Freitag, 14. Dezember 2018

Zu viele Gedanken

Es ist ja keinesfalls so, dass ich nur bescheuerte Kollegen um mich herum schare. Ich bekomme hin und wieder Kommentare oder Nachrichten, dass der Eindruck entstünde. Nein, selbstverständlich ist die Mehrzahl der Menschen, mit denen ich irgendwie zu tun habe, so, wie ich mir meine Umwelt vorstelle und wie ich sie akzeptieren kann. Aber darüber jeden Tag zu bloggen, wäre mir zu langweilig. Und ich glaube, das will auch niemand lesen. Und ich glaube auch, dass ich nach über sechs Millionen Klicks behaupten darf, zu wissen, was gelesen wird. Aber hin und wieder muss ich es dennoch erwähnen. Heute zum Beispiel.

Ich beobachte Menschen ja bekanntlich sehr genau. Nein, ich gaffe nicht, aber mir fallen sehr viele Details auf und ich bin auch sehr kritisch. Übrigens auch mit mir selbst. Zwar vorrangig nach meinen eigenen Maßstäben ... okay, nicht rumlabern, Socke. Komm auf den Punkt.

Es gibt in meinem Arbeitsbereich einen Kollegen, der demnächst in den wohlverdienten Ruhestand geht. Hat vor etwa vierzig Jahren Medizin studiert, damals gleich im Anschluss seinen Facharzt in Kinderheilkunde gemacht und dann im Krankenhaus gearbeitet. Ohne Ambitionen, dort aufzusteigen und Karriere zu machen, sondern er hat einfach nur gearbeitet. Irgendwann war er mal für 10 Jahre als angestellter Arzt in einer großen Praxis, seit fünf Jahren ist er wieder in der Klinik. Er ist sehr freundlich, sowohl zu mir als auch zu den anderen Kolleginnen und Kollegen, und ich habe das Gefühl, er mag mich sehr. Er lobt mich regelmäßig, er interessiert sich für mich, betont immer wieder, dass ich mich bei Fragen immer an ihn wenden kann, fragt immer, wie es mir geht, wünscht mir immer einen schönen Abend oder ein schönes Wochenende, begrüßt mich, je nach Laune, sogar mal mit "Na, mein Mädchen, wie geht es dir denn heute?" - auf Plattdeutsch. Ja, wir sind hier im Norden. Und nein, das ist nicht aufdringlich. Und unaufgefordert würde ich es nicht sprechen. Aber es ist für mich völlig okay.

Das alles wäre wunderbar, wenn ich nicht immer so hohe Ansprüche hätte. Jeder Mensch hat ja seine Schwächen und vielleicht auch seine Fehler, und gerade andere, ältere Generationen haben lange Zeit nach ganz anderen Werten gelebt. Oder leben heute noch nach ihnen. Und auch wenn sie fachlich vielleicht nicht in jeder Nische auf dem aktuellen Stand sind, so haben sie doch jahrzehntelange Erfahrung, die auch für junge Menschen ein Segen sein kann, wenn sie denn partizipieren dürfen. Dennoch: Ich kriege selbst mit ihm, der es eigentlich so gut mit mir meint, regelmäßig einen Föhn!

Zum Beispiel neulich: Er behauptet vor einer Runde versammelter Studenten, immer im Krankenhaus gearbeitet zu haben und ein Kritiker von niedergelassenen Ärzten zu sein. Das seien oft Menschen, die nicht teamfähig seien. Mir sind fast die Ohren abgefallen, als ich das beiläufig hörte. Erstmal finde ich diese These schon unmöglich: Wenn ich an Maries Mama denke, und an ihr Praxisteam, wenn ich daran denke, wie sie Marie und mich im Studium in ihre Praxis eingebunden hat, dann rollen sich mir schon die Fußnägel hoch. Ich habe ihn anschließend direkt darauf angesprochen: "Was erzählst du denn hier für einen Scheiß? Du bist doch zehn Jahre lang in einer Praxis gewesen! Warum verleugnest du das?" - "Das war ja eine Großpraxis, wo wir dennoch im Team arbeiten müssen." - Und dann wird ganz schnell das Thema gewechselt.

Anderes Beispiel: Es gibt einen Kollegen, der eine fundamentale Aversion gegen Akten hat. Der ist fachlich sicherlich sehr gut, aber Dokumentation gehört nunmal zum Job genauso dazu. Ich liebe es, heiß zu baden, aber irgendwann muss ich zumindest mal einen Lappen und etwas Scheuermilch nehmen und die Badewanne auswischen. Irgendwann muss ich mein Rennbike auch mal säubern. Oder das Auto aussaugen. Das gehört einfach dazu. Er nimmt Betäubungsmittel aus dem Schrank und schreibt dazu: Nichts. Das geht nicht. Das fällt auch auf mich zurück, wenn da plötzlich was fehlt. Es ist nicht so, dass er damit Schindluder betreibt. Sondern ich glaube, dass er das völlig korrekt einsetzt. Aber er muss es dokumentieren. Und bekommt deswegen auch ständig Ärger. Er spricht dann immer ganz charmant darüber, wie schlusig er doch sei. Neulich musste ich was eintragen, merke aber, dass der Anfangsbestand nicht stimmt. Also hält das den ganzen Betrieb auf. Die Patientin braucht dringend das Medikament, ich bin anschließend damit beschäftigt, die Liste in Ordnung zu bringen. Um es nicht melden zu müssen, was der schlusige Kollege sofort als Angriff werten würde. Mein väterlicher Kollege steht plötzlich neben mir und sagt: "War das wieder der schlusige Kollege? Meine Güte, wie ist der überhaupt Arzt geworden? Entweder ist der ständig voll oder bedröhnt, anders kann ich mir das bald nicht mehr erklären. Das haben wir doch schon so oft gesagt." - "Redest du mal mit ihm? Als älterer Kollege? Ich habe das jetzt schon so oft gemacht und jedes Mal ist er hinterher sauer auf mich."

Was passiert? Er sagt dem schlusigen Kollegen: "Sie ist da halt sehr genau, ist noch sehr jung und so - schreib da einfach irgendwas rein, damit das stimmt und [Socke] Ruhe gibt." - Hallo? Wieso fällt er mir in den Rücken? Ich spreche ihn auch darauf an, er sagt: "Dachtest du, ich ändere ihn? Ich habe nur eine Lösung für das aktuelle Problem gesucht. Und um Verständnis für dich gebeten. Da musst du mir schon vertrauen. Alles wird gut. Du musst mehr das Große Ganze sehen, sonst verzettelst du dich." - Alles klar, nur die Bücher müssen doch trotzdem stimmen. Sonst brauchen wir den ganzen Zirkus doch nicht zu machen, und wohin das dann führt, wissen doch alle. Was schreibt er rein? Er hat eine Ampulle fallen gelassen. Der ist so dämlich, das ist so unplausibel, wenn dann der nächste Eintrag Tage später von einer anderen Person ist. Wenn ich eine Ampulle runterwerfe, dann hole ich mir sofort einen Zeugen, der die zerbrochene Ampulle sieht, und lasse den das mit unterzeichnen. Und anschließend, und das ist der Knackpunkt, nehme ich die gleiche Ampulle noch einmal raus und mache damit das, was ich vorhatte. Also müsste es zwei Einträge geben. Ist aber nicht mein Problem. Und nein, ich werde nicht petzen gehen. Obwohl es mir gegen den Strich geht.

