Mittwoch, 1. August 2018

Nein.

Nein. No. Nothing. Na. Nada. Nao. Ne. Nee. Nei. Nema. Net. Nic. Niente. Niets. Nihil. Nincs. Non. Nu. Ei. Hayir. Ingen, ingenting, intet. Kee. Rien ne va plus.

Verarschen kann ich mich alleine. Es hätte mir gleich komisch vorkommen müssen, wenn eine Klinik mich so umwirbt. Im Aufhebungsvertrag, den mein Anwalt mit meinem ersten und inzwischen ehemaligen Arbeitgeber ausgehandelt hat, legt die Klinik sehr viel Wert darauf, dass über die Gründe Stillschweigen bewahrt wird. Daher hat er mir empfohlen, nicht öffentlich zu schreiben, was genau mich bewegt hat, dort sofort alles hinzuschmeißen und mir einen neuen Job zu suchen.

Soviel kann ich aber sagen: Man muss sich nicht alles gefallen lassen. Ich bin ja einiges gewohnt und auch (inzwischen) bestimmt nicht (mehr) auf die Klappe gefallen, aber am Arbeitsplatz möchte ich mich auf meine eigentliche Arbeit konzentrieren und nicht die meiste Zeit damit verbringen müssen, innerbetriebliche Führungsprobleme auszubügeln.

Eigentlich wollte ich einen Monat frei machen, nun hatte ich nur wenige Tage frei und bin seit heute in einer anderen Klinik. So nah an meinem Wohnort, dass ich pendeln kann. Pädiatrie, also Kinderheilkunde. Stationsalltag, Schichtdienst, auch nachts. 200 Euro monatlich mehr, aber das war gewiss nicht der Grund, warum ich mich dafür entschieden habe. Hier ist wesentlich mehr Stress, dafür aber freundliche Kolleginnen und Kollegen. Zumindest dem ersten Eindruck nach. Das Haus ist wesentlich moderner ausgestattet, dafür sind aber auch viele Abläufe übermäßig strukturiert und es herrscht eine viel größere Anonymität.

Acht Ärzte teilen sich einen PC, im Ruheraum stehen zwei Betten, der Kühlschrank für Personal-Getränke wurde aus dem Aufenthaltsraum verbannt, weil er irgendwelche betrieblichen Normen nicht erfüllt und in meinem schnurlosen Telefon ist permanent der Akku leer. Dafür bekomme ich meine Klamotten wieder gestellt, ich muss erfreulicherweise keinen Kittel tragen, sondern nur Hemd und Hose. Leider keine weißen Jeans, sondern dunkelblaue Einheits-Baumwoll-Hosen, die entweder unten zu kurz oder oben zu weit sind.

Richtig spektakulär war am ersten Tag nichts. Meine Chefin wollte mir zuschauen, wie ich einem Kleinkind einen Venenzugang lege. Lief anschließend rund zwei Stunden, immer wieder telefonierend, hinter mir her. Sie war begeistert, als ich beim routinemäßigen Abhören einer Fünfjährigen einen Herzfehler im Stethoskop gehört habe und erwähnte das auch gleich, als der Chefarzt sich nach mir erkundigte. Er tauchte plötzlich auf, winkte meine Chefin nach draußen, ich konnte es aber trotzdem hören: "Wie macht sie sich?" - "Gut bislang. Sehr gut sogar, würde ich sagen. Hat Ohren wie ein Luchs und hört eine klickende Herzklappe drei Meilen gegen den Wind."

Er kam herein, steuerte direkt auf mich zu, nahm meine rechte Hand in seine beiden Hände und sagte betont freundlich und fröhlich: "Aaaaach, die neue Kollegin, schon mit ersten Erfolgen, hab ich gehört. Ich bin ..., wir hatten noch nicht das Vergnügen. Weiter so, ja?! Und falls Sie irgendwelche Fragen haben oder auch Probleme, ich stehe Ihnen selbstverständlich immer zur Verfügung."

Ich bedankte mich artig. Knicks ging nicht. Er nickte und verschwand genauso schnell wie er gekommen war.

Als ich Marie, die jetzt im letzten Drittel ihres Praktischen Jahres ist, von meinem ersten Tag erzählte, meinte sie: "Klingt doch erstmal ganz gut. Vielleicht finde ich dort ab Januar 2019 ja auch eine Stelle." Ich glaube, die Chancen sind wohl gut.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Ok, kommt nach deinem Blogpost von vor einem Monat nicht wirklich überraschend.
Aber gut, dass du es so schnell festgestellt hast.
Wieso eigentlich ein Aufhebungsvertrag? Hast du etwa auf die Probezeit verzichtet?

Wenn Marie nicht in irgendeine seltene, hochbeliebte Fachrichtung will, dann sollte sie eigentlich an einem Krankenhaus, das sich recht groß anhört, leicht eine Stelle finden.

Jule hat gesagt…

@18.49: "Wieso eigentlich ein Aufhebungsvertrag? Hast du etwa auf die Probezeit verzichtet?"

Kein Verzicht, aber eine ordentliche Kündigung (mit Frist, innerhalb der Probezeit) war keine Alternative. Eine fristlose Kündigung wäre nach Einschätzung meines Anwalts berechtigt gewesen. Das sah wohl auch das Krankenhaus so, denn sie haben per Vertrag zugestimmt, Schadenersatz für die angemietete Wohnung, für die ich noch zwei Monate Miete zahlen muss, sowie die Umzugskosten zu zahlen.

Anonym hat gesagt…

Níl (irisch: nein)
Dim (walisisch: nein)

ThorstenV hat gesagt…

Schön, dass Wasauchimmer schadlos an dir vorüber gegangen ist. Das ist alles, was ich darüber wissen muss.

Wulf hat gesagt…

Nochmal hallo liebe Jule,
ich bin einer der Leser, die Deinen Blog "wohlwollend aus der Ferne" verfolgen, wie Du das mal so schön formuliert hast, und da kribbelt es mir schon seit längerem in den Fingern, einen Kommentar los zu werden:
Irgendwie ist jedes von Dir geschilderte Einzelereignis zwar manchmal ziemlich kurios, aber doch nicht sooooo ungewöhnlich. In der Gesamtheit betrachtet drängt sich aber doch der Verdacht auf, dass an Deiner Theorie in Bezug auf den Idiotenmagneten etwas dran ist. Ich frage mich echt, wo, wann und wie Du diesen Magneten aufgegabelt hast, denn Du musst ihn schon vor Deinem Unfall gehabt haben...
Aus physikalischer Sicht muss ich Dir aber sagen, dass es keine magnetischen Monopole gibt. Jeder Magnet hat immer zwei, entgegengesetzte Pole. Der andere Pol Deines Idiotenmagnets zieht offensichtlich ganz wunderbare Menschen an. Versuch Doch einfach manchmal im Alltag Dich für einen Moment zurückzulehnen und Dir bewusst zu machen, wann, wo und vor allem bei wem diese Seite des Magneten ganze Arbeit geleistet hat. Mir fallen da einige Situationen ein, von denen Du erzählt hast, in denen diese Seite des Magneten nicht nur tolle Menschen neu angezogen hat, sondern sie auch bei Dir gehalten hat in Zeiten, in denen Du es selbst nicht konntest.

Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass diese Seite die Oberhand behält und noch sehr lange ganze Arbeit leistet!