diese Information von meiner Bank bekommen, die eigentlich nur nach einer Eigentumswohnung suchen sollte und meinte, barrierefrei finde sich in den nächsten fünf Jahren wohl nix. Eigentlich wollte man mich gar nicht kontaktieren, weil ich nach einer Wohnung gefragt habe... Danach ging alles relativ schnell. Wann bekommt man schonmal ein komplett barrierefreies Haus an der Ostsee angeboten, noch dazu zu einem relativ fairen Preis?

Es handelt sich um einen unterkellerter Bungalow mit ausgebautem Dachboden. Wohnfläche rund 160 m², Grundstücksgröße etwa 700 m², allerdings ist bis auf eine gepflasterte Auffahrt derzeit alles noch Acker. Gut isoliert, Gasheizung mit Brennwerttechnik, ergänzendes Wärmedings auf dem Dach, große Eckbadewanne, Dusche, Gäste-WC, großes Wohnzimmer, alles grau gefliest mit weißen Wänden, Einbauküche fehlt noch. Elektrische Rolläden vor allen Fenstern, hübscher Kamin im Wohnzimmer - was will man mehr? Achso ja, nicht alleine wohnen. Nein, Schatzi zieht nicht mit ein. Aber Marie hat sich dazu entschieden. Soll heißen: Es gibt ein großes Wohnzimmer mit (noch nicht) Küche und jeweils ein eigenes Zimmer für jeden von uns. Wobei sie erst richtig einziehen wird, wenn sie mit ihrer Prüfung fertig ist.

Plus ein Gästezimmer (wer will?). Und einen ausgebauten Dachboden. Der ebenfalls erstmal unbewohnt bleiben wird. Schaun wir mal.

Steuerliche Gründe hatte ich erwähnt. Bis jetzt habe ich nur auf die Zinsen, die ich bis 2015 für meine Sparverträge bekommen habe, kräftig Steuern gezahlt. Worüber ich mich überhaupt nicht beschweren will. In 2016 und in 2017 musste ich überhaupt keine Steuern zahlen, da ich ja kein eigenes Geld verdient habe. Bei der Umwandlung von den Aktien in Kohle für das jetzige Haus habe ich den Jahreswechsel optimal ausnutzen können. Soll heißen: Meine Bank war so freundlich, mir für zwei Wochen eine nicht unerhebliche Summe zu leihen. Das hat mich zwar etwas über 300 € gekostet, allerdings habe ich dadurch rund 7.000 € Steuern gespart, die ich hätte zahlen müssen, wenn ich die ganze benötigte Aktienkohle auf einmal umgewandelt hätte (also innerhalb eines Kalenderjahres, Stichwort: Abgeltungssteuer).

Ein Teil der Kaufsumme wird über einen staatlichen Zuschuss für Niedrigenergiebau finanziert, ein weiterer Teil über einen fast zinslosen Kredit aus dem gleichen Stall. Weil: Es gibt einen Tilgungszuschuss und die jährlichen Zinsen sind deutlich niedriger als die Inflation. Es wäre also ungünstiger, keinen Kredit aufzunehmen, selbst dann, wenn die Kohle vorhanden ist. Klingt verrückt, ist aber so.

Wenn ich jetzt im Sommer einen Job annehme, um damit meine Facharztausbildung zu bekommen, werde ich voraussichtlich unter der Woche wieder woanders wohnen müssen. Und dafür wieder Miete an dem Ort zahlen müssen. Das ist aus steuerlicher Sicht aber günstiger, als wenn ich zwei Wohnungen miete. Eine am Arbeitsplatz und ein kuscheliges Nest an der Ostsee. Klingt auch verrückt, ist aber auch so. Aber wenn ich Marie wieder in meiner Nähe habe, habe ich schon gewonnen.

Was jetzt noch dringend fehlt, ist ein vernünftiger Zaun um das Grundstück, ein gepflasterter Carport und ein Treppenlift im Haus. Der Häuslebauer hatte wohl geplant, den Dachboden für sich zu nutzen und seinen behinderten Angehörigen nur ins Erdgeschoss zu lassen, aber das ist nichts für mich. Ich muss auch in das Obergeschoss kommen. Allerdings nehmen Plattformlifte, auf die man mit dem Rollstuhl drauf fahren kann, zu viel Platz weg und sind zu teuer. Vermutlich wird es also ein einfacher Treppenlift - und oben steht dann ein zweiter Rollstuhl. In den Keller muss ich hingegen nicht unbedingt. Angesichts des Preises (wird fünfstellig), überlegt man sich schon zwei Mal, ob man einen oder zwei Lifte einbauen lässt. Und nach unten und nach oben sind halt zwei Lifte.

Und dann freue ich mich auf den nächsten Sommer. Wenn ich mit dem Handbike zehn Minuten zum Strand brauche.