Drittes Beispiel: Mein väterlicher Kollege kommt auf die Idee, einer jugendlichen Patientin, die bei uns auf der Station liegt, noch ein zusätzliches Medikament zu geben, weil sie so verschleimt ist. Ich will das im Einzelnen nicht beschreiben, weil ich keine inhaltliche Diskussion auslösen will, es ist nur so, dass dieses Medikament in Kombination mit anderen Medikamenten, die sie bereits bekommt, ein absolutes No-Go ist. Steht in jeder Fachinformation, sogar im Beipackzettel, das geht nicht. Sagt er: "Doch, das kann man machen. Zur Nacht nicht, wenn sie schläft, aber tagsüber kann man das durchaus mal tun." - Nun muss ich das aber mit verantworten, spätestens wenn ich davon weiß. Ich sehe das nicht nur kritisch, sondern würde das niemals geben, weil ich es anders gelernt habe. Und sage ihm das auch so. Antwort: "Da bist du einfach zu ängstlich. Ich weiß, dass es diese Probleme, die du beschreibst, nicht gibt. Das sind irgendwelche haftungsrelevanten Vorsichtsmaßnahmen des Pharmaherstellers, sonst nichts." - Und dann ist er sauer, weil ich den Weg trotzdem nicht mitgehen möchte und mein "Fachwissen" höher ansetze als seine "Erfahrung". Und sagt: "Ich werde das bei der nächsten großen Visite ansprechen."

Ich weiß, ich bin noch lange nicht angekommen. Ich weiß auch, dass es immer wieder Differenzen gibt. Aber es ist so anstrengend manchmal. Selbst mit Leuten, die es wohl insgesamt gut mit mir meinen. Argh. Ich denke wohl zu viel darüber nach. Und mache mir zu viele Gedanken.

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Stemm-Eisen und many reasons

Es ist kurz nach halb sechs am Abend. Eine gute halbe Stunde dauert mein Dienst noch, bevor ich endlich nach Hause darf. Personalnot zwingt die Klinik nicht nur zu immer individuelleren Arbeitszeiten, sondern auch noch zu immer individuelleren Einsatzbereichen. "Können Sie mal bitte geschwind in die chirurgische Notaufnahme, dort unterstützen, man erwartet in den nächsten zehn Minuten einen Jugendlichen mit Schnittwunde an der Stirn? Die Kollegen sind alle beschäftigt."

Na sicher. Ich muss durch das halbe Gebäude, weil nur vorne ein barrierefreier Ausgang ist. Die Notaufnahme liegt aber hinter dem Gebäude. Ich muss über einen matschigen Sandweg, Wind peitscht mir eiskalten Regen in völliger Dunkelheit ins Gesicht. Drüben ins Gebäude, die Greifreifen vom Rollstuhl sind so glitschig, dass ich aufpassen muss, nicht gegen die geschlossene Aufzugstür zu rutschen. In der Notaufnahme angekommen, muss ich mich erstmal wieder einsatzfähig machen. Ich tausche mein nasses Hemd gegen ein trockenes, trockene mein Gesicht, wasche und desinfiziere mir die Hände und Unterarme. Draußen auf dem Flur ist Remmidemmi. Ein 17 Jahre alter junger Mann wird auf einer Liege durch den Gang gerollt, ist volltrunken, hat eingepullert, hat eine blutdurchtränkte Kompresse an der Stirn und pöbelt herum.

Ob er sich geprügelt hat oder ob er nur mit dem Kopf irgendwo aufgeschlagen ist, ist nicht festzustellen. Er soll in einem Jugendclub mittig auf einem Billardtisch gelegen und geschlafen haben. "Wissen Sie, wo Sie hier sind? Sie sind im Krankenhaus. Sie sind verletzt am Kopf. Soll ich mir das mal angucken?" - "Nö, ich will schlafen", lallt er. Ich antworte: "Es wäre besser, wenn ich das versorge, nicht dass Ihr Hirn rausläuft. Außerdem bluten Sie am Oberschenkel. Ihre Hose ist voller Blut. Haben Sie eingepullert? Die Kollegin zieht Ihnen mal die nasse Hose aus, okay?" - "Alles schon raus."

Ja fein. Während die Kollegin ihm die nasse und blutverschmierte Hose auszieht, fällt ein Stemm-Eisen aus seiner Unterhose auf den Fußboden. "Müssen Sie noch was abhobeln?", frage ich ihn. Er antwortet: "Ich will renovieren." - Die Kollegin aus der Pflege legt das Ding neben ihm auf den Tisch, ich packe es bei nächster Gelegenheit erstmal aus seiner Reichweite. Nicht, dass ich da mit Nadel und Faden hantiere und er mir damit eine neue Frisur verpasst. Nachdem ich seine Wunden gesäubert und versorgt habe und mir sicher bin, dass das Hirn nichts außer Alkohol abbekommen hat, darf er seinen Rausch ausschlafen.

Als ich endlich zu Hause durch die Tür komme, empfängt mich Helena mit drei Briefen. Orthesen genehmigt wie angefragt. Rollstuhl genehmigt wie angefragt. Termin mit dem Medizinischen Dienst wegen Pflegebedürftigkeit in der Woche vor Weihnachten. Sind die immer so schnell? Helena grinst, wechselt aber sofort das Thema: "Marie und ich haben uns vorhin gegenseitig abgefragt. Sie meine Vokabeln, ich ihre komischen Medizin-Sachen. Kannst du die 12 Hirnnerven auswendig?" - "Na sicher." - "Zähl mal auf!", verlangt sie von mir. - "Wofür willst du die hören?" - "Mach mal bitte." - "Okay: Nervus olfactorius, opticus, oculomotorius, trochlearis, trigeminus, abducens, facialis, vestibulocochlearis, glossopharyngeus, vagus, accessorius und hypoglossus." - "Falsch." - "Okay. Und wie ist es richtig?" - "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, elf, zwölf." - "Du bist doof." - Helena lacht sich kaputt. Und ich habe mir solche Mühe gegeben.

Es ist halb zwei Uhr in der Nacht, als plötzlich jemand an meine Schlafzimmertür klopft. Ganz leise. Und dann reinkommt. Bevor ich richtig wach werde und Licht anmachen kann, schlüpft Helena unter meine Bettdecke, umklammert mich fest. Ich komme aus dem Tiefschlaf, muss mich erstmal orientieren und erstmal checken, was hier abgeht. Ich fasse ihr mit einer Hand an den Hinterkopf und drücke sie an mich heran. Sie weint. Ich streiche über ihre Haare, schiebe die Bettdecke ein Stück herunter. Normalerweise kommt sie nicht mitten in der Nacht in mein Bett gekrabbelt. Hatte sie schlecht geträumt?

