Sonntag, 11. Februar 2018

Kurz vor fertig

So langsam ist es echt nur noch anstrengend. Ich bin dermaßen reif für die Insel, dass ich am liebsten sofort alles hinschmeißen und auswandern würde. Hat schon mal jemand eine Rollstuhlfahrerin wandern sehen? Eben. Also nix mit Wandern, sondern Zähne zusammenbeißen und den Endspurt durchziehen ist angesagt. Wenn ich nicht noch krank werde, sind es noch genau sieben Wochen, dann bin ich fertig. Fertig, fertig, fertig.

Okay, nicht ganz. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Das Abschluss-Examen wird voraussichtlich Anfang Mai sein. Zwei Stunden mündliche Prüfung über alles, was in den sechs Jahren Studium drangekommen und nicht drangekommen ist. Immerhin keine Multiple-Choice-Fragen.

Ich bin mir sicher, dass ich bei meinem jetzigen Prof, der mich im letzten Drittel meines Praktischen Jahres betreut, fachlich sehr gut aufgehoben bin. Leider habe ich das Gefühl, dass er mich auch attraktiv findet. Was mir natürlich sehr schmeichelt, vor allem mit Blick auf mein sitzendes Dasein. Was aber nervt, wenn er immer kuscheliger wird. Denn ich möchte von ihm ausschließlich fachlichen Input. Und den nur sachlich und verbal. Ich befinde mich gerade in der Situation, in der ich ihm noch nicht gesagt habe, dass ich nichts von ihm will. Ich will das noch möglichst lange hinaus zögern, da ich ein wenig die Befürchtung habe, dass er mich danach fallen lassen könnte. Wenn nicht noch schlimmer - und das muss ich so direkt vor dem Examen natürlich nicht noch erleben.

Beziehungstechnisch läuft es gerade auch nicht. Ich hatte ja bereits vor einem Vierteljahr darüber geschrieben, dass ich weniger emotional an dieser Beziehung hänge als an den bisherigen. Entsprechend hat es mich auch nicht aus der Bahn geworfen, dass er kurz vor dem Examen unbedingt noch aus Eifersucht mit mir Schluss machen will. Ich habe ihm gesagt, dass er sich das nochmal überlegen soll, aber ich schätze das so ein, dass er nicht mehr wieder zu mir zurück möchte. Er meint, dass er an mir geliebt hätte, dass ich so bodenständig gewesen sei. Dass ich einen Mercedes fahre, konnte er sich selbst noch mit Qualitätsverlangen begründen. Aber ein eigenes Haus vor Vollendung des 30. Lebensjahres? Das sei ihm zu abgehoben. Ich sei zu elitär geworden für seine schmalen materiellen Ansprüche.

Dann ist das wohl so. Da er auch meinte, dass ich nur deshalb in den örtlichen Schwimmverein eingetreten sei, um nicht so viel Zeit mit ihm zusammen verbringen zu müssen, kann ich ihn derzeit nicht wirklich ernst nehmen. Die trainieren zwei oder drei Mal unter der Woche und wir haben uns bisher (von zwei Ausnahmen abgesehen) immer nur am Wochenende getroffen. Egal, gehe ich jetzt erstmal mit meinem Delfin ins Bett. Sorry, die Gemeinheit musste raus.

Ich habe inzwischen eine Einbauküche und einen Treppenlift ins Obergeschoss. Und einen Zaun zur Straße und zur Rückseite. Zu den Nachbarn noch nicht, ob das wirklich sein muss, wollen wir gemeinsam entscheiden. Bislang waren die sehr nett - auf beiden Seiten sind ältere Ehepaare. "Wenn Sie im Frühjahr auch Rasen anpflanzen, kann ich Ihren gerne mit mähen. Ich habe, als wir hier eingezogen sind, meinen Aufsitzmäher nicht verkauft, obwohl er für den jetzigen Garten viel zu groß ist. Aber bei Ihrem Nachbarn auf der anderen Seite mähe ich auch gleich immer mit. Als Pensionär habe ich ja alle Zeit der Welt."