Nach fünf Minuten beruhigt sie sich. "Ist alles gut bei dir?", frage ich sie. Sie sagt: "Ja, alles ist gut, ich bin glücklich und ich konnte es alleine nicht mehr aushalten. Ich habe Angst, aus meinem Traum aufzuwachen." - "Aus welchem Traum?" - "Ich denke manchmal, dass ich in einem Traum bin und wenn ich aufwache, bin ich wieder bei [ihren vorherigen Pflegeeltern]." - Was für ein Drama und was für ein Kompliment zugleich. "Nein, das passiert nicht, Helena. Du träumst nicht. Das, was [ihre vorherigen Pflegeeltern] gemacht haben, war nicht okay. Dieser Albtraum ist zum Glück vorbei und du bist jetzt daraus erwacht, wenn du so willst. Du kannst ganz beruhigt sein. Marie und ich passen auf dich auf. Du bist hier in einer ganz anderen Stadt, du wirst [den bisherigen Pflegeeltern] nicht mehr begegnen, wenn du es nicht willst." - "Es ist so schön hier. Ich habe das alles noch immer nicht realisiert. Alleine dass ich mit [ihrer Freundin] reiten kann und hier mein eigenes Zimmer habe und dass ich nicht mehr lügen muss und ihr mich wirklich nicht schlagt. Ich rede schon wie eine alte Oma, oder? Vorhin beim Einschlafen habe ich auch schon geweint. Crying for no reason."

"Da sind schon many reasons, würde ich sagen. Und ich finde es auch gut, dass du das rauslässt und auch erzählst, was dich bewegt." - "Bin ich normal?" - "Du bist sowas von normal, Helena, da mach dir mal keine Sorgen. Und das, obwohl ich 'normal' gar nicht mag." - "Darf ich bei dir schlafen? Es ist wirklich nur für diese eine Nacht."

Sonntag, 9. Dezember 2018

Rundumschlag

Sehr lange haben wir gewartet, noch viel länger musste Helena darauf warten, dass sie nun endlich mal die Therapie bekommt, die hinsichtlich ihrer Einschränkungen dem hiesigen Standard entspricht. Dafür geht es jetzt aber hoffentlich umso schneller. Wir wollen Fortschritte.

Wir haben lange abgewogen, ob es sinnvoll ist, Helena bei Maries Mutter in die hausärztliche Behandlung zu geben. Es sprechen einige Dinge dagegen, insbesondere ist Maries Mutter keine Pädiaterin (also keine Kinderärztin), sie ist persönlich betroffen, und damit besteht immer die Gefahr, dass man ihr fehlende Objektivität unterstellt; andererseits verstehen die beiden sich prächtig und Maries Mutter labert nicht lange um den heißen Brei, sondern fasst auch unangenehme und aufwändige Themen beherzt an. Insofern haben wir uns zusammen mit dem Jugendamt und dem Betreuer darauf verständigt, dass Maries Mutter das am Anfang alles anschieben und koordinieren soll, mittelfristig die verschiedenen Fachbereiche aber selbstverständlich durch Fachärzte in der näheren Umgebung betreut werden. Aber mit Blick darauf, dass es einen ersten Termin meistens erst in drei bis sechs Monaten gibt, war es Gold wert, dass Marie bereits am Freitag mit ihr zu ihrer Mama fahren konnte.

Die drei hatten den letzten Termin und haben dazu über zwei Stunden in der Praxis gesessen. Überweisung zum Kinderneurologen und Termin in der zweiten Januarwoche: Check. Überweisung zum Orthopäden und Termin in der ersten Märzwoche: Check. Überweisung zum Urologen und Termin in der übernächsten Woche: Check. Ärztliche Stellungnahme zur Psychotherapie und Termin für eine Probesitzung bei einer Kinderpsychologin in einer Nachbargemeinde in der nächsten Woche: Check. Verordnung für Knöchel-Orthesen zum Laufen, einen Rollstuhl für lange Strecken (ja, wirklich) und ein Vorspannbike als Alternative zum Fahrrad zum Inhaber "meines" Sanitätshauses gefaxt, der auf telefonische Bitte noch am selben Tag drei Kostenvoranschläge online an die Krankenkasse geschickt hat: Check. Ärztliche Verordnung über eine Insulinpumpe mit ausführlicher medizinischer Begründung an die Krankenkasse geschickt: Check. Antrag auf Feststellung von Pflegebedürftigkeit zusammen mit Vollmacht und medizinischer Stellungnahme an die Pflegekasse geschickt: Check. Antrag auf Feststellung von Schwerbehinderung im Eilverfahren zusammen mit Vollmacht und ärztlicher Stellungnahme an die zuständige Behörde geschickt: Check. Den ganzen Senf in einem PDF-Dokument zusammengefasst und (ohne Befunde) an den Vormund und an das Jugendamt zur Kenntnis geschickt: Check. Am Ende mit rauchendem Kopf aus der Praxis gerollt: Check. Am Abend vom Vormund drei Daumen-hoch-Smileys per Mail zurück bekommen: Check.

Ende Januar haben wir nun auch einen Termin beim Kinderarzt bekommen. Leider müssen wir dafür fast 20 Kilometer fahren. Die Praxis hier im Ort ist nicht ohne Stufen zu erreichen (und alleine lassen wir Helena mit der komplexen Vorgeschichte never ever zum Erstgespräch), die Praxis hat die Note 4,6 aus 20 Bewertungen, das würde mir nicht mal für einen Tierarzt im Notdienst reichen. Vergiss es. Der Kollege, den wir uns jetzt gemeinsam ausgesucht haben, hat aus 35 Bewertungen eine 1,0. Und eine Weiterbildung als Endokrinologe - da kann also nichts verkehrt laufen.

Nach diesem bürokratischen Rundumschlag haben Marie und ich mit Helena noch Klamotten und Bettwäsche gekauft. Auch wenn ich an einem Advents-Samstag normalerweise niemals shoppen würde, gab es noch einen Großeinkauf. Ja, es ist bald Weihnachten, aber Helena soll nicht den Eindruck bekommen, dass das, was sie täglich benötigt und jahrelang versäumt wurde, nun als Weihnachtsgeschenk abgegolten wird. Dafür fallen uns noch jede Menge andere Dinge ein, die dann auch wirklich mal ein Bonbon und keine Notwendigkeit sind. Bis zu einer klaren Entscheidung haben wir uns ja auf das Nötigste beschränkt.

Heute war ich zum ersten Mal seit ganz langer Zeit mal wieder mit meinem Rennbike los. Im Orkan bin ich zwar nicht weggeflogen, aber teilweise blieb mir richtig die Luft weg, als der Wind mir direkt ins Gesicht wehte. Ich musste hin und wieder drei, vier Gänge runterschalten, um einigermaßen im Tempo zu bleiben. Zum Glück hatte ich den Gegenwind auf dem Hinweg und den Rückenwind auf dem Rückweg. Ich bin so glücklich, mich endlich mal wieder auspowern zu können. Ich hatte gehofft, zwischen zwei Schauern hindurch zu kommen, bin aber so richtig triefnass geworden. Also hinterher gleich in die heiße Badewanne. Und jetzt gleich ins warme Bettchen, denn morgen früh beginnt der Tag mit Frühdienst!

Samstag, 8. Dezember 2018

Schnucki

Natürlich kann ich kurzfristig einspringen und Nachtdienst machen. Dass ich mein obligatorisches Mittagsschläfchen vor dem Nachtdienst nicht hatte, ist nicht weiter schlimm. Dass ich heute morgen eine ambulante OP hatte, auch nicht. Natürlich komme ich, damit mein aktueller Lieblingskollege nicht so alleine ist. Und ich weiß zu schätzen, dass es nur Bereitschaftsdienst ist. Dann kann ich mich vielleicht eine Stunde zwischendurch hinlegen. Ist noch Zeit für einen Klogang, bevor ich spontan los muss? Gerade noch.

Der Lieblingskollege begrüßt mich mit: "Na, Schnucki, gehen bei dir zu Hause auch die Uhren nach?" - "Du kannst gerne nachfragen, wenn du meinen Namen nicht richtig verstanden hast." - "Ach komm, 'Schnucki' ist doch süß. Ist nicht böse gemeint." - "Nee, nur sexistisch, ich weiß. Ich geb dir einen Tipp: Lass es einfach sein, auf die Dauer sparst du dir damit jede Menge Ärger ein." - "Sind wir heute wieder zickig?" - "Du raffst es nicht, oder? Dir haben das doch jetzt schon so viele Leute so oft gesagt, was ist daran so schwierig?" - "Diese Frauenlogik ist jenseits meiner Auffassungsgabe." - "Soll ich dir eine geistige Stärkung aus der Apotheke holen?" - "Wie nennt dein Freund dich denn, wenn nicht 'Schnucki'?"

Ich überhöre das und blättere die Übergabevermerke durch. Mein Lieblingskollege wendet sich der männlichen Pflegekraft zu, die die ganze Zeit im Raum ist: "Sie hat auf Durchzug geschaltet." - Die Pflegekraft seufzt tief und geht ohne ein Wort nach draußen. Er wendet sich wieder mir zu: "Wenn Schnucki alles durchgelesen hat, könnte sie ja vielleicht in Zimmer 34 schonmal die Kanüle legen." - "Jetzt hör mal zu, Kollege: Wenn du mich im Dienst nochmal 'Schnucki' nennst, noch dazu vor anderen Kollegen, dann kriegen wir beide richtig Ärger miteinander." - "Soll das heißen, wir gehen demnächst mal zusammen einen trinken? Nein, vergiss es, es macht einfach Spaß, dich zu ärgern. Nimm es einfach nicht so persönlich, ich meine es nicht böse." - "Es belästigt mich. Du kannst gerne dein Haus-Schaf so nennen, aber für Kolleginnen am Arbeitsplatz ist das ungeeignet." - "Am besten kaufst du dir ein Fahrrad. Aber eins, das nicht so klemmt wie du. Zimmer 34, nicht vergessen, übrigens die Schokolade hier kommt von der Mutter der kleinen Luisa und ist sehr lecker!"

Als wir das nächste Mal auf dem Flur aneinander vorbei kommen, singt er: "Schnucki, ach Schnucki, roll mal nach Kentucki, in die Bar 'Old Shatterhand', dort spielt ne Indianerband." - Wie nervig. Keine Ahnung, was man nehmen muss, um so drauf zu sein. Das geht bei ihm ständig so und ich bin (zum Glück) nicht die Einzige.

Um halb drei kann ich mich einen Moment hinlegen. Da er Nachtdienst (und ich Nachtbereitschaft) hat, muss er wach bleiben. Um halb vier piept mein Melder. Als ich auf der Station ankomme, grinst er mich an. Ich überlege, ob meine Haare nicht ordentlich sind oder mein Hemd verknittert ist, er sagt: "Ich mag dein Orgasmus-Face. Oder hast du etwa nur geschlafen?"

Ich würde natürlich gerne etwas unternehmen, denn diese ewigen Sprüche nerven. Leider gibt es immer keinen Zeugen. Und wenn es doch mal einen gibt, wie den Kollegen aus der Pflege, dann sind es Banalitäten. Hinzu kommt, dass meine Oberärztin gefühlt keinen Bock hat, sich um irgendwas zu kümmern. Also eskaliert es irgendwann, und damit es dann fruchtet, schreiben zwei junge Kolleginnen, die er auch schon gefragt hat, ob er ihnen beim Umkleiden helfen soll und warum sie keine schwarzen Strings unter der weißen Hose tragen etc., bereits alles auf. Schnucki hat es bisher noch nicht getan, protokolliert dann aber ab heute auch mal mit.

Warum können so viele Männer eigentlich Komplimente von sexistischen Sprüchen nicht unterscheiden? Ganz viele können das, aber so viele können das eben nicht. Ist es wirklich so kompliziert?

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Ihre Zukunft

Noch aufregender hätte es nicht mehr sein können. Helena war am Ende so nervös, dass sie ohne Jacke und ohne Schuhe losgehen wollte. Gestern abend fragte sie immer wieder, was passieren würde, wenn sich das Jugendamt gegen unser weiteres Zusammenleben entscheidet. Und was sie am besten sagen soll, und was lieber nicht. Und ob das nicht alles schnell vorbei gehen könnte. Und ob ich nicht doch schon etwas wissen würde. Oder Marie. Wann wir losfahren würden, ob das nicht zu knapp sei, weil es ja einen Stau geben könnte. Und ob ich eine Ahnung davon hätte, was alles gefragt werden würde. Und ob es sein könnte, dass sie schon morgen abend in irgendeiner Einrichtung sei, in die sie gar nicht wolle.

Normalerweise geht Helena um 20.45 Uhr ins Bett, Licht aus um 21.00 Uhr. Normalerweise bringen entweder Marie oder ich sie ins Bett, decken sie gut zu, sprechen noch einen Moment über den Tag, streicheln ihr noch einen Moment den Kopf - und oft schläft sie dabei schon ein. Auch wenn sie schon 12 Jahre alt ist, ein Einschlaf-Ritual ist ihr enorm wichtig. Und ihr ist wichtig, dass alles in Frieden und in Ordnung ist. Gestern war sie nicht zur Ruhe zu bekommen. Um 21.30 Uhr habe ich sie alleine gelassen, um 21.45 Uhr kam sie weinend wieder zu uns. Dann saß sie fast eine Stunde wie ein Affenbaby auf Maries Schoß, ihren Kopf zwischen Maries Schulter und der Sofalehne, bis sie endlich so ruhig war, dass sie von sich aus wieder ins Bett ging. Als ich 30 Minuten später noch einmal um die Ecke guckte, war sie immer noch wach und hatte im Dunkeln ein Hörbuch leise laufen. Um 23.30 Uhr hat Marie ihr dann noch einen warmen Tee gekocht, als sie den getrunken hatte, schlief sie ein.

Heute morgen hat sie keinen Bissen gegessen. Auch wenn wir geahnt haben, in welche Richtung das gehen wird, weil man immer wieder bis ins letzte Detail alles abgeklopft und nachgefragt hat (was man nicht machen müsste, wenn man an anderen Lösungen arbeitet), sicher waren wir uns bis zum Schluss nicht, wohin die Reise gehen würde. Als wir dann endlich vor der Zimmertür der Mitarbeiterin standen, bei der wir einen Termin hatten, wurden wir gebeten, in einen anderen Raum am anderen Ende des Gebäudes zu wechseln. Und dann hieß es, man würde Helena von uns trennen und sowohl mit ihr als auch mit uns zunächst getrennt sprechen wollen. Das war der Moment, wo mir mulmig wurde. Und Marie auch, ich sah es an ihrem Blick.