Ich habe mich für einen dunkelgrünen Stahlzaun entschieden. Also solche Stabmatten und ein elektrisches Tor, das zur Seite rollt. Haben beide Nachbarn auch, und so sieht es wenigstens einheitlich aus. An den Zaun kommt eine blickdichte Hecke. Nicht kompliziert. Allerdings hat das elektrische Tor nur 48 Stunden gestanden, bevor die Firma, die die Küche anlieferte, mit ihrem Lkw dagegen gefahren ist. Kratzt mich aber irgendwie gar nicht. Die Firma, die das aufgestellt und einbetoniert hat, kommt nächste Woche noch einmal, und den Schaden zahlt die Versicherung. Sieht im Moment etwas albern aus - und ich sag noch: Parkt auf der Straße! Nee, man musste ja rückwärts bis ans Küchenfenster fahren und anschließend die Kurve zu eng nehmen.

Und sonst so? Ich wünsche mir den Sommer herbei! Ich habe echt keinen Bock mehr auf dieses kalte, nasse Wetter.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Endlich ein neues Lebenszeichen. Wenn auch nicht so toll mit der Trennung vom Freund. Etwas weniger Stress und etwas mehr Sonne wünsche ich dir.

Anonym hat gesagt…

Ein eigenes Haus vor Vollendung des 30. Lebensjahres ist wohl heute selten, wenn man nicht geerbt hat... aber wer auf dem Blog hier mitbekommen hat, was für unglaubliche Mühen es kosten kann, eine barrierefreie Mietwohnung zu finden, kann dir den Wunsch wohl kaum verdenken.

Olli hat gesagt…

Ich finde schade, was da für ein komischer Sinneswandel beim nun Ex-Freund rausklingt. Und ob das Eifersucht oder eher was aus der Ecke Neid/Minderwertigkeitsgefühl ist von wegen Haus vor 30 ist wohl die Preisfrage.

Bodenständig kann man m.E. auch mit einer Armada von Mercedes-Modellen und ganzen Häuserblocks in Hamburg sein. Genauso, wie manche wegen vereinzelter Besonderheiten elitärst abheben (ich wollte schon abgehen schreiben) können - besondere Hochschule, seltenes Auto, teure Uhr usw..

Das Jule offensichtlich mehr Geld als andere hat ist das eine - das sie ein ganz prima Mensch ist, der sich nicht zuförderst über Karrieremaximierung oder Vermögenspotential definiert das andere.

Schreibt ein Privatier (der sich dazu nur bei [Privat-^^]Bank und engster Familie bekennt), der den Lidl schätzt und auch für 10.- Rechnungsdifferenz gerne sachlich diskutiert.

Jule weiterhin nur das Beste im Studium und auch in Bezug auf den Prof. eine für beide gute Lösung/weitere Entwicklung (wie die aussehen könnte, vermag ich nicht zu beurteilen).

Anonym hat gesagt…

Jura ist zwar nicht Medizin, die Tipps im Video werden aber ebenso übertragen werden können :)

https://m.youtube.com/watch?v=EokjA5lbAtA

DerSilberneLöffel hat gesagt…

Zum Freund: Tschüß, Kindskopf. Wer Gründe für eine Trennung sucht, der findet auch welche.

Zum Studium: Go Socke, go Socke...!

Zu den Handwerkern: Nuff said.

Anonym hat gesagt…

Hmmm Eifersucht von einem der in den swingerclub wollte?

Und dass er es sich überlegen soll hätte ich mir verkniffen. Selbst wenn er das tut , wird er dich nie wieder ernst nehmen.

Zum Geld: Mitleid kriegt man geschenkt, neid manchmal auch ;-)

Edelnickel hat gesagt…

Blöd mit dem Ex. Einen solch missgünstigen Menschen braucht man aber auch nicht im Leben, schon gar nicht als Partner. Schade, er klang anfangs echt toll. Ich hoffe, dir geht es damit gut.

Schön, mal wieder von dir zu hören. Viel Erfolg in deinem Endspurt, lass es dir gut gehen und versuche trotzdem, Pausen zu machen. Und lass dich nicht vom Arzt ärgern. ;)

Anonym hat gesagt…

Elisabeth Elisabeth seit Jahren schöner Blogg! hoffe man sieht sich bald mal wieder!