Helena erzählte hinterher, dass die Frau, eine Psychologin, sich mit ihr unterhalten hat und alles mögliche über ihre derzeitige Situation bei uns wissen wollte. Wann sie aufstehen muss, wie es in der Schule so läuft, ob Maries Mutter nett ist, wovor sie Angst hat, ob sie Zukunftspläne hat, ob wir uns schonmal gestritten haben, welche Hobbies sie derzeit hat, wann Marie und wann ich nicht gestört werden möchten, ob sie mit mir oder mit Marie mehr kuschelt, wie oft es ihr Lieblingsessen gibt und welche Aufgaben sie im Haushalt hat, wieviel Taschengeld sie bekommt und wovon sie nachts träumt, wer ihr die Fußnägel schneidet und ob sie ihre Schulhelfte vorzeigen muss. Und etliche andere Dinge, die ich schon wieder verdrängt habe.

Und wir? Wir durften der pädagogischen Sachbearbeiterin etliche Nachfragen beantworten zu dem "Konzept", das wir eingereicht hatten. Nachfragen, die sich eigentlich anhand des Textes beantworten lassen, aber auch Nachfragen, die wir -teilweise ganz bewusst- nicht beleuchtet hatten. Nach etwa einer halben Stunde kam die Chefin der Sachbearbeiterin dazu, dann kam Helena mit der Psychologin wieder, dann noch ihr Vormund, am Ende saßen wir zu siebt an einem runden Tisch. Und dann ließ man endlich die Katze aus dem Sack.

Es ist so, wie Maries Mutter schon prophezeit hatte: Sie können nicht mehr zurück. Und wollten das hoffentlich auch nicht. Nicht zuletzt wegen der Schule. Die Psychologin betonte drei Mal, dass sie sehr unter Zeitdruck stünde und gerne zuerst etwas dazu sagen und dann zum nächsten Termin möchte, am Ende gab es von ihr dann nur ein: "Alles wie vorab besprochen, ich unterschreibe das später, meinerseits gibt es keine Bedenken und eine eindeutige Empfehlung." - Da wussten Marie und ich schon, wie der Hase laufen wird, Helena begriff es noch nicht. Sie wurde noch einmal gefragt: "Möchtest du weiterhin dort leben, wo du jetzt bist, oder sollen wir uns um eine andere Möglichkeit für dich kümmern?" - Ihre Antwort: "Bitte keine andere Möglichkeit." - Was natürlich sofort eine Nachfrage auslöste: "Also möchtest du da bleiben, wo du jetzt bist?" - "Wenn ich das entscheiden darf, dann möchte ich unbedingt da bleiben. Ich kann mir kein besseres Zuhause vorstellen. Ich bin so glücklich dort und ich wäre sehr traurig, wenn ich von Jule und Marie weg muss. Muss ich das?"

Die Mitarbeiterin guckte mich an. Ich sagte: "Von uns aus nicht. Wir freuen uns, wenn sie bei uns bleibt."

Dann sagte sie: "Von uns aus auch nicht."

Helena guckte Marie und mich abwechselnd mit großen Augen an. So langsam realisierte sie, was die Antwort bedeutet. Plötzlich fing sie zu weinen an. Die Mitarbeiterin bekam das zuerst nicht mit, erst als die Psychologin sie anguckte und mit dem Kopf in Helenas Richtung nickte, unterbrach sie ihren Satz und sagte: "Ach Mensch. Alles sehr bewegend." - Helena antwortete: "Nee, ihr entscheidet hier gerade über meine Zukunft und die ist mir wichtig. Da muss ich auch mal drei Tränen rauslassen dürfen, sonst platz ich hier gleich." - Ich hätte am liebsten gleich mitgeheult. Aber ich habe ja gelernt, mich zusammenzureißen. Helena trocknete ihre Tränen mit dem Ärmel. Ich schob ihr ein Paket Papiertaschentücher über den Tisch.

Das Jugendamt und der Vormund (und auch das Familiengericht, wie ich später erfahren habe) haben zugestimmt, dass Helena weiterhin bei uns leben darf. Die Veranstaltung soll auf Dauer angelegt werden und wird zunächst bis zum 31.12.2020, also für zwei Jahre, so entschieden. Im Sommer 2020 will man entscheiden, wie es danach weitergeht. Bis dahin soll es eine enge Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jugendamt geben, das ständig über Helenas Entwicklung informiert werden soll und bei Fragen beraten kann.

Als erste technische Schritte wurden vereinbart: Helena soll "unverzüglich einer ambulanten Psychotherapie zugeführt werden", sie soll Physiotherapie bekommen, soll in kinderneurologische Behandlung gegeben und mit den nötigen Hilfsmitteln versorgt werden. Es soll auch ein Behindertenausweis beantragt werden. Und so weiter - im Grunde alles das, was wir auch in unseren Texten ausgeführt haben. Man hat uns also quasi aus der Hand gefressen, was diese und weitere Ideen angeht.

Als wir nach dem Termin endlich im Aufzug standen und die Tür hinter uns zufiel, schnappte sich Helena erst meinen Kopf, nahm ihn in beide Hände und drehte ihn so, dass sie mir nacheinander links und rechts einen Kuss auf die Wange und anschließend einen auf die Stirn geben konnte. Anschließend machte sie bei Marie dasselbe und fragte dann kiebig: "Seid ihr sicher? Ich meine, ihr wisst schon, dass ich ab morgen unausstehlich sein werde?" - "Wir auch, Helena. Kuscheln ist vorbei, ab morgen beginnt der Tag mit Liegestützen, Ordnung und Disziplin." - "Echt?" - "Das heißt: Jawohl, Frau Socke." - "Das fehlte noch."

Die gute Nachricht: Das Jugendamt zahlt künftig monatlich einen Grundbetrag von 579 Euro für den Kindes-Unterhalt sowie 360 Euro für den Pflege- und Erziehungs-Aufwand. Dieser Betrag ist erhöht wegen ihrer Behinderung und dem damit verbundenen Mehraufwand. Dazu kommen noch 194 Euro Kindergeld, so dass uns im Monat für Helena 1.133 Euro zur Verfügung stehen. Das ist okay, finde ich. Jeweils 42 Euro monatlich werden in Maries und meine Rentenkasse eingezahlt.

Die schlechte Nachricht: Die Zeit bis gestern gilt als "Besuch", da kommt das Jugendamt für keinerlei Kosten auf. Auch nicht für unsere Auslagen, die wir bis heute hatten (insbesondere Klamotten). Allerdings, und ab hier wird es wieder gut, wird für die Erstausstattung mit Möbeln und Bekleidung eine Beihilfe in Höhe von insgesamt maximal 800 Euro gewährt. Wir können also nochmal einkaufen und künftige Rechnungen bis zum Höchstbetrag einreichen.

Normalerweise würde auch noch ein Weihnachtsgeld von rund 42 Euro gezahlt werden. Allerdings wird das am 5. Dezember ausgezahlt, und da wir erst ab 6. Dezember Leistungen bekommen, fällt das für dieses Jahr ebenfalls flach. Ich schätze, dass wir uns noch mit vielen bürokratischen Besonderheiten beschäftigen werden müssen. Die gefühlt zwei Dutzend Merkblätter und Bescheide habe ich noch gar nicht alle durchgelesen.

Als wir wieder im Auto saßen, wollte Helena als erstes Maries Mutter anrufen. Die Praxismitarbeiterin stellte sie in die Warteschleife und kurz danach war sie direkt dran: "Weißt du, was dabei rausgekommen ist? Ich darf bleiben. Wir sehen uns also demnächst noch öfter." - Marie erzählte mir später, dass ihr Papa Marie gestern abend noch angerufen und ihr alles Gute gewünscht hat. Er drücke die Daumen - offenbar hat es etwas genützt.

Wir müssen nun erstmal alles ordnen. Auch wenn ich nie Angst hatte, dass es schief gehen könnte, ich hatte bis zuletzt Zweifel, ob das klappen wird. So komisch es klingt, irgendwie habe ich das verdrängt. Umso erleichterter bin ich, dass wir die Ungewissheit hinter uns lassen konnten. Und nun endgültig vor einer Aufgabe und vor einer Herausforderung stehen, auf die ich mich sehr freue.

Sonntag, 2. Dezember 2018

Aufräumen, Anfall

Am Freitag muss ich unters Messer. Na gut, Messer ist übertrieben. Aber geschnibbelt wird schon. Oder vielleicht auch nur gestanzt. Unter meinem Fuß habe ich einen Pigmentnävus, also einen Leberfleck, den meine Hautärztin gerne entfernen möchte. Genauer genommen sind es zwei in einem, von denen einer asymmetrisch und in seiner Begrenzung unscharf ist. Für mich ist das unter dem Fuß weniger ein kosmetisches Problem, sondern ein gravierendes, was die Heilung der Wunde angeht. Da meine Füße weniger durchblutet sind und kaum bewegt werden, wird der Heilungsprozess wohl keine 10 bis 14 Tage, sondern eher zwei Monate dauern. Aber was sein muss, muss sein. Ich will ja nicht, dass daraus irgendwann mal ein Melanom wird.

Für die Wohnung meines Vaters haben wir eine Werkstatt für behinderte Menschen mit der Entrümpelung der Wohnung beauftragt. Emma und ich haben uns am Freitag dort erneut getroffen, um das zu begleiten. Pünktlich um acht Uhr morgens rangierte ein Lkw mit Hebebühne rückwärts auf den Parkplatz, zwei Personen saßen drin. Für einen Moment dachte ich, das wäre falsch kalkuliert worden, obwohl ich Fotos von der Wohnung per Mail geschickt hatte.

Doch dann kam noch ein vollbesetzter Kleinbus. Sieben Männer und Frauen, alle mit Sicherheitsschuhen, sandfarbener Latzhose, dunkelblauem Firmen-Hoody und Arbeitshandschuhen ausgestattet, stellten sich brav auf. Der Mensch, der den Lkw gelenkt hatte, kam auf mich zu und gab Emma und mir die Hand. Ich rollte dann einmal durch die Runde, um auch den anderen acht Leuten die Hand zu drücken.

Einer von ihnen fragte gleich: "Oh, du sitzt im Rollstuhl. Hast du auch Arbeit?" - "Ja, hab ich." - "Das ist super!", antwortete er und klopfte mir auf die Schulter. "Im Büro?", fragte er weiter. Ich antwortete: "Nein, in einem Krankenhaus." - "Oh, da möchte ich nicht arbeiten. Da sind ja lauter kranke Leute!" - "Mir macht das Spaß." - "Ich arbeite beim Möbel tragen. Das ist anstrengend. Aber besser als Gärtnerei. Da war ich vorher. Da hatte ich immer Husten und Schnupfen, weil wir immer draußen waren. Möbel tragen ist besser." - Sein Kumpel gab ihm einen Stoß in die Rippen: "Wir sollen nicht so viel sabbeln, wir sind zum Arbeiten hier." - Er rieb sich grinsend seine Hände und konnte es kaum erwarten, dass es los ging. Dann sagte er zu sich: "Und immer dran denken: Wir können keinen Schaden gebrauchen. Nicht gegen die Wände ballern und die Türrahmen ganz lassen." - Ein anderer, sehr kräftiger Typ, sagte: "Wie kannst du am Morgen schon so viel labern, ey!"

Nachdem das geklärt war, wurde sondiert. Die Gegenstände, die noch brauchbar waren, bekamen eine Kennzeichnung und sollten zum Schluss heruntergetragen werden. Alles andere nahm seinen Lauf. Irgendein Nachbar stand plötzlich in der Wohnung und kam auf mich zu: "Was ist denn hier los?" - "Wohnungsauflösung." - "Ist er im Heim? Oder ... verstorben ist er nicht, oder?" - "Mein Vater ist verstorben, ja." - "Oh, das tut mir leid. Ich habe mich immer schon gefragt, ob er keine Kinder hat, die sich um ihn kümmern, aber Sie sind ja auch behindert. Sind das alles Schwachsinnige, die hier heute helfen?" - "Nein." - "Aber normal sind die doch nicht, oder?" - "Doch, völlig normal." - "Ich dachte, das wären Schwachsinnige, ich habe den Lkw mit der Aufschrift draußen gesehen." - Ich wandte mich ab. Hätte er nochmal 'Schwachsinnige' gesagt, wäre mir der Kragen geplatzt. Zum Glück waren alle so beschäftigt, dass sie das nicht mitbekamen. Emma übernahm das Wort: "Am besten gehen Sie jetzt mal wieder aus der Wohnung, wir haben hier zu tun. Guten Tag!"

Die Aufgaben waren klar verteilt. Ein Anleiter schraubte zusammen mit einem Mitarbeiter die großen Möbel auseinander, alle anderen trugen den ganzen Kram die Treppen runter. Der andere Anleiter stand unten und belud den Lkw. Nach drei Stunden war der gesamte Sperrmüll im Auto. Einschließlich des ganzen Gerümpels aus dem Keller. "Wir fahren das jetzt weg und machen Pause, anschließend räumen wir dann die Sachen aus, die bei uns aufbereitet und weiterverwendet werden."

Um 14 Uhr war die Wohnung besenrein. Während die ganzen Leute unten an den Fahrzeugen warteten, füllte jemand mit mir die Papiere aus. Ich fragte: "Dürfen Ihre Mitarbeiter Trinkgeld bekommen?" - "Nachdem alles erledigt ist, ja." - "Was wird da so gegeben?" - "Das ist unterschiedlich. Bei so einem Auftrag zwischen zwei und zwanzig Euro. Einige geben aber auch gar nichts." - Mit Blick darauf, dass diese Menschen durchschnittlich etwa 160 bis 180 Euro im Monat verdienen, über die sie frei verfügen dürfen, stellt sich mir die Frage nach einem Trinkgeld nicht. Es ist alles zügig abgearbeitet worden, es ist nichts beschädigt worden - das hätte eine andere Firma auch nicht besser gemacht. Ich war entsprechend vorbereitet und gab sieben Leuten jeweils 20 Euro. Alle bedankten sich, mein redseliger Freund, der nicht im Krankenhaus arbeiten wollte, klatschte in die Hände und sagte: "Das hat sich ja mal wieder gelohnt! Und das nimmt mir keiner weg! Trinkgeld ist Trinkgeld! Das kommt zu Hause gleich in meine Spardose." - "Worauf sparst du denn? Darf ich das wissen?" - "Auf ein Tablet. Filme gucken bei Youtube. Aber keine Pornos, dann wird Nina richtig sauer. Die kann richtig ausrasten." - "Nina ist deine Freundin?" - "Wir sind Silvester acht Jahre zusammen. Guck!", sagte er und zeigte mir nicht etwa ein Foto von ihr, sondern acht Finger.

Da der Mietvertrag eine unwirksame Renovierungsklausel hat, werden wir die Wohnung nur besenrein übergeben. Der Vermieter hat sich bereits darauf eingelassen. Er wollte lediglich eine Sterbeurkunde sehen und hat die Kündigung, die eigentlich erst zum 28. Februar möglich wäre, zum 15. Dezember akzeptiert. Vermutlich will er keinen Leerstand und ab Januar neu vermieten. Oder ist froh, wenn das Kapitel ein Ende hat. Oder dass er nicht selbst aufräumen musste. Keine Ahnung.

Worüber ich sehr sauer bin: Die Stelle, die seine Pension zahlt (er war Beamter), hat seine Bank über seinen Tod informiert. Mit der Folge, dass die das Konto gesperrt hat und alle Abbuchungen zurückgerufen hat. Mit entsprechenden Gebühren. Miete, Telefon, Strom, Zeitungs-Abo. In Zeiten, in denen Datenschutz groß geschrieben wird, ist das höchst interessant. Die Bank möchte einen Erbschein, vorher reden sie nicht mit mir. Sagenhaft!

Auf dem Rückweg, keine zehn Kilometer vor meinem Zuhause, die Ostsee ist schon in Sichtweite, steht auf einer Bundesstraße im Tempo-50-Bereich, am Ende einer Ortschaft, ein Kleinwagen am gegenüberliegenden Straßenrand. Daneben, auf dem Gehweg, liegt eine Frau. Ein Mann, vermutlich der Fahrer, schüttelt und rüttelt sie. Hatte er sie angefahren? Mein Herz beginnt zu rasen. Da die Straße frei ist, fahre ich nach links auf die andere Straßenseite, schalte das Warnblinklicht ein und kann so auf der Gehwegseite aussteigen. Der Mann ist völlig hektisch. Rollstuhl zusammenbauen, Handy mitnehmen. "Was ist passiert?"

"Meine Freundin hat im Auto einen Anfall bekommen und um sich geschlagen. Sie ist Epileptikerin. Sie blutet aus dem Mund." - Die Frau lag ruhig auf dem Gehweg und atmete tief. "Drehen Sie sie mal bitte auf die Seite. Nicht, dass das Blut in die Lunge läuft. Und haben Sie eine Decke im Auto? Holen Sie die mal bitte." - "Sie hat hier so ein Medikament, das soll ich ihr geben, hat sie mir mal gesagt. Das kommt in den Po." - Er war völlig überfordert und drückte mir ein Valium-Klistier in die Hand, rannte aufgeregt auf und ab. "Holen Sie mal bitte die Decke", sagte ich. Ich setzte mich aus dem Rollstuhl auf die Erde, mit angewinkelten Knien auf meine Fersen, und drehte sie in die stabile Seitenlage. Blut lief ihr aus dem Mund. Sie hatte sich offenbar auf die Zunge gebissen. Ich kniff ihr mit aller Kraft in den Oberarm. Sie verzog das Gesicht. "Ihre Freundin schläft nur. Atmung und Puls sind völlig normal." - "Sie braucht dieses Medikament." - "Das braucht sie nur, wenn der Anfall nicht aufhört. Wie lange hat sie gekrampft?" - "Vielleicht eine Minute. Sie war vorher schon so merkwürdig still und angenervt. Sind Sie sicher, dass sie das Medikament nicht braucht?" - Ich sagte ihm, was ich beruflich mache und im selben Moment entspannte sich sein Gesicht, seine ganze Haltung, und er fing zu weinen an. - "Tschuldigung", sagte er und drehte sich weg. "Ich kann sie nicht leiden sehen."

Hauptsache, er kippt mir nicht auch noch um. Weitere Autos hielten nach und nach an. Merke: Sobald einer Erste Hilfe leistet, kommen weitere dazu. Leistet keiner Erste Hilfe, möchte kaum einer der Erste sein, und alle fahren vorbei. Zum Glück fing niemand an, mit dem Handy zu filmen. Womit man ja heute immer rechnen muss. Ich schickte die Leute weg. Ein Rettungswagen sei unterwegs. Das erschien mir angesichts des überforderten Freundes die beste Lösung zu sein. Gefühlte zehn Minuten später kam der Rettungswagen. Als die Sanitäter sie auf die Trage hoben, machte sie die Augen auf und guckte mich an, seufzte tief. Sprach wenige Worte. Wollte ins Krankenhaus. Am Ende saß ich völlig durchgefroren wieder im Auto. Vielleicht sollte ich mir, wie Maries Mutter, doch mal einen Notfallrucksack ins Auto stellen. Problem dabei ist nur: Die Anschaffungskosten trage ich. Die Kosten für den ständigen Ersatz der Medikamente, die mal Frost und mal Hitze abbekommen, auch. Das Risiko, dass einer das Auto knackt, um an die Tasche zu kommen, wäre sehr hoch. Und für einen vernünftig sortierten Rucksack legt man gut und gerne 500 Euro oder mehr hin. Hingegen soll der Rettungsdienst, der den ganzen Kram an Bord hat, nach acht bis zehn Minuten vor Ort sein. Das kann zu spät sein, und dann werde ich mir Vorwürfe machen. Andererseits ... ach, ich weiß nicht.

Samstag, 1. Dezember 2018

Nass und rot

Für den kommenden Donnerstagmorgen lädt uns das Jugendamt zu einem Gespräch ein. Wir werden gebeten, Helena dafür aus der Schule zu nehmen. Ich gehe davon aus, dass man uns spätestens dann sagen wird, ob Helena bei uns bleiben darf. Ich muss gestehen, dass ich schon jetzt extrem nervös bin. Ich hoffe, dass alles gut wird. Bitte drückt uns die Daumen!

Wir kommen inzwischen wirklich sehr gut miteinander zurecht. Wenn ich zurückdenke an ihre ersten Tage bei uns, hat sie sich wirklich sehr positiv verändert. Sollte sie nicht bei uns bleiben können, dürfte sie uns vermutlich immer wieder besuchen. Aber es würde uns allen Dreien das Herz bluten. Auch wenn wir alle wissen, dass ein Zusammenleben kein Spaziergang ist und auch nie sein wird, ziehen wir alle sehr viel positive Energie und Kraft daraus.

Auch wenn es immer wieder Situationen gibt, in denen ihre Vergangenheit sie einholt. Zuletzt hatten wir eine Situation, die einerseits so banal, andererseits so emotional war, dass ich für einen Moment zweifelte, ob wir überhaupt etwas richtig machen. "Alles" macht sowieso niemand richtig, aber ... mehrheitlich ... irgendwie. Hoffentlich. Helena kommt aus der Schule, redet kaum, gibt kurze knappe Antworten, stochert in ihrem Essen, weicht meinen Blicken aus, guckt nach unten, ist aufgeregt, fast schon fahrig, kämpft offensichtlich mit ihrem Gewissen. Ich spüre, dass sie reden möchte, aber sich nicht den entscheidenden Ruck geben kann. Hat sie eine Klassenarbeit in den Sand gesetzt? Sich mit jemandem gestritten? Irgendwas verloren, beschädigt? Was ausgefressen? Mädchen, rede mit mir. Geteilte Sorgen sind halbe Sorgen und ich fress dich nicht auf. Ich darf nicht anfangen zu glauben, dass ich die Ursache für dieses Verhalten gesetzt habe.

Irgendwann war ich mit meinem Essen fertig. Sie stocherte in den Nudeln, schob sich von Zeit zu Zeit mal eine in den Mund, stocherte weiter. Ich rollte ein Stück vom Tisch weg. "Komm bitte auf meinen Schoß und lass dich trösten." - Sie schüttelte den Kopf. Ich sagte: "Du brauchst mir nicht zu sagen, was dich bedrückt, aber ich möchte, dass dich jetzt mal jemand in den Arm nimmt und dich lieb hat." - Wie auf Kommando kam sie auf meinen Schoß, klammerte sich an mich und fing bitterlich an zu weinen. Ich drückte ihren Kopf an meine Schulter. Sie würde gleich reden. Geduld ist gefragt.

"Ich bin so extrem wütend auf mich. Ich hab die totale Scheiße gebaut und möchte mich am liebsten selbst dafür verprügeln. Ich hasse mich", schluchzte sie. Ich streichelte ihren Kopf. Irgendwann guckte sie mich an: "Jule, ich kann dir nicht sagen, was ich gemacht habe. Ich habe solche Angst, dass ..." - Sie sprach es nicht aus. Ich sagte: "Niemand verlangt von dir, dass du nie einen Fehler machst." - "Ich sag das jetzt einfach. Es bleibt dabei, du schlägst mich nicht, oder?" - "Nein, Helena. Großes Ehrenwort. Egal, was du gemacht hast, ich schlage dich nicht." - "Du kriegst Post von der Polizei. Und ich habe dich angelogen. Dabei wollte ich das nie wieder tun und es hat so gut funktioniert, wenn ich die Wahrheit sage. Ich hasse mich."

Seufz. Post? Hatte sie geklaut? Wohl nicht, dann hätte man sie wohl vorbei gebracht. Oder ich hätte sie abholen dürfen. Fangen wir mal mit der Lüge an. "Helena, alle Menschen lügen. Jeden Tag. Es ist nicht möglich, das ganz abzuschaffen. Mir ist aber wichtig, dass wir uns nicht belügen, weil wir über alles reden können. Und mir ist wichtig, dass du nicht alle Fragen beantworten musst. Du kannst immer sagen, dass du nicht antworten möchtest. Das ist besser als zu lügen." - "Aber dann kennst du die Antwort doch auch, wenn ich nichts sagen will." - "Nicht unbedingt." - "Doch."

Okay. Irgendwann beruhigte sie sich und sagte: "Du hast mich neulich gefragt, warum das eine T-Shirt auf dem Wäscheständer so nass ist." - War das jetzt etwa das Problem? Ich wollte die Wäsche abnehmen, alle Sachen waren trocken, nur ein T-Shirt war fast tropfnass. Auf meine erstaunte Nachfrage hatte Helena gesagt, sie habe sich beim Zähneputzen mit Wasser bekleckert, sie habe es anschließend ausgespült und auf den Wäscheständer gehängt. Ich hatte ihr gesagt, sie könne das auch einfach zur Schmutzwäsche tun. Damit war das für mich erledigt. Hätte sie auf meine Frage: "Wieso ist das denn noch so nass?" einfach mit "Keine Ahnung" geantwortet, wäre es auch erledigt gewesen. Es war meinerseits ein erstaunter Kommentar.

Nun sagte sie: "Ich habe dich angelogen. Ich war damit in der Badewanne." - "In der Badewanne? Hast du schon mal für den Rettungsschwimmschein geübt?" - "Ich hab was ausprobiert." - "Das musst du mir nicht erzählen. Ich finde es nur schade, dass du mich angelogen hast. Habe ich dich zu sehr unter Druck gesetzt mit meiner Frage?" - Sie guckte mich erstaunt an: "Ich selbst. Ich wollte, dass es keiner merkt und als dann die Frage danach kam, habe ich mich tierisch erschrocken und falsch reagiert." - "Das darf dein Geheimnis bleiben. Ich wollte dich mit der Frage nicht in die Enge drängen. Ich hatte mich nur gewundert. Wir sind übrigens früher nach dem Training oft mit den Sportklamotten in den Badesee gesprungen. War ein lustiges Gefühl, wenn das so auf der Haut klebt." - "Kannst du mir verzeihen?" - "Ja. Ist vergessen. Und was ist das mit der Polizei?"

"Ich bin aufgeschrieben worden. Ich habe gesagt, dass ich hier wohne. Der Polizist hat gesagt, es gibt demnächst Post und es kostet fünf Euro. Ich muss das selbst bezahlen vom Taschengeld und ich soll meine Eltern schonmal darauf vorbereiten." - "Oha, fünf Euro? Was hast du denn angestellt?" - "Ich bin bei Rot über die Ampel gegangen." - "Du weißt schon, dass du mit 12 Jahren ein Vorbild für die jüngeren Schüler an eurer Schule bist? Wenn die das nachmachen, ohne zu überblicken, ob die Straße frei ist, ist das sehr gefährlich." - "Da waren keine jüngeren Schüler." - "Das weiß man nicht, den Polizisten hast du ja auch nicht gesehen. Oder?" - "Wir waren nach Schulschluss in einer Vierergruppe, die anderen sind weggerannt und ich kam nicht so schnell hinterher und hätte mich fast noch auf die Fresse gelegt." - "Na super. Helena, bei Rot darf man nicht über die Ampel." - "Soll ich jetzt sagen, dass es nicht wieder vorkommt? Ich will das nicht versprechen. Und dann bleibe ich als Einzige an der leeren Straße stehen, während meine Leute schonmal vorgehen?" - "Im Prinzip ja." - "Du bist noch nie bei Rot über die Straße?!" - "Doch. Wenn man das aber zum Beispiel mit dem Auto macht, kann das richtig teuer werden. Mit Fahrverbot und so." - "Ich zahl die fünf Euro vom Taschengeld. Und dann ist gut. Okay?" - "Ja. Geht es dir jetzt besser?" - "Ich bin immernoch wütend auf mich selbst."

Ich weiß, dass Kinder in dem Alter viele Dinge noch falsch einschätzen. Ich merke aber auch, dass sie früher unheimlich unter Druck gesetzt worden sein muss. Dass sie noch immer Angst hat, bestraft zu werden. Und diese Angst generell da ist und nicht personenbezogen. Ob die bisherigen Pflegeeltern eine Ahnung davon haben, was sie angerichtet haben?